Know-How für Selbstversorger: Boden I

Teil 1 – Was is’n das für’n Typ?

Teil 2 findet ihr hier.

Immer unter unseren Füßen, Jahrtausende alt, abgegraben, erodiert und zubetoniert. Grundlage unserer gesamten Nahrungsmittelproduktion. Ohne Erde, ohne den Boden, wäre ein Leben auf der Erde kaum möglich. Und dennoch werden in Österreich jeden  Tag 12,9 ha versiegelt [1]. Zwar geht seit ca. 2013 der Wert zurück, unproblematisch ist die aktuelle Menge bei weitem nicht!

Das Umweltbundesamt etwa schätzt, dass durch Bodenversiegelung jährlich eine Fläche verschwindet, auf der der Nahrungsbedarf von 20.000 Personen gewährleistet werden könnte. [1]

20.000 Menschen. Das ist eine Stadt in der Größe von Amstetten, die jedes Jahr nicht mehr versorgt werden könnte, würde die Differenz nicht importiert! Die Aufgaben, die der Boden erfüllt, sind extrem vielfältig und gehen bei weitem über die Produktion von Nahrungsmitteln hinaus – zu viel für einen Post! Stellt Euch also auf einige weitere Beiträge zum Thema Boden ein! 😉

Was ist aber Boden eigentlich?

Wie beim Klima könnte man auch beim Boden hunderte von Definitionen bringen, die kluge Menschen aufgestellt haben.

„Boden ist das mit Wasser, Luft und Lebewesen durchsetzte, unter dem Einfluss der Umweltfaktoren an der Erdoberfläche entstandene und im Ablauf der Zeit sich weiterentwickelnde Umwandlungsprodukt mineralischer und organischer Substanzen mit eigener morphologischer Organisation, das in der Lage ist, höheren Pflanzen als Standort zu dienen und die Lebensgrundlage für Tiere und Menschen bildet. Als Raum-Zeit-Struktur ist der Boden ein vierdimensionales System.“

D. Schroeder: Bodenkunde in Stichworten, 1992, S.9

Beschäftigt man sich näher mit dem Thema, so stolpert man recht schnell übe die Begriffe der Bodentypen und der Bodenarten, die ungefähr so oft durcheinander geworfen werden wie die Begriffe Wetter und Klima.

Heute möchte ich mit dem Begriff des Bodentyps widmen und der – für Hobbygärtner und Selbstversorger durchaus interessanten bis wichtigen Frage – widmen, wie man selber herausfinden kann, welcher Bodentyp im eigenen Garten vorherrscht.

Bodentypen

Mehrere Faktoren bestimmen den Bodentyp: das Ausgangsgestein, das Relief, das Klima und die Vegetation beeinflussen, welcher Bodentypus wo vorherrscht und was darauf am besten (oder halt natürlicherweise) wächst. Ich beschränke mich hier auf die Bodentypen, die für die Nutzung als Garten interessant sind.

Braunes Erdreich

Braunerde

Der wohl häufigste Bodentyp ist die Braunerde, die aus verschiedenen Ausgangsgesteinen entstehen kann, solange diese Gesteine kalkfrei sind. Die braune Farbe entsteht durch die im Boden enthaltenen Eisenminerale, welche unter dem Einfluss von Luft und Wasser oxidieren. Je nach Eisenanteil wird der Boden rötlicher oder behält seine namengebende Braunfärbung.

Braunerden können fast jede Ausprägung annehmen, je nachdem aus welchem Gestein sie entstehen: sie können sauer oder basisch sein, sie können sandig, tonig oder voller Steine sein. Insofern lässt sich auch keine grundsätzliche Einschätzung abgeben, wie fruchtbar oder „gut“ Braunerde ist. Dafür braucht man eine zusätzliche Information, nämlich die vorherrschende Bodenart [Artikel folgt].

Fast para-diesisch gut

Parabraunerde

Vom Namen ähnlich, aber doch völlig anders sind die Parabraunerden. Hier braucht es den Kalk nämlich per Definition! Parabraunerden entstehen aus besonders feinem Ausgangsmaterial, wodurch Parabraunerden besonders fruchtbar sind.

Die kalkhaltigen Ausgangsgesteine wurden durch die eiszeitlichen Gletscher zu feinem Staub zerrieben und nach deren Abschmelzen ausgeblasen. Die Bereiche, in denen sich diese Feinsande abgelagert haben, sind heute oft die fruchtbarsten Gegenden: der Gäuboden in Bayern etwa setzt sich in Österreich fort. Besonders im Weinviertel finden sich tiefgründige Lössvorkommen.

Wieso aber sind Parabraunerden so fruchtbar? Während die obersten Bodenschichten sehr locker sind, so dass die Wurzeln sich gut ausbreiten können, sind die tieferen Schichten dichter und tonhaltiger: dadurch fließt eindringendes Wasser langsamer und gleichmäßiger ab.

Schwarz wie Ebenholz

Schwarzerde

Löss ist auch das Ausgangsgestein für die fruchtbare Erde schlechthin: Schwarzerde. Schwarzerden können zu Parabraunerden degradieren (also schlechter werden), wenn sie dauerhaft besonders hoher Feuchtigkeit ausgesetzt sind: durch Auswaschung  und verstärkter Verwitterung verliert die Schwarzerde an Qualität und die bodenbildenden Prozesse verlangsamen sich.

Wie bei der Braunerde ist die Farbe ein guter Hinweis darauf, welcher Bodentyp vorliegt: der ca. 40 cm mächtige, tief-dunkelbraun-schwarze Oberhorizont enthält große Mengen Humus. Humus ist die tote, organische Substanz des Bodens, die Bodenorganismen aus Blättern, Gras und Ähnlichem umsetzt. [Anschaulich kann man das auch in der Wurmkiste beobachten.] Gleichzeitig sind dunkle Böden aber nicht zwangsweise fruchtbar: zu viel organische Substanz, wie etwa in Mooren, lässt den Boden sauer werden. Das Wichtigste an der Schwarzerde ist aber die intensive Bioturbation. Als Bioturbation bezeichnet man die Bewegung, die (Boden)Lebewesen im Bodengefüge verrichten. Da das Gefüge in der Schwarzerde sehr locker ist, ist es für die Bodentiere einfach, sich dort hinein zu graben und so für eine besonders gute Durchmischung und Durchlüftung zu sorgen.

Und wie finde ich jetzt heraus, welcher Bodentyp in meinem Garten ist?

Du kannst einen Profi beauftragen, der den Boden analysiert…

Ausschnitt aus dem deutschen Bodenatlas (www.bodenatlas.de)

Oder du wirfst einen Blick in eine Bodenkarte! Zwar sind diese natürlich generalisiert, das heißt, kleine und atypische Bodentypen werden nicht dargestellt, doch einen Hinweis auf die Bodentypen der Umgebung bekommt man sicher!

Für Deutschland: https://www.bodenatlas.de/
Für Österreich: https://bodenkarte.at

Für die Schweiz existiert derzeit meines Wissens nach kein GeoViewer, er scheint aber in Arbeit zu sein.

Und ein Ausschnitt aus der österreichischen Bodenkarte ( https://bodenkarte.at )

Rausgefunden, welchen Bodentyp Du vor der Haustür hast? Super! Dann kannst Du jetzt ja rausgehen und testen, welche Bodenart es ist!

[1] http://www.umweltbundesamt.at/umweltsituation/raumordnung/rp_flaecheninanspruchnahme/

Ein Kommentar zu „Know-How für Selbstversorger: Boden I

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