Der Hype um elektrische Zweiräder – Teil 1: E-Roller

Spätestens seit den Gesetzesnovellen der Straßenverkehrsordnung in Österreich und Deutschland werden E-Scooter und das Thema Mobilität an sich oft in einem Atemzug genannt. Argumente für die Scooter und dagegen gibt es zuhauf, ich kann oft beide Seiten der Medaille (nehmen wir der Einfachheit halber einmal an es sind nur zwei) gut nachvollziehen. Ich möchte mich im Folgenden jedoch ausdrücklich NICHT weiter zu den E-Scootern äußern. Zum einen haben diese Fortbewegungsmittel meiner Meinung nach medial deutlich über den eigenen Stellenwert hinaus Aufmerksamkeit bekommen. Zum Anderen denke ich, dass es andere Zweirad-Konzepte gibt, die altgediente Verkehrsmittel vollwertig ersetzen könnten und nicht, wie die E-Scooter, wie es so schön heißt, als „Letzte-Meile-Vehikel“ genutzt werden und vielleicht sogar eher noch das gesamte Verkehrsaufkommen erhöhen und den Menschen den letzten Rest Ambition nehmen sich als Fußgänger zu betätigen.

E-Roller und E-Motorrad mit B-Führerschein

Inzwischen gibt es bereits eine recht stattliche Auswahl an E-Rollern und E-Motorrädern, die es sich auf jeden Fall einmal lohnt genauer anzuschauen. Den E-Roller als Ersatz für die „Knatterbüchsen“ sollte man ohne weiteres nach dem gleichen Prinzip bzw. Geschwindigkeitsabstufungen wie bei den Verbrennern mit einem Moped-, Motorrad- oder Pkw-Führerschein fahren dürfen. [1]
Doch auch manche „echte“ E-Motorräder darf mit einem A1- (Verbrenner bis 125ccm und max. 11 Kw) oder B-Führerschein fahren. In Deutschland muss der B-Schein vor dem 01.04.1980 ausgestellt worden sein. Für die Schweiz muss ein 8-Stunden-Training absolviert werden und in Österreich muss man den Führerschein der Klasse B mindestens 5 Jahre lang besitzen und ein Praxistraining von 6 Stunden absolvieren. [2]
Übersteigt die Motorleistung 11 Kw kommt man um einen A2- bzw. „vollwertigen“ A-Führerschein nicht herum. [3]

E-Roller Modelle

Für etwas weitere Strecken innerhalb von Städten sind größere Roller ideal. Dabei sieht man neben den herkömmlichen Verbrennern immer öfter elektrische Pendants. Ich war erstaunt wie viele Hersteller ich bei der Recherche gefunden habe. Tabelle 1 und Tabelle 2 zeigen einige Marken, Modelle sowie deren technische Daten [4][5][6][7]:

Tabelle 1 – E-Roller im Vergleich Teil 1 – Quelle: [4][5]

Die folgenden Abbildungen zeigen je ein Modell der beiden Marken Unu und Kumpan

Abbildung 1 – Der Unu – Quelle: www.unumotors.comAbbildung 2 – Der Kumpan 1953 – Quelle: www.Kumpan-electric.com

Tabelle 2 – E-Roller im Vergleich Teil 2 – Quelle: [6][7]

Die folgenden Abbildungen zeigen je ein Modell der beiden Marken Mark E und SXT.

Abbildung 3 – Der Mark E Kito – Quelle: www.kito-roller.deAbbildung 4 – Der SXT SONIX – Quelle: www.sxt-scooters.de

Kritische Betrachtung der Konzepts

Aus dem Bauch heraus würde ich sagen, dass das Konzept des E-Rollers eine tolle Sache ist. Man hat die Vorteile eines leichten Zweirades mit Verbrennungsmotors noch um die Komponente einer sinnvollen Antriebstechnik für die Stadt ergänzt. Es werden keine Schadstoffe ausgestoßen, die Reichweite ist für Kurz- und Mittelstrecken mehr als ausreichend und die Lärmbelästigung sinkt von „massiv“ auf „fast nicht wahrnehmbar“. Dies ist allerdings auch die große Kehrseite der Medaille. Da man auf einem Zweirad bei Verkehrsunfällen immer sehr exponiert ist und auch von mehrspurigen Kraftfahrzeugen leicht übersehen wird, verliert man den Vorteil der großen Lautstärke eines Rollers mit Verbrennungsmotor im Sinne einer rechtzeitigen Wahrnehmung durch andere Verkehrsteilnehmer.
Der KTM Chef sieht im Bereich der niedrigvoltbetriebenen Fahrzeugen, wie den E-Rollern, ein großes Potenzial und die Firma will Produkte im Bereich der vergleichbaren 125-Kubikzentimeter-Klasse neue Modelle mit einer Reichweite bis zu 80 km vorstellen. [8]
E-Mobilität als Ganzes ist momentan ein Trend und es gilt hier sorgfältig zu beobachten, um die Spreu vom Weizen zu trennen. Viele Konzepte und Firmen erfahren erst bei einem Nachlassen des Booms die Feuerprobe, ob ihr Segment rentabel ist. Es gilt zu verhindern einen Haufen Elektroschrott zu produzieren, der – aus der Mode gekommen – niemanden mehr interessiert. Ähnlich zu den E-Tretrollern, die aktuell in der Kritik stehen eine sehr kurze Lebensdauer zu haben. [9]
Stellvertretend für dieses Problem sei der SXT Raptor V3 genannt. Er hat lediglich eine Akku-Lebensdauer von 500 Ladezyklen. Das ist noch steigerungsfähig. Gerade da die Akkumulatoren hinsichtlich der vielen benötigten Rohstoffe der größte Problemfaktor bei Elektroantrieben sind.

Die Kosten

Im Vergleich zu einem Verbrenner sind die Anschaffungskosten etwas höher. Wer gerne gebraucht kauft wird den E-Markt derzeit natürlich noch deutlich schlechter bestückt erleben. Die Energiekosten zum Betrieb sind deutlich niedriger. Auch die Erhaltungskosten sind dank geringerer Störanfälligkeit und entfallender Wartungsarbeiten wie z.B. Flüssigkeits- und Filterwechsel halten sich in Grenzen. Zudem können derzeit noch die vergünstigten steuerlichen Bedingungen für den Betrieb eines E-Fahrzeugs genutzt werden.

Vor- und Nachteile der einzelnen Modelle

Ich möchte hier keine Kaufempfehlung aussprechen, da eine gute Portion persönlicher Geschmack dabei wäre. Stattdessen sollen nun einige Knackpunkte der Modelle beleuchtet werden:

  • Unu überzeugt mit einer relativ langen angegeben Lebensdauer des Akkus und einem sehr geringen Leergewicht der Maschine.
  • Kumpan weist eine recht breite Palette vom besseren Tretroller bis hin zum „Fast-Motorrad“ auf. Dank großzügig erweiterbarer Akkus haben drei der vier Modelle von Kumpan die mit Abstand größte Reichweite aller hier verglichenen Roller. Das Spitzenmodell ist bis zu 100km/h schnell und kann somit auch für Tagespendler für Mittelstrecken interessant sein.
  • Mark E weist ähnliche Eigenschaften wie der Roller von Unu auf, ist jedoch variabler bezüglich Akkus. Dafür ist das Modell schwerer und etwas teurer, hat aber auch ein paar nette Extras.
  • SXT hat wiederum eine recht breite Palette. Der SXT Raptor V3 ist eher ein Spaßvehikel, das nicht recht praktisch ist. Es hat einen nicht entnehmbaren Akku mit kurzer Lebensdauer und zudem ist es – für das was es (nicht) kann – recht schwer und teuer. Die anderen Modelle sind schon deutlich interessanter. Sie wirken recht ähnlich zu jenen von Kumpan. Es gibt allerdings keine Möglichkeit die Akku-Kapazität aufzustocken. Der Preis je 100 km wird deutlich niedriger angesetzt als bei anderen vergleichbaren. Fraglich ist, ob sich dies in der Praxis bewahrheitet. Besonders ist hier das recht geringe Eigengewicht von Gekko V3 und Z3 bei gleichzeitiger hohem zulässigem Gesamtgewicht (auch SONIX). Die Preise sind spürbar niedriger als die jeweils vergleichbaren Konkurrenzprodukte.

Wie immer ist wichtig zu erwähnen, dass die Elektromobilität nur EIN Teil der Lösung für die Mobilität der Zukunft ist. Als Kernsegment für den städtischen Raum, als Nische für etwas längere Strecken oder auch als Spaßfahrzeuge für Zweirad-Liebhaber, die auf Lärm verzichten können, sind die elektrischen Roller eine interessante Alternative zu den Verbrennern. Es wirkt auf jeden Fall wie ein Schritt in die richtige Richtung, es bleibt zu hoffen, dass der Trend nicht im ohne größere Wirkung verpufft.

Die Analyse der E-Motorräder folgt demnächst…

[1] https://www.homeandsmart.de/ratgeber-e-scooter-elektroroller-faq
[2] https://www.zeromotorcycles.com/de/11kw
[3] https://www.tuev-nord.de/de/privatkunden/verkehr/fuehrerschein/fuehrerscheinklassen/klassen-a-a1-a2-und-am/
[4] https://unumotors.com/de/product
[5] https://www.kumpan-electric.com/de-de
[6] https://www.kito-roller.de/produkt/kito-2000-in-hellblau2019/
[7] https://www.sxt-scooters.de/
[8] https://www.zeit.de/mobilitaet/2018-10/elektrische-motorraeder-elektromobilitaet-hype-verdienst-matorradbauer-ktm
[9] https://vision-mobility.de/news/e-tretroller-zweifel-an-der-nachhaltigkeit-4428.html

Ein Kommentar zu „Der Hype um elektrische Zweiräder – Teil 1: E-Roller

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