Süßer veganer Teig mit Lievito Madre

Hier habe ich Euch ein bisschen über die Unterschiede zwischen Sauerteig und Lievito Madre erzählt – aber ich weiß, ich weiß, am Ende interessiert Euch nur das Rezept, oder?! 😉

Grundsätzlich gibt es einige Rezepte für süße, germteig-ähnliche Teige im Internet, allerdings enthalten die alle entweder Ei oder Milch und Butter oder gleich beides. Ist jetzt nicht direkt vegan… Aber das macht ja erstmal nichts, es gibt ja kaum etwas, was man nicht veganisieren kann, nicht wahr? 😉

Vegane Osterstriezel – nur eine Art, den Teig einzusetzen

Ich habe mir ein recht simples Rezept herausgesucht und habe daran herumgespielt, bis ich einen veganen süßen Teig hatte, der genauso fluffig und leicht ist, wie es ein Hefeteig wäre.

Fluffig wird der Teig – je länger er geht, desto mehr Fluff.

Veganer süsser teig nur mit lm

250 ml Pflanzenmilch
50 g vegane Butter

Die Milch erwärmen und die Butter darin schmelzen, dann abkühlen lassen.

520 g Mehl [kein Vollkorn, das ist zu schwer]
1 gute Prise Salz
75 g Zucker
2 Tl Vanillezucker
1 Messerspitze Kurkuma [für die Farbe]

Alle trockenen Zutaten vermengen.

1 Zitrone [BIO]

Die Schale abreiben, den Saft auspressen. Zum Teig geben.

150 g Lievito Madre [vor mindestens 4 Stunden gefüttert]

Zum Teig geben und alles bei niedriger Stufe kurz verkneten, dann auf hoher Stufe weiterkneten [ca. 5 min]. Ich nehme den Teig dann raus und knete ihn per Hand noch ein bisschen weiter.‘

Den Teig anschließend für mindestens 2 Stunden ruhen lassen. Dann den Teig formen, aufs Blech packen (in die Form legen) und wieder für mindestens 6 Stunden ruhen lassen.

Einen Schuss Milch und ein Stückchen Butter erwärmen, eine Messerspitze Kurkuma darin auflösen, die Striezel, den Stuten, was auch immer damit einstreichen und ab damit in den vorgeheizten Ofen [200°C]. Je nach Größe des Gebäcks für 25 – 40 Minuten backen. Wenn ihr einen großen Zopf macht, dauert das natürlich länger als bei kleinen „Brötchen“.

Guten Appetit und viel Spaß beim Nachbacken,
Maria

Übrigens: auch Rosinen machen sich sehr, sehr gut im Teig. Einfach zum Schluss unterkneten.

Die Striezel sind übrigens ein einfacher 3er-Zopf, die Brötchen unterhalb sind ein 4er-Zopf, bei dem die Enden zu einem Kreis geschlossen wurden. Einfach den Zopf flechten und die beiden Enden unterschlagen.

Da sieht man auch die Rosinen

Lievito Madre und Sauerteig

Zuerst war es das Klopapier, dann das Mehl, jetzt die Hefe. Corona bringt die Hamster in der Menschheit heraus. Während Klopapier sich noch irgendwie ersetzen lässt (Po-Dusche, here we go!), wird Mehl und Hefe ein kleines Problem. Außer: man findet Mehl und hat ein bisschen Zeit. Denn dann kann man sich daran machen und Sauerteig ansetzen.

Es gibt im Internet hunderte Anleitungen für das Ansetzen von Sauerteig und Lievito Madre (LM), darum möchte ich hier vor allem einen Überblick aufzeigen, wofür ihr welchen Teig benutzten könnt, damit ihr für Euch entscheiden könnt, welcher Teig für Euch Sinn macht. Oder ihr macht natürlich beide. 😉

Sauerteig

Frisch „gefütterter“ Weizensauerteig

Für Sauerteig braucht ihr drei Zutaten: Mehl, Wasser und ein bisschen Zeit. Genau genommen: mindestens fünf Tage. Klingt lange, ist aber immer noch deutlich weniger Zeit als für den LM. Eine genaue Anleitung lasse ich Euch als Link zu brotbackliebeundmehr.com da.

Sauerteig entwickelt, wie der Name schon sagt, eine gewisse Säure. Diese Säure lässt sich auf die Milchsäurebakterien und Hefen im Teig zurückführen. Sauerteig hat aber nicht nur Einfluss auf den Geschmack: es ist ein Säuerungsmittel, Aromageber, hält das Brot länger frisch und, was im Kontext mit der „Hefeproblematik“ interessant ist: als Triebmittel.

Das „Problem“ am Sauerteig: man braucht für die meisten (Anfänger-) Rezepte zumindest noch ein paar Gramm frische Hefe, denn um nur mit Sauerteig einen schönen Treib zu erreichen, muss der Teig recht lange stehen. Insofern ist Sauerteig als kompletter Hefe-Ersatz nur bedingt zu empfehlen.

Wer noch mehr über Sauerteig lernen will, dem empfehle ich den Pötzblog, einen der bekanntesten deutschsprachigen Brot-Blogs, samt Lexikon.

Lievito Madre

Frisch „gefütterter“ Lievito Madre. 4 Stunden vorher war er auf Höhe des Gummibandes.

Einen LM auf die traditionelle Art herzustellen dauert 25 Tage und braucht Mehl, Wasser und – hier scheiden sich die Geister – Olivenöl und Honig. Beides muss nicht sein und ohne Honig ist der LM natürlich vegan. Meines Erachtens lohnt sich die Zeit, die es braucht: der LM ist deutlich milder als normaler Sauerteig und hat einen starken Trieb, kann also komplett ohne Hefe verwendet werden. Es gibt allerdings einen kleinen Haken: auch hier sollte der Teig mindestens über Nacht gehen können und schwerere Vollkornteige brauchen ebenfalls ein bisschen Hilfe durch die Zugabe von Hefe. LM ist das klassische Triebmittel für Pizzateig, lässt sich aber auch für Focaccia, Baguette etc. einsetzen.

Ein weitere Vorteil des LM ist, dass man ihn direkt aus dem Kühlschrank verwenden kann. Will man besonders viel Triebkraft, empfiehlt es sich aber, ihn am Tag zuvor aufzufrischen. Das macht vor allem dann Sinn, wenn man den LM als alleiniges Triebmittel nutzen will.

Der frische Pizzateig mit LM

Im Prinzip kann man LM in jedem leichten Teig verwenden, um Hefe zu ersetzen. Dafür nimmt man ca. 20 – 30% der Mehlmenge des Rezepts. Wenn es ein pikanter Teig ist, macht es Sinn, etwas mehr zu salzen. Ansonsten bleibt das Rezept gleich.

Ich habe den LM bisher für Focaccia, Pizzateig und süßen „Hefeteig“ genutzt, wobei es mir vor allem die süßen Teige angetan haben. Leider habe ich bei einer schnellen Suche kaum vegane Varianten gefunden und so habe ich begonnen, selber zu experimentieren. Das Ergebnis dieser Experimente findet ihr hier.

Viel Spaß beim Nach-Backen,
Maria

Üben für den Ernstfall – Winterbiwak am Zirbitzkogel

Nein, ich meine nicht den Seuchen-Ernstfall. Ich habe diesen Beitrag bereits im Februar angefangen zu schreiben. Daher klingen die nun folgenden einleitenden Zeilen wie ein verheißungsvoller, aber leider viel zu unrealistischer, Traum…

Foto 1 – Eine kleine Gratwanderung zum Gipfel – Quelle: Zulinski 2020

Überkommt Euch auch manchmal plötzlich das Verlangen einfach mal wieder eine Weile raus in die Natur zu gehen? Einen ganz besonderen Reiz hat die Sache, wenn man auch noch draußen schlafen kann. Spätestens beim Aufstehen flucht man zwar über die massive Komforteinbuße gegenüber dem gemütlichen Zuhause, die Dankbarkeit, wenn man den Luxus der Zivilisation wieder genießen kann erdet mich dafür umso mehr.
Dieses „draußen sein“ Bedürfnis hatte ich vor kurzem wieder einmal. Und was macht man, wenn es nun mal Winter ist. Ganz genau! Man sucht sich einen Ort mit genügend Schnee (in diesem Winter musste man da schon auf mindestens 2.000 Meter hinauf) und gräbt sich hinein. Das Ergebnis ist ein Iglu, genauer gesagt ein Quinzhee, als Winterbiwak. [1]
Glücklicherweise bin ich nicht der einzige Spinner, der Lust auf so etwas hat. Mein Freund und Arbeitskollege Niki hat im vorigen Winter genau das schon einmal nur gemeinsam mit seinem Hund gemacht. Zufällig sind wir auf das Thema zu sprechen gekommen und wir waren uns schnell einig, sobald wie möglich eine Tour zu starten. Gemeinsam waren wir auch mutig genug diese Aktion in hochalpinem, einsamem Gelände zu machen. Denn trotz aller Vorsichtsmaßnahmen – es kann immer etwas unvorhergesehenes passieren. Und zu zweit (den Hund rechne ich hier mal nicht mit ein) kann man einfach auf Gefahren und Probleme noch viel besser reagieren.

Also haben wir uns aufgemacht einen Gipfel zu erklimmen. Das erstbeste (und auch wunderschöne) Ziel von Wien mit einem ausreichend hohen Gipfel (2.396 m.ü.A.) und nicht zu steilem Gelände ist der Zirbitzkogel zwischen Judenburg und Friesach. [2] Möglichst wenig steil sollte das Gelände sein, damit die Lawinengefahr überschaubar bleibt. Auch wenn zum Zeitpunkt unserer Tour die Lawinenwarnstufe am Zirbitzkogel gering bis mäßig war wollten wir auf Nummer sicher gehen, da man Nachts nie wissen kann was kommt…zudem wollten wir nicht in die Kalkalpen, da diese sehr schroff sind. Da kommt man mit Schneeschuhen schnell an seine Grenzen (siehe auch Schneeschuhwandern in der Hohen Tatra). Und im Winter kann man im Karst auch nie wissen, ob man nicht in eine Doline fällt.

Nach zwei Stunden Fahrt bis Judenburg und noch einer halben Stunde Zufahrt bis zum Parkplatz der Winterleitenhütte konnten wir uns die Montur anlegen und das Abenteuer starten. Nach kurzer Zeit war auch bereits eine einigermaßen flächendeckende Schneeschicht vorhanden und wir konnten uns die Schneeschuhe anziehen. An exponierten Stellen war jedoch immer wieder der Schnee vollständig verblasen. Es war wirklich bemerkenswert wie wenig Schnee unterhalb von 2.000 Metern lagen. Erst darüber konnte man von einer wirklichen Schneedecke sprechen.

Abbildung 1 – Die Route der Tour – Quelle: www.alltrails.com; eigene Bearbeitung

Der weitere Aufstieg über den Ochsenboden konnte recht zügig und unspektakulär bewältigt werden. Lediglich die letzten 200-300 Höhenmeter mussten hart erkämpft werden. Als Belohnung konnten wir am Grat die herrliche Aussicht bei bestem Wetter und kaum Wind genießen.
Knapp unterhalb des Grats konnten wir bereits eine optimale Stelle für das Biwak ausmachen. Windgeschützt in einer Senke mit einer ausreichend hohen Schneedecke. Zudem war für den Notfall die Wetterradarstation in unmittelbarer Nähe. Nach einer kurzen Essens- und Verschnaufpause haben wir schon mal begonnen mit unseren Lawinenschaufeln einen ca. zwei Meter hohen Schneeberg aufzutürmen. Dieser soll sich dann über ein bis zwei Stunden setzen. Da noch eine gute Stunde bis zum Sonnenuntergang Zeit war, haben wir in der Zwischenzeit nochmal die Schneeschuhe angeschnallt und sind noch schnell hinüber zum Gipfel des Zirbitzkogels – Perfektes Timing zum Sonnenuntergang.

Foto 4 – drei dunkle Gestalten – Quelle: Zulinski 2020

Zurück am Lagerplatz begannen wir sofort damit unseren Schneehaufen auszuhöhlen, da es in der Zwischenzeit ohne die Sonne recht frisch geworden war. Nach einer guten Stunde haben sich architektonischer Ehrgeiz und Erfrierungsgrad der Gliedmaßen gegenseitig neutralisiert und wir haben die Bauarbeiten eingestellt.

Foto 5 – Der Wächter des Eingangs – Quelle: Zulinski 2020

Um ehrlich zu sein – geräumig ist anders. Aber es ist allemal besser als zu erfrieren. Und je kleiner der Inneraum desto geringer die Auskühlung. Zusätzlich haben wir den Eingang noch mit einer kleinen Stufe versehen, um das ungehinderte Einströmen von Kaltluft zu verhindern. Nach einer, den Umständen entsprechend, aufwändig zubereiteten Mahlzeit auf einem Gaskocher in der Kochnische und nach einem letzten Check der Außentemperatur (es war inzwischen verdammt kalt) haben wir uns in die Schlafsäcke verkrochen.

Foto 6 – (Schnee)Sterneküche – Quelle: Zulinski 2020

Das war sie also, unsere spontane Übung des Ernstfalls. Um genau zu sein war diese Aktion gar nicht so spontan. Das wollte ich schon längst einmal gemacht haben. Naturlich aus rein professionellen Gründen und keinesfalls zur Gaudi 😉 Aber mal ernsthaft – neben dem Spaßfaktor, den ich dabei haben wollte, war es mir tatsächlich sehr wichtig solch eine Nacht verbracht zu haben. Denn wenn es wirklich mal blöd läuft und man wirklich im Gelände biwakieren muss ist es einfach unglaublich wichtig in Gewissen Dingen eine Routine zu haben. Zum einen, dass man vom Kopf her sicher ist, diese Situation technisch meistern zu können und zum anderen, dass gewisse Handgriffe sitzen. Denn mit der Nervosität bzw. Panik in einer Notlage versagt oftmals auch das klare Denken und da sind Automatismen Gold wert. Und deshalb, auch wenn ich in der Früh beim Aufstehen der schlimmste Morgenmuffel ever war, kann ich es kaum erwarten das nächste Mal im Gelände zu biwakieren…

Abbildung 2 – Technische Skizze unserer Quinzhee-Variante – Quelle: www.pinterest.at

Wer es technisch gerne etwas ausführlicher hätte und auch noch praktische Tipps braucht, dem empfehle ich einen Artikel von Bergzeit. [3]
Wer diese oder eine ähnliche Tour selbst planen möchte, dem sei die Wanderkarte Nr. 211 von Freytag & Berndt empfohlen. [4] Hier sind alle wichtigen Wander- und Skirouten eingezeichnet. Für etwas präzisere Orientierung im Gelände eignet sich die amtliche ÖK50 besser, da hier die Höhenlinien einen Abstand von nur 20 Meter haben und auch die Felszeichnung etwas genauer ist. [5]

Das war das Endergebnis unserer selbstgebauten Behausung. In der Hoffnung, dass so etwas bald wieder möglich, aber nie wirklich nötig ist.

[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Quinzhee
[2] http://www.austrianmap.at/amap/index.php?SKN=1&XPX=637&YPX=492
[3] https://www.bergzeit.at/magazin/winterbiwak-einsteiger-tipps/
[4] https://www.freytagberndt.com/produkt/9783850846806-wk-211-naturpark-zirbitzkogel-grebenzen-murau-soelkpass-wanderkarte-150-000/
[5] https://www.freytagberndt.com/produkt/9007868054184-4226-judenburg/#lightbox/1/

Zero Waste und Corona

Eine Übersicht für Wien

Die Welt steht gerade ein bisschen Kopf. (Vielleicht sogar mehr als nur ein bisschen.) Was wahrscheinlich alle beschäftigt, die mit einer Ausgangsbeschränkung konfrontiert sind, ist der Lebensmittel-Einkauf. Denn Beschränkung hin oder her, sich mit Nahrung einzudecken ist weiterhin erlaubt.

Eine Frage, die sich wahrscheinlich die meisten stellen, die normalerweise verpackungsfrei einkaufen, ist der Umgang der bevorzugten Locations mit dem Virus und den Ladenschließungen. Darum habe ich mich mal daran gemacht und Euch die aktuellen Öffnungszeiten/ Schließungen der Wiener Zero Waste Hotspots herausgesucht.

Auch wenn viele Läden weiterhin offen haben: fahrt bitte nicht quer durch die Stadt um einzukaufen! Das Eindämmen des Virus‘ sollte derzeit oberste Priorität haben.

Ladengeschäfte und Märkte

Lunzers Maß-greißlerei

Die Maß-Greißlerei im 2. Bezirk als unverpackter Supermarkt erhält den Betrieb aufrecht.

Liebe Freunde von LUNZERS Maß-Greißlerei,
Wir sind zu gewöhnten Öffnungszeiten weiterhin für euch da. Gerne könnt ihr auch telefonisch bei uns Brot vorbestellen: http://mass-greisslerei.at

https://t1p.de/12gu; Stand: 16.03.2020, 16.00

Der greissler

Der Greißler im 8. Bezirk dagegen stellt auf Abholung um. Waren können nach Vorbestellung beim Laden abgeholt werden, ein Kontakt zwischen MitarbeiterInnen und KundInnen soll unterbleiben.

Wie schon letzte Woche angedeutet, setzen wir nun eine komplette Schließung unserer Verkaufsräume durch. Das machen wir zum Schutze unserer Kundinnen und Mitarbeiterinnen.
Wir werden jedoch Bestellungen per WhatsApp und SMS unter der Nummer 👉067761615420👈 annehmen, sie für dich herrichten und dich dann benachrichtigen sobald du sie abholen kannst.
Für den Fall, dass du dein Haus nicht verlassen kannst, bieten wir dir innerhalb des 7. und 8. Bezirk eine gratis Lieferung an.

https://t1p.de/0m2t; Stand: 15.03.2020, 17.00

Lieber ohne

Das Lieber Ohne im 6. Bezirk bleibt ebenfalls geöffnet, behält sich aber verkürzte Öffnungszeiten vor.

Aus derzeitiger Sicht haben wir weiterhin normal für euch geöffnet. Also Mo-Fr 09:00 bis 19:00 Uhr. Je nachdem, wie sich die kommenden Tage entwickeln, könnte es allerdings im Laufe der nächsten Wochen zu einer Verkürzung der Öffnungszeiten kommen. Es gibt aus heutiger Sicht keine Lieferengpässe.

https://t1p.de/n7pa; Stand: 15.03.2020, 13.00

Warenhandlung Wenighofer & Wanits

Auch die Warenhandlung hat offen und kürzt die Öffnungszeiten.

Ab morgen haben wir nun geänderte Öffnungszeiten. Vorläufig von 8 – 16 Uhr.
Unser Café ist ab morgen geschlossen. Eine Konsumation bei uns ist demnach nicht mehr möglich. Coffee to go könnt ihr euch aber dennoch bei uns holen.
Wir möchten euch außerdem bitten ab morgen wenn möglich auf Bankomatzahlung umzusteigen.

https://t1p.de/d91o; Stand: 15.03.2020, 16.00

Sonnengrün

Während der Laden im 3. Bezirk offen bleibt, schließt die Filiale in Wien II. Die Öffnungszeiten sind eingeschränkt.

Sonnengrün, als Anbieter von Reinigungs- und Hygieneartikel, bleibt bis auf Weiteres geöffnet, schränkt aber seine Öffnungszeiten ein. Zudem ist ausschließlich das Geschäft im 3. Bezirk, Rochusgasse 19 geöffnet. Das Geschäftslokal im 2. Bezirk bleibt geschlossen. Die Öffnungszeiten sind bis auf Weiteres Montag – Freitag, 10.00 – 14.00 Uhr. Sollte sich die aktuelle Situation ändern, werden die Öffnungszeiten entsprechend angepasst.

https://www.sonnengruen.com/sonnengruen-eingeschraenkte-oeffnungszeiten; Stand: 17.03.2020, 11.00

Füllbar

Die Füllbar im 7. Bezirk versorgt weiterhin mit Hygieneartikeln.

Nahversorgung mit den notwendigsten Produkten zum aufrecht erhalten der täglichen Hygiene. Seife, Waschmittel, Putzmittel, WC-Papier. Noch gelten die üblichen Öffnungszeiten. Ihr müsst nicht auf Plastikfreiheit und gute, ökologische, nachfüllbare Produkte verzichten! Eine Alternative zu den großen Drogerien.

https://t1p.de/sp2n; Stand: 17.03.2020, 17.00

Die Wiener Märkte

Das Marktamt hat bereits vergangene Woche verschiedene Märkte abgesagt, davon sind allerdings die 22 Lebensmittelmärkte nicht betroffen. Diese werden als wichtiger Bestandteil für die Nahversorgung der Stadt angesehen und daher nicht geschlossen.

Die Lebensmittel-Stände auf den Wiener Märkten sowie Tabakfachgeschäfte, Zeitungskioske und AnbieterInnen von Notfall-Dienstleitungen bleiben geöffnet.

Das gastronomische Angebot wird ab Montag, 16. März 2020, 15 Uhr, bis auf Weiteres eingestellt.

https://www.wien.gv.at/kontakte/ma59/; Stand: 16.03.2020, 17.00

Bio-Kistl

Adamah

Das Adamah Biokistl hat mit 16.03.2020 Aufnahmestopp und nimmt keine neuen Kunden an.

 Doch nun sind unsere Kapazitäten erreicht und wir müssen schweren Herzens bekanntgeben, dass wir derzeit keine neuen KundInnen mehr aufnehmen können. Alle bestehenden Kundinnen werden wir mit vollstem Einsatz und großer Motivation weiterhin beliefern!

https://t1p.de/eydb; Stand: 16.03.2020, 17.00

BioMitter

… hat sich bisher nicht dezidiert geäußert, insofern gehe ich von einer normalen Abwicklung aus.

bio-Igel

Auch dieses Kisterl kommt bis an Eure Tür

die aktuellen Ereignisse rund um die SARS-CoV-2 Verbreitung und die damit verbundenen Einschränkungen gehen auch an uns nicht spurlos vorüber. Allerdings die gute Nachricht vorweg: Eine Auslieferung der Biokistln ist derzeit uneingeschränkt möglich. Unserer MitarbeiterInnen sind alle wohlauf und eifrig damit beschäftigt eure Bestellungen für die kommenden Tage vorzubereiten.

https://www.bioigel.at/, Stand: 16.03.2020, Stand 17.00

Bio-Schatzkistl

… hat mit 19.03 die Aufnahme von neukunden eingestellt und beliefert nur noch Bestandskunden.

Aufgrund eingeschränkter Kapazitäten können wir vorerst nur bestehende Kunden versorgen und derzeit KEINE NEUKUNDEN aufnehmen. Wir bitten um Verständnis und ersuchen alle Interessenten um etwas Geduld!

https://www.bioschatzkistl.at/, Stand 19.03.2020, 16.00

Alles in Allem: Bleibt genug Auswahl.
Stay safe und stay home.

Die weiße Gefahr und der tödliche Dreier

Besonders im Frühjahr locken Sonnenschein, Wärme und noch immer ausreichend Schnee jenseits der 1.500 m Wintersportler in die Berge für eine Skitour. Um diese Jahreszeit gilt das als relativ sicher. Die großen Schneemengen sind gefallen, die Schneedecken haben sich gesetzt und es ist im Allgemeinen eher mit Plusgraden nach Sonnenaufgang zu rechnen. Und wenn’s dann doch nochmal draufschneit, was soll’s. Gibt eh nur maximal ’nen Dreier als Lawinenwarnstufe. Auf der Skala von 1 (gering) bis 5 (sehr groß) ist das doch vertretbar, oder?

Abbildung 1 – Die Europäische Gefahrenskala für Lawinen – Quelle: sportgigant.at

Fakt ist, dass bei Lawinenwarnstufe 3 bei weitem die meisten tödlichen Lawinenunglücke passieren. [1] Denn Stufe 3 bedeutet „erhebliche Gefahr“ und ist nicht wirklich mit „mittlere Gefahr“ als Mittelwert von 1 und 5 zu übersetzen. Die Kombination von Unwissenheit im Umgang mit Lawinenwarnberichten, Unerfahrenheit in der Risikoeinschätzung vor Ort und einer erhöhten Risikobereitschaft bei der vermeintlich „mittleren / eventuellen“ Gefahr ist eine denkbar ungünstige. Wenn dann noch steile, nordexponierte Hänge befahren werden steigt das statistische Risiko eines Lawinenunfalls nochmals deutlich an. [2] Eine sehr gute und recht ausführliche statistische Analyse zum Thema hat der ÖAV in seinem Mitgliedermagazin „Bergauf“ veröffentlicht. [3] In dieser Analyse wird auch Lawinenexperte Werner Munter zitiert, welcher die Kombination aus Gefahrenstufe 3, einer Hangneigung von mehr als 40° und einer Nordexposition als „todgeilen Dreier“ bezeichnet hat. (Und auch auf den „unterschätzen Zweier“ wird eingegangen. Rund ein Viertel der tödlichen Lawinenunfälle passieren bei Warnstufe 2.)

Abbildung 2 – Statistische Auswerung von Lawinenunfällen – Quelle: alpenverein.at

Deshalb wird von einigen Seiten gar eine Abschaffung des Lawinendreiers gefordert. [4] Das wichtigste meiner Meinung nach ist, sich nicht blind auf Zahlen und Daten zu verlassen. Allein aufgrund des Lawinenwarnberichtes und ohne aktuelle Ortsbegehung würde ein seriöser Bergführer niemals eine Empfehlung für oder gegen eine Tour abgeben!

Erfahrung und gesunder Menschenverstand sind besonders in diesem Kontext unfassbar wichtig. Und auch das ist noch zu wenig, da das Thema Lawine so komplex ist und auch im Kontext des Klimawandels „alte Hasen“ immer wieder Überraschungen erleben.

Hohe Tatra Teryho Chata
Foto 1 – Potenzieller Lawinenhang?! – Quelle: eigene Aufnahme

Ich habe den Winterteil meiner Ausbildung zum Bergwanderführer im Jänner 2019 in der Ramsau am Dachstein gemacht. Genau in der Woche, als dort eine Lawine durch ein Hotel im Ortskern gefahren ist. Die großen Schneemengen am Dachsteinplateau in Kombination mit den warmen Temperaturen unterhalb von 2.000 m haben diese Lawine zu einem katapultartigen Geschoss gemacht (vergleichbar mit dem Wasserfilm unter den Kufen beim Schlittschuhfahren). Niemand hat damit gerechnet, dass eine Lawine von der Bergstation der Seilbahn so weit bis ins Tal kommt, sodass unsere Ausbilder während des Kurses die allgemeine Empfehlung des Bergwanderführerverbandes für die maximale Hangsteilheit bei einem Lawinendreier um 5° reduziert haben.

Ein Freund von mir ist sehr erfahrener Bergsportler und hat zur gleichen Zeit in Tirol eine Skitour bei Lawinenwarnstufe 5 in einem Gelände mit Hangsteilheit weit jenseits der 30° gemacht. Seine Aussage: Das Wetter war zu schlecht, dass Aufklärungshubschrauber seriös die lokale Lawinengefahr einschätzen konnten, deshalb hat man sicherheitshalber einen 5er festgelegt. Laut seiner Aussage war die Tour, die er gemacht hat sicher.

Eine sehr gute Orientierung von der Vorbereitung der Tour bis zur Beurteilung vor Ort ist die 3X3 Methode. [5] Ebenfalls sehr hilfreich ist die Stop or go Karte. [6]

Abbildung 3- Stop or go – Quelle: alpenverein.at

Wer es gerne ausführlicher möchte wird einmal mehr beim ÖAV fündig. [7] Gute Tipps zur Verschüttetensuche gibt es dort ebenfalls. [8]
Und generell gilt – immer den aktuellen Lawinenwarnbericht studieren. [9]

[1] https://www.alpenverein.at/portal/news/aktuelle_news/2015/2015_01_09_Lawinengefahr-Risiken.php
[2] https://www.neue.at/tribuene/2019/11/09/der-toedliche-geile-dreier.neue
[3] https://www.alpenverein.at/portal_wAssets/docs/service/bergauf/pdf_downloads/bergauf_2019/Bergauf_1_19_eBook.pdf
[4] https://www.derstandard.at/story/2000030675236/schafft-den-lawinendreier-ab
[5] https://www.powderguide.com/magazin/safety-themen/artikel/3×3-filtermethode-reduktionsmethode.html
[6] https://www.alpenverein.at/jugend/home/topnews/2016-12-22-stop-OR-go-or-stop-AND-go.php
[7] https://www.alpenverein.at/portal_wAssets/docs/news/2014/Alpenverein_Cardfolder-Skitouren_2014-15.pdf
[8] https://www.alpenverein.at/portal/bergsport/sicheramberg/skitouren/notfall-lawine-verschuettetensuche.php
[9] http://www.lawinen.at/

Das Hinterland Wiens

Foto 1 – Sonnenuntergang im Durmitor Nationalpark

Man möge mir diese, geopolitisch heikle, verbale Landnahme nachsehen. Denn es geht nicht, wie sich der eine oder die andere nun vielleicht denkt, um den Wienerwald oder das Marchfeld, sondern um den einstigen Teil der k. und k. Monarchie zwischen Adria und Eisernem Tor dessen Hauptstadt auch Wien war. Als mittlerweile zwölfjähriger Wahlwiener finde ich, dass es für solche sowie die „echten“ Wiener (sofern es diese überhaupt gibt) zur Allgemeinbildung gehören könnte sich mit den historischen, kulturellen und politischen Gegebenheiten der geographischen Region in der man lebt auseinanderzusetzen. Und das soll jetzt keineswegs ausschließlich aus einer antiquierten Weltanschauung geschehen, um die gute alte Zeit des Kaisers hochleben zu lassen. Derzeit leben etwa 300.000 Menschen aus Ex-Jugoslawien in Österreich. Dies stellt mit über 3% die mit Abstand größte Gruppe an Nicht-Österreichern dar. Und hier sind lediglich die nicht bereits eingebürgerten Personen angeführt. [1] Für Wien sind es fast 7,5%. [2]
Nehmen wir nur mal überschlagsmäßig an, dass innerhalb der letzten 100 Jahren bereits genauso viele Menschen aus diesem geographischen Raum in das heutige Österreich gekommen sind und nun als Österreicher dort leben. [3] Dann wären in Summe 6-7% aller heute in Österreich lebenden Menschen aus dem Gebiet Ex-Jugoslawiens (für Wien 15%). Da kann man auch heute einen Bezug zwischen Österreich und Ex-Jugoslawien nicht leugnen.
Man könnte natürlich entgegnen, dass die Monarchie und auch die Balkankriege lange her sind und sowieso ist der Balkan so weit weg und der Rest der Bevölkerung sind ja ohnehin waschechte Österreicher. Da reicht es sich mit den eigenen Problemen zu beschäftigen. Mag alles stimmen. Aber nochmal zum Thema „weit weg“. Eine meiner ersten Lektionen in Kartographie auf der Uni die nachhaltig hängen geblieben ist war zum Thema Mental Maps. Es wurde die Frage gestellt: „Was glaubt Ihr liegt näher an Wien – Zagreb oder München?“ Und was glaubt jetzt Ihr, war die einschlägige Meinung der Studierenden? „Ganz klar München!“ Genau das sind nämlich nur 355 km Luftlinie. Und nach Zagreb sind es immerhin 268 km.

Moment mal – wer hätte das gedacht, nach München ist die Entfernung um 32% größer. Gründe für diese subjektive Verzerrung würden mir genug einfallen, um nicht zu sehr abzuschweifen sei es bei dem Denkanstoß belassen.

Maria und Flo auf großer Fahrt

Und dann kommen wir in unserem Sommerurlaub daher – eh schon top informiert, da belesen sowie politisch und historisch interessiert – um unsere Kenntnisse vor Ort etwas aufzupolieren. In Form einer zweiwöchigen Balkanreise. Anreise über das Binnenland, Wandern in den Bergen Montenegros und zum gemütlichen Ausklang etwas Baden in Kroatien.

Alles läuft nach Plan. Der erste Stop ist das ungarische Pécs. Eine wunderschöne Stadt, der man ihren deutschen Namen Fünfkirchen deutlich ansieht.

Foto 2 – Blick auf die Basilika von Pécs

Das Verlassen des Schengen-Raums verläuft auch reibungslos, Kroatien kennt man ja wenigstens schon vom Badeurlaub. Doch dann naht bereits die große Erkenntnis noch ehe wir den Grenzposten nach Bosnien und Herzegowina erblicken können. Wir sind 360 km weit weg von Wien und haben keinen blassen Schimmer mehr wie man hier lebt! Die ethnischen Spannungen sind uns zwar bekannt und wir wollen nicht versehentlich in Fettnäpfchen treten. Also was für eine Sprache Sprechen die Leute in Bosnien und Herzegowina? Sind sie sauer, wenn wir ein kroatisches „dobar dan“ raushauen? Es sollte zehn weitere Tage und einen tollen Stadtführer benötigen, um zu erfahren, dass serbo-kroatisch auch in Bosnien gesprochen wird – und zwar nicht in „ethnischen“, sondern regionalen Dialekten.

Das alles ist Südslawien

Das war also das erste Aha-Erlebnis und es sollten noch viele weitere folgen. Wir hätten niemals gedacht, die steilste Straße unseres Lebens im Stadtgebiet von Sarajevo zu fahren. Eine Straße mit 100% Steigung und ca. 3 m Breite trifft auf einen Camping Bus – kein wirkliches Vergnügen. Dafür schätzten wir uns umso glücklicher zufällig mitten in der ersten Pride Parade des Landes zu landen. Nachdem wir zuvor schon das Schlimmste befürchtet hatten, da die gesamte Innenstadt an jeder Kreuzung von schwer bewaffnetem Militär kontrolliert wurde und keiner wusste was los ist.

Foto 3 – Die alten und die neuen Zeiten – Regenbogenschirm trifft Einschusslöcher

Nach diesem kulturell intensiven Zwischenstop ging es dann weiter in den Durmitor Nationalpark Montenegros. Eine traufhafte Mischung aus alpinen Hochalmen und skandinavischem Fjäll. Der feuchte Traum eines jeden Geographen. So viele spannende Gesteinsformationen und Landschaftsformen, dass ich lieber gar nicht erst anfange…

Der Nationalpark wirkt sehr gut organisiert, trotz vieler Tagestouristen noch nicht überlaufen (wenn man den Crno Jezero zur besten Zeit meidet) und sehr sauber. Er wurde 1952 gegründet, lange vor den Nationalparks Bayerischer Wald oder Hohe Tauern. [4] Den mit 2.522 m höchsten Gipfel des Gebirges, den Bobotov Kuk, haben wir natürlich mitgenommen. [5]

Mit eingebunden in diesen Nationalpark ist die Tara Schlucht, mit teilweise über 1.300 m die tiefste Europas. [6]

Unser nächster Wanderstop wurde im Prokletije-Gebirge (zu Deutsch Verwunschene Berge – oder auch Albanische Alpen genannt) eingelegt. Dessen höchster Gipfel Jezerca (2.694 m) stellt auch den höchsten Gipfel des Dinarischen Gebirges dar. [7] In diesem Gebirgsstock treffen die Länder Montenegro, Albanien und Kosovo aufeinander. Unter Mithilfe des Deutschen Alpenvereins wurde hier ein nationenverbindender Rundwanderweg errichtet, der sich bereits recht großer Beliebtheit erfreut. Landschaftlich ganz ähnlich wie im Durmitor und doch so anders. Die mächtigen Kalkstöcke werden vor allem auf montenegrinischer Seite durch sehr sanfte Bergformen unterbrochen, denen ein anderes Ausgangsgestein zugrunde liegt. Wir haben unsere Tour von Vusanje (Montenegro) gestartet und sind nur ganz kurz über die grüne Grenze nach Albanien herüber gegangen.

Eine Einladung zum Tee von zwei kernigen, älteren Damen ins Tal auf die albanische Seite mussten wir leider ausschlagen, da wir weder Schlafsäcke noch Pässe dabei hatten. Wieder zurück in „unserem“ Tal sieht man jedoch ganz deutlich anhand der Flaggen an den Häusern und an Grafittis, dass auch hier auf montenegrinischer Seite ethnische Albaner leben. Dies betrifft allerdings nur dieses kleine Seitental von Vusanje nach Gusinje. In diesem Tal ist uns das erste Mal eine starke Vermüllung der Landschaft aufgefallen. Ob das ethnisch-kulturelle, politische oder andere Gründe hat, können wir nur vermuten.

Damit war die Erkundung der Dinarischen Bergwelten für diese Reise abgeschlossen. Nach einer Mittagspause am Skutarisee ging es weiter an die Mittelmeerküste Montenegros. Dieser Wechsel der Szenerie war in allen Belangen eine andere Welt. Da waren sie auf einmal, die Bettenburgen, die Menschenmassen, die schicken Leute. Auch auf den Campingplätzen merkt man einen deutlichen Unterschied zu davor. Es ist anonymer, die netten Gespräche mit den Nachbarn werden weniger, die Leute sind älter, die hauptsächlich deutschen Urlauber verhalten sich endlich entsprechend der Clichés deutscher Camper. Den Badeort Bečići haben wir sehr schnell wieder hinter uns gelassen. Zwar ist er sehr schön in einer Bucht gelegen, aber der enorme Durchgangsverkehr, die vielen Luxushotels mit ihren Privatstränden haben uns nicht länger zum Verweilen eingeladen. Auffällig war hier die hohe Zahl an russischen und serbischen Pkw. Die weiteren von uns besuchten Küstenorte in Kroatien waren zwar auch Mitte September noch gut besucht, aber dennoch ein paar Nummern entspannter.

Ein dunkles Kapitel europäischer Zeitgeschichte

Relativ spontan haben wir unsere Küstentour nochmals unterbrochen und haben einen Abstecher nach Mostar, dem Hauptort Herzegowinas, gemacht. Das sollte sich in vielerlei Hinsicht als sehr gute Entscheidung herausstellen. Bei der Einfahrt in die Stadt habe ich es endlich geschafft nach jahrelangem Suchen eine Kupferkanne mit einem halben Liter Fassungsvermögen zum Kochen von Mokka zu ergattern. Nur um später festzustellen, dass man diese in der Innenstadt an jeder Ecke hinterhergeschmissen bekommt. Kaum waren wir zu Fuß in der Altstadt unterwegs, da liefen wir zwei bekannten Gesichtern in die Arme. Unsere Welpenknuddel-Kollegen aus dem Durmitor Nationalpark.

Foto 32 – Für zwei Tage unsere Reisebegleitung – Lena und Bo

Kurzerhand wurden wir überzeugt uns an die jetzt startende Stadtführung [8] dranzuhängen. Obwohl der Guide diese Touren erst seit einem knappen Jahr anbietet verstand er es einen perfekten Spannungsbogen aufzubauen. Erst zeigte er uns die schönen Seiten der Altstadt mit den kulturellen und architektonischen Sehenswürdigkeiten.

Ehe wir uns jedoch versahen waren wir in einer knallharten Geschichtsstunde über die Stadt Mostar und die politischen Ereignisse der letzten Jahrhunderte in der Region. Besonders der Bosnienkrieg von 1992 bis 1995 nahm viel Raum ein. So lange her und doch noch allgegenwärtig, wie bereits auf Foto 3 zu sehen ist. Wir erhielten hier Informationen aus erster Hand, da unser Guide selbst auf bosniakischer Seite kämpfen musste. Zuerst kämpften Bosniaken und Kroaten noch gemeinsam gegen die, aus Belgrad aufgerüsteten, serbischen Einheiten. Deren Anführer Ratko Mladić erlangte durch das von ihm zu verantwortende Massaker von Srebrenica traurige Berühmtheit. [9] Ab 1993 eskalierte auch die Spannung zwischen Kroaten (welche aus Zagreb Unterstützung erfuhren) und Bosniaken (von einigen muslimischen Ländern mit Kleinwaffen unterstützt). [10] [11] Von der internationalen Gemeinschaft wurde der Krieg großteils ignoriert. Die Stadt Mostar wurde entlang der M6.1 in eine westliche, kroatische und eine östliche, bosniakische Seite geteilt.

Noch heute ist es so, dass Unfallpatienten östlich der M6.1 trotz unmittelbarer Nähe zum zentral gelegenen Krankenhaus der Weststadt dennoch in das viele Kilometer entfernt gelegene, im Ostteil der Stadt gelegene Krankenhaus gebracht werden. Mit diesem Hintergrundwissen werden die Zeichen der noch immer gegenwärtigen Teilung und der gegenseitigen Provokationen auf einmal sichtbar. Das gigantische Kreuz auf dem Gipfel des Hausbergs vom Westteil der Stadt, die vielen Nationalflaggen, die beschmierten Straßenschilder. Unser Guide meinte, dass die junge Generation, die den Krieg überhaupt nicht mehr miterlebt hat, nationalistischer sei als die Alten. Die Jungen haben die dunkle Seite des Konflikts nicht miterlebt, aber in ihren Familien und im Freundeskreis den Hass und die Ressentiments aufgesaugt und angenommen.

Der Schmerz und die Verbitterung über den Niedergang seines Landes ist unserem Guide deutlich anzuhören. Dabei meint er, dass die ethnischen Merkmale, die als Anlass des Konflikts dienten überhaupt keine Alltagsrelevanz haben, beziehungsweise gar nicht vorhanden sind. Er selbst als bosniakischer Muslim geboren sagt, dass die Religion für ihn und viele andere Einwohner Bosnien und Herzegowinas (egal ob römisch katholisch, muslimisch oder serbisch orthodox) eine sehr geringe Rolle spielt. Am Dialekt kann man die Menschen höchstens regional, nicht jedoch ethnisch zuordnen. Das einzige wirklich eindeutige Merkmal zur Zuordnung zu einer Ethnie ist der Nachname.

Nachdem der Konflikt beigelegt wurde blieb ein politisches System zurück, dass peinlichst auf die gleichberechtigte Repräsentation aller drei ethnischen Gruppen bedacht war. Was aber zur Folge hat, dass das Staatsoberhaupt und die Minister innerhalb eines Jahres rotiert werden. Dadurch ist es schier unmöglich Veränderungsprozesse in Gang zu bringen, da nie Zeit vorhanden ist Gesetze vorzubereiten und einzubringen. Ihr übriges tut die allgegenwärtige Korruption. Das politische System in Bosnien und Herzegowina wird auch als kompliziertestes Regierungssystem der Welt bezeichnet. [12]

In Anbetracht dieser jüngsten Geschichte ist es ein Wunder wie schön die Altstadt von Mostar wieder aufgebaut wurde. Aber auch nur logisch, da die Altstadt, um wieder UNESCO Weltkulturerbe zu sein, originalgetreu aufgebaut werden musste. Und dieser Status bringt viele Touristen in die Stadt und diese bringen gutes Geld und Arbeitsplätze. Ein weiteres Spannungsfeld ist der Fakt, dass die Altstadt ausschließlich auf bosniakischer Seite ist. Für viele ethnische Kroaten ist die M6.1 noch immer das Ende der Stadt und die Leute im Westen der Stadt haben nichts vom Aufblühen des Tourismus.

Gemütlicher Ausklang

Eigentlich wollten wir ja die ganze Tour machen, um endlich mal die Plitvicer Seen anzuschauen. Da wir aber schon viel davon gehört haben wie überlaufen diese Attraktion ist entschlossen wir uns kurzerhand dazu diesen Punkt auf der Liste sausen zu lassen und uns stattdessen die Kravica Wasserfälle einige Kilometer südlich von Mostar anzuschauen.

Wir haben jetzt zwar keinen Vergleich, aber wir sind mit unserer Entscheidung recht zufrieden.
Unsere letzte Station war der Paklenica Nationalpark. Hier kann man wandern, klettern, bouldern, radfahren und im nah gelegenen Meer baden. Und das wichtigste, hier trieb auch schon Winnetou sein unwesen. Somit schließen wir unseren Urlaub mit einem typisch deutschem Jugoslawien-Bild ab. Winnetou, Baden, Sliwowitz. Aber die Länder des ehemaligen Jugoslawiens haben so viel mehr zu bieten…

Ich wünsche eine gute Nacht
Flo

[1] https://de.statista.com/statistik/daten/studie/293019/umfrage/auslaender-in-oesterreich-nach-staatsangehoerigkeit/
[2] https://www.wien.gv.at/statistik/bevoelkerung/tabellen/bevoelkerung-staat-geschl-zr.html
[3] https://de.statista.com/statistik/daten/studie/300338/umfrage/einbuergerungsrate-in-oesterreich/
[4] https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Nationalparks
[5] https://de.wikipedia.org/wiki/Bobotov_Kuk
[6] https://de.wikipedia.org/wiki/Tara_(Drina)
[7] https://de.wikipedia.org/wiki/Dinarisches_Gebirge
[8] https://www.mostarfreewalkingtours.com/
[9] https://de.wikipedia.org/wiki/Ratko_Mladi%C4%87
[10] https://de.wikipedia.org/wiki/Kroatisch-bosniakischer_Krieg
[11] https://de.wikipedia.org/wiki/Bosnienkrieg
[12] https://de.wikipedia.org/wiki/Bosnien_und_Herzegowina#Politisches_System

Nicht referenzierte konkrete Zahlen und Fakten wurden in persönlichen Gesprächen erlangt, vor allem mit [7]


Warum ich mich von allen Newslettern abgemeldet habe

…und warum Du das auch tun solltest

Manchmal sind es große Entschlüsse, die etwas für den Klimaschutz tun. Entschlüsse, bei denen man wirklich einen Teil seines Lebens ändern muss: sei es, weniger Klamotten zu kaufen, weniger zu Fliegen, weniger Fleisch zu essen. Nichts davon ist schlimm oder gar nicht machbar, Gott bewahre, aber es braucht ein Momentum der Veränderung, in dem man selbst aktiv wird und sich um die Veränderung bemüht.

Und dann, dann gibt es noch die schnellen, kleinen Tweaks, die man im Alltag nicht wirklich bemerkt, die aber natürlich trotzdem einen nicht unerheblichen Effekt auf den eigenen Treibhausgasausstoß haben.

Jaja, so romantisch sieht der Empfang von Post schon länger nicht mehr aus… 😉
Quelle: canva.com

Einer davon: Emails, genauer: Werbe-Emails und Newsletter.

Genau, das sind diese kurzen Nachrichten konventioneller (und auch ökologischer) Unternehmen, die uns auf dem Laufenden darüber halten wollen, ob gerade Sale ist oder welche Ware, die unser Leben unfassbar besser macht, wir neu kaufen sollten.

Mitte des vergangenes Jahres habe ich alle Newsletter, bei denen ich keinen Mehrwert für mich gesehen habe, gelöscht. Gründe dafür hatte ich einige:

Der Faktor Zeit

Eine kurze Recherche zeigt: 125 Mails bekommt der/ die durchschnittliche berufstätige ÖsterreicherIn pro Woche. 28 davon sind Newsletter, 73 sind Spam*. [1]

Vor allem Ältere (Altersklassen 40 – 70) nutzen diese Online-Newsletter als Informationsquelle vor Kaufentscheidungen. So weit, so gut.

Abonniert heißt aber noch nicht gelesen: 41,9 % der Newsletter landen ungelesen in der digitalen Mülltonne. Weitere 30,6% werden nur kurz überflogen und 27,5% werden wirklich gelesen. Und: bekommt man einen unerwüschten Newsletter, so melden sich gerade einmal 29% der Empfänger ab, alle anderen löschen nur die eine Mail. Das aber dann täglich bis wöchentlich – am Ende braucht das deutlich mehr Zeit, als sich einmal abzumelden. Ein Löschvorgang dauert nämlich im Durchschnitt auch 2 Sekunden. Einmal überfliegen dauert 3 bis 10 Sekunden. [2] Gehe ich davon aus, dass alle 28 Newsletter für mich so weit von Interesse sind, dass ich sie zumindest für 5 Sekunden überfliege, so sind das 2,5 Minuten. Klar, nicht lang, aber im Jahr läppert sich das auf über 2 Stunden. 2 Stunden, die nur für Überfliegen von wahrscheinlich nutzlosen E-Mails gebraucht wurden. Rechnet man die Lösch-Zeit dazu, wird es gleich noch mehr.

*Diesen Wert halte ich für nur mittelmäßig aussagekräftig, da Spam hier als „unerwünschte E-Mails mit werbendem Inhalt“ bezeichnet wurden. Das kann aber auch ein Newsletter sein, der nach einer Weile als nicht mehr interessant empfunden, aber nie abgemeldet wurde.

Fazit: Es kostet Zeit, diese E-Mails zu erhalten, selbst wenn man sie sofort löscht.

Zur Verteidigung der E-Mails: Post sortieren dauert noch viel länger.
Quelle: canva.com

Der Faktor Geld

Wenn man schon mal drüber liest, sticht einem ja vielleicht doch was Spannendes ins Auge. Ein neues (Fair Fashion) Kleid, neue Schuhe, dies und das und jenes.

Erst das Sehen der Ware, vielleicht noch dazu im Sale oder Limited Edition, sorgt für das Habenwollen. Das Bedürfnis, dieses Ding zu besitzen, wurde erst durch die Werbung in der E-Mail hervorgerufen. Also gibst Du eventuell Geld für Dinge aus, die Du weder brauchtest noch wolltest.

Der Faktor CO2

Eigentlich war das damals der Grund, weshalb ich die Newsletter abbestellt und gelöscht habe. Der CO2-Ausstoß.

Wenn das Internet ein Land wäre, würde es in der Rangliste der Stromverbraucher ungefähr den dritten Platz belegen, also direkt hinter China und den USA.

Gary Cook, Spezialist für digitale Technologien, Greenpeace

Ziemlich viel, wenn ihr mich fragt. Und auch wenn vor allem Streaming und Co. in der Kritik stehen, ganz so harmlos ist eine Mail auch nicht. Ca. 10 Gramm CO2 werden verursacht, wenn man eine Mail verschickt und der Empfänger sie liest. 10 Mails verursachen so viel CO2 wie eine Energiesparlampe, die eine Stunde lang brennt. Erinnern wir uns: wöchentlich bekommt also jeder Österreicher so viele Mails, dass eine Energiesparlampe dafür 12,5 Stunden brennen könnte. Zwar verursachen Spam-Mails, die gar nicht erst geöffnet werden, nur 0,3 g CO2 – dafür haben sie aber gar keinen Nutzen…

Auch endet der Ausstoß nicht mit Versand und Lesen: die E-Mail wird am Server gespeichert und – je nach Größe des Postfaches – gerne auch mal ein paar Jahre archiviert. (Und ja, auch ich habe gerade ein paar Mails aus dem Jahr 2017 gelöscht.) Eine schöne Statistik dazu:

Wenn jeder Mensch auf der Welt 11 Mails am Tag löschen würde,
könnten so rund 91.000 Tonnen CO2 pro Jahr eingespart werden!

dasding.de

Oder: wenn Du wöchentlich nur 15 Newsletter weniger bekommst, hast Du über ein Jahr 7,8 kg CO2 (-Äquivalente) gespart. Und Zeit gespart.

Aber natürlich kommen aus dem Internet nicht nur Probleme, sondern auch Lösungsansätze
Quelle: canva.com

Digitale Hilfen

Gehen wir davon aus, dass ich Euch jetzt vollkommen überzeugt habe und ihr sofort löschen wollt, richtig? Dann sind hier noch ein paar hilfreiche Tipps dazu:

Cleanfox ist ein hilfreiches kleines Tool, das sowohl als App als auch browserbasiert funktioniert. Einfach mit dem gewünschten Postfach verbinden und die App sortiert die Newsletter aus. Anschließend kann man selbst entscheiden, welche man doch behalten will, von den anderen meldet die App automatisch ab. Und sagt einem auch gleich, wie viel CO2 dadurch jährlich eingespart wird.

Wenn ihr, wie ich, eure Mails bei Google lagern habt: Es gibt ein paar Suchoperatoren, die das Löschen recht einfach machen. Ich behalte meine Mails ein Jahr – vorsichtshalber. Wenn ich also löschen will, gebe ich in die Suchleiste ein „before:2019/1/1“ und das Suchergebnis zeigt mir alle Mails, die vor dem 01.01.2019 geschrieben wurden. Andere Anbieter können das natürlich auch – einfach mal schauen.

Und jetzt: viel Spaß mit Euren leeren Postfächern und der gesparten Zeit!
Maria

[1] http://www.marketagent.com/webfiles/MarketagentCustomer/pdf/2251b92f-246b-4a25-aa99-2e5931ed3ed8.pdf
[2] https://www.mailify.com/de/blog/newsletter-statistiken-analysieren/newsletter-statistiken/

Schneeschuhwandern in der Hohen Tatra

Warum eigentlich immer die Alpen?

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Foto 1 – Blick auf den Hauptkamm der Hohen Tatra im Kleinen Kalten Tal

Es ist schon auffällig wie präsent der ehemalige Eiserne Vorhang im Reiseverhalten des durchschnittlichen Mitteleuropäers noch immer ist. Das habe ich noch nie verstanden. Seitdem ich in Wien lebe fühle ich mich zu den östlichen Nachbarstaaten Österreichs hingezogen. Dies hat, denke ich, mehrere Gründe. In meinem Heimatort war eher die räumliche Nähe zu Frankreich, Italien oder der Schweiz gegeben. Bei Besuchen meiner Großeltern an der Ostsee war Skandinavien nicht weit. Einzig 1995 bin ich mit meinen Eltern einmal einen Tag in Eger (Tschechien) gewesen. Daher ist der Osten für mich die große Unbekannte gewesen. Auch der Lebensalltag und das Erscheinungsbild der Städte, geprägt durch Jahrzehnte des Kommunismus, sind hier gefühlt immer noch ganz anders. Auch wenn die internationalen Trends und das Internet die Unterschiede verschwimmen lassen, manchmal reicht es schon einen alten Lada zu sehen oder eine slawische Sprache zu hören, um den Hauch Ostalgie zu spüren.
Ein weiterer Reiz ist das Zurücklassen der heimischen Touristenströme. Auch wenn wir bald merken sollten, dass für Slowaken und Polen die Tatra, als einzig verfügbares Hochgebirge in der Region, natürlich Dreh- und Angelpunkt des dortigen Wintertourismus ist.
Und zu guter Letzt – ich will diesen Anreiz gar nicht leugnen – hat das Reisen in Richtung Osten meist den Vorteil günstiger zu sein als in der Heimat.

Die Anreise

Einmal täglich verkehrt zwischen Wien und Košice ein IC, der für die Strecke von knapp 500 km sechs Stunden benötigt. Zwei Stationen zuvor ist man in Poprad, dem slowakischen Hauptort der Region am südlichen Fuße der Hohen Tatra. Nördlich des Gebirgsstocks befindet sich Zakopane, welches der Hauptort des polnischen Teils der Region ist.
Aufgrund der günstigeren öffentlichen Anbindung entschieden wir uns für die slowakische Seite. Die Fahrzeit nach Poprad betrug noch knapp fünf Stunden und war recht kurzweilig und ohne Zwischenfälle. Da es bei der Ankunft bereits dunkel war haben wir nur noch eine kurze Runde durch die Stadt gedreht und unsere, dicht am Bahnhof gelegene, Unterkunft bezogen. Am nächsten Tag nahmen wir den Regionalzug nach Starý Smokovec, dem besten Ausgangspunkt für eine Tour in die Berge. Und das merkten wir auch sofort. Bereits der Zug dorthin war vollkommen überfüllt, genauso wie der Ort selbst. Ich war mal wieder naiv gewesen. In der Hoffnung die überlaufenen Alpen gegen die unberührte und wilde Tatra zu tauschen und etwas Erholung von den Menschenmassen der Großstadt zu erlangen fanden wir uns nun im Gänsemarsch den Berg hinauf wieder. Auch das Passieren der Bergstation der Zahnradbahn tat dem Menschenstrom keinen Abbruch. Und so ergaben wir uns unserem Schicksal und reihten uns ein in Richtung Zamkovského chata, der Berghütte bei der wir zwei Übernachtungen gebucht hatten.

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Foto 2 – Der Blick vom Eingang unserer Hütte

Bei der Planung der Tour habe ich mir gedacht, dass das eine tolle Gelegenheit wäre etwas Übung im Umgang mit Schneeschuhen zu bekommen. Einen Monat später stand der Winterteil der Ausbildung zum Bergwanderführer an. Die gute Idee erwies sich in der Praxis als überflüssig bis hinderlich, da der Weg bereits so ausgetreten war, dass die großen Schneeschuhe eher ein Klotz am Bein waren. Die anderen Leute waren eher mit leichten Sportschuhen oder maximal mit Spikes oder Grödel unterwegs. Es bewahrheitete sich offenbar das Vorurteil, dass Osteuropäer nicht zimperlich sind und auch in Sachen Sicherheit etwas lässiger unterwegs sind. Als wir vorbeikommenden Wanderern erklärten, dass wir unsere LVS-Ausrüstung testen, ob alles in Ordnung ist, bekamen wir ein gemütliches „don’t worry, it will work fine“ entgegnet.

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Foto 3 – Check der LVS-Ausrüstung

Bei der Hütte angekommen waren wir mehr als entzückt. Eine wahnsinnig urige Hütte, superschön am Waldrand gelegen. Derzeit allerdings noch so überfüllt, dass man kaum zur Türe herein kam. Das Matratzenlager unter dem Dach war allerdings nur von uns und einem einzelnen Wanderer belegt. Dieser lud uns sogleich dazu ein mit ihm eine Flasche des typisch slowakischen Borovička zu leeren. Das taten wir gerne. So gestärkt wankten wir wieder nach unten in den Speisesaal, hier war nach Abreise der Tagesgäste Ruhe eingekehrt und es wurde ein sehr gemütlicher Abend.

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Foto 4 – „Unsere“ Hütte

Eine knackige Tagestour bei Kaiserwetter

Am nächsten morgen bemerkten wir, dass es in der Nacht ordentlich geschneit hatte und die Schneedecke auch hier auf halber Höhe bereits mehr als einen Meter betrug. Die Wolken hatten sich glücklicherweise bereits verzogen und so starteten wir hochmotiviert bei strahlendem Sonnenschein in Richtung Malá Studená dolina (zu deutsch Kleines Kaltes Tal).

Abbildung 1 – Unsere Tourdaten, der schwarze Punkt in der Mitte des Tracks ist unsere Hütte zum Übernachten – Quelle: www. alltrails.com

Endlich waren die Schneeschuhe bei der frischen, unberührten Schneedecke von Vorteil. Einige Leute ohne Ski oder Schneeschuhe kamen uns bereits entgegen, da ihnen der Schnee mit normalen Schuhen zu tief war. Man merkte auch, dass generell deutlich weniger Menschen so weit in die Berge hinein gehen. Uns nun waren die Leute auch tendenziell alle gut ausgerüstet. Am Ende des Tals, beim Aufstieg in Richtung Hauptkamm lernten wir jedoch unsere nächste wichtige Lektion. Für Ebenen und leichte Steigungen sind Schneeschuhe super, für steile Anstiege jenseits der 20° sind sie eine Quälerei. Uns so mühten wir uns den etwa 30-40° steilen Berghang hinauf. Mal Folgten wir den viel zu kleinen Schuhtritten der Vorgänger (Profis nehmen Wanderschuhe mit Steigeisen oder gleich lieber Ski) dann kreutzten wir wieder, um etwas flacher gehen zu können.

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Foto 5 – Ab jetzt gehen wir steil

Bei beidem kamen wir uns gleichmaßen dämlich vor, dennoch erreichten wir relativ zügig die Téryho chata. Hier kehrten wir ein und beschlossen, dass wir uns für heute genug gequält haben. Mit Sicherheit die beste Entscheidung, zumal aus dem Tal mittlerweile dicker Nebel aufzog.

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Foto 6 – Der Blick von oben ins Kleine Kalte Tal

Der Abstieg war dafür sehr flott und spaßig, da wir versuchten unsere Schneeschuhe und unsere Hintern als Rutschfläche zu missbrauchen.
Ziemlich erledigt und ausgehungert fielen wir in der Zamkovského chata ein. Hier verabschiedeten sich bereits allmählich wieder die Tagesgäste. Doch inzwischen waren die Zimmer und das Matratzenlager recht gut ausgelastet und so lernten wir einige weitere nette Leute kennen.

Auf bald

Am nächsten Tag mussten wir leider schon wieder unsere Sachen packen. Gemeinsam mit zwei Bettnachbarn machten wir uns auf den Weg ins Tal. Am Berg war wieder Sonnenschein pur. Im Tal konnten wir hingegen bereits wieder Nebel aufziehen sehen.

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Foto 7 – Blick nach Süden in Richtung Niedere Tatra

Wenn man nicht im Nebel drin steckt ist das eine schöne Sache. Wir mussten trotzdem genau dorthin. Wir übernachteten noch einmal in Poprad, diesmal in einer Pension die, zwischen einer Autowerkstatt und einer Fabrikhalle gelegen, einen eher spröden Charme versprühte. Aber für die Nacht war es recht und am nächsten Morgen konnten wir uns wieder gemütlich in den IC nach Wien setzen. Eines weiß ich sicher, ich möchte wiederkommen. Vielleicht im Sommer und auch unbedingt von der polnischen Seite. Das Tal der fünf Seen soll wahnsinnig schön sein. Oder endlich mal nach Košice und weiter bis in die Ukraine…

 

Viel Spaß mit dem Winter

Flo

 

Wie grün ist dein Tannenbaum?

Manche Probleme – oder deren Relevanz versteht man ja manchmal nicht. Mit zum Beispiel ging es mit den „lebenden“ Christbäumen so.

Bei meiner Familie gab es natürlich auch immer einen großen, ausladenden Christbaum, der eine Ecke des Wohnzimmers ausfüllte. Er stammte von der „Christbaum-Plantage“ (in Anfrührungszeichen, weil sie recht klein war 😉 ) meines Großvaters und wurde jedes Jahr am Tag vor Weihnachten ausgesucht. Wer aussuchte, war unterschiedlich, aber mein Papa hatte meist das letzte Wort – nur um dann zu Hause von den Daheimgeblieben gemaßregelt zu werden, dass der Baum zu schief, zu klein, zu hoch oder zu wenig buschig sei. Ernst gemeint war dieses Geflachse natürlich selten, aber ich erinnere mich dennoch daran, dass wir einmal Äste von unten nahmen und in den Stamm Löcher bohrten, wo diese dann befestigt wurden. Der Baum war wohl wirklich nicht buschig genug. 😉

Im Jänner wurde dieser Baum dann zerlegt und im Kamin verheizt, komplett genutzt quasi. Ich fand das nicht so schlimm, schließlich passiert mit „normalen“ Brennholz nichts anderes.

via canva.com

In Wien dann habe ich das erste Mal gesehen, was anderswo mit den Bäumen passiert. Da sammeln sich an jeder Straßenecke die Bäume. Und auch, wenn sie später im Tiergarten verfüttert oder als Brennstoff genutzt werden, die Mengen sind extrem. Allein in Wien werden rund 700 Tonnen Christbäume entsorgt. [1] In ganz Österreich fallen jedes Jahr 2,6 Millionen Bäume an. [2] Und leider ist es noch nicht einmal Standard, dass die Bäume abgeschmückt werden – die MA 48 muss extra darum bitten, Schmuck zu entfernen. Motto: „Ohne Lametta wäre netter!“ [1]

via http://dijaspora.tv/

Meiner Meinung nach sind auch Plastik-Tannen keine wirkliche Lösung, aus demselben Grund, der Plastik immer problematisch macht: Das Zeug ist einfach für immer. Auch wenn der Baum 10 Jahre genutzt wurde, bevor er kaputt geht – bis das Plastik abgebaut wird, vergehen Jahrhunderte – oder ein wertvoller Rohstoff wird einfach verbrannt. Außerdem: ich finde sie auch einfach nicht schön, ehrlich gesagt.

Flo und ich haben eine kleine (okay, sie ist winzig) Tanne am Balkon, die als Weihnachtsbaum herhalten muss, aber wenn man diesen Platz während des Jahres nicht hat, sind „Leihbäume“ eine tolle Lösung. Und damit zumindest die Wiener einen Überblick haben, folgt hier eine Liste der Baum-Verleihe in Wien.

Diese Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

via canva.com

Green Tree

Greentree ist der älteste Anbieter in Österreich und zugleich auch der Größte. Übrigens wird auch nach München geliefert. Will man den Baum behalten, ist das auch kein Problem,d er Preis bleibt gleich.

Lieferzeitraum: 02.12 – 23.12.2019

Abholzeitraum: 04.01 – 17.01.2019

Angebot:

  • West-Christmas Tree, 40 – 60 cm: 38 €
  • Nordmann-Tanne, 80 – 100 cm: 65 €
  • Nordmann-Tanne, 120 -140 cm: 78 €

Gartenbau Wilhelm

Gartenbau Wilhelm hat seinen Sitz in der Steiermark, liefert aber auch nach Wien. Auch eine Abholung vor Ort ist möglich. Auch hier ist es möglich den Baum zu behalten.

Lieferzeitraum: ab sofort – 23.12.2019

Abholzeitraum: 02.01 – 19.01.2019

Angebot:

  • LifeChristBaum, 80 – 100 cm: 49 €
  • LifeChristBaum , 120 – 140 cm: 59 €
  • LifeChristBaum , 150 -160 cm: 69 €

Christbaumkulturen Willibald Greßl

Bei Christbaumwelt kann man Bäume im Topf mieten, allerdings müssen sie vor Ort bei einem der Standorte abgeholt werden. Eine Reservierung bzw. eine Onlineanfrage sind notwendig.

Christbaum Pfeiffer

Bei Christbaum Pfeiffer in Eichgraben kann man sich seinen lebenden Christbaum sogar selber ausgraben, wenn man will. Man kann sich aber auch einfach einen ausgebuddelten an einem der Verkaufsplätze besorgen.

Angebot:

  • Tannen und Blaufichten bis 150 cm

Andere Anbieter

Unter weihnachtsbaum.at gibt es eine Suchmaschine, bei der es auch die Auswahl „Lebende Christbäume im Topf“ gibt. Die Liste gibt es hier.

Allerdings: ich konnte bei den meisten dieser Anbieter nicht verifizieren, ob es denn nun wirklich lebende Christbäume gibt, da sie keine Angaben dazu online haben. Ich freue mich sehr, wenn es weitere Ergänzungen gibt und ihr mir Bescheid sagt, wenn ihr irgendwo weitere Christbäume im Topf findet!

via canva.com

Eigentlcih wollte ich diesen Post schon veröffentlichen, bevor ich bei der kleinen Botin noch auf ein paar interessante Anmerkungen gestoßen bin, wonach auch die lebenden Christbäume nicht optimal sind: wegen der Pestizide, der Herbizide, der Importe… Die Liste ist, wie überall, wo es um Gewinnmaximierung geht, lang. Am Ende ist also wieder einmal die wirklich gute Lösung nicht vorhanden. Einen halbwegs guten Ansatz gibt die Christbaumschleife, die die Herkunft der Bäume verfolgbar macht.

Was man tun kann: nachfragen! Also, egal, ob ihr einen Baum mit oder ohne Topf kauft: fragt nach, woher er kommt, wie er aufgewachsen ist…


Viel Spaß beim Weihnachtsbaum suchen,
Maria

[1] https://www.wien.gv.at/umwelt/ma48/sauberestadt/christbaumsammlung/
[2] https://www.trend.at/leben/miet-christbaum-topf-6157106

Earth News – Kalenderwoche 47

Ergänzend zu den #earthnews auf Instagram möchte ich in Zukunft auch hier die Earth News mitnehmen – und vor allem weiterführende Infos bieten, die ein bisschen über die paar Zeichen hinausgehen, die in einem Instagrampost Platz haben.

N2O

N2O, bekannt als Lachgas, ist inzwischen das drittwirksamste Treibhausgas – vor allem emittieren wir deutlich mehr davon als bisher gedacht. Vor allem seit 2009 sind die Emissionen stark angestiegen. Zurückzuführen ist dieser Anstieg vor allem auf die zunehmende Nutzung von Stickstoff-Düngern und durch den immer höheren Viehbesatz.

Mehr Infos: https://www.sciencedaily.com/releases/2019/11/191118162932.htm

Via https://www.n2olevels.org/

Kosten der Klimakatastrophe

Bis 2050 könnte uns die Klimakatastrophe rund 7,9 Billionen Dollar kosten. Diese Zahl setzt sich zusammen aus Schäden an der Infrastruktur und durch zunehmende Dürren, Fluten und Ernteausfälle. Errechnet wurden diese Werte anhand der erwarteten Resilienz der 82 größten Ökonomien der Welt. Besonders die Länder des globalen Südens werden besonders stark betroffen sein.

Mehr Infos: https://www.eiu.com/n/global-economy-will-be-3-percent-smaller-by-2050-due-to-lack-of-climate-resilience/

via http://www.eiu.com

Production Gap

Geplante oder in Arbeit befindliche Gas-, Öl- und Kohleprojekte weltweit werden ca. 50% mehr Emissionen verursachen als verträglich wären, um die Erwärmung bei 1,5°C zu stoppen. Die sogenannte „Production Gap“ zeigt die Diskrepanz zwischen den Plänen zum Erreichen von Netto Null und den tatsächlich ausgestoßenen Treibhausgasen. Besonders China widersetzt sich den Bemühungen: seit Anfang 2018 wurden dort so viele Kohlekraftwerke in Betrieb genommen, dass allein deren Ausstoß die Reduktionen der übrigen Welt aufgewogen werden.

Weitere Infos:
https://phys.org/news/2019-11-china-coal-power-climate-pledge.html
https://phys.org/news/2019-11-fossil-fuel-output-swamps-paris.html

via The Guardian

Palmöl

Die schlechte Umweltbilanz von Palmöl beruht vor allem auf der Abholzung von Regenwäldern zum Anbau. Baut man allerdings auf verlassenen Weideflächen an, speichern die Palmölplantagen mindestens genauso viel CO2 wie die Weidefläche. Über zwei Anbauzyklen kann die CO2-Gesamtbilanz so neutral sein.

Mehr Infos: https://www.derstandard.at/story/2000111323036/palmoel-koennte-auch-co2-neutral-produziert-werden
https://phys.org/news/2019-11-grown-palm-oil-sustainable.html

Ölpest vor Brasilien

Noch immer wird Öl an die Küsten Brasiliens gespült, nachdem Anfang des Monats Öl ins Meer gelangt war. Der genaue Ursprung ist nicht bekannt, vermutet wird ein griechischer Öltanker als Verursacher der Ölpest. Offizielle Stellen gehen davon aus, dass rund 4.500 Tonnen Öl bereits von der Küste entfernt wurden. Weiter befürchtet man, dass dieses Öl gerade einmal 10% der Gesamtmenge ausmacht, welche ins Meer gelangt ist.

Mehr Infos:
https://phys.org/news/2019-11-oil-brazil-rio-state.html

Hirschferkel

In Vietnam wurde der Vietnam-Kantschil, ein kleiner Paarhufer, der seit 28 Jahren als ausgestorben gilt, wiederentdeckt. Die Hirschferkel sind nur so groß wie Katzen und leben in den tropischen Regenwäldern Afrikas und Asiens. Ein Aktionsplan zum Erhalt der Art wurde gestartet.

Mehr Infos:
https://www.derstandard.at/story/2000110973858/ausgestorben-geglaubtes-mini-huftier-wiederentdeckt