Das Auto – Eine Bestandsaufnahme der Umweltauswirkungen III

Brennstoffzelle – warum erst jetzt?

Neuentdeckung einer recht alten Erfindung

Was glaubt Ihr, wann die Brennstoffzelle erfunden wurde?

Im Jahre 1838! [1]

Schon seit längerem frage ich mich, warum sich die Automobilindustrie, obwohl sie nun doch bereit dazu ist, ein wenig innovativer zu werden, samt und sonders auf den Elektroantrieb eingeschossen haben. Schon im Jahr 2002 wurde von BMW ein Modell 7 mit Ottomotor produziert, der sowohl mit Benzin als auch Wasserstoff betankt werden konnte. [2] Natürlich ist das ein Oberklassenfahrzeug, welches nur einen kleinen Kundenkreis anspricht, Innovation ist jedoch meist aus diesem Segment hervor gegangen. Zumindest war das lange Jahre weit verbreitete Meinung. [3] Bei besagtem 7er wurde stark bemängelt, dass sowohl Benzin- als auch Wasserstoffverbrauch enorm hoch sind und Wasserstoff eine Mangelware und teuer herzustellen ist. Standpunkt damals: „Eine klimaschonende Produktion im großen Stil setzt schieren Überfluss an Ökostrom voraus.“ Sowohl die Herstellung des Wasserstoffs, welche damals ausschließlich mittels Öl und Gas stattfand als auch die Problematik der Kühlung und der Flüchtigkeit des Wasserstoffs stellte die technische Umsetzung vor große Probleme. [4] 2009 hat BMW seine Forschung an diesem Konzept vorläufig auf Eis gelegt. [5]

Technischer Aufbau von Wasserstoffantrieben

Was mir dann erst im Laufe der Recherchen – peinlicherweise – klar geworden ist: Ein Auto mit Wasserstoffantrieb ist nicht gleichzusetzen mit einer Brennstoffzelle.
Wasserstoffantrieb ist vielmehr der Überbegriff für viele verschiedene technische Umsetzungen zum Antrieb eines Fahrzeugs mit Wasserstoff. In Bezug auf den motorisierten Individualverkehr (Pkw und Lkw) sind hier aktuell zwei Möglichkeiten von besonderem Interesse:
Die Brennstoffzelle (siehe Abbildung 1) erzeugt Strom durch einen Brennstoff als Energieträger und ein Oxidationsmittel (siehe Abbildung 2). Die Antriebsart für ein Fahrzeug mit Brennstoffzelle wäre somit ein Elektromotor. [6]

Abbildung 1 – Brennstoffzelle für Kfz – Quelle: www.sueddeutsche.de
Abbildung 2 – Funktionsweise Brennstoffzelle – Quelle: www.energie-experten.org

Der Wasserstoffverbrennungsmotor arbeitet nach dem gleichen Prinzip wie ein Ottomotor. Der einzige große Unterschied besteht darin, dass der Wasserstoff per Knallgasreaktion Energie freisetzt und nicht wie Benzin verbrannt wird. [7] Das benötigte Volumen an Wasserstoff um die gleiche Energie freizusetzen wie Benzin, ist jedoch um ein vielfaches höher als das von Benzin. [4] Hergestellt wird der Wasserstoff idealerweise über die sogenannte „Power-to-Liquid“-Technologie (siehe Abbildung 3). [8]

Abbildung 3 – Fischer-Tropsch-Verfahren – Quelle: www.welt.de

Auch wenn nun der Wasserstoffantrieb mittels Ottomotor die nächsten – sagen wir einmal – 30 Jahre nicht effizient wird, so lohnt es sich meiner Meinung nach umso mehr, die Brennstoffzelle etwas näher unter die Lupe zu nehmen.

Vergleich der Wirkungsgrade sowie Stärken und Schwächen der technischen Besonderheiten

Die Verbrennungsmotoren hatten in ihrer Anfangszeit ebenfalls einen nicht vertretbaren Energieverlust durch Abwärme – und haben es streng genommen noch immer. Abbildung 4 zeigt die Wirkungsgradkette eines modernen Ottomotors.

Abbildung 4 – Wirkungsgradkette moderner Ottomotor – Quelle: www.schaeffler.com

Der VCÖ sieht bei einem Vergleich von Wasserstoffantrieben und batteriebetriebenen Fahrzeugen den Wasserstoff klar im Nachteil. Dort ist man der Ansicht, dass Wasserstoffanstriebe zwar eine wichtige Rolle spielen werden, um von fossilen Energietrögern weg zu kommen, allerdings sollte dies nicht rechtfertigen eine Forcierung des batteriebetriebenen E-Autos aufzuschieben.
Erzeugung, Verarbeitung und Umwandlung von Wasserstoff senkt auch bei einem hohen Ökostromanteil den Wirkungsgrad zu stark ab. [9] Abbildung 5 zeigt den Vergleich der Wirkungsgrade von batteriebetriebenen und wasserstoffbetriebenen Fahrzeugen.

Abbildung 5 – Wirkungsgrad von drei Antriebsarten – Quelle: www.vcoe.at

Deutlich zu erkennen ist, dass die Batterie massiv besser als beide Wasserstoff-Lösungen abschneidet. Auch wenn dies hier nicht Thema ist, möchte ich jedoch gleich darauf hinweisen, dass das batteriebetriebene E-Auto trotz dem hohen Wirkungsgrad des Antriebs, zunächst ca. 240.000 km zurücklegen muss (bei einer Lebensdauer der Batterie von mindestens 10 Jahren), bis sich die ressourcenintensive und teure Herstellung der Batterie egalisiert hat (vgl. Teil 2, Abbildung 3 und auch [10]).
Nüchtern betrachtet sind das alles nicht besonders ermutigende Zahlen und Aussagen – aber ist nicht aller Anfang schwer?

Aktuelle Entwicklungen

Das Argument, dass die Technik noch nicht ausgereift genug ist, kann man als allgemein gültige Aussage so nicht stehen lassen. Das gilt vielleicht bedingt für Fahrzeuge, in Japan haben Brennstoffzellen aber bereits seit 2009 als Heizungen in Wohnungen und Häuser Einzug gehalten (siehe Abbildung 6). Inzwischen sind bereits 200.000 Haushalte mit einer Brennstoffzelle ausgerüstet. [11] In Europa stellt man sich berechtigterweise die Frage, ob man den Trend hier nicht verschläft. In Asien läuft die Forschung bereits auf Hochtouren. [12]

Abbildung 6 – Brennstoffzellenheizung – Quelle: www.haustechnik-nowak.de


Derzeit ist das kanadische Unternehmen Ballard Power Weltmarktführer in Sachen Brennstoffzelle. Ihre Flotto von Brennstoffzellen-Hybridbussen, die 2019 auf 20.000 Fahrzeuge ausgebaut werden soll, fährt bereits jetzt weltweit. Dabei sind die Kosten der Brennstoffzelle in Relation zu den Gesamtkosten des Fahrzeugs von 50% auf 18% gesunken. 10% werden in Zukunft angepeilt. Inzwischen ist auch der Treibstoffverbrauch auf weniger als 7 kg/100 km gesunken. [13] Laut Quelle [4] müsste 1 kg Wasserstoff ca 21 l entsprechen, d.h. ein Bus mit Brennstoffzelle benötigt heutzutage bereits weniger als die Hälfte Treibstoff als der Wasserstoff-BMW von 2002 mit Ottomotor (ca. 50 l). Das könnte man als deutlichen Fortschritt interpretieren.
Zahlreiche Städte in Europa haben bereits solche Busse bestellt. Siemens kooperiert seit 2018 im Bereich Schienenfahrzeuge mit Ballard Power. Ebenso wie der weltgrößte Schienenfahrzeugkonzern CRRC. [13]
Und nun drängt endlich mit Bosch ein weiterer wichtiger europäischer Player auf den Markt. [14] Auch Mercedes hat Anfang 2019 bekannt gegeben, dass die Brennstoffzelle mit mehreren Fahrzeugen neben Verbrennungsmotor und batteriebetriebenem Fahrzeug ebenfalls in den Fokus rückt. [15] BMW koopereriert mit Toyota und plant, demnächst einen i3 mit Wasserstoff-Hybrid-Antrieb auf den Markt zu bringen. [16]
Auch auf kommunaler Ebene wird die Nachfrage stärker, wird jedoch immer wieder gebremst vom immer noch dürftigen Angebot. [17]
Allerdings gibt es der Brennstoffzelle gegenüber teils auch sehr kritische Stimmen. Bemängelt wird die gegen Verunreinigung und gefrierendes Wasser sehr anfällige Technik sowie der prognostizierte dahinschmelzende Zeitvorteil gegenüber dem Laden von Batterien. [18] Was sich mir nicht ganz erschließt, ist, warum eine geringe Reichweite des Wasserstoffvorrats und eine geringe Reichweite der Zusatzbatterie bemängelt wird, wenn man dabei schon die Vorteile einer Kombination von beiden Techniken auf der Hand hat. Welche Technik in Zukunft effizienter sein wird und ob der Trend eher in Richtung großer Wasserstofftank oder große (Feststoff)Batterie gehen wird lässt sich schwer sagen. Näheres zur Kombination von Batterie und Brennstoffzelle siehe Kapitel „Zukunft – was nun?“

Realitätscheck?!

Doch auch wenn es nun technisch immer bessere Ansätze und neue Fortschritte gibt, darf man eines nicht vergessen: gegenwärtige wirtschaftliche Abhängigkeiten und Machtstrukturen.
Mineralölkonzerne haben, falls sie beim Öl und Gas als Kerngeschäft bleiben möchten, natürlich ein geringes Interesse alternative Energieträger zu forcieren. [19]
Der Bottleneck werden vermutlich wie beim batteriebetriebenen E-Auto die Versorgungsdichte (Tankstellen) sowie die Herstellungsart und der Preis des Wasserstoffs sein. Projekte wie die Mercedes-Benz B-Klasse F-CELL sind so wieder in der Versenkung verschwunden, bzw. erst gar nicht in der breiten Bevölkerung angekommen. [20]

Zukunft – was nun?

Der VCÖ empfiehlt Wasserstoffantriebe dort einzusetzen, wo andere Techniken an ihre Grenzen stoßen (z.B. Schwerverkehr, Baumaschinen, Flugverkehr, aber etwa auch Schienenfahrzeuge auf nicht-elektrifizierten Bahnstrecken). Im Energiemix werden sie als sinnvolle Ergänzung gesehen. Aufgrund des raschen Handlungsbedarfs im Sinne einer Flottenerneuerung von Pkw wird jedoch das batteriebetriebene E-Auto im Vorteil gesehen, da es schon weiter entwickelt ist. [9]

Auch Dr. Otmar Scharrer, Vice President Corporate Research and Advanced Engineering von Mahle teilt die Meinung, dass die Brennstoffzelle für individuelle Mobilitätsbedürfnisse gut geeignet ist. [21] Beim Preis für eine Brennstoffzelle ist der VW-Konzern optimistisch, dass sich die Kosten auf ein Drittel bis auf ein Viertel reduzieren lassen. [22] In einem Artikel der FAZ von 2010 war man sich damals sogar sicher, dass das batteriebetriebene E-Auto bald am Ende sein wird, da der Autor die Batterie und deren Gewicht und Herstellung als Kernproblem vermerkte und Wasserstoff als einzig logisch Alternative sah. [10]

Ich denke jedoch, dass die Vielzahl der heutigen Ansätze zu kurz gedacht sind.

Der Elektroantrieb ist, entgegen der derzeitigen Suggestion durch die Mehrheit der Presse, nicht der Weisheit letzter Schluss. Die Verlustleistung bei kalten Temperaturen, die ressourcenaufwändige und teure Herstellung und die problematische Entsorgung der Batterien sind große Probleme, die vermutlich so schnell nicht gelöst werden. Ebenso ist die Brennstoffzelle noch nicht so weit entwickelt, wie sie sein könnte. Verlustleistung ist hier das größte Problem, ebenso wie die Wasserstoffherstellung durch nichterneuerbare Energien.
Glücklicherweise bin ich mit der Meinung nicht alleine, dass es sinnvoll ist diese beiden technischen Ansätze zu kombinieren. [23]
So schlagen kluge Köpfe folgende Kombination vor:
– Elektromotor
– kleinere Batterie zum rein elektrischen Betrieb von 50-100km
– Brennstoffzelle zur Stromerzeugung (verträglich auf Wasserstoff und andere Brennbaren Gase
– Die Außenflächen des Autos ausgestattet mit Solarzellen
– Antrieb des Motors sowie Elektrolyse durch den an Bord erzeugten Solarstrom

Dasselbe Prinzip kann auch für eine Wohnung oder ein Haus betrieben werden, um zum einen das Haus mit Energie zu versorgen oder den erhöhten Bedarf des Pkw zu decken (siehe Abbildung 7). Des Weiteren kann bei Personen, die genügend Platz zur Verfügung haben, zusätzlich über eine Biogasanlage Wasserstoff erzeugt werden und im Haushalt oder im Pkw verwendet werden.

Abbildung 7 – Schema Photovoltaik-Brennstoffzelle-Kombination – Quelle: www.dlr-innospace.de


Die TU Graz wurde mit dem Staatspreis Mobilität 2017 ausgezeichnet für die Forschung an dezentraler Erzeugung von Wasserstoff mittels Biogas und Einsatz von klimaneutralen, am Prozess beteiligten Stoffen . [24] Vor allem mit einem notwendigen massivem Ausbau von Ökostrom sehe ich die Gewinnung von Wasserstoff überhaupt nicht mehr problematisch. So kann man beispielsweise mit Ökostrom die Stromspitzen (z.B. nachts bei Pumpspeicherkraftwerken) zur Elektrolyse nutzen. Auch sind zur Erzeugung der Brennstoffzelle im Gegensatz zur Batterie nur wenige seltene, teure oder giftige Rohstoffe nötig. Auch die Entsorgung verbrauchter Brennstoffzellen ist verhältnismäßig unproblematisch. [12]

Fazit

In Kombination mit einiger insgesamt sinkenden Mobilität und anderen Antriebsarten hat die Brennstoffzelle absolut ihre Daseinsberechtigung und wird in Zukunft eine wichtige, wenn nicht gar entscheidende Rolle spielen können. Denkt man den Gedanken konsequent zu Ende, so kann man enorme Vorteile aus der Kombination Brennstoffzelle, Batterie, Elektromotor und dezentrale Stromerzeugung im selben Fahrzeug ziehen und Synergien schaffen. Das funktioniert freilich nur, wenn auf allen Ebenen innovativ gedacht wird und alte Strukturen hinsichtlich Energieversorgung und technischer Entwicklung aufbrechen.
Politik und Wirtschaft müssen gewillt sein mitzuziehen und Innovation zu fördern.
Derzeit haben sowohl batteriebetriebenen E-Auto als auch Fahrzeuge mit Brennstoffzellen teils gravierende Nachteile. Mein Eindruck hinsichtlich batteriebetriebenen E-Autos ist, dass sie eine ländliche Infrastruktur zum Laden (Garage, Starkstromanschluss) brauchen, aber städtisches Mobilitätsverhalten (Kurzstrecken, viele Lastwechsel) ansprechen. Fahrzeuge mit Brennstoffzelle haben noch eine zu hohe Verlustleistung und die Distribution und Herstellung von Wasserstoff ist noch zu umständlich. Zudem ist die Industrie in Europa erst seit ein bis zwei Jahren dabei diese Technik voranzutreiben. Aus Asien dürfte jedoch in Kürze mit brauchbaren und erschwinglichen Lösungen zu rechnen sein.

Politik und Wirtschaft müssen gewillt sein mitzuziehen und Innovation zu fördern.
Derzeit haben sowohl batteriebetriebenen E-Auto als auch Fahrzeuge mit Brennstoffzellen teils gravierende Nachteile. Mein Eindruck hinsichtlich batteriebetriebener E-Autos ist, dass sie, während sie eine ländliche Infrastruktur zum Laden (Garage, Starkstromanschluss) brauchen, städtisches Mobilitätsverhalten (Kurzstrecken, viele Lastwechsel) ansprechen. Fahrzeuge mit Brennstoffzelle haben derzeit eine zu hohe Verlustleistung und die Distribution und Herstellung von Wasserstoff ist noch zu umständlich. Zudem ist die Industrie in Europa erst seit ein bis zwei Jahren dabei, diese Technik voranzutreiben. Aus Asien dürfte jedoch in Kürze mit brauchbaren und erschwinglichen Lösungen zu rechnen sein.

[1] https://books.google.de/books?id=PpAOAAAAIAAJ&pg=PA430&lpg=PA430#v=onepage&q&f=false
[2] https://www.autobild.de/artikel/das-0-liter-auto-36299.html
[3] https://www.azonline.de/Welt/Ratgeber/Auto/2114629-Auto-Technik-Innovationen-nicht-immer-erst-in-der-Oberklasse
[4] https://www.spiegel.de/spiegel/print/d-49533683.html
[5] https://www.handelsblatt.com/unternehmen/industrie/autohersteller-bmw-verliert-glauben-an-den-wasserstoffantrieb/3320432.html
[6] https://de.wikipedia.org/wiki/Brennstoffzelle
[7] https://de.wikipedia.org/wiki/Wasserstoffverbrennungsmotor
[8] https://de.wikipedia.org/wiki/Power-to-Liquid
[9] https://www.vcoe.at/service/fragen-und-antworten/Warum-nicht-auf-brennstoffzelle-oder-treibstoffe-aus-wasserstoff-warten
[10] https://www.faz.net/aktuell/wissen/physik-mehr/brennstoffzellen-am-ende-bleibt-der-wasserstoff-1909624.html
[11] https://www.viessmann-aktuell.de/in-japan-heizen-bereits-200-000-brennstoffzellen
[12] https://www.swr.de/swr1/rp/die-loesung-unserer-umweltprobleme-zukunftsenergie-wasserstoff/-/id=233366/did=22943830/nid=233366/1yyq87/index.html
[13] https://www.welt.de/wirtschaft/bilanz/article174365145/Alternativer-Antrieb-Die-Brennstoffzelle-erobert-den-Massentransport.html
[14] https://www.handelsblatt.com/unternehmen/industrie/kooperation-mit-powercell-bosch-steigt-in-die-serienfertigung-von-brennstoffzellen-ein-/24267426.html?ticket=ST-1416481-oUlHQaOcE9hORWfVjZxU-ap3
[15] https://ecomento.de/2019/01/03/daimler-das-potenzial-der-brennstoffzellen-technologie-steht-ausser-frage/
[16] https://www.trendsderzukunft.de/bmw-elektroauto-mit-wasserstoffantrieb-wird-2020-erscheinen/
[17] https://www.springerprofessional.de/brennstoffzelle/antriebsstrang/neuer-schwung-fuer-die-brennstoffzelle-/16348898
[18] https://www.sueddeutsche.de/auto/alternative-antriebe-die-brennstoffzelle-ist-ein-milliardengrab-fuer-autohersteller-1.3922234
[19] https://www.focus.de/auto/elektroauto/brennstoffzelle-und-wasserstoff-autos-zwischen-wahn-und-wirklichkeit-wird-das-noch-was-mit-der-brennstoffzelle_id_4792765.html
[20] https://www.heise.de/autos/artikel/Mercedes-B-Klasse-F-Cell-auf-Weltreise-1180273.html?seite=2
[21] https://www.springerprofessional.de/springerprofessional-de/fuer-individuelle-mobilitaetsbeduerfnisse-gibt-es-individuelle-l/16344652
[22] https://www.springerprofessional.de/brennstoffzelle/antriebsstrang/-der-preis-fuer-eine-brennstoffzelle-laesst-sich-auf-ein-knappes/15982170
[23] https://www.welt.de/wirtschaft/bilanz/article172713241/Brennstoffzellen-Ist-Wasserstoff-besser-als-Batterie.html
[24] https://infothek.bmvit.gv.at/staatspreis-mobilitaet-2017-die-gewinner/

Ebenfalls interessant: Faktencheck E-Mobilität vom VCÖ
https://faktencheck-energiewende.at/faktencheck/e-mobilitaet/

Autarkia – Green World Tour

[Disclaimer: Dieser Beitrag enthält unbeauftragte Werbung. Wir erhalten dafür keinerlei Vergütung, sondern schreiben hier über unsere eigenen, unbeeinflussten Eindrücke!]

Ein Bericht

Spät, aber doch kommt hier ein kleiner Bericht von der Autharkia Green World Tour, welche dieses Jahr noch in München, Berlin, Hamburg, Münster, Frankfurt und Düsseldorf halt macht. In Wien war sie bereits am vergangenen Wochenende und Flo und ich waren dort, nachdem wir über Pia von thegreenwalnuts.com und zerowasteaustria.at Tickets gewonnen haben. Wir sagen nochmal Danke! Welche Stände/ Vorträge haben uns schon im Vorfeld besonders interessiert und gefallen?

Welche Stände/ Vorträge haben uns schon im Vorfeld besonders interessiert und gefallen?

Wohnwagon

Copyright: wohnwagon.at

Nachdem ich meinen Imkerkurs bei den stadtbienen mache, welche in Wien mit Wohnwagon zusammenarbeiten, war deren Stand für mich sicher auf der Liste, dazu auch deren Vortrag „Urbanes Autarkiewunder – so geht nachhaltiges Leben in der Stadt!“.

Flo und ich tendieren immer stärker in Richtung Autarkie. Vor allem was den Bereich Strom anbelangt, sammeln wir Erfahrungen und haben unseren Campingbus mit Solarpanelen ausgestattet. So richtig Ahnung haben wir zwar noch nicht, aber genau da kommt uns Wohnwagon genau richtig: die haben davon so richtig Ahnung, egal ob es um Strom oder Wasser geht!

Besonders spannend waren dabei die kleinen Ansätze, mit denen man auch in einer Stadtwohnung schon einen Unterschied machen und sein Leben nachhaltiger gestalten kann! Seien es Solarpaneele für den Balkon, Bienen für die Dachterrasse, Einrichtungen zum Energie sparen… Da waren einige Ideen dabei, welche auch uns neu waren!  Wir haben uns für weitere Infos auch das Magazin „Oskar“ zugelegt, welches ca. jährlich erscheint.

Wildling.Shoes

Das war vor allem für mich ein Thema, obwohl sich Flo auch sehr schnell anstecken hat lassen. Ich liebäugle seit einer ganzen Weile mit Barfußschuhen. Da die „Wildlinge“ aber ihren Preis haben, wollte ich sie gerne probieren. Online gibt es zwar einen Größenberater, doch der ergab für mich zwei Größen mehr, als ich normalerweise trage. Nun, das kam mir dann doch spanisch vor…

Die Wiesel im Einsatz

Umso besser, dass auch diese Firma mit einem Stand vor Ort war. Und ja, die online ermittelte Größe stimmte! Ich glaube, ich war eine ziemlich nervige Kundin, ich hab nämlich ungefähr jedes Modell durchprobiert und mich stundenlang in Fragen darüber ergangen, ob man damit laufen, Rad fahren, wandern etc. kann. Kudos an die geduldige Verkäuferin 😉

Geworden ist es schließlich ein „Wiesel“ und nach einer knappen Woche, in denen ich die Schuhe fast nicht mehr ausgezogen habe, kann ich sagen: der Preis ist gerechtfertigt und ich bin sehr froh, dass ich meinen Geiz überwunden habe! 😉 Besonders der Faktor „Wasserfestigkeit“ hat mich dazu bewogen, die Wiesel zu kaufen und nachdem ich bewusst in mehrere Wasserlacken gesprungen bin, gehe ich davon aus, dass sie bei normaler Nutzung auch dicht halten.

Wurmkiste.at

Wer uns auf Instagram folgt (oder schon Mal zu Besuch war ;)), der weiß, dass wir eine (selber gebaute) Wurmkiste unser eigen nennen. Bei der Recherche für den Bau unserer Wurmfarm bin ich natürlich über wurmkiste.at gestolpert und habe mich auch auf die Ratschläge gestützt, welche auf deren Website zu finden sind. Um einen First Hand Eindruck der professionellen Kiste zu bekommen, wollte ich mir auch deren Stand anschauen.

Wunderbare Wurmerde

Auch vor Ort kann ich die großzügige Beratung auch für nicht „wurmkiste.at-Besitzer“ wärmstens empfehlen und wir haben uns Hanfmatten für unsere Box mitgenommen. Den Fruchtfliegen-Schwärmen der letzten Zeit waren die Zeitungen, mit denen wir derzeit abdecken, nämlich nur mäßig gewachsen.

Welche Stände uns vor Ort positiv aufgefallen sind

Brigantes

Copyright: brigantes.eu

Die Idee der „Brigantes“ ist ziemlich altmodisch – und ziemlich cool! Wieso nicht den Warentransport auf Segelschiffe verlegen?! Ab Ende 2019 soll das Schiff Fracht ausliefern und z.B. in Zusammenarbeit mit Zotter Waren übers Meer transportieren. Dabei sind die alten Segelschiffe nicht nur schöner anzusehen als moderne Frachter, sondern machen den Transport von Luxusgütern wie Kaffee, Kakao und Rum wieder ökologisch. Denn auch, wenn der Weg über den Atlantik mit dem Segelschiff bis zu fünf Monate dauert, so ist es auf lange Sicht gesehen der sinnvollere Weg: der Ausstoß der 16 größten Containerschiffen entspricht dem Ausstoß des gesamten weltweiten Straßenverkehrs… Und das für Güter, die wir eigentlich gar nicht brauchen…

Lotus Belle

Copyright: dornob.com

Das war meine persönlich größte Überraschung! Denn nachdem ich den Namen „Glamping“ im Vorhinein gelesen hatte, war es bei mir persönlich vorbei…

Vor Ort war ich aber recht schnell angetan und zwar zugegebenermaßen zuerst von der Optik! 😉 Die Jurten-artigen Zelte sind je nach Ausstattung ganzjährig bewohnbar und werden aus Baumwollcanvas hergestellt. Meine Recherche hat leider nichts über die Bio-Qualität des Stoffes ergeben, insofern gehe ich davon aus, dass er aus konventioneller Produktion stammt. Da finde ich, könnte man sicher was anders machen… Dennoch, sollten die Zelte halten, was sie versprechen („Zelte fürs Leben, nicht für den Müllplatz!“) halte ich die Lotus Belle durchaus für eine Lösung, was alternativen Wohnraum anbelangt. [Edit: Ich habe eine Anfrage an das Unternehmen gestellt. Wenn ich Antwort habe, werde ich das hier natürlich aktualisieren!]

Was mir eher weniger gefallen hat

SimplyHeat

Ganz grundsätzlich gefiel mir die Idee hinter SimplyHeat sehr gut. Es handelt sich dabei um papierdünne „Heizkörper“, welche direkt in die Wand eingebaut werden und einen sehr hohen Wirkungsgrad haben. Da sie aus Carbon und einem Kupferstreifen bestehen, ist auch das Recycling des Produkts an sich möglich.

Was mir aber sauer aufgestoßen ist, war die Reaktion des Beraters auf meine Nachfrage eben bezüglich des Recyclings. Da das Produkt in die Wand eingebaut wird, ist es meiner Erfahrung nach schwierig, es bei Abriss ordnungsgemäß zu trennen und der Wiederverwertung zuzuführen. Einen solchen Einwand mit einem lapidaren „Das Erleben sie eh nicht, wenn das Haus abgerissen wird!“ abzuwürgen, finde ich höchst problematisch. Auch mein Unwille, eine Visitenkarte mitzunehmen, um Müll zu sparen, wurde eher belächelt. Da besteht Nachholbedarf!

PEFC

Noch mehr Greenwashing gab es meines Erachtens nach beim Vortrag des PEFC. Der Vortrag („Wissen Sie, welche Produkte Ihres alltäglichen Lebens aus Holz hergestellt wurden?“) hatte dann recht wenig mit seinem Titel gemein.

PEFC (Programme for the Endorsement of Forest Certification Schemes) beschreibt sich selber als „eine Art weltweit führender „Wald-TÜV“, seit über 17 Jahren eine nachhaltige Waldbewirtschaftung in zertifizierten Wäldern sicher. Doch was heißt nachhaltige Waldwirtschaft? Warum können Sie sich sicher sein, dass in Produkten mit dem PEFC-Siegel kein Holz aus Raubbau oder illegalen Rodungen enthalten ist?“

Und genau darüber kann man sich eben nicht sicher sein! Bereits während des Vortrags habe ich mit der Recherche begonnen, da ich mich an den Skandal zum FSC-Holz im Jahr 2018 erinnert habe. Zwar sind FSC (Forest Stewardship Council) nicht dieselben Institutionen, im Gegenteil, das PEFC stellt deutlich geringere Anforderungen als das FSC-Siegel. Daraus folgt, dass zwar sehr große Anteile der österreichischen Forste PEFC-gesiegelt sind (70%), doch die Aussagekraft ist mäßig. So werden nicht einzelne Waldbesitzer begutachtet, sondern gesamte Regionen bewertet und den Waldbesitzern dann ein vereinfachtes Verfahren mit Selbstverpflichtung auferlegt. Diese durchaus nicht unproblematischen Faktoren wurden nicht angesprochen und hinterlassen einen schalen Beigeschmack.

All in

Alles in allem ist die Autarkia eine schöne Möglichkeit, bekannte Akteure persönlich kennen zu lernen, neue Ideen und Unternehmen zu entdecken und sich mit Gleichgesinnten bei einem Glas Bio-Wein zu unterhalten.

Die Kartoffel-Krise

Der durchschnittliche Österreicher konsumiert pro Jahr 51,9 kg Kartoffeln. [1] 140 g am Tag also, das ist eine mittelgroße Frucht. Die Kartoffel ist das Lieblingsgemüse jedes 10. Bürgers [2] und dabei steht Österreich im Vergleich eher am unteren Ende der Skala, was den Verbrauch angeht: der EU-Durchschnitt liegt bei 70 kg, die Letten essen mit 126 kg pro Jahr mehr als doppelt so viele Kartoffeln wie die Österreicher. [3]

Die Kartoffel hat übrigens ein Frassloch…

Schaut man sich die Nährwerte der Kartoffeln oder Erdäpfel an, so macht ein hoher Konsum auch durchaus Sinn: sie sind kalorienarm, enthalten hochwertiges Eiweiß, sind Ballaststoffquelle und Vitaminreich. [4] Ein letzter, nicht unwesentlicher Punkt: Sie sind billig und ganzjährig verfügbar.

Preis-schock bei Pommes

Und nun der Schock! „Erdäpfel knapp: Jetzt droht Preisschock bei Pommes“, so titelt oe24.at am 23.04. Und weiter heißt es: „Jetzt droht auch noch ein Teuer-Schock bei Pommes. Die Preise ziehen längst an: Bis zu 30 Euro bekommen die Bauern für 100 kg Erdäpfeln – vor genau einem Jahr waren es noch 20 Euro. Und in den nächsten Wochen werden die allerletzten Erdäpfel aus Österreich über die Ladentische gehen. Dann ist Schluss. Grund: „Durch die Dürre letztes Jahr gab es massive Engpässe“, sagt Landwirtschaftskammer-Expertin Anita Kamptner: „Die Lücke wird mit Erdäpfeln aus Frankreich oder ­Israel gefüllt. Da kann es durch die langen Transportwege teurer werden.“ Österreichs Erdäpfel-Bauern fürchten jetzt um ihre Existenz: Denn auch der heurigen Ernte setzen Schädlinge und Trockenheit zu.“ [5]

Um auf den Umstand der Kartoffelknappheit hinzuweisen, demonstrierten am 25.04 die Kartoffelbauern am Wiener Heldenplatz und verteilten symbolisch die letzten Erdäpfel des Jahres.

70 Prozent ERnteeinbusse

Worum aber geht es eigentlich? Die extreme Trockenheit im Jahr 2018, welche sich auch dieses Jahr fortsetzt, hat, zusammen mit dem starken Drahtwurm-Befall, bis zu 70% der Ernte für den Handel unverkäuflich gemacht. So weit, so schlecht. Da Regentänze in den seltensten Fällen Erfolg versprechen, war das Ziel der Demo als weniger, für ausdauernden Niederschlag zu sorgen, als die Notzulassung von Insektiziden.

Probleme – und Lösungen?

Der Drahtwurm ist einer der größten Schädlinge im Kartoffelanbau und wie der Name schon sagt zäh und widerstandsfähig. Bei ungünstigen Lebensbedingungen ziehen sich die Würmer in tiefere Bodenschichten zurück, wo sie gerne auch über mehrere Monate ohne Nahrung bleiben können. Aus den Drahtwürmern schlüpfen nach 3 bis 5 Jahren die Saatschnellkäfer, doch sind es die Larven, welche in der Zwischenzeit den Schaden an der Kartoffel anrichten. Meist folgt ein weiteres Problem auf dem Fuße: die Fraßlöcher bieten Pilzen und Keimen einen Angriffspunkt.  Lösungen gibt es – abgesehen von Insektiziden – durchaus: So meiden die Drahtwürmer humusreiche Böden, durch intensive Bodenbearbeitung im Frühjahr und Herbst kann das Gelege gestört werden und die Beachtung der Fruchtfolge trägt ebenfalls zu einer Reduktion des Käferbefalls bei. Daneben sollen auch Ringelblume und Tagetes als Beisaat eine positive Wirkung zeigen. [6]

… und die gehörte zu den 50% der weggeworfenen Kartoffeln, bevor wir sie aus dem Müll gezogen haben.

Was all diese Lösungsansätze gemeinsam haben: sie sind zeitaufwändig. Zeit ist das Letzte, was die moderne Landwirtschaft sich nimmt und so ist die beliebteste Lösung außerhalb des Biolandbaus der Einsatz von Insektiziden. Dieser wurde in den vergangenen Jahren aber aus Umweltschutzgründen eingeschränkt  und auch der Handel bevorzugt Ware, welche ohne den Einsatz von Insektiziden hergestellt wurde. Dennoch fordern die Kartoffelbauern nun eine Notzulassung.

Damit wären sie nicht die Einzigen: Erst kürzlich wurde den Rübenbauern gewährt, die erst 2018 verbotenen, bienenschädlichen Neonicotinoide zur Saatgutbeize einzusetzen. Es ist eine Notfallzulassung, um das Saatgut vor diversen Schädlingen zu schützen. Dass das in den Boden ausgebrachte Gift auch eine Gefahr für die lebenswichtige Bodenfauna darstellt, tritt hinter den wirtschaftlichen Interessen zurück. [7] Dass es genug Studien gibt, welche zeigen, dass eine Bekämpfung des Drahtwurms mittels Insektiziden bei der Kartoffel nur wenig Erfolg bringt, scheint ebenfalls unwichtig. [8]

Rechnerischer Überschuss

Fakt ist: mengenmäßig war die Ernte im Jahr 2018 um 7% höher als die im Jahr zuvor (rund 698.000 Tonnen). Man könnte meinen, bei einem pro Kopf-Verbrauch von 52 kg pro Jahr und pro Kopf in Österreich  sollte das dennoch reichen, locker sogar (ganz Ö isst pro Jahr 456.196 Tonnen Kartoffeln, da sollte also ein Überschuss von rund 241.804 Tonnen bleiben).  Leider ist dieser Überschuss ein rein rechnerischer.

Denn wie eine Studie der ETH Zürich zeigt: „Vom Feld bis zu den Haushalten gehen bei konventionell erzeugten Speisekartoffeln 53 Prozent verloren, bei biologisch produzierten gar 55 Prozent.“ Diese Studie, welche in der Schweiz durchgeführt wurde und daher wohl nahezu eins zu eins auf den österreichischen Markt umgelegt werden kann, analysierte, welche Anteile Kartoffelernte wo verloren gehen.  

„Verluste entstehen auf allen Stufen der Wertschöpfungskette: Bis zu einem Viertel der Ernte von Speisekartoffeln bleibt bereits bei Produzenten auf der Strecke. Weitere 12 bis 24 Prozent sortieren Grosshändler aus. Lediglich ein bis drei Prozent fallen bei Detailhändlern unter den Tisch und noch immer 15 Prozent in Haushalten.“

https://www.medmix.at/die-haelfte-der-kartoffelernte-geht-verloren/

Fakt ist aber auch, dass bis zu 70% der Kartoffelernte 2018 für den Handel unverkäuflich sind. Rund 30 % des Verlustes lassen sich dabei auf den Drahtwurm zurückführen, der Rest ist „unansehnlich“.

Wie definieren wir „unverkäuflich“?

Denn theoretisch sind Erdäpfel auch noch essbar, wenn sie von Drahtwürmern angefressen wurden. In vielen Fällen verkapseln sich die Gänge und können durch Herausschneiden einfach entfernt werden, nur bei einem auf den Verbiss folgenden Befall durch Pilze und Bakterien sollte vom Verzehr abgesehen werden. Doch selbst, wenn man sämtliche vom Drahtwurm befallenen Erdäpfel herausrechnet, so ist der Rest der „unverkäuflichen“ Kartoffeln nur „unansehnlich“. Nicht schlecht, nicht verdorben, sondern zu klein, zusammengewachsen, nicht ganz oval, wie auch immer. [9, 10]

Schrumplig, voller Triebe und Frasslöcher – und wir werden sie dennoch essen. Du auch?

So undurchdacht der Ruf nach einer Notzulassung von Spritzmitteln auch klingt, so nachvollziehbar ist er dann doch: die Bauern haben schlicht und ergreifend Angst um ihren Wohlstand, was man ihnen kaum zum Vorwurf machen kann. Dennoch kann der Mehreinsatz von Insektiziden keine Lösung sein! Wir befinden uns im 6. Massenaussterben der Geschichte unseres Planeten und ursächlich dafür ist unbestreitbar der Einsatz von Giften.

Gifteinsatz oder umdenken?

Vielmehr muss ein Umdenken stattfinden: Nehmen wir Preissteigerungen von bis zu 30% eher hin als unförmige Kartoffeln, welche gar ein Frassloch haben? Nehmen wir im Austausch für makellose Ware hin, das bereits verbotene Insektizide wieder notzugelassen werden? Kann man überhaupt von einer Krise sprechen, wenn Jahr für Jahr die Hälfte der Ernte aus optischen Gründen vernichtet wird?

Offensichtlich. Aber wir können diese teils fingierte Krise aber auch nutzen und uns positionieren: Kaufen wir die angeblich unverkäuflichen, unansehnlichen Erdäpfel und setzen ein Zeichen gegen das „perfekte Produkt“! Definieren wir unverkäuflich um!

[1] https://de.statista.com/statistik/daten/studie/37703/umfrage/pro-kopf-verbrauch-von-kartoffeln-in-den-laendern-der-eu/
[2] https://derstandard.at/2000061646859/Der-Oesterreicher-liebstes-Obst-und-Gemuese
[3] https://de.statista.com/statistik/daten/studie/37703/umfrage/pro-kopf-verbrauch-von-kartoffeln-in-den-laendern-der-eu/
[4] https://eatsmarter.de/ernaehrung/wie-gesund-ist/kartoffel-kalorien-und-naehrwerte
[5] https://www.oe24.at/businesslive/oesterreich/Erdaepfel-knapp-Jetzt-droht-Preisschock-bei-Pommes/377332803
[6] https://www.plantura.garden/gartentipps/pflanzenschutz/drahtwurm-erkennen-vorbeugen-bekaempfen
[7] https://www.nachrichten.at/oberoesterreich/neonics-fuer-zuckerrueben-sorgen-bei-den-imkern;art4,3117344
[8] https://www.lfl.bayern.de/ips/blattfruechte/024000/index.php
[9] https://www.tt.com/panorama/natur/14991861/duerre-und-schaedlinge-70-der-kartoffelernte-unverkaeuflich
[10] https://diepresse.com/home/wirtschaft/economist/5548902/Der-Grossteil-der-Kartoffelernte-ist-unbrauchbar

Eine umweltfreundliche Alternative zum herkömmlichen Papier?

Da ich mich beruflich recht viel im Print-Bereich bewege und vor kurzem einige Testdrucke auf Stone Paper in meinen Händen halten konnte, habe ich mir gedacht, dass es nicht schaden könnte mich etwas näher mit diesem Material auseinander zu setzen.

Was ist Stone Paper?

Bei diesem Stoff (auf Deutsch: Steinpapier) handelt es sich genau genommen nicht um Papier im herkömmlichen Sinne, da es zu 80% aus Kalziumkarbonat (in Form von fein gemahlenem Kalkstein) und zu 20% aus Polyethylen-Harz, genau genommen High-density polyethylene (HDPE) besteht. [1]

Warum Stone Paper?

Bei der Herstellung kann vollständig auf Zellulose und Bleichmittel verzichtet werden. Der Wasserverbrauch kann deutlich gesenkt werden. Der Nutzer profitiert durch die gegebene Wasserfestigkeit und Abwaschbarkeit sowie die hohe Strapazierfähigkeit. [2] [3]

Abbildung 1 – Umweltfreundlichkeit von Stone Paper – Quelle: http://de.stonepapersz.com/ (letzter Zugriff am 10.04.2019)

Ist das schon die ganze Wahrheit?

Das wäre natürlich zu schön um wahr zu sein. Neben den höheren Kosten für die Abnehmer muss man sich auch bewusst, dass die enthaltenen 20% HDPE ein Kunststoff sind. Stone Paper löst sich zwar nach mehrmonatiger intensiver Sonneneinstrahlung vollständig auf, jedoch bleibt neben dem Steinstaub auch das HDPE in Form von Mikroplastik übrig. Wenn ein Nutzer sich nun denkt „ach das löst sich eh auf, das schmeiß ich gleich in die Natur“, dann gelangt das HDPE in die Böden und letztendlich irgendwann in den Wasserkreislauf. [4] [5]
Ob man Polyethylen als „besseres Plastik“ sehen möchte darüber lässt sich streiten. Ich möchte an dieser Stelle nur darauf hinweisen, dass es immerhin deutlich schädlichere Kunststoffe gibt. [6]

Abbildung 2 – Mikroplastik – Quelle: https://www.zm-online.de/ (letzter Zugriff am 10.04.2019)

Fazit

Stone Paper stellt eine tolle Alternative zu herkömmlichem Papier dar. Nur sollte man sich gut überlegen zu welchem Zweck man es einsetzen möchte. Es ist nichts für ausschließlichen und intensiven Outdoor-Gebrauch an Orten mit hoher Sonneneinstrahlung wie z.B. in den Tropen oder in den Bergen . Die neue umweltfreundliche Allzweckwaffe, wie es von der Industrie beworben wird, ist es sicher nicht. [7]
Von differenzierten Studien oder Kritikern wird auch der gängig gewordene Begriff „Greenwashing“ hie und da in den Raum geworfen. Hinsichtlich des Mikroplastik ist eine Aufklärung der Endverbraucher unbedingt erforderlich. Es muss kommuniziert werden, dass das Material dringend fachgerecht entsorgt werden muss, da sonst Süß- und Salzwasserspeicher belastet werden.

[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Steinpapier
[2] https://www.stone-paper.com/warum-stone-paper/
[3] https://www.stone-paper.com/steinpapier-umweltfreundlich/
[4] https://www.wired.com/2013/02/stone-paper-notebook/
[5] https://www.stone-paper.com/faq/
[6] https://utopia.de/ratgeber/polyethylen-pe-was-du-ueber-den-kunststoff-wissen-musst/
[7] http://stone-paper.nl/home

Die Freytag & Berndt Wanderapp für Familien

[Werbung]
Ihr fragt Euch, was Geographen denn eigentlich im echten Leben machen, wenn sie nicht gerade versuchen, die Welt zu retten? Nun, das gibt es so Einiges: Vermessen, in Kartenverlagen arbeiten und manchmal, da machen sie sogar recht moderne Sachen: An der Entwicklung von Apps mitarbeiten.

Und weil man natürlich stolz auf sowas ist, folgt hier Werbung aus Überzeugung. Wir werden dafür weder bezahlt noch erhalten wir anderweitige Vergütung, sondern wollen, dass möglichst viele Menschen die Fragen beantworten, die einer von uns geschrieben hat! 😉


Raus in die Natur

Passend zum Start der Osterferien zeigt sich der Frühling von seiner schönsten Seite: Zeit, die ersten Wandertouren zu planen! Wenn Ihr den Saisonstart etwas gemütlicher angehen wollt, Kinder habt oder einfach unterwegs auch noch etwas lernen wollt (oder alles zusammen ;-)), dann solltet ihr einen Blick auf eine App werfen, die seit dieser Woche auf dem Markt ist: eine Wanderapp der Firma Freytag & Berndt, die speziell auf Kinder (und Junggebliebende) zugeschnitten ist. [1]

Abbildung 1 – Die Optik der F&B Wanderapp

Was macht die App besonders?

Inzwischen gibt es von nahezu jedem größeren Outdoor-Portal oder Bergsport-Verein eine eigene App für Navigation im Gelände (z.B. [2] [3]). Dabei hat Jede ihre individuellen Stärken und Schwächen. Auch Anwendungen mit Kindern als Zielgruppe gibt es einige. [4] Die F&B Wanderapp aber besetzt eine eigene Nische, die bisher in dieser Form noch nicht bedient wird.

Aus einer Liste vordefinierter Routen kann man seine Auswahl treffen und – befindet man sich dann am Startpunkt – diese auch aktiv starten. Man erhält dabei nicht nur die üblichen Informationen zu Anreise, aktuellem Wetter, bester Jahreszeit etc., sondern auch detaillierte Auskünfte über den Schwierigkeitsgrad. Zusätzlich lässt sich der Schwierigkeitsgrad sogar dem Alter der Kinder anpassen! Das Symbol „Kinderwagentauglichkeit“ gibt zudem Auskunft über den Untergrund. Schließlich ist mit Kinderwagen das Vorankommen über Stock und Stein deutlich mühsamer als auf Asphalt!

Hat man die Wanderung gestartet, so begleiten den Wanderer Fragen, die das unterwegs Gesehene erlebbar machen: für Kinder lösbar und dennoch interessant für Mama und Papa. Denn auch, wenn man mit etwas Kombinationsgabe die richtige Lösung oft schnell findet: witzige Fakten und „unnützes“ Wissen über Kultur, Wald, Land und Leute sorgen auch beim allumfassend informierten „Homo Googlicus“ für Aha-Erlebnisse!

Fragen beantworten reicht Euch nicht?! Dann versucht doch, „Berndi“, das Maskottchen der App, zu fangen! Der kleine Nager taucht in jeder Route mehrmals auf – und Einfangen bleibt nicht unbelohnt!

Abbildung 2 – „Berndi

Die Leistungen

Die Grundversion der App kann kostenfrei heruntergeladen werden. [5] [6] Bis 15. Mai sind alle Routen gratis und in vollem Funktionsumfang der Pro-Version verfügbar.

Nach diesem Aktionszeitraum ist die Möglichkeit Fragen zu beantworten und „Berndi’s“ zu sammeln nur noch in 20 Routen kostenlos enthalten. Die übrigen rund 350 Routen sind natürlich weiterhin verfügbar, allerdings als reine Wanderstrecken.

Die allgemeinen Informationen bleiben auch über den 15. Mai hinaus dauerhaft gratis. Die Vollversion kosten dann 4,99€ für ein Jahr. Momentan gibt es Routen in Ostösterreich, bis Ende des Jahres werden auch Touren in ganz Österreich freigeschaltet. Ab 2020 erkundet Berndi dann auch Wanderrouten außerhalb Österreichs und nimmt Euch mit!
Also dann, auf geht’s 🙂

[1] https://www.freytagberndt.com/die-freytag-berndt-familien-wander-app/
[2] https://itunes.apple.com/at/app/bergfex-touren-gps-tracking/id912776148?mt=8
[3] https://www.alpenverein.at/portal/news/aktuelle_news/2018/2018_12_10_alpenvereinaktiv-com-tourenportal-mit-neuer-app.php
[4] https://www.familienleben.ch/kind/digitales-leben/apps-fuer-kinder-10-tipps-2324
[5] https://play.google.com/store/apps/details?id=com.freytagberndt.hmapp
[6] https://itunes.apple.com/at/app/f-b-wanderkarte/id1386702850?mt=8

Frühlingshafte Scones

Ich weiß nicht, wie viele Jahre es nun schon her ist, dass ich das erste Mal Kräuter-Scones gebacken habe. Ich schätze mal, es war im Jahr 2013?

Ich kann mich erinnern, dass ich zu Hause gebacken habe, mit frischen Kräutern aus dem Garten meiner Mutter: Rosmarin, Petersilie, Thymian… Sonnenwarm aus dem Beet. Die Scones wurden wieder und wieder gebacken, bis ich sie dann doch eines Tages nicht mehr sehen konnte. Und was nicht in Vergessenheit hätte geraten dürfen, ging verloren. [Nerd-Test: Wer hat’s gesagt?![1]]

Fast forward ins Jahr 2019. Vor drei Wochen waren Flo und ich das erste Mal Bärlauch pflücken und brachten ein bisschen (na gut, viel) zu viel mit. Nachdem die üblichen Verdächtigen abgearbeitet waren und der Schrank voller Pesto, Salz und Öl stand, war immer noch etwas übrig. Und da tauchten sie aus meiner Erinnerung auf: Kräuter-Scones!

Nach ein paar Probeläufen habe ich das Rezept  nun erfolgreich veganisiert, an die Frühlings(-wild-)kräuter angepasst und teile es jetzt mit Euch!

Zutaten

  • Ca. 100 g gemischte Wildkräuter
  • 460 g Mehl (ich nehme am liebsten Roggen)
  • 1 TL Salz
  • 2 TL Backpulver
  • 125 g Margarine
  • 1 EL geschrotete Leinsamen
  • 100 ml Pflanzenmilch
  • 100 ml Wasser (nach Bedarf anpassen)
  • Weißer Sesam

Anleitung

Gebt die Leinsamen und 3 EL lauwarmes Wasser in ein Schüsselchen und lasst das Ganze ein paar Minuten stehen, bis die Mischung angedickt ist. Dieses „Leinsamen-Ei“ gibt dem Teig etwas mehr Haftung.

Dann kümmert ihr Euch um die Kräuter. Bei mir waren es Bärlauch, Löwenzahn, Schnittlauch und Brennnessel, Ihr könnt aber natürlich alles nehmen, was Ihr an essbaren Kräutern findet. Am Ende des Rezeptes schreibe ich Euch noch auf, welche Wirkungen die verschiedenen Wildkräuter haben. Hackt die Kräuter klein und stellt sie beiseite.

Gebt Mehl, Salz, Backpulver, Margarine, die Leinsamen und die Kräuter in eine Schüssel, ebenso die Pflanzenmilch. Verknetet alles per Hand oder mit dem Knethaken und gebt nach Bedarf das Wasser dazu. Je nach der Mehlart und der Feuchtigkeit des „Leinsamen-Eis“ kann es sein, dass Ihr nicht alles oder auch etwas mehr braucht.

Den Teig nicht zu lange kneten! Er sollte eher trocken sein und leicht zu formen. Dann ab mit dem Teig auf ein Blech (Backpapier oder gewachst). Den Teig zu einem Rechteck mit einer Dicke von ca. 4 -5 cm ausrollen. Zum Schluss mit einem Messer  die späteren Stücke markieren. Zum Schluss mit einem Esslöffel Sesamsamen bestreuen.

Bei 200°C in den vorgeheizten Ofen damit und nach etwa 25 min habt ihr frische Wildkräuter-Scones!

Die Kräuter und ihr Wirkung

Damit Ihr die Kräuter in Euren Scones verbacken könnt, die für Euch am besten sind, hier noch eine kleine Auswahl:

  • Bärlauch kannte man schon in der Steinzeit und nutzte ihn als Heilpflanze. Verwandt mit dem Knoblauch hat er ähnliche Eigenschaften und  wirkt entzündungshemmend und antibiotisch. Daneben soll Bärlauch bei Bluthochdruck helfen und den Cholesterinspiegel senken. [2] Daneben hat Bärlauch pro 100g ca. dreimal so viel Vitamin C wie Orangen.
  • Lange Zeit von Gärtnern bekämpft, ist die Brennnessel eigentlich eine Bereicherung für den Speisezettel: Vor allem für Veganer ist wohl der hohe Eisengehalt interessant. 100 g Brennnessel enthalten 4120 µg Eisen und damit mehr als das doppelte als 100 g Rindfleisch! Auch Vitamin C und A sind in größeren Mengen enthalten. Die Brennnessel gilt als stoffwechselanregend, blutreinigend und entwässernd. [3]
  • Giersch: Auch der Giersch ist so ein Kraut, das manchen Gärtner in den Wahnsinn treibt. Dabei ist er ebenso wie die übrigen Frühlingskräuter eine Vitaminbombe: Vitamin A und C, dazu kommen Eisen, Magnesium und Calcium. Auch hier reicht die zugesagte Wirkung von blutreinigend über entgiftend und entzündungshemmend hin zu verdauungsanregend. [4]
  • Löwenzahn: Die Bitterstoffe der Blätter gelten als harntreibend und stoffwechselanregend, daneben sind auch im Löwenzahn viele Vitamine und Mineralstoffe enthalten.[5]

Natürlich gibt es noch viele weitere Kräuter, die Ihr verwenden könnt – nicht nur im Frühling! Aber man merkt es schon an der Wirkung der Pflanzen: im Frühling haben alle Lebewesen das Bedürfnis nach Reinigung und Entschlackung und danach, die Nährstoffreserven nach dem Winter aufzufüllen!

Ich wünsche Euch viel Spaß beim Sammeln und Backen!

[1] „Ich spüre es in der Erde, im Wasser, in der Luft.“

Immer noch nicht? Galadriel, in Der Herr der Ringe, Die Gefährten, war’s.
[2] https://baerlauch.die-heilpflanze.de/heilwirkung.htm
[3] https://www.gesundheit.gv.at/leben/ernaehrung/kraeuter-gewuerze/inhalt
[4] https://www.fitundgesund.at/giersch-artikel-636
[5] https://www.gesundheit.gv.at/leben/ernaehrung/kraeuter-gewuerze/inhalt

Das Auto – Eine Bestandsaufnahme der Umweltauswirkungen II

Die Kosten

Worum geht es?

Heute weiten wir das Schwerpunktthema Auto ein wenig auf drei weitere Verkehrsteilnehmer im Individualverkehr aus. Das Flugzeug wird hier bewusst ignoriert, da dieses durch die internationalen Verflechtung von Kosten, durch die Frage, ob die CO2-Emissionen im Start- oder Zielstaat oder allen überflogenen Staaten angerechnet werden sollen, sowie die fehlende Besteuerung von Kerosin Vergleichsstudien sehr schwer machen. So kann nur ein verzerrtes Bild abgegeben werden. (Unwissenschaftlicher Einschub: Für Inlandsflüge wage ich zu behaupten, dass man die Klimabilanz nicht unbedingt mit anderen Verkehrsmitteln vergleichen muss, um ein mehr als offensichtliches Ergebnis zu erhalten. Wobei man fairerweise dazu sagen muss, dass das Flugzeug besonders für Langstrecken nur unwesentlich schlechter abschneidet als der Pkw. Siehe z.B. https://www.atmosfair.de/de/standards/emissionsberechnung/emissionsrechner/ [1])
Im Folgenden schauen wir uns die Kosten von Pkw, Bus, Bahn und Rad in Österreich, Deutschland und der Schweiz etwas genauer an.

Die externen Kosten für den Steuerzahler

Der Staat Österreich nimmt vom privaten und gewerblichen motorisierten Individualverkehr lediglich knapp über die Hälfte der Realkosten in Form von Steuern, NoVA oder Maut ein. Der Rest wird über „Subventionen“ (externe Kosten) vom allgemeinen Steuerzahler beglichen. Abbildung 1 gibt die Einnahmen mit 8,9 Mrd. € und die Ausgaben mit 15,6 Mrd. € an. Besonders deutlich zu Buche schlagen, neben der Erhaltung der Infrastruktur, die Kosten für Unfälle. Die Kosten für den Klimawandel können freilich nur statistisch berechnet werden, da hier auch Kosten geschätzt werden, welche von zukünftigen Generationen getragen werden müssen. [2]

Abbildung 1 – Keine Kostenwahrheit im Verkehr – Quelle: VCÖ 2017

Änhlich sieht die Sache in Deutschland aus. Hier ist das Verhältnis 50 Mrd. € zu 90 Mrd. €. [3]
Vergleicht man die externen Kosten zwischen Bus, Bahn und Pkw, so wird deutlich, dass der Individualverkehr besonders gegenüber der Bahn überproportional mehr Kosten verursacht (siehe Abbildung 2). [4]

Abbildung 2 – Externe Kosten von Pkw, Reisebus und Bahn – Quelle: VCÖ 2017

Auch der Reisebus schneidet immer noch deutlich schlechter als die Bahn ab und das, obwohl der Bundesverband Deutscher Omnibusunternehmer darüber klagt, dass die Bahn zahlreiche Subventionen erhält und der Fernbusverkehr nicht. [5]
Inwieweit die Daten zwischen Österreich und Deutschland vergleichbar sind, kann ich an dieser Stelle leider nicht sagen, da beide Datenquellen unterschiedliche Schwerpunkte haben und jener der Omnibusunternehmer ein wenig „eingefärbt“ wirkt. Der VCÖ sollte einen neutralen Standpunkt vertreten. Der Effekt, dass in deutschen Berichten der Bus klimafreundlicher abschneidet als die DB und in Österreich die ÖBB besser abschneidet als die Fernbusse, lässt sich auf den hohen Grad an erneuerbaren Energien im ÖBB-Netz zurückführen. Dies hat, wie bereits Abbildung 1 zu entnehmen, auch einen positiven Effekt auf die Kosten, da hier weniger kostenintensive Gegenmaßnahmen initiiert werden müssen.
Anhand der unterschiedlichen Themenschwerpunkte und Herausgeber wird deutlich, dass es immer darauf ankommt, wie man Werte für Klimafreundlichkeit und Kosten/Nutzen berechnet. So kommt es darauf an, welche Energiequellen ein Fahrzeug besitzt (abhängig von Betreiber und regionalem Energienetz). Auch wenn Fernbusse zwar nicht aktiv vom Staat gefördert werden, so dürfen die externen Kosten, die der Busverkehr verursacht, jedoch auch nicht außer Acht gelassen werden.
Für die Schweiz kann man vereinfacht sagen, dass die Zahlen in eine ähnliche Richtung gehen. Sehr schön aufbereitet hat es diese Schweizer Website:
https://www.energie-umwelt.ch/haus/oeffentlicher-verkehr-mobilitaet/oeffentlicher-verkehr [6]

Der Radfahrer als Finanzier des öffentlichen Verkehrs?!

Für die Stadt Wien wurde von Wissenschaftlern der Wiener Universität für Bodenkultur berechnet, dass Radfahrer den privaten motorisierten Individualverkehr mit knapp 225 Mio. € quersubventionieren, während Pkw die Allgemeinheit mit knapp 190 Mio. € belasten. Dabei ist zu beachten, dass dieses Modell auf den Stadtverkehr zugeschnitten wurde. Das Kostenungleichgewicht lässt sich insbesondere auf die positiven Auswirkungen des Radfahrens im Gesundheitssektor zurückführen. Die Krux an der Sache ist, dass dieser Effekt schwer greifbar ist. Die private Entscheidung Rad zu fahren und die regionalpolitische Entscheidung Radwege auszubauen, hat hauptsächliche für den Bund positive Auswirkungen. Somit gibt es für die Entscheidungsträger wenig Anreize, den Radverkehr auszubauen. Die Großzahl der Radfahrer selbst, die einen Ausbau vermutlich begrüßen würden, verfügen weder über eine starke Lobby noch über politische Entscheidungsgewalt.

Foto 1 – Radfahrer in der Stadt – Quelle: http://www.adfc-blog.de (letzter Zugriff am 07.04.2019)

Weiter findet sich in den Ausführungen der Wissenschaftler eine interessante Gegenüberstellung:
Die selbst zu tragenden Kosten (incl. Betrieb, Unfallwahrscheinlichkeit und ökonomischer Wert der Reisezeit) unterscheiden sich nur geringfügig. Für den Autofahrer sind 94 Cent pro Kilometer aufzubringen, für den Radfahrer 83 Cent pro Kilometer. Als Kosten für die Allgemeinheit (also über die Steuer abgegolten) entstehen beim Autofahrer 4,35 Cent pro Kilometer, der Radfahrer zahlt rechnerisch 81,47 Cent pro Kilometer ein. [7] Als Radfahrer subventioniert man den Staat also noch, indem man sich gesund und fit hält (weniger Kosten für die Krankenkassa) und weil Sachschäden mit dem Rad meist deutlich billiger ausfallen.
Ich wage zu behaupten, dass sich dies mit hoher Wahrscheinlichkeit auch auf vergleichbare Ballungsräume übertragen lässt. Ähnliche Studien wurden auch in Deutschland veranlasst, welche im Kern zum gleichen Ergebnis kommen. [8] [9]
Eine recht plakative eigene Überlegung sollte einen Teil der potenziell einzusparenden Kosten recht greifbar machen: Die Kosten für das Aufbauen und die Erhaltung der Infrastruktur ist für Radwege deutlich niedriger als für motorisierten Verkehr, da ein Radweg schmalere Fahrbahnen aufweist und durch den geringen Auflagedruck auch einen geringeren Verschleiß erfährt.

Umweltfreundlichkeit als Kostenfaktor

Dank der betriebseigenen Speicherkraftwerke ist die ÖBB das umweltfreundlichste Verkehrsmittel Österreichs und konnte trotz stark gestiegener Fahrgastzahlen seit 2006 den CO2-Ausstoß um 35% senken. Interessant sind die angegebenen Verhältnisse des CO2-Ausstoßes je Personenkilometer. Die ÖBB benötigt hier 12-mal weniger als ein PKW und 13-mal weniger als ein Flugzeug. Sowohl der große Unterschied zum PKW als auch der geringe Unterschied von PKW zu Flugzeug überraschen. Leider werden hier keine Quellen zu den Zahlen angegeben. [10]
Zu ähnlichen Ergebnissen kommen zwei weitere Artikel. [11] [12]

Sehr differenziert werden für die Schweiz die Umweltbelastungen verschiedener Verkehrsmittel in Abbildung 3 dargestellt.

Abbildung 3 – Umweltbelastung verschiedener Verkehrsmittel in der Schweiz – Quelle: http://www.umwelt-schweiz.ch (letzter Zugriff am 07.04.2019)

Besonders erwähnenswert sind die geringen Gesamtbelastungen bei der Bahn. Die vergleichsweise hohen Belastungen für Betrieb und Unterhalt bei Reisebussen bei gleichzeitig geringen Belastungen für Herstellung und Fahrweg sind ebenfalls erwähnenswert. Die exorbitant großen Umweltbelastungen bei der Herstellung von Elektroautos sind ebenso erstaunlich wie die verhältnismäßig hohen Herstellungskosten für Fahrräder. [13]

Abschließend noch interessante Zahlen zur jährlichen Pro-Kopf-Fahrleistung mit Bahn, Bus und städtischen Öffis im jeweils eigenen Land für europäische Staaten. Österreich und die Schweiz an der Spitze, Deutschland weit abgeschlagen. [14]

1. Österreich: 3.405 km
2. Schweiz: 3.335 km
3. Tschechien: 3.245 km
4. Ungarn: 2.885 km
5. Estland: 2.740 km
6. Irland: 2.725 km
7. Italien: 2.670 km
8. Frankreich: 2.630 km
9. Luxemburg: 2.620 km
10. Schweden: 2.545 km
11. Dänemark: 2.405 km
12. Belgien: 2.365 km
13. Griechenland: 2.235 km
14. Finnland: 2.220 km
15. Deutschland: 2.110 km
…….

Fazit

Wer gesund bleiben möchte und über die körperlichen und infrastrukturellen Bedingungen verfügt, der ist mit dem Hauptverkehrsmittel Fahrrad bestens bedient. Für Wegstrecken unter 10 km in städtischen Räumen ist das Transportmittel äußerst attraktiv, da es zugleich gesund, umweltfreundlich und sparsam für Nutzer und Allgemeinheit ist. Für Langstrecken sind Bus und Bahn unschlagbar. Ob man nun beides nutzt oder sich auf eines der beiden Transportmittel festlegen möchte, kann man neben der persönlichen Präferenz von der Energiequelle der jeweiligen Fahrzeuge und deren Auslastung abhängig machen.

Foto 2 – Sportlich im Alter – Quelle: http://www.berliner-kurier.de (letzter Zugriff am 07.04.2019)

Kostenfreie und klimaneutrale Verkehrsmittel gibt es leider nicht, jede Gelegenheit hat aber vielleicht das für diesen Zweck optimale Verkehrsmittel. Wie bei so vielen Dingen ist man mit einem Konsum mit Maß und Ziel schon auf einem sehr guten Weg, sich selbst und der Allgemeinheit das Leben leichter zu machen.

[1] https://www.atmosfair.de/de/standards/emissionsberechnung/emissionsrechner/
[2] https://www.vcoe.at/service/fragen-und-antworten/welche-kosten-entstehen-fuer-den-steuerzahler-durch-den-verkehr
[3] https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wirtschaftspolitik/studie-autofahrer-verursachen-hoehere-kosten-als-sie-abgaben-zahlen-12085783.html
[4] https://www.vcoe.at/themen/ausgeblendete-kosten-des-verkehrs/download-publikation-ausgeblendete-kosten-des-verkehrs?file=files/vcoe/uploads/Themen/Ausgeblendete%20Kosten%20des%20Verkehrs/VC%C3%96-Publikation%20Ausgeblendete%20Kosten%20des%20Verkehrs.pdf
[5] http://www.bdo.org/uploads/assets/55950ac28c43adbe95000002/original/bdo-Flyer-Der_Fernbus_im_Wettbewerb.pdf?1435830978
[6] https://www.energie-umwelt.ch/haus/oeffentlicher-verkehr-mobilitaet/oeffentlicher-verkehr
[7] https://diepresse.com/home/panorama/wien/633072/Studie_Radler-zahlen-fuer-PkwVerkehr
[8] https://nationaler-radverkehrsplan.de/de/aktuell/nachrichten/fahrrad-hat-gesamtgesellschaftlichen-nutzen-von-30
[9] https://volksentscheid-fahrrad.de/de/2016/09/16/die-wahren-kosten-des-autoverkehrs-2675/
[10] http://blog.oebb.at/pwk-und-flugzeug-glatt-abgehaengt/
[11] https://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20091218_OTS0148/oebb-nachhaltigkeit-oekonomisch-oekologisch-und-sozial
[12] https://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20100630_OTS0177/oebb-co2-werte-deutlich-verbessert
[13] https://umwelt-schweiz.ch/de/mobilitaet
[14] https://www.vcoe.at/presse/presseaussendungen/detail/vcoe-oesterreich-europas-spitzenreiter-bei-bahn-bus-und-staedtischen-oeffis