Know-How für Selbstversorger: Boden II

Teil 2  – Von Art und Weise

Habt ihr schon herausgefunden, welchen Bodentypen Ihr im Garten haben könntet? Super! Wenn nicht, hüpft doch mal rüber zum Artikel und findet es noch heraus!

Aber auch, wenn es sehr spannend ist zu wissen, welchen Bodentyp man vor sich hat, ist es ein Wissen,  das im Garten nicht ganz so viel Relevanz hat wie die Bodenart. Denn während der Typ Euch zwar viel über das Ausgangsgestein, das Klima oder das Alter des Bodens verraten können und Bodenart und –typ miteinander verknüpft sind, ist die Bodenart der Faktor, in den Ihr eingreifen könnt, um Euren Gartenboden Euch und den Bedürfnissen Eurer Pflanzen anzupassen!

Der recht sandige Boden aus unserem Gemüsegarten. Die Farbe zeigt schon, dass der Garten schon lange genutzt wird und mit Humus gedüngt wurde.

Die Bodenart nämlich beschreibt die Textur des Bodens und beantwortet die Frage der Korngrößenverteilung. Dabei gibt es drei Korngrößenfraktionen, die im Garten interessant sind: Sand, Schluff und Ton. Darüber hinaus unterscheidet man noch Kies und Steine, aber das sind eher die Fraktionen (also Anteile), die man lieber nicht im Garten haben will. Außer natürlich, man will einen „aufgeräumten“, ökologisch bedenklichen Steingarten, eingezäunt und sichtgeschützt durch Gabionen und am besten mit Folie gegen eventuelle Unkäuter ausgestattet…

Während sich unter den Korngrößen Sand und Ton noch jeder etwas vorstellen kann, ist Schluff vielen Laien kein Begriff mehr. Dabei ist das Ganze recht einfach:

Sandkörner haben mit 2 mm bis 0,063 mm die größten Durchmesser, während Tonkörner maximal 0,002 mm groß sind. Dazwischen liegen die Schluffkörner mit einem Durchmesser von 0,002 mm bis 0,063 mm. Die Tonteilchen sind so klein, dass man sie mit dem bloßen Auge nicht mehr erkennen kann!

In der Wissenschaft wird die Verteilung der Kornfraktionen mittels Siebserien analysiert, das heißt, der getrocknete Boden wird durch Siebe mit immer engeren Maschen gesiebt. Der Tonanteil schließlich lässt sich nur mehr in einer Suspension, also aufgelöst in einer Wassersäule, definieren. Je größer die Partikel, desto schneller fallen sie. Für die Verteilung gibt es festgelegte „Fallgeschwindigkeiten“, anhand derer man die Größe der jeweiligen Partikel analysieren kann. Das ist für den Hausgebrauch natürlich zu kompliziert und zu teuer, aber für eine grobe Einschätzung auch nicht unbedingt notwendig!

Bevor wir aber herausfinden, wie die Bodenarten in unserer Gartenerde verteilt sind, ist es hilfreich zu wissen, welche Bodenart welche Eigenschaften hat.

Ein erster Versuch, den Gartenboden auszurollen. Schon nach wenigen Rollbewegungen bricht die „Wurst“. (Und ähnelt dabei bemerkenswert gewissen „Hinterlassenschaften“.

Sand

Jedes Kind, das mit Sand spielt, merkt bald, dass der lockere Sand kein Wasser hält. Das Wasser versickert schnell, wodurch Sand innerhalb kurzer Zeit wieder ausgetrocknet ist. Auch Wärme kann Sand kaum halten.

Zugleich ist Sand aber sehr leicht zu bearbeiten,  weshalb er auch von Pflanzen sehr leicht durchwurzelt werden kann. Leider hält Sand nur wenige Nährstoffe, da sie mit dem durchsickernden Wasser ausgeschwemmt werden.

Der lehmige Boden, den ich aus einem Maulwurfshügel entnommen habe.
Hier sieht man, wie die Erde durch den Ton- und Schluffanteil formbar wird.

Ton

Auch Ton und seine Eigenschaften hat wohl jeder schon spielerisch erkunden dürfen: Ton ist eine schwere, feuchte Bodenart, die sich nur mühsam bearbeiten lässt. Während das beim Töpfern ein Vorteil ist, macht es die Bearbeitung von Äckern recht schwierig. Auch Pflanzen tun sich schwer, wenn sie in sehr tonigen Böden wurzeln wollen.

Zugleich hilft die hohe Wasserspeicherkapazität, die den Ton so feucht hält, auch dabei, Nährstoffe zu binden.

Die Maulwurfs-Hügel Erde, auf Bleistiftdicke ausgerollt…

Schluff

Der Schluff stellt das Bindeglied zwischen Ton und Sand dar. Schluffige Böden (auch lehmige Böden genannt) sind die für den Ackerfeldbau die wichtigsten und ertragreichsten Böden. Sie halten  Wasser besser als Sand, vernässen aber auch nicht so stark wie Ton, sondern speichern pflanzenverfügbares Wasser. Lehm ist gut durchwurzelbar und gut durchlüftet, lässt sich gut bearbeiten und hält Nährstoffe wesentlich besser als Sand.

Jetzt wäre es ein Traum, wenn in jedem Garten nur Schluff wäre, nicht wahr? Leider ist das nicht der Fall… Kleinräumig lässt sich daran aber natürlich etwas ändern! Darum: raus mit euch und in der Erde gewühlt! Jetzt brauchen wir nämlich eine Hand voll Gartenerde!

… und anschließend auf halbe Bleistiftdicke.

Bestimme deine Bodenart!

Nehmt euch etwa eine halbe Handvoll Erde. Das ist eure Bodenprobe. Versucht, sie nicht direkt an der Oberfläche zu entnehmen, sondern ca. 10 cm tief zu graben.

Ist sie besonders feucht oder trocken? Feucht ist hier das größere Problem, also nicht direkt nach einem Regenguss oder neben einer Pfütze Erde entnehmen! Ist die Erde zu trocken, feuchte sie mit einem Spritzer Wasser an.

Hier spricht man oft von der „optimalen Probenfeuchte“. Die zu erreichen ist teils Spielerei, teils Erfahrungswert. Probiert einfach ein bisschen herum, bis Ihr das Gefühl habt, dass Eure Bodenprobe feucht genug zum Ausrollen ist.

Genau das probiert man dann nämlich aus: lässt sich die Erde zu einer Rolle formen? Wenn sich Deine Probe nicht ausrollen lässt, dann hast Du einen sandigen oder schluffigen Boden vor Dir. Lässt sich Deine Probe ausrollen? Dann ist es ein toniger Boden. Je besser sich deine Probe ausrollen lässt, desto höher ist normalerweise der Tongehalt.

Folgt am besten der folgenden Grafik:

Glossar:
bindig/ nicht bindig: je höher der Ton- und Lehmanteil, desto bindiger. Das heißt, wenn euer Boden trotz hohem Sandanteil formbar ist, ist er bindig.
Knirschprobe: Dafür nehmt ihr ein kleines Stück Erde und reibt es in Ohrnähe zwischen den Fingern. Probiert ein paar verschiedene Erden, um ein Gefühl dafür zu bekommen, was laut und was leise knirscht.

Mit diesem Wissen könnt ihr jetzt Euren Boden verbessern: Habt ihr einen sehr sandigen Boden, macht es Sinn, tonige oder lehmige Böden einzuarbeiten, bei sehr schweren, tonhaltigen Böden, ist die Erhöhung des Sandgehalts eine gute Möglichkeit, um die Bearbeitbarkeit zu gewährleisten.

Übrigens, egal welche Bodenart: Humus einzuarbeiten macht immer Sinn! Humus hat durch seinen lockeren Aufbau natürlich einen Einfluss auf das Bodengefüge und die Verteilung der Korngrößen, doch erstrangig sorgt er für einen hohen Nährstoffeintrag, der den Pflanzen zur Verfügung steht!

Und jetzt: viel Spaß beim Proben!

Die Oberfläche ist matt: also handelt es sich um Lehm!

Mehr zum Thema Boden findet ihr zum Beispiel im „Lehrbuch zur Bodenkunde“ von Fritz Scheffer und Paul Schachtschabel.

Sehr interessante Experimente zum Thema Bodenproben findet ihr übrigens auch auf der Seite Hypersoil der Uni Münster:
https://hypersoil.uni-muenster.de/1/01/01.htm
https://hypersoil.uni-muenster.de/1/01/02.htm

Du hast Teil 1 – Bodentypen – noch nicht gelesen? Dann schnell hier entlang!

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