Frühlingshafte Scones

Ich weiß nicht, wie viele Jahre es nun schon her ist, dass ich das erste Mal Kräuter-Scones gebacken habe. Ich schätze mal, es war im Jahr 2013?

Ich kann mich erinnern, dass ich zu Hause gebacken habe, mit frischen Kräutern aus dem Garten meiner Mutter: Rosmarin, Petersilie, Thymian… Sonnenwarm aus dem Beet. Die Scones wurden wieder und wieder gebacken, bis ich sie dann doch eines Tages nicht mehr sehen konnte. Und was nicht in Vergessenheit hätte geraten dürfen, ging verloren. [Nerd-Test: Wer hat’s gesagt?![1]]

Fast forward ins Jahr 2019. Vor drei Wochen waren Flo und ich das erste Mal Bärlauch pflücken und brachten ein bisschen (na gut, viel) zu viel mit. Nachdem die üblichen Verdächtigen abgearbeitet waren und der Schrank voller Pesto, Salz und Öl stand, war immer noch etwas übrig. Und da tauchten sie aus meiner Erinnerung auf: Kräuter-Scones!

Nach ein paar Probeläufen habe ich das Rezept  nun erfolgreich veganisiert, an die Frühlings(-wild-)kräuter angepasst und teile es jetzt mit Euch!

Zutaten

  • Ca. 100 g gemischte Wildkräuter
  • 460 g Mehl (ich nehme am liebsten Roggen)
  • 1 TL Salz
  • 2 TL Backpulver
  • 125 g Margarine
  • 1 EL geschrotete Leinsamen
  • 100 ml Pflanzenmilch
  • 100 ml Wasser (nach Bedarf anpassen)
  • Weißer Sesam

Anleitung

Gebt die Leinsamen und 3 EL lauwarmes Wasser in ein Schüsselchen und lasst das Ganze ein paar Minuten stehen, bis die Mischung angedickt ist. Dieses „Leinsamen-Ei“ gibt dem Teig etwas mehr Haftung.

Dann kümmert ihr Euch um die Kräuter. Bei mir waren es Bärlauch, Löwenzahn, Schnittlauch und Brennnessel, Ihr könnt aber natürlich alles nehmen, was Ihr an essbaren Kräutern findet. Am Ende des Rezeptes schreibe ich Euch noch auf, welche Wirkungen die verschiedenen Wildkräuter haben. Hackt die Kräuter klein und stellt sie beiseite.

Gebt Mehl, Salz, Backpulver, Margarine, die Leinsamen und die Kräuter in eine Schüssel, ebenso die Pflanzenmilch. Verknetet alles per Hand oder mit dem Knethaken und gebt nach Bedarf das Wasser dazu. Je nach der Mehlart und der Feuchtigkeit des „Leinsamen-Eis“ kann es sein, dass Ihr nicht alles oder auch etwas mehr braucht.

Den Teig nicht zu lange kneten! Er sollte eher trocken sein und leicht zu formen. Dann ab mit dem Teig auf ein Blech (Backpapier oder gewachst). Den Teig zu einem Rechteck mit einer Dicke von ca. 4 -5 cm ausrollen. Zum Schluss mit einem Messer  die späteren Stücke markieren. Zum Schluss mit einem Esslöffel Sesamsamen bestreuen.

Bei 200°C in den vorgeheizten Ofen damit und nach etwa 25 min habt ihr frische Wildkräuter-Scones!

Die Kräuter und ihr Wirkung

Damit Ihr die Kräuter in Euren Scones verbacken könnt, die für Euch am besten sind, hier noch eine kleine Auswahl:

  • Bärlauch kannte man schon in der Steinzeit und nutzte ihn als Heilpflanze. Verwandt mit dem Knoblauch hat er ähnliche Eigenschaften und  wirkt entzündungshemmend und antibiotisch. Daneben soll Bärlauch bei Bluthochdruck helfen und den Cholesterinspiegel senken. [2] Daneben hat Bärlauch pro 100g ca. dreimal so viel Vitamin C wie Orangen.
  • Lange Zeit von Gärtnern bekämpft, ist die Brennnessel eigentlich eine Bereicherung für den Speisezettel: Vor allem für Veganer ist wohl der hohe Eisengehalt interessant. 100 g Brennnessel enthalten 4120 µg Eisen und damit mehr als das doppelte als 100 g Rindfleisch! Auch Vitamin C und A sind in größeren Mengen enthalten. Die Brennnessel gilt als stoffwechselanregend, blutreinigend und entwässernd. [3]
  • Giersch: Auch der Giersch ist so ein Kraut, das manchen Gärtner in den Wahnsinn treibt. Dabei ist er ebenso wie die übrigen Frühlingskräuter eine Vitaminbombe: Vitamin A und C, dazu kommen Eisen, Magnesium und Calcium. Auch hier reicht die zugesagte Wirkung von blutreinigend über entgiftend und entzündungshemmend hin zu verdauungsanregend. [4]
  • Löwenzahn: Die Bitterstoffe der Blätter gelten als harntreibend und stoffwechselanregend, daneben sind auch im Löwenzahn viele Vitamine und Mineralstoffe enthalten.[5]

Natürlich gibt es noch viele weitere Kräuter, die Ihr verwenden könnt – nicht nur im Frühling! Aber man merkt es schon an der Wirkung der Pflanzen: im Frühling haben alle Lebewesen das Bedürfnis nach Reinigung und Entschlackung und danach, die Nährstoffreserven nach dem Winter aufzufüllen!

Ich wünsche Euch viel Spaß beim Sammeln und Backen!

[1] „Ich spüre es in der Erde, im Wasser, in der Luft.“

Immer noch nicht? Galadriel, in Der Herr der Ringe, Die Gefährten, war’s.
[2] https://baerlauch.die-heilpflanze.de/heilwirkung.htm
[3] https://www.gesundheit.gv.at/leben/ernaehrung/kraeuter-gewuerze/inhalt
[4] https://www.fitundgesund.at/giersch-artikel-636
[5] https://www.gesundheit.gv.at/leben/ernaehrung/kraeuter-gewuerze/inhalt

Das Auto – Eine Bestandsaufnahme der Umweltauswirkungen II

Die Kosten

Worum geht es?

Heute weiten wir das Schwerpunktthema Auto ein wenig auf drei weitere Verkehrsteilnehmer im Individualverkehr aus. Das Flugzeug wird hier bewusst ignoriert, da dieses durch die internationalen Verflechtung von Kosten, durch die Frage, ob die CO2-Emissionen im Start- oder Zielstaat oder allen überflogenen Staaten angerechnet werden sollen, sowie die fehlende Besteuerung von Kerosin Vergleichsstudien sehr schwer machen. So kann nur ein verzerrtes Bild abgegeben werden. (Unwissenschaftlicher Einschub: Für Inlandsflüge wage ich zu behaupten, dass man die Klimabilanz nicht unbedingt mit anderen Verkehrsmitteln vergleichen muss, um ein mehr als offensichtliches Ergebnis zu erhalten. Wobei man fairerweise dazu sagen muss, dass das Flugzeug besonders für Langstrecken nur unwesentlich schlechter abschneidet als der Pkw. Siehe z.B. https://www.atmosfair.de/de/standards/emissionsberechnung/emissionsrechner/ [1])
Im Folgenden schauen wir uns die Kosten von Pkw, Bus, Bahn und Rad in Österreich, Deutschland und der Schweiz etwas genauer an.

Die externen Kosten für den Steuerzahler

Der Staat Österreich nimmt vom privaten und gewerblichen motorisierten Individualverkehr lediglich knapp über die Hälfte der Realkosten in Form von Steuern, NoVA oder Maut ein. Der Rest wird über „Subventionen“ (externe Kosten) vom allgemeinen Steuerzahler beglichen. Abbildung 1 gibt die Einnahmen mit 8,9 Mrd. € und die Ausgaben mit 15,6 Mrd. € an. Besonders deutlich zu Buche schlagen, neben der Erhaltung der Infrastruktur, die Kosten für Unfälle. Die Kosten für den Klimawandel können freilich nur statistisch berechnet werden, da hier auch Kosten geschätzt werden, welche von zukünftigen Generationen getragen werden müssen. [2]

Abbildung 1 – Keine Kostenwahrheit im Verkehr – Quelle: VCÖ 2017

Änhlich sieht die Sache in Deutschland aus. Hier ist das Verhältnis 50 Mrd. € zu 90 Mrd. €. [3]
Vergleicht man die externen Kosten zwischen Bus, Bahn und Pkw, so wird deutlich, dass der Individualverkehr besonders gegenüber der Bahn überproportional mehr Kosten verursacht (siehe Abbildung 2). [4]

Abbildung 2 – Externe Kosten von Pkw, Reisebus und Bahn – Quelle: VCÖ 2017

Auch der Reisebus schneidet immer noch deutlich schlechter als die Bahn ab und das, obwohl der Bundesverband Deutscher Omnibusunternehmer darüber klagt, dass die Bahn zahlreiche Subventionen erhält und der Fernbusverkehr nicht. [5]
Inwieweit die Daten zwischen Österreich und Deutschland vergleichbar sind, kann ich an dieser Stelle leider nicht sagen, da beide Datenquellen unterschiedliche Schwerpunkte haben und jener der Omnibusunternehmer ein wenig „eingefärbt“ wirkt. Der VCÖ sollte einen neutralen Standpunkt vertreten. Der Effekt, dass in deutschen Berichten der Bus klimafreundlicher abschneidet als die DB und in Österreich die ÖBB besser abschneidet als die Fernbusse, lässt sich auf den hohen Grad an erneuerbaren Energien im ÖBB-Netz zurückführen. Dies hat, wie bereits Abbildung 1 zu entnehmen, auch einen positiven Effekt auf die Kosten, da hier weniger kostenintensive Gegenmaßnahmen initiiert werden müssen.
Anhand der unterschiedlichen Themenschwerpunkte und Herausgeber wird deutlich, dass es immer darauf ankommt, wie man Werte für Klimafreundlichkeit und Kosten/Nutzen berechnet. So kommt es darauf an, welche Energiequellen ein Fahrzeug besitzt (abhängig von Betreiber und regionalem Energienetz). Auch wenn Fernbusse zwar nicht aktiv vom Staat gefördert werden, so dürfen die externen Kosten, die der Busverkehr verursacht, jedoch auch nicht außer Acht gelassen werden.
Für die Schweiz kann man vereinfacht sagen, dass die Zahlen in eine ähnliche Richtung gehen. Sehr schön aufbereitet hat es diese Schweizer Website:
https://www.energie-umwelt.ch/haus/oeffentlicher-verkehr-mobilitaet/oeffentlicher-verkehr [6]

Der Radfahrer als Finanzier des öffentlichen Verkehrs?!

Für die Stadt Wien wurde von Wissenschaftlern der Wiener Universität für Bodenkultur berechnet, dass Radfahrer den privaten motorisierten Individualverkehr mit knapp 225 Mio. € quersubventionieren, während Pkw die Allgemeinheit mit knapp 190 Mio. € belasten. Dabei ist zu beachten, dass dieses Modell auf den Stadtverkehr zugeschnitten wurde. Das Kostenungleichgewicht lässt sich insbesondere auf die positiven Auswirkungen des Radfahrens im Gesundheitssektor zurückführen. Die Krux an der Sache ist, dass dieser Effekt schwer greifbar ist. Die private Entscheidung Rad zu fahren und die regionalpolitische Entscheidung Radwege auszubauen, hat hauptsächliche für den Bund positive Auswirkungen. Somit gibt es für die Entscheidungsträger wenig Anreize, den Radverkehr auszubauen. Die Großzahl der Radfahrer selbst, die einen Ausbau vermutlich begrüßen würden, verfügen weder über eine starke Lobby noch über politische Entscheidungsgewalt.

Foto 1 – Radfahrer in der Stadt – Quelle: http://www.adfc-blog.de (letzter Zugriff am 07.04.2019)

Weiter findet sich in den Ausführungen der Wissenschaftler eine interessante Gegenüberstellung:
Die selbst zu tragenden Kosten (incl. Betrieb, Unfallwahrscheinlichkeit und ökonomischer Wert der Reisezeit) unterscheiden sich nur geringfügig. Für den Autofahrer sind 94 Cent pro Kilometer aufzubringen, für den Radfahrer 83 Cent pro Kilometer. Als Kosten für die Allgemeinheit (also über die Steuer abgegolten) entstehen beim Autofahrer 4,35 Cent pro Kilometer, der Radfahrer zahlt rechnerisch 81,47 Cent pro Kilometer ein. [7] Als Radfahrer subventioniert man den Staat also noch, indem man sich gesund und fit hält (weniger Kosten für die Krankenkassa) und weil Sachschäden mit dem Rad meist deutlich billiger ausfallen.
Ich wage zu behaupten, dass sich dies mit hoher Wahrscheinlichkeit auch auf vergleichbare Ballungsräume übertragen lässt. Ähnliche Studien wurden auch in Deutschland veranlasst, welche im Kern zum gleichen Ergebnis kommen. [8] [9]
Eine recht plakative eigene Überlegung sollte einen Teil der potenziell einzusparenden Kosten recht greifbar machen: Die Kosten für das Aufbauen und die Erhaltung der Infrastruktur ist für Radwege deutlich niedriger als für motorisierten Verkehr, da ein Radweg schmalere Fahrbahnen aufweist und durch den geringen Auflagedruck auch einen geringeren Verschleiß erfährt.

Umweltfreundlichkeit als Kostenfaktor

Dank der betriebseigenen Speicherkraftwerke ist die ÖBB das umweltfreundlichste Verkehrsmittel Österreichs und konnte trotz stark gestiegener Fahrgastzahlen seit 2006 den CO2-Ausstoß um 35% senken. Interessant sind die angegebenen Verhältnisse des CO2-Ausstoßes je Personenkilometer. Die ÖBB benötigt hier 12-mal weniger als ein PKW und 13-mal weniger als ein Flugzeug. Sowohl der große Unterschied zum PKW als auch der geringe Unterschied von PKW zu Flugzeug überraschen. Leider werden hier keine Quellen zu den Zahlen angegeben. [10]
Zu ähnlichen Ergebnissen kommen zwei weitere Artikel. [11] [12]

Sehr differenziert werden für die Schweiz die Umweltbelastungen verschiedener Verkehrsmittel in Abbildung 3 dargestellt.

Abbildung 3 – Umweltbelastung verschiedener Verkehrsmittel in der Schweiz – Quelle: http://www.umwelt-schweiz.ch (letzter Zugriff am 07.04.2019)

Besonders erwähnenswert sind die geringen Gesamtbelastungen bei der Bahn. Die vergleichsweise hohen Belastungen für Betrieb und Unterhalt bei Reisebussen bei gleichzeitig geringen Belastungen für Herstellung und Fahrweg sind ebenfalls erwähnenswert. Die exorbitant großen Umweltbelastungen bei der Herstellung von Elektroautos sind ebenso erstaunlich wie die verhältnismäßig hohen Herstellungskosten für Fahrräder. [13]

Abschließend noch interessante Zahlen zur jährlichen Pro-Kopf-Fahrleistung mit Bahn, Bus und städtischen Öffis im jeweils eigenen Land für europäische Staaten. Österreich und die Schweiz an der Spitze, Deutschland weit abgeschlagen. [14]

1. Österreich: 3.405 km
2. Schweiz: 3.335 km
3. Tschechien: 3.245 km
4. Ungarn: 2.885 km
5. Estland: 2.740 km
6. Irland: 2.725 km
7. Italien: 2.670 km
8. Frankreich: 2.630 km
9. Luxemburg: 2.620 km
10. Schweden: 2.545 km
11. Dänemark: 2.405 km
12. Belgien: 2.365 km
13. Griechenland: 2.235 km
14. Finnland: 2.220 km
15. Deutschland: 2.110 km
…….

Fazit

Wer gesund bleiben möchte und über die körperlichen und infrastrukturellen Bedingungen verfügt, der ist mit dem Hauptverkehrsmittel Fahrrad bestens bedient. Für Wegstrecken unter 10 km in städtischen Räumen ist das Transportmittel äußerst attraktiv, da es zugleich gesund, umweltfreundlich und sparsam für Nutzer und Allgemeinheit ist. Für Langstrecken sind Bus und Bahn unschlagbar. Ob man nun beides nutzt oder sich auf eines der beiden Transportmittel festlegen möchte, kann man neben der persönlichen Präferenz von der Energiequelle der jeweiligen Fahrzeuge und deren Auslastung abhängig machen.

Foto 2 – Sportlich im Alter – Quelle: http://www.berliner-kurier.de (letzter Zugriff am 07.04.2019)

Kostenfreie und klimaneutrale Verkehrsmittel gibt es leider nicht, jede Gelegenheit hat aber vielleicht das für diesen Zweck optimale Verkehrsmittel. Wie bei so vielen Dingen ist man mit einem Konsum mit Maß und Ziel schon auf einem sehr guten Weg, sich selbst und der Allgemeinheit das Leben leichter zu machen.

[1] https://www.atmosfair.de/de/standards/emissionsberechnung/emissionsrechner/
[2] https://www.vcoe.at/service/fragen-und-antworten/welche-kosten-entstehen-fuer-den-steuerzahler-durch-den-verkehr
[3] https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wirtschaftspolitik/studie-autofahrer-verursachen-hoehere-kosten-als-sie-abgaben-zahlen-12085783.html
[4] https://www.vcoe.at/themen/ausgeblendete-kosten-des-verkehrs/download-publikation-ausgeblendete-kosten-des-verkehrs?file=files/vcoe/uploads/Themen/Ausgeblendete%20Kosten%20des%20Verkehrs/VC%C3%96-Publikation%20Ausgeblendete%20Kosten%20des%20Verkehrs.pdf
[5] http://www.bdo.org/uploads/assets/55950ac28c43adbe95000002/original/bdo-Flyer-Der_Fernbus_im_Wettbewerb.pdf?1435830978
[6] https://www.energie-umwelt.ch/haus/oeffentlicher-verkehr-mobilitaet/oeffentlicher-verkehr
[7] https://diepresse.com/home/panorama/wien/633072/Studie_Radler-zahlen-fuer-PkwVerkehr
[8] https://nationaler-radverkehrsplan.de/de/aktuell/nachrichten/fahrrad-hat-gesamtgesellschaftlichen-nutzen-von-30
[9] https://volksentscheid-fahrrad.de/de/2016/09/16/die-wahren-kosten-des-autoverkehrs-2675/
[10] http://blog.oebb.at/pwk-und-flugzeug-glatt-abgehaengt/
[11] https://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20091218_OTS0148/oebb-nachhaltigkeit-oekonomisch-oekologisch-und-sozial
[12] https://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20100630_OTS0177/oebb-co2-werte-deutlich-verbessert
[13] https://umwelt-schweiz.ch/de/mobilitaet
[14] https://www.vcoe.at/presse/presseaussendungen/detail/vcoe-oesterreich-europas-spitzenreiter-bei-bahn-bus-und-staedtischen-oeffis

Umweltpolizei im Surfurlaub

Vor der eigenen Türe kehren oder doch lieber vor der Fremden?
Gedanken eines Weltretters

Seit einigen Jahren nun bin ich um einen ressourcenschonenden und vorausschauenden Lebensstil bemüht. Als gebürtigem Schwabe kommt mir hier zugute, dass es mir selbstverständlich in die Wiege gelegt wurde, alles dankbar anzunehmen, was der Selbstgeißelung zuträglich ist. Frei nach dem inoffizillen Motto der Puritaner „Du darfst tun was Du willst, solange es Dir keinen Spaß macht“.

[1] Ist dieses Bild 1,25 Tonnen CO2 wert?

Eine meiner grundsätzlichen Problemstellungen lautet daher „Wie bringe ich einen lebensbejahenden Alltag, ohne mir zu viel zu verkneifen, und ein Streben nach Bescheidenheit und Nachhaltigkeit unter einen Hut?“ Und wo ziehe ich die Grenze? Zum Beispiel in Sachen Mobilität überlege ich mir bei fast jedem Schritt, den ich tue, was die Konsequenzen sind und welches Verkehrsmittel das ökonomischste und ökologischste ist. Zu meinem Glück erfreue ich mich recht guter Gesundheit und fahre auch noch sehr gerne Rad. Im Alltag ist das eine tolle Sache, da ich mich so fit halten kann, mich fast klimaneutral bewege und mich in keinen Stau stellen muss. Nach langem Ringen habe ich nun im Februar einen Flug nach Marokko für 11 Tage gebucht. Da kann ich lange radeln, bis ich den Ausreißer wieder ausgebügelt habe!

Irgendwie kommt man echt ins Grübeln, ob man sich als ein Depp unter 1.000 jetzt doch lieber so etwas verkneifen soll, während 999 andere hemmungslos dem Urlaubsexzess frönen. Oder sollte ich mich einfach mal locker machen und das Geschenk, in einem der reichsten Länder der Welt zu leben, annehmen und die Vorzüge des Lebens genießen?

Hemmungsloser urlaubsexzess – will ich das auch?

Nun, da ich die Tickets schon gebucht hatte und die Reise auch angetreten habe, habe ich mich dann doch lieber für Letzteres entschieden. Unterm Strich lebe ich immer noch nachhaltiger als 99% aller anderen Menschen – zumindest hab ich das mal bei einem CO2-Rechner herausbekommen… oder so ähnlich… oder war es doch nur nachhaltiger als 70% aller Europäer? Trotzdem perfekt – da kann ich immer noch mahnend meinen Zeigefinger heben  und an die Leute appellieren, doch endlich zur Besinnung zu kommen! Vor allem wenn man sich mal andere Kulturen anschaut: In was für einem Dreck zum Beispiel die Afrikaner leben. Genau das habe ich mir nun etwas genauer angeschaut. Nach geglückter Landung in Agadir konnte ich gleich mit meiner Weltverbesserungs-Kolonialisierung beginnen.

Nach einer etwa einstündigen Anreise haben meine Freunde und ich unser Ziel mit einem recht hübschen Surf- und Badeort erreicht. Die Lage direkt am Strand und der freie Blick auf den Atlantik sind schon recht vielversprechend. Der Ort selbst macht einen recht quirligen Eindruck. Neben den zahlreichen Touristen geben auch die Einheimischen ein recht buntes Bild ab. Alles wirkt beschaulich, ein Ort wo man die Seele baumeln lassen kann. Zudem sind die Preise niedrig und das Essen der Restaurants lecker. Dazu eine kühle Cola, das Leben könnte nicht schöner sein. Nachdem ich in der zweiten Nacht unfreiwillig eine ausgiebige Inspektion der Zimmertoilette vorgenommen hatte, musste ich in Sachen Surfen leider etwas kürzer treten. Uns wurde gesagt, dass der Strand an dem wir surfen waren genau in der Strömung der ganzen Abwässer liegt, die hier ungeklärt ins Meer laufen. Toll!

Müll in der Natur – WElche Überraschung!

Um nicht nur auf dem Zimmer zu sitzen, entschloss ich mich nach einem Ruhetag ein wenig die Hügelketten in der Umgebung auszukundschaften. Ich folgte dem ausgetrockneten Bachbett von der Mündung ins Hinterland – und  sieh‘ an, da liegt ja meine Coladose von vorgestern. Und daneben dutzende derer Brüdern und Schwestern. Hoppla, was ich die Tage zuvor so aus dem Augenwinkel halb wahrgenommen hatte, schlug jetzt mit voller Wucht auf mich ein. Hier liegt ja alles voller Müll (Foto 2). Hauptsächlich Plastik und Dosen. Was sind das nur für abscheuliche Schmutzfinken in diesem Ort!

[2] Mülldeponie Bachbett

Ich folge dem Bachbett eine ganze Weile, danach gehe ich ein Stück entlang einer Landstraße. Doch hinsichtlich Müll ändert sich das Bild nur wenig. Was mich wirklich interessieren würde, ob diese Dinge den Menschen vor Ort egal sind, ob sie andere Probleme haben, ob sie es vielleicht gar nicht sehen oder sich einfach nur machtlos fühlen, weil es von staatlicher Seite zu wenig Unterstützung gibt?

[3] Da bekommt Straßen-Bankett eine ganz neue Bedeutung

Zurück in der Heimat habe ich dann auch mal versucht, mich in dieser Hinsicht mit offenen Augen zu bewegen. Und mir sind auf einmal viele Orte aufgefallen, die total zugemüllt sind. Also brauchen wir uns eigentlich gar nicht so überlegen fühlen. Noch vor 30-40 Jahren haben, wie es viele ältere Menschen berichten, unsere Flüsse geschäumt. Offensichtlich muss der Leidensdruck erst hoch genug sein, damit man Gegenmaßnahmen ergreift. Und man muss sie sich leisten können. Momentan werden die Leute vielerorts mit ihren Problemen einfach im Stich gelassen. Vielleicht sind sie auch überfordert mit dem rasanten Wandel von einem ursprünglichen Lebensstil mit fast ausschließlich organischen Abfällen hin zu Single Use Plastic. Entsorgt wird wie eh und je, nur verrottet das moderne Gerümpel leider nicht.

[4] Die Ziegen stört der Müll weniger…

Und wo liegt nun der Kern des Problems? Die globalisierte Konsumgesellschaft? Die Gleichgültigkeit der Konsumenten? Die mangelnden Alternativen der Konsumenten? Die Konzentration von Konsum und Menschen auf einige Hotspots? Bin ich in meinem konkreten Fall als Tourist in Marokko in einer Masse aus sehr vielen Touristen nicht hochgradig Teil des Problems? In anderen Teilen des Landes, die dünner besiedelt und auch weniger touristisch sind, ist dieses Problem deutlich kleiner (soweit ich das im Rahmen meines doch nur beschränkten Einblickes beurteilen kann). Die Situation in Marokkos Surfspots dürfte sich in Zukunft weiter verschärfen. Neubaugebiete in Strandnähe gibt es bereits ohne Ende (siehe Foto 5).

[5] Neubaugebiete nahe Agadir

Und sind die Touristen nicht gleichzeitig auch eine Chance? Im Sinne eines Anlasses für die Gäste sich nur von seiner schönsten Seite zu zeigen und somit auch selbst davon zu profitieren. Und was habe ich jetzt erreicht außer noch mehr Ratlosigkeit bei mir selbst und vielleicht auch bei Euch?

Bildet Reisen denn?!

Als Geograph und allgemein an Vielem interessierter Mensch bin ich überzeugt davon, dass Reisen bildet und sehr wichtig sein kann. Nicht für jeden, aber für mich auf jeden Fall. Aber wenn das sehr viele Menschen mehrmals im Jahr tun wollen, verpufft dieser Effekt des Kennenlernens anderer Kultur- und Naturräume durch die Schneise der Verwüstung die der globale Touristenstrom hinterlässt. Wenn wir dieses Allgemeingut des „freien Wegerechts“ rationieren müssen, wer hat dann wie oft das „Recht“ darauf sich frei zu bewegen?

[6] Auch vor der Wüste macht das Problem nicht halt.

Ich möchte hier nun noch ganz deutlich betonen, dass ich niemandem Vorschriften machen möchte. Ich hoffe das ist durch meinen selbstkritischen und selbstironischen Anfang deutlich geworden. Jeder Mensch hat seine eigenen Grenzen, seine Laster und Dinge, die ihm wichtig sind.

Versuchen wir nicht gegenseitig, an uns die wunden Punkte zu finden, an denen wir vielleicht ohnehin gerade noch arbeiten möchten oder welche wir bewusst in Kauf nehmen, sondern freuen wir uns lieber über jeden Menschen, der für sich und für alle Anderen sein Leben besser gestalten möchte.

Unterstützen und ermutigen wir uns gegenseitig, gemeinsam für eine bessere Zukunft zu kämpfen! Und lassen wir uns nicht unterkriegen von all dem Unglück und den Ungerechtigkeiten in der Welt. Nutzen wir unser Geschenk in einem der sichersten und wohlhabendsten Länder der Erde zu leben und lassen wir es uns nicht nehmen glücklich zu sein und zu lachen auch wenn wir manchmal nichts zu lachen haben! 🙂

Flo

DIY – Upcycling: Briefumschläge

Wusstet Ihr, dass allein in Österreich jedes Jahr 1,1 Milliarden Briefe versandt werden? Dadurch entstehen – wenn man davon ausgeht, dass nur neue Briefumschläge verwendet werden – 55.000 Tonnen Papiermüll!

Die Müllberge beim selber falten sind überschaubar und vor allem:
das alles lag schon mal im Müll und bekommt jetzt ein neues Leben!

Ich hab da was dagegen!

Und wisst ihr, was? Recycling-Briefumschläge!  Nachdem Flo und ich Kartographie studiert und jahrelang Karten gesammelt haben, habe ich begonnen, aus alten Karten Briefumschläge zu falten! Das verursacht nicht nur deutlich weniger Müll, nein, man macht die Welt auch noch ein bisschen bunter! Wieso immer nur weiße Briefumschläge, wenn man sogar seinem Heimatort Tribut zollen kann?!

Und wisst Ihr, was das Beste daran ist? Man kann sie ganz leicht selber machen!


WAS BRAUCHT IHR?

Nicht viel:

– Papier in DIN A4 (Das kann alles sein, was so bei Euch rumliegt: Alte Kalenderseiten, Katalogseiten, alte Poster oder eben alte Karten. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt!)

– Kleber (Falls ihr gerne nachhaltigen Kleber benutzt: In Wien verkaufen sowohl Manufactum als auch Gerstäcker einen wiederbefüllbaren Gummierstift.)

– einen Cutter/ ein Präzisionsmesser

– evtl. ein Lineal

Wie geht’s?

  1. Legt das A4-Blatt vor Euch und markiert die horizontale Mitte. Ihr könnt dafür das Papier falten oder einfach anzeichnen, wodurch Ihr einen Knick im fertige Briefumschlag vermeiden könnt.
Briefumschläge falten – Für die visuellen Typen 😉
  1. Faltet nun die linke obere und die rechte untere Ecke nach innen, allerdings nicht bis ganz zur Mitte (ca. 0,5 cm auf jeder Seite Abstand zur Mitte halten), so erreicht Ihr die Maße der offiziellen Briefumschläge.
  2. Nun faltet Ihr das untere Drittel nach oben – orientiert Euch dabei am besten an der Seitenkante, damit das Ganze gerade bleibt. Drehen und nun das obere Drittel nach unten falten.
  3. Zum Schluss das kleine Dreieck umfalten, die Seiten kleben – Fertig!
  4. Für die Optik schiebe ich abschließend ein Stück Karton in den Umschlag und schneide das kleine Rechteck, das nach innen übersteht, raus. Muss aber natürlich nicht sein, gefällt mir nur besser! 🙂
  5. Zum Verschicken klebe ich persönlich nicht nur die Briefmarke auf, sondern sichere den Umschlag, indem ich die gesamte Klappe am Rand mit Kleber einstreiche! Vorsichtshalber – man weiß ja nie, wie die Post mit den Briefen umspringt! 😉

Was natürlich auch funktioniert: Auf Briefpapier schreiben und dann nach der Vorlage falten – dann könnt Ihr auch auf den Abstand zur Mittellinie verzichten. Allerdings könnt Ihr dann auch nicht einfach zusammenkleben, sondern solltet den Brief lieber von außen mit Masking-Tape oder Tesa sichern, damit der Empfänger beim Öffnen nicht den ganzen Brief zerreißt…

Und falls Ihr keinen Bock auf falten und kleben habt, schaut doch mal hier vorbei!

Gender und Umweltschutz

Am Freitag war Weltfrauen-Tag. Die Wogen gingen hoch. Auf der einen Seite gibt’s da die ewig gestrigen, die im Frauenwahlrecht den Grund für alles Böse auf der Welt orten, auf der anderen Seite stehen viele junge und ältere Frauen auf, um sich über das Erreichte zu freuen und weiter für eine gleichberechtigte Zukunft zu kämpfen.

Es fällt auf (zumindest in meiner Blase): Unter den Umweltschützern ist der Anteil an bekennenden FeministInnen hoch, sehr hoch sogar. Und mehr noch: die größten und bekanntesten Greenfluencer sind durch die Bank Frauen, wo doch das Internet sonst in weiten Teilen von Männern geprägt wird. 88% aller Männer nutzen in Deutschland das Internet, 80% der Frauen. [1]

Andererseits: 68% der Instagram-Nutzer, wo ein Großteil der Greenfluencer (neben dem Blog) aktiv wird, sind weiblich. [2] Auch meine persönliche Wahrnehmung ist eine ähnliche: Grüne Accounts werden sehr, sehr oft von Frauen betrieben.

Ist Umweltschutz weiblich?

Ruth Meinzen-Dick, Chiara Kovarik und Agnes Quisumbing vom  “International Food Policy Research Institute” in Washington D.C. haben diese Frage schon 2014 beantwortet:  

»Auf die Frage, ob Gender für Nachhaltigkeit von Belang ist, gibt es eine einfache Antwort: Ja, das ist es. Das bedeutet jedoch nicht, dass Frauen von Natur aus ressourcenschonender sind«, stellten die Wissenschaftlerinnen damals fest. Die These, dass Frauen einen mehr oder weniger angeborenen Nachhaltigkeitsbezug hätten, der durch tradierte Rollenzuschreibungen gepflegt würde, ist eine verbreitete Sicht auf Weiblichkeit und den schonenden Umgang mit Ressourcen. [3]

Im ersten Moment klingt das etwas widersprüchlich, doch eigentlich ist die Sache klar: Erstrangig wichtig für das eigene Leben, den eigenen Treibhausgasaustoß und den eigenen Ressourcenverbrauch ist nicht zwangsweise das Geschlecht, sondern vielmehr die soziale Schichtzugehörigkeit. Je besser jemand verdient, desto mehr konsumiert sie oder er und desto umweltschädlicher wird, so zeigen alle Statistiken zu dem Thema, das Leben. Da Frauen tendenziell stärker von Armut betroffen und gefährdet sind, außerdem seltener Vollzeit arbeiten und insgesamt weniger verdienen, haben sie ein durchschnittlich geringeres Einkommen, das sie für Konsum aufwenden können.

Ein wirklich spannendes Paper zu dem Thema findet Ihr beim deutschen Umweltbundesamt. [4]

Umweltschutz ist weiblich!

Dennoch: Umweltschutz ist weiblich! Die Umweltkrisen werden es nämlich auch sein.

Es fängt beim Energieverbrauch an: Laut VCÖ legen Männer ca. doppelt so viele Auto-Kilometer zurück als Frauen und verursachen durch ihre Mobilität auch insgesamt rund ¾ mehr klimaschädliche Gase als Frauen. Vor allem junge Frauen im städtischen Umfeld legen 87% aller Wege öffentlich, zu Fuß oder mit dem Fahrrad zurück. (Zahlen für Wien, [5]). Die nächste, klischeehafte Erkenntnis: die Ernährung von Männern (Fleischlastiger als die von Frauen) ist um rund 14 – 21% CO2 intensiver. [6, S. 8]

[7, S. 15]

Aber nicht nur diese „naheliegenden“ Kategorien zeigen eine deutliche Diskrepanz zwischen den Geschlechtern auf, nein, auch bei „traditionell weiblichen“ Konsumgütern (in dem Fall „Clothing and footwear“ und „household services“) ist der Energieverbrauch bei Männern nur geringfügig geringer. [7, S. 15]

Heruntergebrochen heißt das am Beispiel Frankreich: eine typische französische Frau stößt pro Tag 32,3 kg CO2 aus – ein typischen französischer Mann dagegen 39,3 Kg. Eine Menge, deren Differenz sich über’s Jahr hinweg läppert. [8]

Die leidtragenden der Klimakrise

Frauen tragen also weniger zur Erderwärmung bei, sind aber am Ende stärker davon beeinflusst.

„Across societies the impacts of climate change affect women and men differently. Women are often responsible for gathering and producing food, collecting water and sourcing fuel for heating and cooking. With climate change, these tasks are becoming more difficult. Extreme weather events such as droughts and floods have a greater impact on the poor and most vulnerable – 70% of the world’s poor are women.” [9]

Dieses höhere Sterberisiko kann extrem sein: Bis zu viermal mehr Frauen als Männer starben beim Tsunami 2004 in Indonesien. Zum einen, weil mehr Frauen zu Hause waren, während sich die Männer beim Fischen außerhalb des Wirkungsbereiches des Tsunamis befanden, aber auch, weil deutlich weniger Frauen als Männer Schwimmen und Klettern konnten und können. [10]

Und die Lösung?

Gibt es Lösungsansätze?

Natürlich! Eine stärkere Partizipation von Frauen, eine gerechtere Verteilung von Macht, mehr Bildung… die Liste ist lang! Viele Studien zeigen, dass Frauen, vor allem in den am stärksten betroffenen Gebieten, sehr wirkungsvoll eingreifen und so langfristige Lösungen finden.

Aber das wäre doch zu einfach, nicht wahr?

2018 kam nach einer mit 2000 Probanden durchgeführten Studie folgende Handlungsempfehlung:

„Zum einen könnten „grüne“ Marketingbotschaften und Produkte so entworfen werden, dass sie Männer in ihrer Maskulinität bestärken und ihnen so die Angst nehmen, als feminin eingestuft zu werden, wenn sie der Umwelt etwas Gutes tun. In unseren Experimenten zeigten sich Probanden, deren Männlichkeit zuvor betont worden war, zum Beispiel eher daran interessiert, ein naturschonendes Reinigungsmittel zu erwerben.
Zweitens könnten die Hersteller von umweltfreundlichen Produkten – aber auch Naturschutzorganisationen – stärker auf „männlichere“ Farben, Wörter und Bilder zurückgreifen. In unserer Untersuchung waren Männer eher bereit, für eine gemeinnützige Organisation zu spenden, wenn diese ein maskulines Logo besaß, auf dem vor schwarzem und dunkelblauem Hintergrund ein heulender Wolf und der Name „Wilderness Rangers“ prangten.“ [11]

Am Ende sind es also erstrangig Rollenklischees, die den Umweltschutz-Willen männlicher Konsumenten bedrängen. Und natürlich, das ließe sich vielleicht mit einem Rebranding lösen lassen.

Aber wollen wir als Gesellschaft – im Jahr 2019 – wirklich, dass das wahrgenommene Geschlecht darüber entscheidet, ob wir unseren Planeten retten wollen?!

Falls ihr noch mehr zu diesem spannenden Thema lesen wollt: https://www.boell.de/de/navigation/feminismus-geschlechterdemokratie-3855.html

[1] https://de.statista.com/statistik/daten/studie/3100/umfrage/internetnutzung-in-deutschland-nach-geschlecht-seit-2001/
[2] https://www.omnicoreagency.com/instagram-statistics/
[3] https://www.biorama.eu/diskussion-ist-nachhaltigkeit-weiblich/
[4]
https://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/378/publikationen/texte_39_2016_repraesentative_erhebung_von_pro-kopf-verbraeuchen_natuerlicher_ressourcen.pdf
[5] https://www.vcoe.at/news/details/vcoe-frauen-gehen-haeufiger-zu-fuss-als-maenner-fahren-weniger-mit-dem-auto
[6] http://lup.lub.lu.se/luur/download?func=downloadFile&recordOId=8934039&fileOId=8934040
[7] https://www.compromisorse.com/upload/estudios/000/101/foir2800.pdf
[8] http://www.wecf.eu/english/articles/2011/02/gender-climateimpact.php
[9] https://www.iucn.org/resources/issues-briefs/gender-and-climate-change
[10] http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/opferzahlen-tsunami-toetete-bis-zu-viermal-mehr-frauen-als-maenner-a-362711.html
[11] https://www.spektrum.de/news/ist-oeko-zu-unmaennlich/1529761

Das Auto – Eine Bestandsaufnahme der Umweltauswirkungen I

Der Platz

Auf Instagram gibt es von den „Ökofluencern“ Franzi (@franzischaedel), Janine (@die_wolkenguckerin ) Annemarie (@todayis_de) und @dearheima jeden Montag den  #bewegwasmontag. Dabei stellen sie jede Woche eine neue Frage zum nachhaltigen Leben. Mal gibt es Fragen für ein gutes Bauchgefühl („Was war bzw. ist das Schönste, was du auf deinem nachhaltigen Weg bisher erleben durftest?), aber manchmal eben auch Fragen, bei denen man der eigenen „Eco-Guilt“ ins Auge sehen muss. Letzte Woche also stellten sie folgende Frage in den Raum:

„Gibt es etwas, auf was du nicht verzichten kannst und wider besseren Wissens konsumierst / tust?“


„Mir ist sofort viel zu vieles eingefallen… Beim Heimgehen noch eine Packung Reis aus dem Supermarkt mitgenommen,  konventionelles Gemüse eingekauft, Besitz angehäuft und, my biggest shame: Auto gefahren.
Warum ist das für mich so schlimm? Ich weiß es nicht genau. Alle Punkte, die ich oben genannt habe, sind grundsätzlich vermeidbar, ebenso wie das Autofahren und trotzdem nimmt es für mich einen besonderen Stellenwert ein, weil die Probleme, die das Auto mit sich bringt, so vielfältig sind.“

Auf Instagram habe ich also schon letzte Woche beantwortet, doch pünktlich zum Aschermittwoch und dem viel beachteten Autofasten dachte ich mir, dass ich auf den Punkt Auto noch genauer eingehen will. Und zwar weniger auf die bekannten Probleme (CO2 und Luftverschmutzung), sondern auf ein paar Faktoren, die das Autofahren und –besitzen ebenfalls problematisch machen, aber weniger bekannt sind. Heute geht es mit dem wohl Offensichtlichsten los, nämlich…

Platzbedarf

Wer kennt diese Darstellung aus Münster nicht?!

Dieses Bild ging vor einigen Jahren um die Welt. Nicht umsonst, denn es zeigt ein gewaltiges Problem auf, das sich in den nächsten Jahren weiter verschärfen kann.

„2019 geht es in der Autobranche wieder bergauf“

titelte die Zeitung Die Welt Ende 2018 freudig. „Die Absatzzahlen in der Automobilindustrie steigen nach dem Dieselskandal wieder. Gerade die Zulieferer könnten von höheren Erwartungen profitieren, nicht zuletzt dank wieder besserer Perspektiven in China.“

Zugleich orakelte allerdings trend.at im Februar, dass „magere Zeiten […] auf die Hersteller zu[kämen]. In Europa lag das Plus bei 0,1 Prozent. In China brachen die Verkäufe gar um vier Prozent ein. Doch 2019 könnte es auch den US-Markt treffen. Frank Schwope, Autoanalyst der deutschen Nord/LB sieht magere Zeiten auf den Automarkt zukommen. In den USA rechnet er mit einem Rückgang der Verkaufszahlen von vier Prozent.“

Egal, ob es mehr oder weniger werden (hoffen wir auf weniger!), Autos verbrauchen enorm viel Platz! Und der Platz pro Auto, der verbraucht wird, der wird erwiesenermaßen immer mehr:

Die Universität Duisburg-Essen hat die Breite von Neuwagen untersucht, bzw.: deren Steigerung. Während 1990 die Durchschnittsbreite eines PKW bei 167,9 cm lag, waren es 2017 180,2 cm. Die Studienautoren rechnen zudem damit, dass es damit nicht zu Ende ist: 2015 sollen es sogar 183 cm sein. Übrigens wurden die Autos auch länger. Deutlich weniger als sie in die Breite wuchsen, doch immerhin um 7,4%. Die Zunahme dieser Größenordnung liegt sowohl an der Zunahme im Durchschnitt, wie auch an der steigenden Zahl der SUV’s und Vans.

Gilt der Golf dann eigentlich noch als Kleinwagen?! Quelle

Dieses Breitenwachstum hat nicht nur für den einzelnen Fahrer Nachteile: Parkplätze sind zu eng, die verengten Fahrspuren bei Baustellen werden zum Hindernis. Alles in allem: noch mehr Platz für ruhenden und fließenden Verkehr. (Bei ohnehin bereits jetzt massiver Flächenversiegelung!) Zu enge Parkplätze mögen jetzt nach Luxusproblem klingen, sind aber für Eltern mit Kindern, beeinträchtigte und alte Menschen ein gewaltiges Hindernis!

Dazu kommt:  Auto stehen nahezu den ganzen Tag. Gerade einmal 1 Stunde am Tag wird ein Privat-PKW im Durchschnitt bewegt. Heißt: das Auto steht 23 Stunden. Aber natürlich verbraucht es auch in der gefahrenen Stunde Platz, keine Frage. Und dieser Platz ist immens: In Österreich werden 2,5% des gesamten Landes als Verkehrsfläche genutzt – klingt recht wenig, ist aber fünfmal die Fläche Wiens! In Wien selbst werden übrigens 14,7% der Fläche für den Verkehr verbraucht.

So könnten Parkplätze nämlich auch aussehen… Quelle

Vor allem in der Stadt ist diese Fläche verhältnismäßig groß, zugleich auch der Nutzungsdruck darauf. Mehr Menschen wollen dieselbe Fläche nutzen. Für mich hat die Parkplatz-Frage immer mehr einen schalen Beigeschmack: Ist das gerecht?

Im Bachelor hatten wir für eine Lehrveranstaltung geplant, Parkplätze in der Wiener Innenstadt zu besetzen und als kurzzeitigen Minipark gestalten – ganze 5 Stück. 😉 Wir wollten testen, was passiert: ob die Freude von Passanten überwiegt oder der Autoverkehr seinen Grant an uns auslässt. Leider kam es dank nicht erfolgter Genehmigung dazu… Aber spätestens seit diesem Tag frage ich mich: Wieso ist es erlaubt, sich einen Teil der öffentlichen Stadtfläche für ein Auto (und einen lächerlich kleinen Beitrag) zu mieten, wenn ich das nicht darf, um mich auf diese Fläche zu setzen, legen oder mein Zeug dort abzustellen?

WEiterführende Links

Falls euch das Thema Auto und Platz weiter interessiert, schaut mal hier vorbei:

https://zurpolitik.com/2012/01/26/wie-viel-platz-brauchen-bus-auto-und-rad-in-der-stadt/

https://www.zukunft-mobilitaet.net/13615/strassenverkehr/parkraum-abloesebetrag-parkgebuehr-23-stunden/

https://www.vcoe.at/news/details/vcoe-verkehr-in-oesterreich-verbraucht-bereits-5-fache-flaeche-wiens

Know-How für Selbstversorger: Boden II

Teil 2  – Von Art und Weise

Habt ihr schon herausgefunden, welchen Bodentypen Ihr im Garten haben könntet? Super! Wenn nicht, hüpft doch mal rüber zum Artikel und findet es noch heraus!

Aber auch, wenn es sehr spannend ist zu wissen, welchen Bodentyp man vor sich hat, ist es ein Wissen,  das im Garten nicht ganz so viel Relevanz hat wie die Bodenart. Denn während der Typ Euch zwar viel über das Ausgangsgestein, das Klima oder das Alter des Bodens verraten können und Bodenart und –typ miteinander verknüpft sind, ist die Bodenart der Faktor, in den Ihr eingreifen könnt, um Euren Gartenboden Euch und den Bedürfnissen Eurer Pflanzen anzupassen!

Der recht sandige Boden aus unserem Gemüsegarten. Die Farbe zeigt schon, dass der Garten schon lange genutzt wird und mit Humus gedüngt wurde.

Die Bodenart nämlich beschreibt die Textur des Bodens und beantwortet die Frage der Korngrößenverteilung. Dabei gibt es drei Korngrößenfraktionen, die im Garten interessant sind: Sand, Schluff und Ton. Darüber hinaus unterscheidet man noch Kies und Steine, aber das sind eher die Fraktionen (also Anteile), die man lieber nicht im Garten haben will. Außer natürlich, man will einen „aufgeräumten“, ökologisch bedenklichen Steingarten, eingezäunt und sichtgeschützt durch Gabionen und am besten mit Folie gegen eventuelle Unkäuter ausgestattet…

Während sich unter den Korngrößen Sand und Ton noch jeder etwas vorstellen kann, ist Schluff vielen Laien kein Begriff mehr. Dabei ist das Ganze recht einfach:

Sandkörner haben mit 2 mm bis 0,063 mm die größten Durchmesser, während Tonkörner maximal 0,002 mm groß sind. Dazwischen liegen die Schluffkörner mit einem Durchmesser von 0,002 mm bis 0,063 mm. Die Tonteilchen sind so klein, dass man sie mit dem bloßen Auge nicht mehr erkennen kann!

In der Wissenschaft wird die Verteilung der Kornfraktionen mittels Siebserien analysiert, das heißt, der getrocknete Boden wird durch Siebe mit immer engeren Maschen gesiebt. Der Tonanteil schließlich lässt sich nur mehr in einer Suspension, also aufgelöst in einer Wassersäule, definieren. Je größer die Partikel, desto schneller fallen sie. Für die Verteilung gibt es festgelegte „Fallgeschwindigkeiten“, anhand derer man die Größe der jeweiligen Partikel analysieren kann. Das ist für den Hausgebrauch natürlich zu kompliziert und zu teuer, aber für eine grobe Einschätzung auch nicht unbedingt notwendig!

Bevor wir aber herausfinden, wie die Bodenarten in unserer Gartenerde verteilt sind, ist es hilfreich zu wissen, welche Bodenart welche Eigenschaften hat.

Ein erster Versuch, den Gartenboden auszurollen. Schon nach wenigen Rollbewegungen bricht die „Wurst“. (Und ähnelt dabei bemerkenswert gewissen „Hinterlassenschaften“.

Sand

Jedes Kind, das mit Sand spielt, merkt bald, dass der lockere Sand kein Wasser hält. Das Wasser versickert schnell, wodurch Sand innerhalb kurzer Zeit wieder ausgetrocknet ist. Auch Wärme kann Sand kaum halten.

Zugleich ist Sand aber sehr leicht zu bearbeiten,  weshalb er auch von Pflanzen sehr leicht durchwurzelt werden kann. Leider hält Sand nur wenige Nährstoffe, da sie mit dem durchsickernden Wasser ausgeschwemmt werden.

Der lehmige Boden, den ich aus einem Maulwurfshügel entnommen habe.
Hier sieht man, wie die Erde durch den Ton- und Schluffanteil formbar wird.

Ton

Auch Ton und seine Eigenschaften hat wohl jeder schon spielerisch erkunden dürfen: Ton ist eine schwere, feuchte Bodenart, die sich nur mühsam bearbeiten lässt. Während das beim Töpfern ein Vorteil ist, macht es die Bearbeitung von Äckern recht schwierig. Auch Pflanzen tun sich schwer, wenn sie in sehr tonigen Böden wurzeln wollen.

Zugleich hilft die hohe Wasserspeicherkapazität, die den Ton so feucht hält, auch dabei, Nährstoffe zu binden.

Die Maulwurfs-Hügel Erde, auf Bleistiftdicke ausgerollt…

Schluff

Der Schluff stellt das Bindeglied zwischen Ton und Sand dar. Schluffige Böden (auch lehmige Böden genannt) sind die für den Ackerfeldbau die wichtigsten und ertragreichsten Böden. Sie halten  Wasser besser als Sand, vernässen aber auch nicht so stark wie Ton, sondern speichern pflanzenverfügbares Wasser. Lehm ist gut durchwurzelbar und gut durchlüftet, lässt sich gut bearbeiten und hält Nährstoffe wesentlich besser als Sand.

Jetzt wäre es ein Traum, wenn in jedem Garten nur Schluff wäre, nicht wahr? Leider ist das nicht der Fall… Kleinräumig lässt sich daran aber natürlich etwas ändern! Darum: raus mit euch und in der Erde gewühlt! Jetzt brauchen wir nämlich eine Hand voll Gartenerde!

… und anschließend auf halbe Bleistiftdicke.

Bestimme deine Bodenart!

Nehmt euch etwa eine halbe Handvoll Erde. Das ist eure Bodenprobe. Versucht, sie nicht direkt an der Oberfläche zu entnehmen, sondern ca. 10 cm tief zu graben.

Ist sie besonders feucht oder trocken? Feucht ist hier das größere Problem, also nicht direkt nach einem Regenguss oder neben einer Pfütze Erde entnehmen! Ist die Erde zu trocken, feuchte sie mit einem Spritzer Wasser an.

Hier spricht man oft von der „optimalen Probenfeuchte“. Die zu erreichen ist teils Spielerei, teils Erfahrungswert. Probiert einfach ein bisschen herum, bis Ihr das Gefühl habt, dass Eure Bodenprobe feucht genug zum Ausrollen ist.

Genau das probiert man dann nämlich aus: lässt sich die Erde zu einer Rolle formen? Wenn sich Deine Probe nicht ausrollen lässt, dann hast Du einen sandigen oder schluffigen Boden vor Dir. Lässt sich Deine Probe ausrollen? Dann ist es ein toniger Boden. Je besser sich deine Probe ausrollen lässt, desto höher ist normalerweise der Tongehalt.

Folgt am besten der folgenden Grafik:

Glossar:
bindig/ nicht bindig: je höher der Ton- und Lehmanteil, desto bindiger. Das heißt, wenn euer Boden trotz hohem Sandanteil formbar ist, ist er bindig.
Knirschprobe: Dafür nehmt ihr ein kleines Stück Erde und reibt es in Ohrnähe zwischen den Fingern. Probiert ein paar verschiedene Erden, um ein Gefühl dafür zu bekommen, was laut und was leise knirscht.

Mit diesem Wissen könnt ihr jetzt Euren Boden verbessern: Habt ihr einen sehr sandigen Boden, macht es Sinn, tonige oder lehmige Böden einzuarbeiten, bei sehr schweren, tonhaltigen Böden, ist die Erhöhung des Sandgehalts eine gute Möglichkeit, um die Bearbeitbarkeit zu gewährleisten.

Übrigens, egal welche Bodenart: Humus einzuarbeiten macht immer Sinn! Humus hat durch seinen lockeren Aufbau natürlich einen Einfluss auf das Bodengefüge und die Verteilung der Korngrößen, doch erstrangig sorgt er für einen hohen Nährstoffeintrag, der den Pflanzen zur Verfügung steht!

Und jetzt: viel Spaß beim Proben!

Die Oberfläche ist matt: also handelt es sich um Lehm!

Mehr zum Thema Boden findet ihr zum Beispiel im „Lehrbuch zur Bodenkunde“ von Fritz Scheffer und Paul Schachtschabel.

Sehr interessante Experimente zum Thema Bodenproben findet ihr übrigens auch auf der Seite Hypersoil der Uni Münster:
https://hypersoil.uni-muenster.de/1/01/01.htm
https://hypersoil.uni-muenster.de/1/01/02.htm

Du hast Teil 1 – Bodentypen – noch nicht gelesen? Dann schnell hier entlang!