Autarkia – Green World Tour

[Disclaimer: Dieser Beitrag enthält unbeauftragte Werbung. Wir erhalten dafür keinerlei Vergütung, sondern schreiben hier über unsere eigenen, unbeeinflussten Eindrücke!]

Ein Bericht

Spät, aber doch kommt hier ein kleiner Bericht von der Autharkia Green World Tour, welche dieses Jahr noch in München, Berlin, Hamburg, Münster, Frankfurt und Düsseldorf halt macht. In Wien war sie bereits am vergangenen Wochenende und Flo und ich waren dort, nachdem wir über Pia von thegreenwalnuts.com und zerowasteaustria.at Tickets gewonnen haben. Wir sagen nochmal Danke! Welche Stände/ Vorträge haben uns schon im Vorfeld besonders interessiert und gefallen?

Welche Stände/ Vorträge haben uns schon im Vorfeld besonders interessiert und gefallen?

Wohnwagon

Copyright: wohnwagon.at

Nachdem ich meinen Imkerkurs bei den stadtbienen mache, welche in Wien mit Wohnwagon zusammenarbeiten, war deren Stand für mich sicher auf der Liste, dazu auch deren Vortrag „Urbanes Autarkiewunder – so geht nachhaltiges Leben in der Stadt!“.

Flo und ich tendieren immer stärker in Richtung Autarkie. Vor allem was den Bereich Strom anbelangt, sammeln wir Erfahrungen und haben unseren Campingbus mit Solarpanelen ausgestattet. So richtig Ahnung haben wir zwar noch nicht, aber genau da kommt uns Wohnwagon genau richtig: die haben davon so richtig Ahnung, egal ob es um Strom oder Wasser geht!

Besonders spannend waren dabei die kleinen Ansätze, mit denen man auch in einer Stadtwohnung schon einen Unterschied machen und sein Leben nachhaltiger gestalten kann! Seien es Solarpaneele für den Balkon, Bienen für die Dachterrasse, Einrichtungen zum Energie sparen… Da waren einige Ideen dabei, welche auch uns neu waren!  Wir haben uns für weitere Infos auch das Magazin „Oskar“ zugelegt, welches ca. jährlich erscheint.

Wildling.Shoes

Das war vor allem für mich ein Thema, obwohl sich Flo auch sehr schnell anstecken hat lassen. Ich liebäugle seit einer ganzen Weile mit Barfußschuhen. Da die „Wildlinge“ aber ihren Preis haben, wollte ich sie gerne probieren. Online gibt es zwar einen Größenberater, doch der ergab für mich zwei Größen mehr, als ich normalerweise trage. Nun, das kam mir dann doch spanisch vor…

Die Wiesel im Einsatz

Umso besser, dass auch diese Firma mit einem Stand vor Ort war. Und ja, die online ermittelte Größe stimmte! Ich glaube, ich war eine ziemlich nervige Kundin, ich hab nämlich ungefähr jedes Modell durchprobiert und mich stundenlang in Fragen darüber ergangen, ob man damit laufen, Rad fahren, wandern etc. kann. Kudos an die geduldige Verkäuferin 😉

Geworden ist es schließlich ein „Wiesel“ und nach einer knappen Woche, in denen ich die Schuhe fast nicht mehr ausgezogen habe, kann ich sagen: der Preis ist gerechtfertigt und ich bin sehr froh, dass ich meinen Geiz überwunden habe! 😉 Besonders der Faktor „Wasserfestigkeit“ hat mich dazu bewogen, die Wiesel zu kaufen und nachdem ich bewusst in mehrere Wasserlacken gesprungen bin, gehe ich davon aus, dass sie bei normaler Nutzung auch dicht halten.

Wurmkiste.at

Wer uns auf Instagram folgt (oder schon Mal zu Besuch war ;)), der weiß, dass wir eine (selber gebaute) Wurmkiste unser eigen nennen. Bei der Recherche für den Bau unserer Wurmfarm bin ich natürlich über wurmkiste.at gestolpert und habe mich auch auf die Ratschläge gestützt, welche auf deren Website zu finden sind. Um einen First Hand Eindruck der professionellen Kiste zu bekommen, wollte ich mir auch deren Stand anschauen.

Wunderbare Wurmerde

Auch vor Ort kann ich die großzügige Beratung auch für nicht „wurmkiste.at-Besitzer“ wärmstens empfehlen und wir haben uns Hanfmatten für unsere Box mitgenommen. Den Fruchtfliegen-Schwärmen der letzten Zeit waren die Zeitungen, mit denen wir derzeit abdecken, nämlich nur mäßig gewachsen.

Welche Stände uns vor Ort positiv aufgefallen sind

Brigantes

Copyright: brigantes.eu

Die Idee der „Brigantes“ ist ziemlich altmodisch – und ziemlich cool! Wieso nicht den Warentransport auf Segelschiffe verlegen?! Ab Ende 2019 soll das Schiff Fracht ausliefern und z.B. in Zusammenarbeit mit Zotter Waren übers Meer transportieren. Dabei sind die alten Segelschiffe nicht nur schöner anzusehen als moderne Frachter, sondern machen den Transport von Luxusgütern wie Kaffee, Kakao und Rum wieder ökologisch. Denn auch, wenn der Weg über den Atlantik mit dem Segelschiff bis zu fünf Monate dauert, so ist es auf lange Sicht gesehen der sinnvollere Weg: der Ausstoß der 16 größten Containerschiffen entspricht dem Ausstoß des gesamten weltweiten Straßenverkehrs… Und das für Güter, die wir eigentlich gar nicht brauchen…

Lotus Belle

Copyright: dornob.com

Das war meine persönlich größte Überraschung! Denn nachdem ich den Namen „Glamping“ im Vorhinein gelesen hatte, war es bei mir persönlich vorbei…

Vor Ort war ich aber recht schnell angetan und zwar zugegebenermaßen zuerst von der Optik! 😉 Die Jurten-artigen Zelte sind je nach Ausstattung ganzjährig bewohnbar und werden aus Baumwollcanvas hergestellt. Meine Recherche hat leider nichts über die Bio-Qualität des Stoffes ergeben, insofern gehe ich davon aus, dass er aus konventioneller Produktion stammt. Da finde ich, könnte man sicher was anders machen… Dennoch, sollten die Zelte halten, was sie versprechen („Zelte fürs Leben, nicht für den Müllplatz!“) halte ich die Lotus Belle durchaus für eine Lösung, was alternativen Wohnraum anbelangt. [Edit: Ich habe eine Anfrage an das Unternehmen gestellt. Wenn ich Antwort habe, werde ich das hier natürlich aktualisieren!]

Was mir eher weniger gefallen hat

SimplyHeat

Ganz grundsätzlich gefiel mir die Idee hinter SimplyHeat sehr gut. Es handelt sich dabei um papierdünne „Heizkörper“, welche direkt in die Wand eingebaut werden und einen sehr hohen Wirkungsgrad haben. Da sie aus Carbon und einem Kupferstreifen bestehen, ist auch das Recycling des Produkts an sich möglich.

Was mir aber sauer aufgestoßen ist, war die Reaktion des Beraters auf meine Nachfrage eben bezüglich des Recyclings. Da das Produkt in die Wand eingebaut wird, ist es meiner Erfahrung nach schwierig, es bei Abriss ordnungsgemäß zu trennen und der Wiederverwertung zuzuführen. Einen solchen Einwand mit einem lapidaren „Das Erleben sie eh nicht, wenn das Haus abgerissen wird!“ abzuwürgen, finde ich höchst problematisch. Auch mein Unwille, eine Visitenkarte mitzunehmen, um Müll zu sparen, wurde eher belächelt. Da besteht Nachholbedarf!

PEFC

Noch mehr Greenwashing gab es meines Erachtens nach beim Vortrag des PEFC. Der Vortrag („Wissen Sie, welche Produkte Ihres alltäglichen Lebens aus Holz hergestellt wurden?“) hatte dann recht wenig mit seinem Titel gemein.

PEFC (Programme for the Endorsement of Forest Certification Schemes) beschreibt sich selber als „eine Art weltweit führender „Wald-TÜV“, seit über 17 Jahren eine nachhaltige Waldbewirtschaftung in zertifizierten Wäldern sicher. Doch was heißt nachhaltige Waldwirtschaft? Warum können Sie sich sicher sein, dass in Produkten mit dem PEFC-Siegel kein Holz aus Raubbau oder illegalen Rodungen enthalten ist?“

Und genau darüber kann man sich eben nicht sicher sein! Bereits während des Vortrags habe ich mit der Recherche begonnen, da ich mich an den Skandal zum FSC-Holz im Jahr 2018 erinnert habe. Zwar sind FSC (Forest Stewardship Council) nicht dieselben Institutionen, im Gegenteil, das PEFC stellt deutlich geringere Anforderungen als das FSC-Siegel. Daraus folgt, dass zwar sehr große Anteile der österreichischen Forste PEFC-gesiegelt sind (70%), doch die Aussagekraft ist mäßig. So werden nicht einzelne Waldbesitzer begutachtet, sondern gesamte Regionen bewertet und den Waldbesitzern dann ein vereinfachtes Verfahren mit Selbstverpflichtung auferlegt. Diese durchaus nicht unproblematischen Faktoren wurden nicht angesprochen und hinterlassen einen schalen Beigeschmack.

All in

Alles in allem ist die Autarkia eine schöne Möglichkeit, bekannte Akteure persönlich kennen zu lernen, neue Ideen und Unternehmen zu entdecken und sich mit Gleichgesinnten bei einem Glas Bio-Wein zu unterhalten.

Die Kartoffel-Krise

Der durchschnittliche Österreicher konsumiert pro Jahr 51,9 kg Kartoffeln. [1] 140 g am Tag also, das ist eine mittelgroße Frucht. Die Kartoffel ist das Lieblingsgemüse jedes 10. Bürgers [2] und dabei steht Österreich im Vergleich eher am unteren Ende der Skala, was den Verbrauch angeht: der EU-Durchschnitt liegt bei 70 kg, die Letten essen mit 126 kg pro Jahr mehr als doppelt so viele Kartoffeln wie die Österreicher. [3]

Die Kartoffel hat übrigens ein Frassloch…

Schaut man sich die Nährwerte der Kartoffeln oder Erdäpfel an, so macht ein hoher Konsum auch durchaus Sinn: sie sind kalorienarm, enthalten hochwertiges Eiweiß, sind Ballaststoffquelle und Vitaminreich. [4] Ein letzter, nicht unwesentlicher Punkt: Sie sind billig und ganzjährig verfügbar.

Preis-schock bei Pommes

Und nun der Schock! „Erdäpfel knapp: Jetzt droht Preisschock bei Pommes“, so titelt oe24.at am 23.04. Und weiter heißt es: „Jetzt droht auch noch ein Teuer-Schock bei Pommes. Die Preise ziehen längst an: Bis zu 30 Euro bekommen die Bauern für 100 kg Erdäpfeln – vor genau einem Jahr waren es noch 20 Euro. Und in den nächsten Wochen werden die allerletzten Erdäpfel aus Österreich über die Ladentische gehen. Dann ist Schluss. Grund: „Durch die Dürre letztes Jahr gab es massive Engpässe“, sagt Landwirtschaftskammer-Expertin Anita Kamptner: „Die Lücke wird mit Erdäpfeln aus Frankreich oder ­Israel gefüllt. Da kann es durch die langen Transportwege teurer werden.“ Österreichs Erdäpfel-Bauern fürchten jetzt um ihre Existenz: Denn auch der heurigen Ernte setzen Schädlinge und Trockenheit zu.“ [5]

Um auf den Umstand der Kartoffelknappheit hinzuweisen, demonstrierten am 25.04 die Kartoffelbauern am Wiener Heldenplatz und verteilten symbolisch die letzten Erdäpfel des Jahres.

70 Prozent ERnteeinbusse

Worum aber geht es eigentlich? Die extreme Trockenheit im Jahr 2018, welche sich auch dieses Jahr fortsetzt, hat, zusammen mit dem starken Drahtwurm-Befall, bis zu 70% der Ernte für den Handel unverkäuflich gemacht. So weit, so schlecht. Da Regentänze in den seltensten Fällen Erfolg versprechen, war das Ziel der Demo als weniger, für ausdauernden Niederschlag zu sorgen, als die Notzulassung von Insektiziden.

Probleme – und Lösungen?

Der Drahtwurm ist einer der größten Schädlinge im Kartoffelanbau und wie der Name schon sagt zäh und widerstandsfähig. Bei ungünstigen Lebensbedingungen ziehen sich die Würmer in tiefere Bodenschichten zurück, wo sie gerne auch über mehrere Monate ohne Nahrung bleiben können. Aus den Drahtwürmern schlüpfen nach 3 bis 5 Jahren die Saatschnellkäfer, doch sind es die Larven, welche in der Zwischenzeit den Schaden an der Kartoffel anrichten. Meist folgt ein weiteres Problem auf dem Fuße: die Fraßlöcher bieten Pilzen und Keimen einen Angriffspunkt.  Lösungen gibt es – abgesehen von Insektiziden – durchaus: So meiden die Drahtwürmer humusreiche Böden, durch intensive Bodenbearbeitung im Frühjahr und Herbst kann das Gelege gestört werden und die Beachtung der Fruchtfolge trägt ebenfalls zu einer Reduktion des Käferbefalls bei. Daneben sollen auch Ringelblume und Tagetes als Beisaat eine positive Wirkung zeigen. [6]

… und die gehörte zu den 50% der weggeworfenen Kartoffeln, bevor wir sie aus dem Müll gezogen haben.

Was all diese Lösungsansätze gemeinsam haben: sie sind zeitaufwändig. Zeit ist das Letzte, was die moderne Landwirtschaft sich nimmt und so ist die beliebteste Lösung außerhalb des Biolandbaus der Einsatz von Insektiziden. Dieser wurde in den vergangenen Jahren aber aus Umweltschutzgründen eingeschränkt  und auch der Handel bevorzugt Ware, welche ohne den Einsatz von Insektiziden hergestellt wurde. Dennoch fordern die Kartoffelbauern nun eine Notzulassung.

Damit wären sie nicht die Einzigen: Erst kürzlich wurde den Rübenbauern gewährt, die erst 2018 verbotenen, bienenschädlichen Neonicotinoide zur Saatgutbeize einzusetzen. Es ist eine Notfallzulassung, um das Saatgut vor diversen Schädlingen zu schützen. Dass das in den Boden ausgebrachte Gift auch eine Gefahr für die lebenswichtige Bodenfauna darstellt, tritt hinter den wirtschaftlichen Interessen zurück. [7] Dass es genug Studien gibt, welche zeigen, dass eine Bekämpfung des Drahtwurms mittels Insektiziden bei der Kartoffel nur wenig Erfolg bringt, scheint ebenfalls unwichtig. [8]

Rechnerischer Überschuss

Fakt ist: mengenmäßig war die Ernte im Jahr 2018 um 7% höher als die im Jahr zuvor (rund 698.000 Tonnen). Man könnte meinen, bei einem pro Kopf-Verbrauch von 52 kg pro Jahr und pro Kopf in Österreich  sollte das dennoch reichen, locker sogar (ganz Ö isst pro Jahr 456.196 Tonnen Kartoffeln, da sollte also ein Überschuss von rund 241.804 Tonnen bleiben).  Leider ist dieser Überschuss ein rein rechnerischer.

Denn wie eine Studie der ETH Zürich zeigt: „Vom Feld bis zu den Haushalten gehen bei konventionell erzeugten Speisekartoffeln 53 Prozent verloren, bei biologisch produzierten gar 55 Prozent.“ Diese Studie, welche in der Schweiz durchgeführt wurde und daher wohl nahezu eins zu eins auf den österreichischen Markt umgelegt werden kann, analysierte, welche Anteile Kartoffelernte wo verloren gehen.  

„Verluste entstehen auf allen Stufen der Wertschöpfungskette: Bis zu einem Viertel der Ernte von Speisekartoffeln bleibt bereits bei Produzenten auf der Strecke. Weitere 12 bis 24 Prozent sortieren Grosshändler aus. Lediglich ein bis drei Prozent fallen bei Detailhändlern unter den Tisch und noch immer 15 Prozent in Haushalten.“

https://www.medmix.at/die-haelfte-der-kartoffelernte-geht-verloren/

Fakt ist aber auch, dass bis zu 70% der Kartoffelernte 2018 für den Handel unverkäuflich sind. Rund 30 % des Verlustes lassen sich dabei auf den Drahtwurm zurückführen, der Rest ist „unansehnlich“.

Wie definieren wir „unverkäuflich“?

Denn theoretisch sind Erdäpfel auch noch essbar, wenn sie von Drahtwürmern angefressen wurden. In vielen Fällen verkapseln sich die Gänge und können durch Herausschneiden einfach entfernt werden, nur bei einem auf den Verbiss folgenden Befall durch Pilze und Bakterien sollte vom Verzehr abgesehen werden. Doch selbst, wenn man sämtliche vom Drahtwurm befallenen Erdäpfel herausrechnet, so ist der Rest der „unverkäuflichen“ Kartoffeln nur „unansehnlich“. Nicht schlecht, nicht verdorben, sondern zu klein, zusammengewachsen, nicht ganz oval, wie auch immer. [9, 10]

Schrumplig, voller Triebe und Frasslöcher – und wir werden sie dennoch essen. Du auch?

So undurchdacht der Ruf nach einer Notzulassung von Spritzmitteln auch klingt, so nachvollziehbar ist er dann doch: die Bauern haben schlicht und ergreifend Angst um ihren Wohlstand, was man ihnen kaum zum Vorwurf machen kann. Dennoch kann der Mehreinsatz von Insektiziden keine Lösung sein! Wir befinden uns im 6. Massenaussterben der Geschichte unseres Planeten und ursächlich dafür ist unbestreitbar der Einsatz von Giften.

Gifteinsatz oder umdenken?

Vielmehr muss ein Umdenken stattfinden: Nehmen wir Preissteigerungen von bis zu 30% eher hin als unförmige Kartoffeln, welche gar ein Frassloch haben? Nehmen wir im Austausch für makellose Ware hin, das bereits verbotene Insektizide wieder notzugelassen werden? Kann man überhaupt von einer Krise sprechen, wenn Jahr für Jahr die Hälfte der Ernte aus optischen Gründen vernichtet wird?

Offensichtlich. Aber wir können diese teils fingierte Krise aber auch nutzen und uns positionieren: Kaufen wir die angeblich unverkäuflichen, unansehnlichen Erdäpfel und setzen ein Zeichen gegen das „perfekte Produkt“! Definieren wir unverkäuflich um!

[1] https://de.statista.com/statistik/daten/studie/37703/umfrage/pro-kopf-verbrauch-von-kartoffeln-in-den-laendern-der-eu/
[2] https://derstandard.at/2000061646859/Der-Oesterreicher-liebstes-Obst-und-Gemuese
[3] https://de.statista.com/statistik/daten/studie/37703/umfrage/pro-kopf-verbrauch-von-kartoffeln-in-den-laendern-der-eu/
[4] https://eatsmarter.de/ernaehrung/wie-gesund-ist/kartoffel-kalorien-und-naehrwerte
[5] https://www.oe24.at/businesslive/oesterreich/Erdaepfel-knapp-Jetzt-droht-Preisschock-bei-Pommes/377332803
[6] https://www.plantura.garden/gartentipps/pflanzenschutz/drahtwurm-erkennen-vorbeugen-bekaempfen
[7] https://www.nachrichten.at/oberoesterreich/neonics-fuer-zuckerrueben-sorgen-bei-den-imkern;art4,3117344
[8] https://www.lfl.bayern.de/ips/blattfruechte/024000/index.php
[9] https://www.tt.com/panorama/natur/14991861/duerre-und-schaedlinge-70-der-kartoffelernte-unverkaeuflich
[10] https://diepresse.com/home/wirtschaft/economist/5548902/Der-Grossteil-der-Kartoffelernte-ist-unbrauchbar

Umweltpolizei im Surfurlaub

Vor der eigenen Türe kehren oder doch lieber vor der Fremden?
Gedanken eines Weltretters

Seit einigen Jahren nun bin ich um einen ressourcenschonenden und vorausschauenden Lebensstil bemüht. Als gebürtigem Schwabe kommt mir hier zugute, dass es mir selbstverständlich in die Wiege gelegt wurde, alles dankbar anzunehmen, was der Selbstgeißelung zuträglich ist. Frei nach dem inoffizillen Motto der Puritaner „Du darfst tun was Du willst, solange es Dir keinen Spaß macht“.

[1] Ist dieses Bild 1,25 Tonnen CO2 wert?

Eine meiner grundsätzlichen Problemstellungen lautet daher „Wie bringe ich einen lebensbejahenden Alltag, ohne mir zu viel zu verkneifen, und ein Streben nach Bescheidenheit und Nachhaltigkeit unter einen Hut?“ Und wo ziehe ich die Grenze? Zum Beispiel in Sachen Mobilität überlege ich mir bei fast jedem Schritt, den ich tue, was die Konsequenzen sind und welches Verkehrsmittel das ökonomischste und ökologischste ist. Zu meinem Glück erfreue ich mich recht guter Gesundheit und fahre auch noch sehr gerne Rad. Im Alltag ist das eine tolle Sache, da ich mich so fit halten kann, mich fast klimaneutral bewege und mich in keinen Stau stellen muss. Nach langem Ringen habe ich nun im Februar einen Flug nach Marokko für 11 Tage gebucht. Da kann ich lange radeln, bis ich den Ausreißer wieder ausgebügelt habe!

Irgendwie kommt man echt ins Grübeln, ob man sich als ein Depp unter 1.000 jetzt doch lieber so etwas verkneifen soll, während 999 andere hemmungslos dem Urlaubsexzess frönen. Oder sollte ich mich einfach mal locker machen und das Geschenk, in einem der reichsten Länder der Welt zu leben, annehmen und die Vorzüge des Lebens genießen?

Hemmungsloser urlaubsexzess – will ich das auch?

Nun, da ich die Tickets schon gebucht hatte und die Reise auch angetreten habe, habe ich mich dann doch lieber für Letzteres entschieden. Unterm Strich lebe ich immer noch nachhaltiger als 99% aller anderen Menschen – zumindest hab ich das mal bei einem CO2-Rechner herausbekommen… oder so ähnlich… oder war es doch nur nachhaltiger als 70% aller Europäer? Trotzdem perfekt – da kann ich immer noch mahnend meinen Zeigefinger heben  und an die Leute appellieren, doch endlich zur Besinnung zu kommen! Vor allem wenn man sich mal andere Kulturen anschaut: In was für einem Dreck zum Beispiel die Afrikaner leben. Genau das habe ich mir nun etwas genauer angeschaut. Nach geglückter Landung in Agadir konnte ich gleich mit meiner Weltverbesserungs-Kolonialisierung beginnen.

Nach einer etwa einstündigen Anreise haben meine Freunde und ich unser Ziel mit einem recht hübschen Surf- und Badeort erreicht. Die Lage direkt am Strand und der freie Blick auf den Atlantik sind schon recht vielversprechend. Der Ort selbst macht einen recht quirligen Eindruck. Neben den zahlreichen Touristen geben auch die Einheimischen ein recht buntes Bild ab. Alles wirkt beschaulich, ein Ort wo man die Seele baumeln lassen kann. Zudem sind die Preise niedrig und das Essen der Restaurants lecker. Dazu eine kühle Cola, das Leben könnte nicht schöner sein. Nachdem ich in der zweiten Nacht unfreiwillig eine ausgiebige Inspektion der Zimmertoilette vorgenommen hatte, musste ich in Sachen Surfen leider etwas kürzer treten. Uns wurde gesagt, dass der Strand an dem wir surfen waren genau in der Strömung der ganzen Abwässer liegt, die hier ungeklärt ins Meer laufen. Toll!

Müll in der Natur – WElche Überraschung!

Um nicht nur auf dem Zimmer zu sitzen, entschloss ich mich nach einem Ruhetag ein wenig die Hügelketten in der Umgebung auszukundschaften. Ich folgte dem ausgetrockneten Bachbett von der Mündung ins Hinterland – und  sieh‘ an, da liegt ja meine Coladose von vorgestern. Und daneben dutzende derer Brüdern und Schwestern. Hoppla, was ich die Tage zuvor so aus dem Augenwinkel halb wahrgenommen hatte, schlug jetzt mit voller Wucht auf mich ein. Hier liegt ja alles voller Müll (Foto 2). Hauptsächlich Plastik und Dosen. Was sind das nur für abscheuliche Schmutzfinken in diesem Ort!

[2] Mülldeponie Bachbett

Ich folge dem Bachbett eine ganze Weile, danach gehe ich ein Stück entlang einer Landstraße. Doch hinsichtlich Müll ändert sich das Bild nur wenig. Was mich wirklich interessieren würde, ob diese Dinge den Menschen vor Ort egal sind, ob sie andere Probleme haben, ob sie es vielleicht gar nicht sehen oder sich einfach nur machtlos fühlen, weil es von staatlicher Seite zu wenig Unterstützung gibt?

[3] Da bekommt Straßen-Bankett eine ganz neue Bedeutung

Zurück in der Heimat habe ich dann auch mal versucht, mich in dieser Hinsicht mit offenen Augen zu bewegen. Und mir sind auf einmal viele Orte aufgefallen, die total zugemüllt sind. Also brauchen wir uns eigentlich gar nicht so überlegen fühlen. Noch vor 30-40 Jahren haben, wie es viele ältere Menschen berichten, unsere Flüsse geschäumt. Offensichtlich muss der Leidensdruck erst hoch genug sein, damit man Gegenmaßnahmen ergreift. Und man muss sie sich leisten können. Momentan werden die Leute vielerorts mit ihren Problemen einfach im Stich gelassen. Vielleicht sind sie auch überfordert mit dem rasanten Wandel von einem ursprünglichen Lebensstil mit fast ausschließlich organischen Abfällen hin zu Single Use Plastic. Entsorgt wird wie eh und je, nur verrottet das moderne Gerümpel leider nicht.

[4] Die Ziegen stört der Müll weniger…

Und wo liegt nun der Kern des Problems? Die globalisierte Konsumgesellschaft? Die Gleichgültigkeit der Konsumenten? Die mangelnden Alternativen der Konsumenten? Die Konzentration von Konsum und Menschen auf einige Hotspots? Bin ich in meinem konkreten Fall als Tourist in Marokko in einer Masse aus sehr vielen Touristen nicht hochgradig Teil des Problems? In anderen Teilen des Landes, die dünner besiedelt und auch weniger touristisch sind, ist dieses Problem deutlich kleiner (soweit ich das im Rahmen meines doch nur beschränkten Einblickes beurteilen kann). Die Situation in Marokkos Surfspots dürfte sich in Zukunft weiter verschärfen. Neubaugebiete in Strandnähe gibt es bereits ohne Ende (siehe Foto 5).

[5] Neubaugebiete nahe Agadir

Und sind die Touristen nicht gleichzeitig auch eine Chance? Im Sinne eines Anlasses für die Gäste sich nur von seiner schönsten Seite zu zeigen und somit auch selbst davon zu profitieren. Und was habe ich jetzt erreicht außer noch mehr Ratlosigkeit bei mir selbst und vielleicht auch bei Euch?

Bildet Reisen denn?!

Als Geograph und allgemein an Vielem interessierter Mensch bin ich überzeugt davon, dass Reisen bildet und sehr wichtig sein kann. Nicht für jeden, aber für mich auf jeden Fall. Aber wenn das sehr viele Menschen mehrmals im Jahr tun wollen, verpufft dieser Effekt des Kennenlernens anderer Kultur- und Naturräume durch die Schneise der Verwüstung die der globale Touristenstrom hinterlässt. Wenn wir dieses Allgemeingut des „freien Wegerechts“ rationieren müssen, wer hat dann wie oft das „Recht“ darauf sich frei zu bewegen?

[6] Auch vor der Wüste macht das Problem nicht halt.

Ich möchte hier nun noch ganz deutlich betonen, dass ich niemandem Vorschriften machen möchte. Ich hoffe das ist durch meinen selbstkritischen und selbstironischen Anfang deutlich geworden. Jeder Mensch hat seine eigenen Grenzen, seine Laster und Dinge, die ihm wichtig sind.

Versuchen wir nicht gegenseitig, an uns die wunden Punkte zu finden, an denen wir vielleicht ohnehin gerade noch arbeiten möchten oder welche wir bewusst in Kauf nehmen, sondern freuen wir uns lieber über jeden Menschen, der für sich und für alle Anderen sein Leben besser gestalten möchte.

Unterstützen und ermutigen wir uns gegenseitig, gemeinsam für eine bessere Zukunft zu kämpfen! Und lassen wir uns nicht unterkriegen von all dem Unglück und den Ungerechtigkeiten in der Welt. Nutzen wir unser Geschenk in einem der sichersten und wohlhabendsten Länder der Erde zu leben und lassen wir es uns nicht nehmen glücklich zu sein und zu lachen auch wenn wir manchmal nichts zu lachen haben! 🙂

Flo

Gender und Umweltschutz

Am Freitag war Weltfrauen-Tag. Die Wogen gingen hoch. Auf der einen Seite gibt’s da die ewig gestrigen, die im Frauenwahlrecht den Grund für alles Böse auf der Welt orten, auf der anderen Seite stehen viele junge und ältere Frauen auf, um sich über das Erreichte zu freuen und weiter für eine gleichberechtigte Zukunft zu kämpfen.

Es fällt auf (zumindest in meiner Blase): Unter den Umweltschützern ist der Anteil an bekennenden FeministInnen hoch, sehr hoch sogar. Und mehr noch: die größten und bekanntesten Greenfluencer sind durch die Bank Frauen, wo doch das Internet sonst in weiten Teilen von Männern geprägt wird. 88% aller Männer nutzen in Deutschland das Internet, 80% der Frauen. [1]

Andererseits: 68% der Instagram-Nutzer, wo ein Großteil der Greenfluencer (neben dem Blog) aktiv wird, sind weiblich. [2] Auch meine persönliche Wahrnehmung ist eine ähnliche: Grüne Accounts werden sehr, sehr oft von Frauen betrieben.

Ist Umweltschutz weiblich?

Ruth Meinzen-Dick, Chiara Kovarik und Agnes Quisumbing vom  “International Food Policy Research Institute” in Washington D.C. haben diese Frage schon 2014 beantwortet:  

»Auf die Frage, ob Gender für Nachhaltigkeit von Belang ist, gibt es eine einfache Antwort: Ja, das ist es. Das bedeutet jedoch nicht, dass Frauen von Natur aus ressourcenschonender sind«, stellten die Wissenschaftlerinnen damals fest. Die These, dass Frauen einen mehr oder weniger angeborenen Nachhaltigkeitsbezug hätten, der durch tradierte Rollenzuschreibungen gepflegt würde, ist eine verbreitete Sicht auf Weiblichkeit und den schonenden Umgang mit Ressourcen. [3]

Im ersten Moment klingt das etwas widersprüchlich, doch eigentlich ist die Sache klar: Erstrangig wichtig für das eigene Leben, den eigenen Treibhausgasaustoß und den eigenen Ressourcenverbrauch ist nicht zwangsweise das Geschlecht, sondern vielmehr die soziale Schichtzugehörigkeit. Je besser jemand verdient, desto mehr konsumiert sie oder er und desto umweltschädlicher wird, so zeigen alle Statistiken zu dem Thema, das Leben. Da Frauen tendenziell stärker von Armut betroffen und gefährdet sind, außerdem seltener Vollzeit arbeiten und insgesamt weniger verdienen, haben sie ein durchschnittlich geringeres Einkommen, das sie für Konsum aufwenden können.

Ein wirklich spannendes Paper zu dem Thema findet Ihr beim deutschen Umweltbundesamt. [4]

Umweltschutz ist weiblich!

Dennoch: Umweltschutz ist weiblich! Die Umweltkrisen werden es nämlich auch sein.

Es fängt beim Energieverbrauch an: Laut VCÖ legen Männer ca. doppelt so viele Auto-Kilometer zurück als Frauen und verursachen durch ihre Mobilität auch insgesamt rund ¾ mehr klimaschädliche Gase als Frauen. Vor allem junge Frauen im städtischen Umfeld legen 87% aller Wege öffentlich, zu Fuß oder mit dem Fahrrad zurück. (Zahlen für Wien, [5]). Die nächste, klischeehafte Erkenntnis: die Ernährung von Männern (Fleischlastiger als die von Frauen) ist um rund 14 – 21% CO2 intensiver. [6, S. 8]

[7, S. 15]

Aber nicht nur diese „naheliegenden“ Kategorien zeigen eine deutliche Diskrepanz zwischen den Geschlechtern auf, nein, auch bei „traditionell weiblichen“ Konsumgütern (in dem Fall „Clothing and footwear“ und „household services“) ist der Energieverbrauch bei Männern nur geringfügig geringer. [7, S. 15]

Heruntergebrochen heißt das am Beispiel Frankreich: eine typische französische Frau stößt pro Tag 32,3 kg CO2 aus – ein typischen französischer Mann dagegen 39,3 Kg. Eine Menge, deren Differenz sich über’s Jahr hinweg läppert. [8]

Die leidtragenden der Klimakrise

Frauen tragen also weniger zur Erderwärmung bei, sind aber am Ende stärker davon beeinflusst.

„Across societies the impacts of climate change affect women and men differently. Women are often responsible for gathering and producing food, collecting water and sourcing fuel for heating and cooking. With climate change, these tasks are becoming more difficult. Extreme weather events such as droughts and floods have a greater impact on the poor and most vulnerable – 70% of the world’s poor are women.” [9]

Dieses höhere Sterberisiko kann extrem sein: Bis zu viermal mehr Frauen als Männer starben beim Tsunami 2004 in Indonesien. Zum einen, weil mehr Frauen zu Hause waren, während sich die Männer beim Fischen außerhalb des Wirkungsbereiches des Tsunamis befanden, aber auch, weil deutlich weniger Frauen als Männer Schwimmen und Klettern konnten und können. [10]

Und die Lösung?

Gibt es Lösungsansätze?

Natürlich! Eine stärkere Partizipation von Frauen, eine gerechtere Verteilung von Macht, mehr Bildung… die Liste ist lang! Viele Studien zeigen, dass Frauen, vor allem in den am stärksten betroffenen Gebieten, sehr wirkungsvoll eingreifen und so langfristige Lösungen finden.

Aber das wäre doch zu einfach, nicht wahr?

2018 kam nach einer mit 2000 Probanden durchgeführten Studie folgende Handlungsempfehlung:

„Zum einen könnten „grüne“ Marketingbotschaften und Produkte so entworfen werden, dass sie Männer in ihrer Maskulinität bestärken und ihnen so die Angst nehmen, als feminin eingestuft zu werden, wenn sie der Umwelt etwas Gutes tun. In unseren Experimenten zeigten sich Probanden, deren Männlichkeit zuvor betont worden war, zum Beispiel eher daran interessiert, ein naturschonendes Reinigungsmittel zu erwerben.
Zweitens könnten die Hersteller von umweltfreundlichen Produkten – aber auch Naturschutzorganisationen – stärker auf „männlichere“ Farben, Wörter und Bilder zurückgreifen. In unserer Untersuchung waren Männer eher bereit, für eine gemeinnützige Organisation zu spenden, wenn diese ein maskulines Logo besaß, auf dem vor schwarzem und dunkelblauem Hintergrund ein heulender Wolf und der Name „Wilderness Rangers“ prangten.“ [11]

Am Ende sind es also erstrangig Rollenklischees, die den Umweltschutz-Willen männlicher Konsumenten bedrängen. Und natürlich, das ließe sich vielleicht mit einem Rebranding lösen lassen.

Aber wollen wir als Gesellschaft – im Jahr 2019 – wirklich, dass das wahrgenommene Geschlecht darüber entscheidet, ob wir unseren Planeten retten wollen?!

Falls ihr noch mehr zu diesem spannenden Thema lesen wollt: https://www.boell.de/de/navigation/feminismus-geschlechterdemokratie-3855.html

[1] https://de.statista.com/statistik/daten/studie/3100/umfrage/internetnutzung-in-deutschland-nach-geschlecht-seit-2001/
[2] https://www.omnicoreagency.com/instagram-statistics/
[3] https://www.biorama.eu/diskussion-ist-nachhaltigkeit-weiblich/
[4]
https://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/378/publikationen/texte_39_2016_repraesentative_erhebung_von_pro-kopf-verbraeuchen_natuerlicher_ressourcen.pdf
[5] https://www.vcoe.at/news/details/vcoe-frauen-gehen-haeufiger-zu-fuss-als-maenner-fahren-weniger-mit-dem-auto
[6] http://lup.lub.lu.se/luur/download?func=downloadFile&recordOId=8934039&fileOId=8934040
[7] https://www.compromisorse.com/upload/estudios/000/101/foir2800.pdf
[8] http://www.wecf.eu/english/articles/2011/02/gender-climateimpact.php
[9] https://www.iucn.org/resources/issues-briefs/gender-and-climate-change
[10] http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/opferzahlen-tsunami-toetete-bis-zu-viermal-mehr-frauen-als-maenner-a-362711.html
[11] https://www.spektrum.de/news/ist-oeko-zu-unmaennlich/1529761

Tierischer Abfall

Biomüll, der Fluch der Vegetarier (oder so ähnlich)

„Guter Grund“

Eine Art von Abfall, welche wohl kein Zero Waster als „Müll“ bezeichnen würde, ist Bio-Abfall. Im Gegenteil, da viele Menschen, die sich mit müllfreiem Leben beschäftigen, auch mit veganem und vegetarischem Leben sympathisieren, fällt genau da oft recht viel Abfall für die Biotonne an.

Nun gibt es in den meisten Städten Europas eine funktionierende Müllabfuhr, im besten Falle auch eine gesonderte Sammlung von biogenem Abfall.   In Wien etwa landet der Biomüll im Kompostwerk Lobau, wo aus dem Abfall wertvoller Boden wird. [1] Besonders gut gefällt mir am Wiener Konzept, dass der fertige Kompost gratis an den Mistplätzen abgeholt werden kann. Eimer schnappen, zum Mistplatz fahren, Pflanzen einsetzen. Die vergangenen Jahre haben wir mit dem „Guten Grund“ sowohl unsere Pflanzentöpfe befüllt als auch mit dem Kompost unseren Gemeinschaftsgarten gedüngt. Die MA48 weißt sogar ausdrücklich darauf hin, dass der Einsatz dieses Komposts auch in Betrieben mit biologischer Landwirtschaft möglich ist. [2]

So sollte es funktionieren… Tut’s halt leider nicht überall!
Quelle: wien.gv.at, Guter Grund

Jetzt ist es nicht überall so einfach, seinen Biomüll loszuwerden. Teils gibt es keine hauseigenen Biotonnen oder man ist – wie wir auch – einfach froh, wenn man nicht täglich zur Tonne schlappen muss. Welche Möglichkeiten also gibt es?

Zuerst einmal: Soll in der Wohnung kompostiert werden oder ist auch eine Lösung in der Nähe des Hauses möglich?
Wenn sich rund um das Wohnhaus ein Plätzchen findet, lohnt es sich, sich an die Hausverwaltung zu wenden und mit dieser den geplanten Komposthaufen zu besprechen. Das kann natürlich zu einer Diskussion mit dem ganzen Wohnhaus führen mit eventuell negativem Ausgang. Denn auch wenn ein Komposthaufen wenig Platz braucht, ist der Standort entscheidend: So soll er wind- und sonnengeschützt sein, bestenfalls Durch einen Sichtschutz abgegrenzt, gut erreichbar, möglichst eben und vor allem: möglichst weit weg von allem Balkonen und Fenstern. Auch wenn es selten passiert: ein Komposthaufen kann kippen und den Geruch will dann keiner in der Nase. Nichtsdestotrotz ist ein Haus-Kompost ein schönes Gemeinschaftsprojekt. Und selbst wenn nichts aus der Idee wird, findet man durch den Prozess vielleicht Gleichgesinnte im eigenen Haus.

Vielleicht gibt es auch einen Gemeinschaftsgarten in Deiner Nähe? Entweder umsonst oder gegen einen geringen Beitrag kann man dort mitgarteln, Leute kennen lernen und im besten Fall: Biomüll entsorgen. Dabei bleibt aber meist das Problem mit der Faulheit: wer will schon alle paar Tage seine Karottenschalen in den nächsten Gemeinschaftsgarten bringen?! (Disclaimer: ich nicht 😉 )

Also muss ein Komposter für die Wohnung her! Dafür gibt es zwei Ansätze, einmal den Bokashi-Eimer, einmal die Wurmkiste. Beide sind beliebt bei Umweltschützern, klein genug, um auch in der winzigsten Küche nicht zu stören und – soweit korrekt geführt – geruchlos. Da hört die Gemeinsamkeit aber eigentlich auch schon auf…

BOKASHI – Japanische Effizienz

Angeblich (ich habe verschiedene Quellen gefunden, die teils widersprüchliche Übersetzungen angeben) heißt Bokashi so viel wie „fermentiertes organisches Material“ [3] oder auch „schrittweises umsetzen“ [4]. Wie der Name schon sagt: es handelt sich bei einem Bokashi-Eimer nicht um einen Komposter im eigentlichen Sinne, da das organische Material nicht verrottet, sondern fermentiert. Das geht deutlich schneller als traditionelles Kompostieren: etwa 2 bis 3 Wochen nur braucht der Eimer bei Optimaltemperatur (ca. 25 – 30°) [3]. Bereits während der Fermentierung kann man Bokashi- Sickersaft ernten und als Flüssigdünger für Pflanzen verwenden. Und: alle organische Abfälle dürfen in den Eimer! Also auch Fleisch, Fisch, Gekochtes und Zitronenschalen, welche im Kompost nur in homöopathischen Dosen etwas zu suchen haben. Die Geschwindigkeit lässt sich aber nur erreichen, wenn der Eimer nicht zu oft geöffnet wird. Um eine zweite „Müllsammelstelle“, in der der Bioabfall für ein bis zwei Tage gesammelt wird, kommt man hier kaum umhin. Das Ergebnis der Fermentierung ist übrigens keine Erde, sondern Dünger und sollte nur mit Erde gemischt verwendet werden.

Das hier ist Erde, frisch aus der Wurmkiste.

„Herzstück“ des Bokashi sind Effektive Mikroorganismen (EM), entweder in flüssiger Form oder als Pulver. Die EM werden über jede Schicht Bioabfall, die man in den Bokashi legt, gestreut. Zugegebenermaßen ist das auf Dauer nicht ganz billig. Zwar braucht man pro Schicht nicht viel, über die Jahre hinweg kommt aber doch was zusammen. Die Eimer selbst sind ebenfalls recht kostenintensiv, wenn man sie betriebsbereit kauft. Ein kleiner Eimer kostet meist rund 50,00 €. Sinnvollerweise schafft man zudem gleich zwei an, so kann ein Eimer in Ruhe fermentieren, während der andere befüllt wird. Mit ein bisschen handwerklichem Geschick lässt sich so ein Bokashi-Eimer aber natürlich selber bauen. [5] Macht ja auch mehr Spaß! 😉

Wurmkiste – Es kreucht und fleucht

Noch teurer in der Anschaffung ist sicherlich die Wurmkiste. Ein bekannter österreichischer Hersteller etwa verlangt für das kleinste Modell als Selbstbaubox 170,00 €. Ich möchte damit jetzt keinesfalls diesen Preis in Frage stellen! Die Jungs fertigen in Handarbeit und verwenden vorwiegend nachwachsende Rohstoffe – Qualität hat ihren Preis. Auch hier: selbst bauen ist billiger! Trotzdem braucht es hier deutlich mehr Werkzeug, Platz und Know-How als beim Bokashi-Eimer. Ich habe unsere Wurmkiste selber gebaut, mit tatkräftiger Unterstützung meines kleinen Bruders. Orientiert habe ich mich dabei an verschiedenen Anleitungen im Internet. [6]

Unsere selbstgebaute Wurmkiste

Wurmkisten kann man auf zwei Arten aufbauen: horizontal oder vertikal. Die vertikalen Modelle benötigen eine Auffangwanne für den Wurmtee, welcher ein flüssiges Nebenprodukt der Wurmkompostierung ist und ebenfalls als Dünger verwendet werden kann [7]. Da ich eine horizontale Kiste habe, kann ich zu den vertikalen Systemen nur die Kritik von befreundeten Wurmhaltern weitergeben: diese haben den Nachteil, dass es bei der Ernte der Erde oft chaotisch zugeht, da man die Box mit den Würmern herausheben muss. Dabei  kann Einiges danebengehen und direkt Spaß macht den Würmchen das Umsiedeln wahrscheinlich auch nicht. Beim horizontalen Aufbau (der sich nebenbei auch deutlich einfacher selber bauen lässt) dagegen siedeln sich die Würmer mehr oder weniger selbst um. Da man zwei Hälften hat, füttert man, sobald Hälfte A voll ist, nur noch in Hälfte B. Wenn die Würmer eine Weile nichts mehr zu Futtern bekommen, gehen sie freiwillig in Hälfte B. Hälfte A lässt sich dann einfach mit einem Schaufelchen leeren und man hat wunderbare Erde. Nachteil der horizontalen Modelle: Wurmtee gibt es keinen und man sollte darauf achten, dass der Kisteninhalt nicht zu feucht wird.

Ein Blick hinein. Links eine Sprühflasche für Wasser und vorsichtshalber trockenes Material, rechts beschützt James Bond Erde und Würmer vor den Fliegen…

Egal wie sie nun aufgebaut sind: Würmer braucht man immer! Auch hier: nicht ganz billig, so eine Startpopulation. Der Vorteil hier gegenüber dem Bokashi: Wenn Du Deine Würmer nicht gerade misshandelst, verhungern lässt oder ertränkst werden sie ohne Nachhelfen immer mehr! Unter Laborbedingungen können sich Kompostwürmer in einem Jahr vertausendfachen! Im echten Leben wird es wahrscheinlich nicht ganz so schnell gehen, aber die Population reguliert sich recht schnell und passt sich auch in Notzeiten (Urlaub) an die Gegebenheiten an. Ich habe meine Startpopulation übrigens über eine Facebook-Gruppe (Zero-Waste Vienna) bei netten Menschen gegen Brot bzw. Bienenwachstücher eingetauscht. Geld gespart und nette Leute kennengelernt – was will man mehr!

Die Würmer sind Lebewesen – mit allen Vor- und Nachteilen

Füttern sollte man den Würmchen übrigens nur, was auch in den Kompost sollte, also kein Fleisch, kein Fisch, keine Zitrusfrüchte oder Ähnliches. Auch Zwiebelreste mögen die Würmer nicht so gerne. Und wer hofft, mit den Würmern der sommerlichen Fliegenplage zu entgehen, den muss ich enttäuschen. Zwar kaum Fruchtfliegen, aber Trauermücken. Und: Du hast jetzt Haustiere! Sie sind leise, machen keinen Dreck und räumen deinen Mist weg, aber: Du musst Dich um sie kümmern!

Fazit

Vor- und Nachteile der Kompostierer im Überblick

Wenn man also ganz stur nach der Vor- und Nachteilliste geht, ist der Bokashi-Eimer wohl für viele die bessere Wahl. Trotzdem bin ich überzeugter Wurmkisten-Fan! Warum? Wenn ich ganz oberflächlich anfange: die Optik! Eine Wurmkiste aus Holz macht einfach mehr her als zwei Plastikeimer für den Bokashi! Wenn man möchte kann man die horizontale Wurmkiste auch noch als Sitzgelegenheit nutzen – Kissen drauf, fertig. Und mit den Würmern ist bei Besuch Gesprächsstoff garantiert. Aber für mich am wichtigsten: es sind sichtbare (die Bakterien vom Eimer ja egtl auch) Lebewesen und ich bin extrem fasziniert davon, wie diese kleinen Tierchen meinen Müll in einen wertvollen Rohstoff umwandeln!

Habt Ihr noch Fragen zu Bokashi-Eimer oder Wurmkiste? Oder wollt ihr Eure Erfahrungen teilen? Immer her damit! Ich freue mich über Kommentare!

Quellen

[1] https://www.wien.gv.at/umwelt/ma48/beratung/muelltrennung/biogener-abfall/kompost.html
[2] https://www.wien.gv.at/umwelt/ma48/beratung/muelltrennung/biogener-abfall/
[3] http://www.natuerlich-gesund-web.de/html/was_ist_bokashi.html
[4]https://www.sat1.at/ratgeber/wohnen-garten/haushalt/bokashi-so-funktioniert-der-spezialkompost-eimer
[5] https://www.smarticular.net/bokashi-eimer-30-minuten-selber-bauen/
[6] https://www.smarticular.net/wurmkiste-selber-bauen-bauanleitung-fuer-die-wurmfarm-auf-dem-balkon/
[7] http://www.regenwuermer.info/wurmhumus/wurmtee.php

Klimatisch eindeutig

Gibt man bei Google den Begriff „Climate change“ ein, so bekommt man sage und schreibe 593.000.000 Ergebnisse, so ungefähr. Also knapp 600 Millionen. Wenn man auf Deutsch nach „Klimawandel“ sucht, sind es immer noch gut 13,5 Millionen Treffer. Das Thema ist omnipräsent, das Internet, die Zeitungen ist voll davon. Man könnte meinen, jeder weiß inzwischen, worum es geht. Vor allem, nachdem 2018 als wärmstes Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen (1768) in die Geschichte eingehen wird. In den Top 20 sind nahezu alle Jahre seit der Jahrtausendwende vertreten. Auf den Plätzen 1 -5 liegen 2018 (+1,8°C), 2014 (+1,7°C),  2015 (+1,4°C),  1994 bzw. 2016 (+1,2°C) und die Jahre 2016, 2002 und 2000 mit jeweils +1,0°C über dem langjährigen Mittel. [1]

Ja, jeder sollte wissen, worum es geht. Aber nein. Auf das heißeste Jahr der Messgeschichte folgte nämlich: ein Rekordwinter. Vor allem in Tirol (Seefeld, Kufstein und Hochfilzen) wurden bei der Neuschneesumme in den ersten beiden Jännerwochen die Langzeitrekorde gebrochen [2] und in den Bergen ist der Jänner 2019 im Mittel um 3,6°C kälter als das langjährige Mittel. [3]

https://www.zamg.ac.at/cms/de/klima/news/2018-mit-grosser-wahrscheinlichkeit-waermstes-jahr-der-messgeschichte

Wie nicht anders zu erwarten, ruft eine solche Anomalie, die gegen einen Trend auftritt, die Zweifler auf den Plan, allen voran den twitternden Präsident. „[climate change…] please come back, we need you!“ [4]

Die Frage, was trauriger ist, bleibt: Die Aussage an sich oder die vielen Likes?

Nun ist es bei manchen Menschen wenig verwunderlich, dass sie komplexe Zusammenhänge und Phänomene nicht verstehen können oder wollen, was mich aber grundsätzlich an der Diskussion – egal in welcher Sprache – stört, ist das systematische Verwechseln und Durcheinanderwerfen der Begriffe. Selbst Zeitungen und große „Öko-Blogs“ lachen zwar über Trump, weil er „Klima und Wetter“ nicht auseinander halten kann, zugleich verwechseln sie aber selbst Wetter und Witterung.

Damit Ihr ab jetzt auch jede Diskussion mit einer genauen Definition bereichern könnt,  gibt es heute eine kleine Übersicht über die Begriffe „Klima“, „Witterung“ und „Wetter“.

Klima

„Der Ausdruck Klima bezeichnet in seinem allgemeinen Sinne alle Veränderungen in der Atmosphäre, die unsere Organe merklich affizieren: die Temperatur, die Feuchtigkeit die Veränderung des barometrischen Druckes, den ruhigen Luftzustand oder die Wirkung ungleichnamiger Winde, die Größe der elektrostatischen Spannung, die Reinheit der Atmosphäre oder ihre Vermengung mit mehr oder minder schädlichen gasförmigen Exhalationen, endlich den Grad habitueller Durchsichtigkeit und Heiterkeit des Himmels, welcher nicht bloß wichtig ist für die vermehrte Wärmestrahlung des Bodens, die organische Entwicklung der Gewächse und die Reifung der Früchte, sondern auch für die Gefühle und die ganze Seelenstimmung des Menschen.“


A.v.Humboldt, 1745

Eine sehr lange, blumige und vor allem auf den Menschen zentrierte Erklärung, mit der allerdings der Grundstein für die moderne Klimatologie und Klimageographie gelegt wurde und die äußert umfassend wirkt. Tatsächlich fehlen darin aber einige Aspekte, die heute für die Abgrenzung von Wetter, Witterung und Klima wichtig sind. So spricht Humboldt zwar von den „Veränderungen der Atmosphäre“, doch damit kann jeder der drei Begriffe gemeint sein. Eine zeitliche oder auch räumliche Eingrenzung fehlt.

1883 versucht ein deutlich weniger bekannter Herr erneut, den Begriff Klima zu definieren. Julius von Hann begründet in Wien die moderne Meteorologie. Was für einen Unterschied die 130 Jahre zwischen den Erklärungen machen können:

„Unter Klima verstehen wir die Gesamtheit der meteorologischen Erscheinungen, die den mittleren Zustand der Atmosphäre an irgendeiner Stelle der Erdoberfläche kennzeichnen“.


J. v. Hann, 1883

Damit lässt sich schon eher was anfangen, nicht wahr? Hann setzt einen Zeitraum fest, wenn auch nur grob. Er spricht vom „mittleren Zustand der Atmosphäre“. Räumlich hapert es immer noch. „…an irgendeiner Stelle…“. Wie groß diese Stelle sein sollte, darauf geht er nicht ein.

Schauen wir doch noch einmal einige Jahre weiter: Auf der Website der World Meteorological Organisation (WMO) findet man folgendes:

„Climate in a narrow sense is usually defined as the „average weather,“ or more rigorously, as the statistical description in terms of the mean and variability of relevant quantities over a period of time ranging from months to thousands or millions of years. The classical period is 30 years, as defined by the World Meteorological Organization (WMO). These quantities are most often surface variables such as temperature, precipitation, and wind. Climate in a wider sense is the state, including a statistical description, of the climate system.”

WMO

30 Jahre, das ist also die Mindestzeitspanne, um von Klima sprechen zu können und die wichtigsten Faktoren sind Temperatur, Niederschlag und Wind.  Aber immer noch: keine räumliche Einordnung.

Im aktuellen Diskurs ist bei Klima eigentlich immer das globale Klima gemeint, der „global climate change“. Das weltweite und das österreichweite Klima sind aber logischerweise bei weitem nicht ident: weltweit etwa war 2016 mit +0,9°C das wärmste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen (Österreich: 2018, +1,8°C). 2018 liegt weltweit „erst“ auf Platz 4 (+0.77°C). [4] Die räumliche Definition ist also mehr oder weniger abhängig von der Fragestellung oder dem persönlichen Geschmack. Dennoch ist es natürlich sinnvoll, halbwegs vergleichbare Größen festzulegen und so unterscheidet man Mikro-, Meso- und Makroklima. Während das Mikroklima schon das Klima einer rund um einen Baum beschreiben kann, beginnt das Makroklima erst auf einer kontinentalen Skala. Das Mesoklima bewegt sich dazwischen, etwa wenn es um Stadtklimate geht. [5]

Klima auf einen Blick

Kurz und knapp heißt das also: Klima ist nur das, was in der Atmosphäre eines bestimmten Gebietes in mindestens 30 Jahren passiert.

Witterung und Wetter

Deutlich einfacher (und mit weniger Diskussionsbedarf der einzelnen Studienrichtungen) lassen sich Wetter und Witterung differenzieren. So schreibt die ZAMG: „Das Wetter spielt sich auf wesentlich kürzeren Zeitskalen als das Klima ab, von Stunden bis Wochen. Der über mehrere Tage bis zu einer Jahreszeit vorherrschende Wettercharakter wird auch Witterung genannt. “ [6]

„Wetter“ beschreibt den Augenblickszustand in der Atmosphäre an einem bestimmten Ort (etwa in einer Landschaft, einer Stadt…), wobei der Begriff Windböen oder ähnlich kurze Phänomene nicht erfasst: da spricht man von Mikroturbulenzen.

Der Übergang zwischen Wetter zur Witterung liegt in einem Zeitraum von mehreren Tagen und Monaten bis zu maximal einem Jahr.

Wetter und Witterung

Zusammenfassung

In Südtirol herrscht heute starker Schneefall. -> Wetter
Der Winter 2019 in den Alpen ist sehr kalt und schneereich. -> Witterung
Im Alpenraum sind die Durchschnittstemperaturen in den vergangenen 120 Jahren um knapp 2°C gestiegen. -> Klima [7]

 Quellen:
[1] https://www.zamg.ac.at/cms/de/klima/news/2018-mit-grosser-wahrscheinlichkeit-waermstes-jahr-der-messgeschichte
[2] https://www.zamg.ac.at/cms/de/klima/news/stellenweise-neuschneerekorde
[3] https://www.zamg.ac.at/cms/de/klima/news/auf-den-bergen-kaeltester-jaenner-seit-ueber-30-jahren
[4] https://www.ncdc.noaa.gov/sotc/global/2018
[5] Schönwiese, C.D.: Klimatologie. 2003.
[6] https://www.zamg.ac.at/cms/de/klima/informationsportal-klimawandel/klimaforschung/wetter-und-klima
[7] https://www.cipra.org/de/cipra/international/projekte/abgeschlossen/cc-alps/ueber-ccalps/klimawandel-alpen

Wir sind online!

wie wir sind und was wir machen

Hallihallo! Wir sind Flo, 31 Jahre, und Maria, 28 Jahre alt und die zwei Köpfe hinter bergwurz.

Maria: Ich bin in einer großen Familie aufgewachsen, die schon sehr früh meinen Blick für nachhaltiges Handeln geprägt hat – sei es durch Mülltrennung und Recycling oder durch die Nutzung von Solarstrom, was damals noch ziemlich neuartig war. Ich durfte mit allerlei Getier aufwachsen: Hühnern, Schafen, Katzen, Hasen… Vor allem durfte ich am benachbarten Bauernhof Kälbchen füttern. Meine Tier- und Naturliebe wurden also früh geweckt! 😉

Hühner, Marias ganz besondere Lieblinge

Fast forward zum Studium: Geographie. Da kam das Wissen zur Liebe dazu. Und nach und nach auch die Erkenntnis: das, was gerade in der Welt passiert, wird sie auch kaputt machen. Also fing ich an, mir mehr Gedanken darüber zu machen, was mein persönlicher Impact auf diese Welt ist. Und als ich dann Flo kennen lernte, hatte ich endlich einen „Partner in Crime“, der vieles ebenso sah und sieht wie ich.

Florian: Bei mir war alles irgendwie anders… aber dann doch auch wieder ähnlich. Ich bin als Einzelkind in einer Wohnung in der Kleinstadt aufgewachsen. So wirklich interessiert haben mich Themen wie Nachhaltigkeit, Umwelt- und Tierschutz und ein alternativer Lebensstil noch nicht so wirklich. Ich erinnere mich nur an einige kurze Episoden im Alter zwischen 8 und 12, in denen ich immer mal wieder Gedanken aufgeschnappt habe, die aber meistens im Sande verlaufen sind. Erst in meinem Geographie-Studium ist mir bewusst geworden, dass ich mich durch die vielen Camping-Urlaube mit meinen Eltern und verschiedene Freunde doch schon immer viel und gerne in der Natur  bewegt habe und ich das Freiheitsgefühl, das einem durch eine gewisse Eigenständigkeit gegeben wird, schon immer geliebt habe.

Auf den Lofoten, Marias erster Camping-Ausflug und der Beginn einer großen Bus-Liebe

Durch einige Exkursionen mit der Universität und durch tolle Freunde hatte ich die Möglichkeit, sehr viele kulturelle Facetten und unterschiedliche Naturräume der Erde kennen lernen. Sobald ich dann einmal über den Tellerrand hinaus geblickt hatte, gab es kein Halten mehr und es kommen wie von selbst immer neue Einflüsse, die auf einen einwirken. Und wenn man dann mal angefangen hat, irgendwie anders zu denken und man dann auch noch auf einen Zweiten trifft, der genauso denkt wie man selbst, dann gelangt man schließlich an einem Punkt, wo man sich denkt: Na ja, irgendwie können wir ja dann auch aus diesen vielen kleinen Bausteinen eine runde Sache basteln. Und hier stehen wir nun…

„Gedumpsterte“ Lebensmittel (also aus dem „Müll“) werden Euch hier wohl öfter begegnen…

wollen wir leben, wie man heute leben soll?

Jeder von uns beiden hatte also seine Geschichte und seine Gedanken, die ihn antrieben. Gemeinsam wurde dann mehr daraus: mehr Gedanken, mehr Kritik, mehr Geschichte und mehr Entschluss. Und je mehr wir darüber sprachen, desto sicherer wurden wir, dass Konsum um den Konsums willen nicht unsere Lösung sein kann und wir näher und zurück zur Natur wollen.

…ebenso wie selbst gezogenes Gemüse vom Balkon oder aus dem Gemeinschaftsgarten.

was werdet ihr hier finden?


Wir wollen Euch gerne mitnehmen auf unsere Reise. Manchmal ist der Weg vielleicht besonders steil und steinig und der Rucksack viel zu schwer gepackt, voller Erwartungen und Hoffnungen, die sich nicht so erfüllen werden, wie wir erwartet hätten. All Inclusive wird’s wohl nie.

Begleitet uns doch auf unserem Weg zur Selbstversorgung, vielleicht zum Earthship, zum nachhaltigeren Leben!