Der Hype um elektrische Zweiräder – Teil 2: E-Motorräder

In Teil 1 dieses Eintrages wurden ja bereits die allgemeinen Eckpunkte der zweirädrigen E-Mobilität abgesteckt. Daher steigen wir am besten gleich voll in’s Thema E-Motorräder ein.

Warum sollte man sich überhaupt ein E-Motorrad anstelle eines Verbrenners zulegen? Neben dem Umweltschutz-Gedanken (den man aufgrund der Akkus relativieren muss) sind die Erhaltungs-und Fahrtkosten deutlich geringer. Die Vorteile liegen für den Stadtverkehr mit Emissionsfreiheit und deutlich geringerer Lärmbelästigung auf der Hand. Wenn es um den Sound geht, ist man mit einem elektrischen Bike sicher schlecht beraten! Auch eine derzeit noch geringe Reichweite, v.a. bei höheren Geschwindigkeiten, sind ein Problem. Jedoch sind die Reichweiten von Benzinern oftmals auch nicht gerade sensationell.
Aufgrund des Akkus sind die Maschinen teils recht schwer.

E-Motorrad Modelle

Im Gegensatz zu den E-Rollern haben E-Motorräder (ähnlich wie die Verbrenner) ein etwas anderes Zielpublikum. Sie sind deutlich leistungsstärker und sportlicher, dafür aber auch um ein vielfaches teurer und auch schwerer. Die Gewichtung vom schnellen Von-A-nach-B-Kommen im städtischen Raum, bzw. auf Kurzstrecken verschiebt sich eher zugunsten des Spaßfaktors und des Freizeitbikes. Wie man gleich sehen wird, sind E-Motorräder in Sachen Reichweite nur teilweise den E-Rollern überlegen (auch je nachdem, ob E-Roller mit Zusatzakkus ausgestattet werden).

Die bisher mangelnde Reichweite ist ein Aspekt des nur in Spuren vorhandenen Marktanteils von E-Motorrädern. [1] Hier kommt zum Tragen, dass Motorräder eben auch gerne mal für längere Strecken genutzt werden und es den Fahrern um Freiheit und Individualität geht. Dies dürfte viele Biker abschrecken, zumal elektrische Lösungen nun einmal einen deutlich dezenteren Sound haben. Hier steht man vor dem Henne-Ei-Problem. Denn, wie man in den folgenden Absätzen sehen wird, auch wenn man ein E-Motorrad kaufen möchte: es gibt bis jetzt erst eine Handvoll Hersteller und diese liefern teilweise erst ab 2020 oder später aus. Von hohen Preisen und kaum vorhandenem Gebrauchtmarkt ganz zu schweigen. Der KTM-Chef Stefan Pierer sieht E-Motorräder (im Gegensatz zu E-Rollern in der Stadt) generell recht negativ, da er E-Fahrzeuge als reine Nutzfahrzeuge für Kurzstrecken sieht. Stromtrassen und Stromspeicher haben seiner Meinung nach eine zu hohe Verlustleistung. Ein weiterer Punkt für ihn ist, dass E-Motorräder nicht mehr mit weniger gefährlichen und leistungsintensiven Niedrigvoltkonzepten betrieben werden können. [2]
Doch nun werden wir einmal einen Blick auf den derzeitigen Markt. Tabelle 1 zeigt die Produktpalette des Herstellers Zero. [3]

Tabelle 1 – E-Motorräder im Vergleich Teil 1 – Quelle: [3]

Abbildung 1 zeigt die Zero DSR Black Forest. Diese wurde speziell für Touren und auch etwas unwegsameres Gelände konzipiert.

Abbildung 1 – Die Zero DSR Black Forest – Quelle: www.zeromotorcycles.com

Tabelle 2 zeigt weitere fünf Hersteller mit einigen, sehr unterschiedlichen Modellen.

Tabelle 2 – E-Motorräder im Vergleich Teil 2 – Quelle: [4][5][6][7][8]

Die folgenden fünf Abbildungen zeigen je ein Modell der Hersteller aus Tabelle 2.

Abbildung 2a – Die Energica EVA – Quelle: www.energicamotor.com
Abbildung 2b – Die Curtis Hades – Quelle: www.curtissmotorcycles.com
Abbildung 2c– Die Nito N4 – Quelle: www.autogazette.de
Abbildung 2d – Die Brutus V9 – Quelle: www.brutusmotorcycle.com
Abbildung 2e – Die Lightning LS-218 – Quelle: www.lightningmotorcycle.com

Des Weiteren gibt es (siehe nächster Absatz) zahlreiche Hersteller, welche kurz vor der Veröffentlichung ihres ersten Modelles sind. Der Markt für elektrische Fahrzeuge ist derzeit sehr dynamisch. In den nächsten Monaten und Jahren wird sich bestimmt auch weiterhin sehr viel auf diesem Segment tun. Ursprünglich sollte auch noch das Prestigeprojekt von Harley Davidson mit hinein. Jedoch wurde in dieser Woche die Produktion der „LiveWire“ gestoppt und die Auslieferung auf unbestimmte Zeit verschoben. [9]

Genaue Betrachtung des Angebots

Auch wenn das Angebot an Herstellern noch recht überschaubar ist gibt es schon einige interessante Produkte und Konzepte. Energica und Nito sind italienische Hersteller, die übrigen kommen aus den USA. So wird Italien, als einziges europäisches Land in dieser Liste vertreten, dem Ruf als Zweiradland gerecht. Man fragt sich, warum Auto-Nationen wie Deutschland oder Frankreich hier noch keinen Beitrag geleistet haben. Bei den E-Rollern gibt es ja aus Deutschland bereits einige Hersteller. Zumindest in Schweden werkelt man derzeit an der „Regent No.1“. [10] In den Niederlanden ist die NXT Rage in Planung, dieses Projekt wirkt jedoch noch recht vage. [11]
Auch asiatische Produkte sucht man eher vergebens. Honda möchte zwar wie KTM ein Motocross-Bike herausbringen. [12] Für den Straßenverkehr sehe ich hier allerdings nur begrenzt einen Mehrwert und gehe daher nicht näher darauf ein.

Den schwachen asiatischen Markt könnte man eventuell mit einer Verlagerung der asiatischen Motorentechnik auf die Brennstoffzelle erklären, die wohl eher aufgrund der Größe und Komplexität mindestens die Dimension Pkw benötigt.
Die beiden italienischen Hersteller Energica und Nito sowie Zero scheinen bereits eine bodenständige Linie gefunden zu haben. Damit sprechen sie, meiner Meinung nach, sowohl (dem E-Motor aufgeschlossene) „alte Biker“ als auch potenzielle neue Kunden an. Letztere dürften damit ihr ökologisches Gewissen im Zaum halten können und auch an den geringeren Erhaltungs- und Betriebskosten Gefallen finden.
Hersteller wie Brutus und Curtis wenden sich relativ deutlich an die Künstler, Kenner und Ästhetiker der Szene. Ihre Fahrzeuge sind für den Alltagsgebrauch eher zu schade bzw. kaum geeignet.
Lightning richtet sich derzeit nur auf den US-amerikanischen Markt aus. Für Europa bedeutet dies, dass es noch keine passende Möglichkeit zum Laden des Akkus gibt. Übrigens ist die Lightning LS-218 derzeit das schnellstes Motorrad der Welt mit Straßenzulassung. [13]
Teilweise war es sehr schwer bis nicht möglich technische Daten für die Fahrzeuge zu erhalten. Und dies gilt nicht nur für die Konzept-Fahrzeuge. Zu beachten ist, dass deswegen in Tabelle 2 auch im Vergleich zu Tabelle 1 einige Zeilen fehlen.

Die Kosten

Die Anschaffungskosten gehen hier sehr schnell empfindlich ins Geld. Gebrauchte Alternativen gibt es wenige. Falls man das Fahrzeug nicht für den Alltag benötigt, muss man es sich gut überlegen, ob es einem das wert ist – aber diese Entscheidung muss man sich ohnehin bei jedem Motorrad stellen, egal ob elektrisch oder Verbrenner.
Bei den Erhaltungs- und Fahrtkosten schaut es ähnlich günstig aus wie bei den E-Rollern.

Vor- und Nachteile der einzelnen Modelle

Da die vorgestellten Modelle und Marken sehr heterogen in Optik, Leistung, Preis und Zielpublikum sind, ist es sehr schwer diese vernünftig miteinander zu vergleichen. Wer keinen A-Führerschein besitzt, und diesen auch nicht unbedingt machen möchte, sollte sich die Zero DS 11KW, Zero S 11KW oder Zero FXS ZF7.2 11KW etwas genauer anschauen. Diese ist in D-A-CH unter gewissen Auflagen (siehe Teil 1) mit einem B-Führerschein erlaubt. Auch die Nito N4 fällt möglicherweise in diese Klasse. Hier muss erst der Release abgewartet werden. Für einigermaßen moderate Preise bekommt man bei Zero und Energica sehr brauchbare Modelle, die auch individuell konfiguriert werden können. Zusatzakkus bietet derzeit lediglich Zero an. Energica ist etwas teurer als Zero, dafür setzt man hier ganz klar auf mehr Leistung und eine höhere Spitzengeschwindigkeit. Somit wäre Zero eher alltagstauglich oder etwas für Touren und Energica eher etwas für die „sportlichen“ Fahrer.
Wer dem Geschwindigkeitsrausch unterliegen möchte sollte sich vielleicht die Lightning LS-218 etwas genauer anschauen! 😉
Die Modelle von Curtis, Nito und Brutus würde ich etwas außer Konkurrenz betrachten, da hier Preis und Alltagstauglichkeit bzw. mangelnde Datenverfügbarkeit und Produktionsfortschritt keinen sinnvollen Vergleich zulassen.

Vergleich E-Roller vs. E-Motorrad

Eigentlich sollte die Trennung zwischen Roller und Motorrad ganz klar und einfach sein. Sowohl Preis, Leistung, Spitzengeschwindigkeit und Nutzungszweck sprechen entweder für das Eine oder das Andere. Mit den 11 Kw Maschinen verschwimmt diese klare Grenze ein wenig. Diese sind zum einen erschwinglich, man kommt flott voran und man benötigt keinen eigenen A-Schein. Im Vergleich zur den 125ccm/11Kw Verbrennern ist bei den elektrischen Modellen eine recht hohe Spitzengeschwindigkeit drin.
Grundsätzlich wäre festzuhalten, dass das Motorrad für außerstädtische Fahrten klar durch die höhere Maximalgeschwindigkeit im Vorteil gegenüber dem Roller ist.
Für Berufspendler mit einer schlechten öffentlichen Anbindung und einer Tagesdistanz bis zu 150km sowie hohem Autobahn-/ Überland-Anteil der Fahrstrecke kann ein E-Motorrad eine günstige (abgesehen vom Anschaffungspreis) und einigermaßen umweltverträgliche Alternative zum Auto sein.
Wer sich tendenziell im städtischen Raum bewegt und sicher keine Langstrecken auf der Autobahn fahren wird kann sich mit einem kleinerem und wendigerem E-Roller sehr viel Geld sparen. Mit den vielen Optionen zur Reichweitenverlängerung haben die meisten E-Roller in Sachen Reichweite keinen Nachteil.
Vermutlich sollte man für die Präferenz Roller oder Motorrad die „religiöse Komponente“ nicht unterschätzen. In etwa wie: Die Drei ??? vs. TKKG oder Intel vs. AMD 😉

[1] https://www.welt.de/wirtschaft/webwelt/article192228237/Elektromotorraeder-Diese-Bikes-haben-schon-einen-E-Motor.html
[2] https://www.zeit.de/mobilitaet/2018-10/elektrische-motorraeder-elektromobilitaet-hype-verdienst-matorradbauer-ktm
[3] https://www.zeromotorcycles.com/de/
[4] https://www.energicamotor.com/de/
[5] https://www.curtissmotorcycles.com/
[6] https://www.nitobikes.it/de/
[7] http://brutusmotorcycle.com/brutusV9.html
[8] https://lightningmotorcycle.com/product/specifications/
[9] https://www.focus.de/auto/motorrad/probleme-mit-ladegeraet-harley-davidson-stoppt-produktion-und-auslieferung-des-ersten-elektromotorrads_id_11237103.html
[10] https://www.motorradonline.de/elektro/regent-no-1-elektromotorrad/
[11] https://www.heise.de/autos/artikel/NXT-Rage-Elektromotorrad-4319259.html?seite=2
[12] https://www.autobild.de/bilder/elektrische-motorraeder-so-cool-sind-e-bikes-5175993.html#bild24
[13] https://de.wikipedia.org/wiki/Lightning_LS-218

Der Hype um elektrische Zweiräder – Teil 1: E-Roller

Spätestens seit den Gesetzesnovellen der Straßenverkehrsordnung in Österreich und Deutschland werden E-Scooter und das Thema Mobilität an sich oft in einem Atemzug genannt. Argumente für die Scooter und dagegen gibt es zuhauf, ich kann oft beide Seiten der Medaille (nehmen wir der Einfachheit halber einmal an es sind nur zwei) gut nachvollziehen. Ich möchte mich im Folgenden jedoch ausdrücklich NICHT weiter zu den E-Scootern äußern. Zum einen haben diese Fortbewegungsmittel meiner Meinung nach medial deutlich über den eigenen Stellenwert hinaus Aufmerksamkeit bekommen. Zum Anderen denke ich, dass es andere Zweirad-Konzepte gibt, die altgediente Verkehrsmittel vollwertig ersetzen könnten und nicht, wie die E-Scooter, wie es so schön heißt, als „Letzte-Meile-Vehikel“ genutzt werden und vielleicht sogar eher noch das gesamte Verkehrsaufkommen erhöhen und den Menschen den letzten Rest Ambition nehmen sich als Fußgänger zu betätigen.

E-Roller und E-Motorrad mit B-Führerschein

Inzwischen gibt es bereits eine recht stattliche Auswahl an E-Rollern und E-Motorrädern, die es sich auf jeden Fall einmal lohnt genauer anzuschauen. Den E-Roller als Ersatz für die „Knatterbüchsen“ sollte man ohne weiteres nach dem gleichen Prinzip bzw. Geschwindigkeitsabstufungen wie bei den Verbrennern mit einem Moped-, Motorrad- oder Pkw-Führerschein fahren dürfen. [1]
Doch auch manche „echte“ E-Motorräder darf mit einem A1- (Verbrenner bis 125ccm und max. 11 Kw) oder B-Führerschein fahren. In Deutschland muss der B-Schein vor dem 01.04.1980 ausgestellt worden sein. Für die Schweiz muss ein 8-Stunden-Training absolviert werden und in Österreich muss man den Führerschein der Klasse B mindestens 5 Jahre lang besitzen und ein Praxistraining von 6 Stunden absolvieren. [2]
Übersteigt die Motorleistung 11 Kw kommt man um einen A2- bzw. „vollwertigen“ A-Führerschein nicht herum. [3]

E-Roller Modelle

Für etwas weitere Strecken innerhalb von Städten sind größere Roller ideal. Dabei sieht man neben den herkömmlichen Verbrennern immer öfter elektrische Pendants. Ich war erstaunt wie viele Hersteller ich bei der Recherche gefunden habe. Tabelle 1 und Tabelle 2 zeigen einige Marken, Modelle sowie deren technische Daten [4][5][6][7]:

Tabelle 1 – E-Roller im Vergleich Teil 1 – Quelle: [4][5]

Die folgenden Abbildungen zeigen je ein Modell der beiden Marken Unu und Kumpan

Abbildung 1 – Der Unu – Quelle: www.unumotors.comAbbildung 2 – Der Kumpan 1953 – Quelle: www.Kumpan-electric.com

Tabelle 2 – E-Roller im Vergleich Teil 2 – Quelle: [6][7]

Die folgenden Abbildungen zeigen je ein Modell der beiden Marken Mark E und SXT.

Abbildung 3 – Der Mark E Kito – Quelle: www.kito-roller.deAbbildung 4 – Der SXT SONIX – Quelle: www.sxt-scooters.de

Kritische Betrachtung der Konzepts

Aus dem Bauch heraus würde ich sagen, dass das Konzept des E-Rollers eine tolle Sache ist. Man hat die Vorteile eines leichten Zweirades mit Verbrennungsmotors noch um die Komponente einer sinnvollen Antriebstechnik für die Stadt ergänzt. Es werden keine Schadstoffe ausgestoßen, die Reichweite ist für Kurz- und Mittelstrecken mehr als ausreichend und die Lärmbelästigung sinkt von „massiv“ auf „fast nicht wahrnehmbar“. Dies ist allerdings auch die große Kehrseite der Medaille. Da man auf einem Zweirad bei Verkehrsunfällen immer sehr exponiert ist und auch von mehrspurigen Kraftfahrzeugen leicht übersehen wird, verliert man den Vorteil der großen Lautstärke eines Rollers mit Verbrennungsmotor im Sinne einer rechtzeitigen Wahrnehmung durch andere Verkehrsteilnehmer.
Der KTM Chef sieht im Bereich der niedrigvoltbetriebenen Fahrzeugen, wie den E-Rollern, ein großes Potenzial und die Firma will Produkte im Bereich der vergleichbaren 125-Kubikzentimeter-Klasse neue Modelle mit einer Reichweite bis zu 80 km vorstellen. [8]
E-Mobilität als Ganzes ist momentan ein Trend und es gilt hier sorgfältig zu beobachten, um die Spreu vom Weizen zu trennen. Viele Konzepte und Firmen erfahren erst bei einem Nachlassen des Booms die Feuerprobe, ob ihr Segment rentabel ist. Es gilt zu verhindern einen Haufen Elektroschrott zu produzieren, der – aus der Mode gekommen – niemanden mehr interessiert. Ähnlich zu den E-Tretrollern, die aktuell in der Kritik stehen eine sehr kurze Lebensdauer zu haben. [9]
Stellvertretend für dieses Problem sei der SXT Raptor V3 genannt. Er hat lediglich eine Akku-Lebensdauer von 500 Ladezyklen. Das ist noch steigerungsfähig. Gerade da die Akkumulatoren hinsichtlich der vielen benötigten Rohstoffe der größte Problemfaktor bei Elektroantrieben sind.

Die Kosten

Im Vergleich zu einem Verbrenner sind die Anschaffungskosten etwas höher. Wer gerne gebraucht kauft wird den E-Markt derzeit natürlich noch deutlich schlechter bestückt erleben. Die Energiekosten zum Betrieb sind deutlich niedriger. Auch die Erhaltungskosten sind dank geringerer Störanfälligkeit und entfallender Wartungsarbeiten wie z.B. Flüssigkeits- und Filterwechsel halten sich in Grenzen. Zudem können derzeit noch die vergünstigten steuerlichen Bedingungen für den Betrieb eines E-Fahrzeugs genutzt werden.

Vor- und Nachteile der einzelnen Modelle

Ich möchte hier keine Kaufempfehlung aussprechen, da eine gute Portion persönlicher Geschmack dabei wäre. Stattdessen sollen nun einige Knackpunkte der Modelle beleuchtet werden:

  • Unu überzeugt mit einer relativ langen angegeben Lebensdauer des Akkus und einem sehr geringen Leergewicht der Maschine.
  • Kumpan weist eine recht breite Palette vom besseren Tretroller bis hin zum „Fast-Motorrad“ auf. Dank großzügig erweiterbarer Akkus haben drei der vier Modelle von Kumpan die mit Abstand größte Reichweite aller hier verglichenen Roller. Das Spitzenmodell ist bis zu 100km/h schnell und kann somit auch für Tagespendler für Mittelstrecken interessant sein.
  • Mark E weist ähnliche Eigenschaften wie der Roller von Unu auf, ist jedoch variabler bezüglich Akkus. Dafür ist das Modell schwerer und etwas teurer, hat aber auch ein paar nette Extras.
  • SXT hat wiederum eine recht breite Palette. Der SXT Raptor V3 ist eher ein Spaßvehikel, das nicht recht praktisch ist. Es hat einen nicht entnehmbaren Akku mit kurzer Lebensdauer und zudem ist es – für das was es (nicht) kann – recht schwer und teuer. Die anderen Modelle sind schon deutlich interessanter. Sie wirken recht ähnlich zu jenen von Kumpan. Es gibt allerdings keine Möglichkeit die Akku-Kapazität aufzustocken. Der Preis je 100 km wird deutlich niedriger angesetzt als bei anderen vergleichbaren. Fraglich ist, ob sich dies in der Praxis bewahrheitet. Besonders ist hier das recht geringe Eigengewicht von Gekko V3 und Z3 bei gleichzeitiger hohem zulässigem Gesamtgewicht (auch SONIX). Die Preise sind spürbar niedriger als die jeweils vergleichbaren Konkurrenzprodukte.

Wie immer ist wichtig zu erwähnen, dass die Elektromobilität nur EIN Teil der Lösung für die Mobilität der Zukunft ist. Als Kernsegment für den städtischen Raum, als Nische für etwas längere Strecken oder auch als Spaßfahrzeuge für Zweirad-Liebhaber, die auf Lärm verzichten können, sind die elektrischen Roller eine interessante Alternative zu den Verbrennern. Es wirkt auf jeden Fall wie ein Schritt in die richtige Richtung, es bleibt zu hoffen, dass der Trend nicht im ohne größere Wirkung verpufft.

Die Analyse der E-Motorräder folgt demnächst…

[1] https://www.homeandsmart.de/ratgeber-e-scooter-elektroroller-faq
[2] https://www.zeromotorcycles.com/de/11kw
[3] https://www.tuev-nord.de/de/privatkunden/verkehr/fuehrerschein/fuehrerscheinklassen/klassen-a-a1-a2-und-am/
[4] https://unumotors.com/de/product
[5] https://www.kumpan-electric.com/de-de
[6] https://www.kito-roller.de/produkt/kito-2000-in-hellblau2019/
[7] https://www.sxt-scooters.de/
[8] https://www.zeit.de/mobilitaet/2018-10/elektrische-motorraeder-elektromobilitaet-hype-verdienst-matorradbauer-ktm
[9] https://vision-mobility.de/news/e-tretroller-zweifel-an-der-nachhaltigkeit-4428.html

Die Welt ist mein Garten

Vor allem in urbanen Räumen erfreut sich das „urban gardening“ in all seinen Facetten immer größerer Beliebtheit. So können sich die Menschen trotz Siedlungsdruck und hoher Flächenversiegelung ihre gemeinsamen grünen Oasen schaffen. Eine Ausprägung dieses Trends ist das „wilde“ Ernten von Nutzpflanzen, welche auf öffentlichen Flächen stehen.

Mundraub

Meines Wissens einzigartig im deutschsprachigen Raum ist die Website mundraub. Hier kann man anhand einer Web Map (Adaption von Open Street Map) bequem in einer gewünschten Region nach verschiedensten Nutzpflanzen ausschau halten. Dabei sind die Kategorien klar strukturiert und das Kartenbild ist optisch ansprechend und selbsterklärend (siehe Abbildung 1). [1]

Abbildung 1 – Optik von mundraub – Quelle: www.mundraub.org

Selbstverständlich kann man dieses Projekt nicht nur als Nutzer genießen, sondern auch aktiv eigene Standorte von Pflanzen verorten und beschreiben. Nach kurzer Registierung kann man seine Fundorte eintragen. Bitte hier darauf achten, dass man die betreffenden Pflanzen auch wirklich ernten darf, man das Gelände betreten darf und ob es keine sonstigen Auflagen bezüglich Ernteart, -menge und -zeitpunkt gibt (z.B. in Parkanlagen oder Gemeinschaftsgärten). Je mehr Informationen desto besser 🙂
Handelt es sich um Deine eigenen Pflanzen, die Du einträgts, so kannst Du auch eine „Aktion“ starten, um Erntehelfer zu finden oder die Ernte zu teilen.
Wenn man eingeloggt ist kann man nun zusätzlich auch noch die Standorte anderer Nutzer sehen und so in Austausch kommen.
Verwendet man ein Mobiltelefon passt sich das Kartenfenster per responsive design automatisch an eine geeignetere Darstellung an. Die etwas fummelige Kartenbedienung und die Überlagerung der Filter und der Standortsignatur können auf anderen Geräten eventuell besser sein.
Eine tolle Zusatzleistung ist auch der Erntekalender, der ganz einfach auf einer DIN A4 – Seite den optimalen Erntezeitpunkt für 22 ausgewählte Pflanzen visualisiert. [2]

Test im Gelände

Ob die Karte hält, was sie verspricht habe ich mir dann für ein paar Beispiele vor Ort angeschaut. Zuerst habe ich auf der Karte meine Umgebung abgesucht und mich für einen Pflaumenbaun entschieden.

Abbildung 2 – Auf der Suche Teil 1 – Quelle: www.mundraub.org

Und siehe da, sobald ich vor Ort angekommen war:

Abbildung 3 – Auf der Suche Teil 2 – Quelle: eigenes Photo

Bei jüngeren Bäumen kann es sein, dass man durchaus etwas suchen muss…

Wenn man sich die Detailansicht der Eintragung ansieht, stellt man fest, dass hier sogar die Stadt Wien selbst den Baum eingetragen hat. In Wien ist jeder einzelne Baum auf öffentlicher Fläche erfasst und mit einer Nummer versehen. Erfreulicheweise gibt die Stadt Wien sehr häufig dieses Wissen auch auf Mundraub weiter.

Abbildung 4 – Auf der Suche Teil 3 – Quelle: www.mundraub.org

Teilweise bereits reif waren diese leckeren Früchte, die in Österreich Kriecherl (Hochdeutsch: Hafer-Pflaume oder Kriechen-Pflaume) genannt werden:

Abbildungen 5 und 6 – Quelle: www.mundraub.org; Abbildung 7 – Quelle: eigenes Photo

Fazit

Alles in allem eine tolle Plattform, die in vielerlei Hinsicht den Gedanken der Nachhaltigkeit, das Umweltbewusstsein und Ressourcenschonung fördert, solange es die Nutzer nicht als Gratis Selbstbedienungsladen verstehen. Wünschenswert wäre noch ein Filter nach Jahreszeit, sodass man immer genau die Früchte angezeigt bekommt, die gerade Saison haben. [3] [4]

[1] http://www.mundraub.org
[2] https://www.mundraub.org/sites/default/files/inline-files/mundraub_Erntekalender.pdf
[3] https://www.smarticular.net/hier-erntest-du-fruechte-auch-ohne-eigenen-garten/
[4] https://www.chip.de/news/Obst-kostenlos-selber-pfluecken-Geniale-Karte-zeigt-wo-wilde-Obstbaeume-wachsen_121888937.html

Wie umweltfreundlich ist die Deutsche Bahn?

Eigentlich sollten diese Zeilen eine Ergänzung des Artikels über die Kosten des Autos werden. Ein Freund hat uns zwei Links zu Artikeln über die schlechte Umweltbilanz der Deutschen Bahn (DB) geschickt. Jetzt sind noch ein paar Artikel mehr dazu gekommen und das Thema noch etwas weitgreifender geworden.

Die Deutsche Bahn – gefangen im System

Böse Zungen mögen behaupten die Deutsche Bahn handelt seit der Privatisierung im Jahre 1994 nur noch profitorientiert. [1] An dieser Stelle möchte ich mich aber gar nicht allzu sehr einreihen in das „Bahn-Bashing“. Sicherlich sind das marode Flotten- und Schienennetz sowie die veralteten Konzernstrukturen in Kombination mit einem weit verzweigten, „unternehmerfreundlichen“ Netz an Tochtergesellschaften Teil eines großen Problemes der DB. [2] [3] [4]
Doch neben diesen unmittelbaren und hausgemachten Problemen gibt es noch eine Reihe anderer Faktoren, welche nur indirekt etwas oder gar nichts mit dem derzeitigen Erscheinungsbild der DB zu tun haben.
In Sachen Attraktivität bezüglich Preis, Komport und Reisedauer muss sich die Bahn nicht nur gegen die florierenden Fernbusunternehmen, sondern auch gegen den innerdeutschen und innereuropäischen Flugverkehr behaupten. Und im Flugverkehr findet meines Erachtens eine Wettbewerbsverzerrung statt, die ihresgleichen sucht. Allseits bekannt sein dürfte die, aus dem Jahre 1944 stammende, (als friedensstiftende und völkerverbindende Maßnahme gedachte) Maßnahme sein keine Kerosinsteuer einzuheben. [5] Auch anstatt die immer höheren Auslastungenen von Flughäfen zu besteuern werben Städte und Regionen Airlines gezielt mit einem Aussetzen der Flughafengebühren an, um Kapazitäten auszubauen und neue Flughäfen zu schaffen. Die Absicht ist ganz klar. Für eine Region bringt ein Flughafen gleich tausende neue Arbeitsplätze in vielen Branchen sowie viel Geld. Damit ist aber noch immer nicht genug. Auch der deutsche Staat hebt sich als Wohltäter hervor und verzichtet bei Auslandsflügen auf die Mehrwertsteuer. [6] Gegen dieses breite Netzwerk an Förderungen ist preislich kaum gegenan zu kommen.
Ein weiterer wesentlicher Faktor ist dabei die Tatsache, dass der Energiebedarf der DB im Vergleich zur Österreichischen Bundesbahn (ÖBB) mit einem deutlich niedrigeren Anteil an erneuerbaren Energien gedeckt wird. Die ÖBB erzeugt fast ihren gesamten Strombedarf selbst (siehe auch Kosten des Autos). Die DB bezieht auf den elektrifizierten Strecken ihren Strom zu einem Drittel ganz regulär aus dem deutschen Energienetz. Auf den Energie-Mix dieses Netzes hat die DB keinen direkten Einfluss. Die übrigen zwei Drittel werden zwar im eigenen Bahnstromnetz erzeugt, allerdings sind neben 13 Wasserkraftwerken auch vier Kohlekraftwerke und ein Atomkraftwerk an dieses Netz angeschlossen. [7] [8] Die Werbebotschaft, dass der gesamte Fernverkehr mit grünem Strom fährt ist letztendlich nur eine Zahlenspielerei und ein Werbegag (siehe Abbildung 1). [9]

Abbildung 1 – Bahnstrom-Mix der DB 2016 – Quelle: www.dw.com

Hier haben also die DB und die Bundesregierung langfristig einen Trend verschlafen rechtzeitig auf erneuerbare Energien zu setzen.

Die Deutsch Bahn als umweltfreundliches Verkehrsmittel?

Doch die DB versucht, verständlicherweise, dennoch ihre Umweltfreundlichkeit unter Beweis zu stellen. So werden für Fernreisen die Energiekosten pro Passagier auf 100 Kilometer mit einem Benzinäquivalent von 2,3 Litern angegeben. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) kommt mit eigenen Berechnungen auf einen Wert von 3,9 Litern. Mit einem vollbesetzten Auto fährt man da im Vergleich, sogar mit Einberechnung der Vorkette, sparsamer.
(Faustregel: Kraftstoffverbrauch eines Pkw inklusive Vorkette – 9 Liter auf 100 Kilomter im Fernverkehr; für den Optimalfall von vier bis fünf Insassen ergibt das Pro Kopf etwa 2 Liter) Wer nun denkt „da kann ich ja gleich mit dem Auto fahren“ hat sicherlich recht…und trifft genau den Kern des Problems: Die nicht vorhandene Vollauslastung (tatsächlich nur 43%) der Zug-Garnituren. Beide Werte von DB und FAZ sind gewissermaßen richtig. Das Problem dabei ist, dass die Bahn in der Regel einen fixen Fahrplan hat und (zumindest innerhalb des einjährig gültigen Fahrplans) nicht nach Bedarf fährt. Zudem hat die Bahn bei ihrer Berechnung weitere Faktoren nicht mit einbezogen:
– den Energieverbrauch zum Aufrecht erhalten der Infrastruktur; es wird ausschließlich mit dem Energiebedarf der Traktion gerechnet.
– die Vorkette der Energieerzeugung
– Umwege und Anfahrtswege der Bahnfahrer
– es wird nur aus Oberleitungen bezogene Energie berücksichtigt; zusätzliche Verkehrsleistungen beziehen die Energie fast nur aus Kohlekraftwerken
– Studie nur auf Fernverkehr bezogen; der Nahverkehr schneidet, auch aufgrund teilweiser fehlender Elektrifizierung, deutlich schlechter ab

Leise Zweifel gibt es auch an den Auslastungszahlen der DB. Einerseits im Vergleich vor und nach der Privatisierung und andererseits im Vergleich zu den sehr erfolgreichen Schweizerischen Bundesbahnen (SBB). Rechnet man mit den „ehrlichen“ Schweizer Auslastungszahlen, so verschlechtert sich der Wert der DB nochmals deutlich.
Und dann wären da noch die hohen Geschwindigkeiten, welche den Energieverbrauch deutlich erhöhen. Bei einer Gesellschaft, die immer mobiler wird und immer weitere Strecken in kürzerer Zeit zurücklegt, ist es schwierig die Erwartung an geringe Reisezeiten bei gleichzeitig geringem CO2-Ausstoß zu erfüllen. [10] [11]

Fazit

Unterm Strich bleibt in Deutschland der Fernbus mit einem durchschnittlichen Pro-Kopf-Verbrauch von 1,6 Litern Benzinäquivalent auf 100 Kilometer das deutlich umweltfreundlichere Verkehrsmittel. [10] [11]
Rechnet man für die DB und einen Pkw den Energiebedarf bei voller Auslastung kommt man für beide Verkehrsmittel immer noch auf etwa 2 Liter.
Und jetzt kommt wieder einmal das Henne-Ei-Problem. Wäre die Attraktivität (Preis, Zeit Verbindungen) der Bahn höher, würden dann mehr Menschen mit der Bahn fahren? Würden dann die Preise sinken und noch mehr Menschen mit der Bahn fahren? Und wird es dann leichter finanzierbar das Netz und die Garnituren instand zu halten? Das lässt sich nur vermuten. Wenn man nach Österreich auf die ÖBB und die Wiener Linien schaut, mag man vorsichtig optimistisch „ja“ sagen. Glaubt man allerdings dem Konzernchef der DB selbst, dann hat die DB schon längst ihr Leistungsmaximum erreicht und kann nicht sinnvoll mit großen Passagierzuwächsen umgehen. [4]
Akut als „Alltagstip“ ist das Fahren mit der Bahn anstatt dem Auto sicherlich sinnvoller, da der Zug laut Fahrplan sowieso fährt und die Autofahrt eine Zusatzbelastung ist. Langfristig wird sich die DB sicherlich komplett neu aufstellen müssen, um den Bedürfnissen der Menschen in der Zukunft gerecht zu werden und sich in Sachen Energieverbrauch deutlich von Pkw abzusetzen. Denn beim Pkw steht die Zeit nicht still…

[1] https://www.deutschlandfunk.de/erfolgreiche-weichenstellung-die-privatisierung-der-bahn.724.de.html?dram:article_id=437197
[2] https://www.zeit.de/2014/19/deutsche-bahn-schienennetz/seite-4
[3] https://www.handelsblatt.com/unternehmen/handel-konsumgueter/grossbaustelle-deutsche-bahn-marode-bahnhoefe-und-schienen/11394054-3.html?ticket=ST-3129047-MWLGHhc9QfYxh4CPejRQ-ap3
[4] https://www.welt.de/wirtschaft/article185642474/Deutsche-Bahn-vor-dem-Umbau-Die-Struktur-laehmt-den-Konzern.html
[5] https://www.beobachter.ch/umwelt/umweltpolitik/klimakiller-flugzeug-wieso-es-keine-kerosinsteuer-gibt#
[6] https://www.zeit.de/2018/33/flugverkehr-fliegen-flughafen-chaos-billigflieger-vielflieger/seite-4
[7] https://inside.bahn.de/bahnstromnetz/
[8] https://de.wikipedia.org/wiki/Bahnkraftwerk
[9] https://www.dw.com/de/wie-gr%C3%BCn-ist-die-deutsche-bahn-wirklich/a-41894678
[10] https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wirtschaftspolitik/klimaschutz-die-geschoente-klimabilanz-der-bahn-1492996.html
[11] https://www.faz.net/aktuell/wissen/klima/klimabilanz-der-bahn-noch-eine-unbequeme-wahrheit-1488587.html?printPagedArticle=true#pageIndex_0

Interessanter Fakt am Rande: „Im ICE werden vier Tonnen rollendes Material bewegt, um einen Fahrgast zu befördern.“ [9]

Autarkia – Green World Tour

[Disclaimer: Dieser Beitrag enthält unbeauftragte Werbung. Wir erhalten dafür keinerlei Vergütung, sondern schreiben hier über unsere eigenen, unbeeinflussten Eindrücke!]

Ein Bericht

Spät, aber doch kommt hier ein kleiner Bericht von der Autharkia Green World Tour, welche dieses Jahr noch in München, Berlin, Hamburg, Münster, Frankfurt und Düsseldorf halt macht. In Wien war sie bereits am vergangenen Wochenende und Flo und ich waren dort, nachdem wir über Pia von thegreenwalnuts.com und zerowasteaustria.at Tickets gewonnen haben. Wir sagen nochmal Danke! Welche Stände/ Vorträge haben uns schon im Vorfeld besonders interessiert und gefallen?

Welche Stände/ Vorträge haben uns schon im Vorfeld besonders interessiert und gefallen?

Wohnwagon

Copyright: wohnwagon.at

Nachdem ich meinen Imkerkurs bei den stadtbienen mache, welche in Wien mit Wohnwagon zusammenarbeiten, war deren Stand für mich sicher auf der Liste, dazu auch deren Vortrag „Urbanes Autarkiewunder – so geht nachhaltiges Leben in der Stadt!“.

Flo und ich tendieren immer stärker in Richtung Autarkie. Vor allem was den Bereich Strom anbelangt, sammeln wir Erfahrungen und haben unseren Campingbus mit Solarpanelen ausgestattet. So richtig Ahnung haben wir zwar noch nicht, aber genau da kommt uns Wohnwagon genau richtig: die haben davon so richtig Ahnung, egal ob es um Strom oder Wasser geht!

Besonders spannend waren dabei die kleinen Ansätze, mit denen man auch in einer Stadtwohnung schon einen Unterschied machen und sein Leben nachhaltiger gestalten kann! Seien es Solarpaneele für den Balkon, Bienen für die Dachterrasse, Einrichtungen zum Energie sparen… Da waren einige Ideen dabei, welche auch uns neu waren!  Wir haben uns für weitere Infos auch das Magazin „Oskar“ zugelegt, welches ca. jährlich erscheint.

Wildling.Shoes

Das war vor allem für mich ein Thema, obwohl sich Flo auch sehr schnell anstecken hat lassen. Ich liebäugle seit einer ganzen Weile mit Barfußschuhen. Da die „Wildlinge“ aber ihren Preis haben, wollte ich sie gerne probieren. Online gibt es zwar einen Größenberater, doch der ergab für mich zwei Größen mehr, als ich normalerweise trage. Nun, das kam mir dann doch spanisch vor…

Die Wiesel im Einsatz

Umso besser, dass auch diese Firma mit einem Stand vor Ort war. Und ja, die online ermittelte Größe stimmte! Ich glaube, ich war eine ziemlich nervige Kundin, ich hab nämlich ungefähr jedes Modell durchprobiert und mich stundenlang in Fragen darüber ergangen, ob man damit laufen, Rad fahren, wandern etc. kann. Kudos an die geduldige Verkäuferin 😉

Geworden ist es schließlich ein „Wiesel“ und nach einer knappen Woche, in denen ich die Schuhe fast nicht mehr ausgezogen habe, kann ich sagen: der Preis ist gerechtfertigt und ich bin sehr froh, dass ich meinen Geiz überwunden habe! 😉 Besonders der Faktor „Wasserfestigkeit“ hat mich dazu bewogen, die Wiesel zu kaufen und nachdem ich bewusst in mehrere Wasserlacken gesprungen bin, gehe ich davon aus, dass sie bei normaler Nutzung auch dicht halten.

Wurmkiste.at

Wer uns auf Instagram folgt (oder schon Mal zu Besuch war ;)), der weiß, dass wir eine (selber gebaute) Wurmkiste unser eigen nennen. Bei der Recherche für den Bau unserer Wurmfarm bin ich natürlich über wurmkiste.at gestolpert und habe mich auch auf die Ratschläge gestützt, welche auf deren Website zu finden sind. Um einen First Hand Eindruck der professionellen Kiste zu bekommen, wollte ich mir auch deren Stand anschauen.

Wunderbare Wurmerde

Auch vor Ort kann ich die großzügige Beratung auch für nicht „wurmkiste.at-Besitzer“ wärmstens empfehlen und wir haben uns Hanfmatten für unsere Box mitgenommen. Den Fruchtfliegen-Schwärmen der letzten Zeit waren die Zeitungen, mit denen wir derzeit abdecken, nämlich nur mäßig gewachsen.

Welche Stände uns vor Ort positiv aufgefallen sind

Brigantes

Copyright: brigantes.eu

Die Idee der „Brigantes“ ist ziemlich altmodisch – und ziemlich cool! Wieso nicht den Warentransport auf Segelschiffe verlegen?! Ab Ende 2019 soll das Schiff Fracht ausliefern und z.B. in Zusammenarbeit mit Zotter Waren übers Meer transportieren. Dabei sind die alten Segelschiffe nicht nur schöner anzusehen als moderne Frachter, sondern machen den Transport von Luxusgütern wie Kaffee, Kakao und Rum wieder ökologisch. Denn auch, wenn der Weg über den Atlantik mit dem Segelschiff bis zu fünf Monate dauert, so ist es auf lange Sicht gesehen der sinnvollere Weg: der Ausstoß der 16 größten Containerschiffen entspricht dem Ausstoß des gesamten weltweiten Straßenverkehrs… Und das für Güter, die wir eigentlich gar nicht brauchen…

Lotus Belle

Copyright: dornob.com

Das war meine persönlich größte Überraschung! Denn nachdem ich den Namen „Glamping“ im Vorhinein gelesen hatte, war es bei mir persönlich vorbei…

Vor Ort war ich aber recht schnell angetan und zwar zugegebenermaßen zuerst von der Optik! 😉 Die Jurten-artigen Zelte sind je nach Ausstattung ganzjährig bewohnbar und werden aus Baumwollcanvas hergestellt. Meine Recherche hat leider nichts über die Bio-Qualität des Stoffes ergeben, insofern gehe ich davon aus, dass er aus konventioneller Produktion stammt. Da finde ich, könnte man sicher was anders machen… Dennoch, sollten die Zelte halten, was sie versprechen („Zelte fürs Leben, nicht für den Müllplatz!“) halte ich die Lotus Belle durchaus für eine Lösung, was alternativen Wohnraum anbelangt. [Edit: Ich habe eine Anfrage an das Unternehmen gestellt. Wenn ich Antwort habe, werde ich das hier natürlich aktualisieren!]

Was mir eher weniger gefallen hat

SimplyHeat

Ganz grundsätzlich gefiel mir die Idee hinter SimplyHeat sehr gut. Es handelt sich dabei um papierdünne „Heizkörper“, welche direkt in die Wand eingebaut werden und einen sehr hohen Wirkungsgrad haben. Da sie aus Carbon und einem Kupferstreifen bestehen, ist auch das Recycling des Produkts an sich möglich.

Was mir aber sauer aufgestoßen ist, war die Reaktion des Beraters auf meine Nachfrage eben bezüglich des Recyclings. Da das Produkt in die Wand eingebaut wird, ist es meiner Erfahrung nach schwierig, es bei Abriss ordnungsgemäß zu trennen und der Wiederverwertung zuzuführen. Einen solchen Einwand mit einem lapidaren „Das Erleben sie eh nicht, wenn das Haus abgerissen wird!“ abzuwürgen, finde ich höchst problematisch. Auch mein Unwille, eine Visitenkarte mitzunehmen, um Müll zu sparen, wurde eher belächelt. Da besteht Nachholbedarf!

PEFC

Noch mehr Greenwashing gab es meines Erachtens nach beim Vortrag des PEFC. Der Vortrag („Wissen Sie, welche Produkte Ihres alltäglichen Lebens aus Holz hergestellt wurden?“) hatte dann recht wenig mit seinem Titel gemein.

PEFC (Programme for the Endorsement of Forest Certification Schemes) beschreibt sich selber als „eine Art weltweit führender „Wald-TÜV“, seit über 17 Jahren eine nachhaltige Waldbewirtschaftung in zertifizierten Wäldern sicher. Doch was heißt nachhaltige Waldwirtschaft? Warum können Sie sich sicher sein, dass in Produkten mit dem PEFC-Siegel kein Holz aus Raubbau oder illegalen Rodungen enthalten ist?“

Und genau darüber kann man sich eben nicht sicher sein! Bereits während des Vortrags habe ich mit der Recherche begonnen, da ich mich an den Skandal zum FSC-Holz im Jahr 2018 erinnert habe. Zwar sind FSC (Forest Stewardship Council) nicht dieselben Institutionen, im Gegenteil, das PEFC stellt deutlich geringere Anforderungen als das FSC-Siegel. Daraus folgt, dass zwar sehr große Anteile der österreichischen Forste PEFC-gesiegelt sind (70%), doch die Aussagekraft ist mäßig. So werden nicht einzelne Waldbesitzer begutachtet, sondern gesamte Regionen bewertet und den Waldbesitzern dann ein vereinfachtes Verfahren mit Selbstverpflichtung auferlegt. Diese durchaus nicht unproblematischen Faktoren wurden nicht angesprochen und hinterlassen einen schalen Beigeschmack.

All in

Alles in allem ist die Autarkia eine schöne Möglichkeit, bekannte Akteure persönlich kennen zu lernen, neue Ideen und Unternehmen zu entdecken und sich mit Gleichgesinnten bei einem Glas Bio-Wein zu unterhalten.

Die Kartoffel-Krise

Der durchschnittliche Österreicher konsumiert pro Jahr 51,9 kg Kartoffeln. [1] 140 g am Tag also, das ist eine mittelgroße Frucht. Die Kartoffel ist das Lieblingsgemüse jedes 10. Bürgers [2] und dabei steht Österreich im Vergleich eher am unteren Ende der Skala, was den Verbrauch angeht: der EU-Durchschnitt liegt bei 70 kg, die Letten essen mit 126 kg pro Jahr mehr als doppelt so viele Kartoffeln wie die Österreicher. [3]

Die Kartoffel hat übrigens ein Frassloch…

Schaut man sich die Nährwerte der Kartoffeln oder Erdäpfel an, so macht ein hoher Konsum auch durchaus Sinn: sie sind kalorienarm, enthalten hochwertiges Eiweiß, sind Ballaststoffquelle und Vitaminreich. [4] Ein letzter, nicht unwesentlicher Punkt: Sie sind billig und ganzjährig verfügbar.

Preis-schock bei Pommes

Und nun der Schock! „Erdäpfel knapp: Jetzt droht Preisschock bei Pommes“, so titelt oe24.at am 23.04. Und weiter heißt es: „Jetzt droht auch noch ein Teuer-Schock bei Pommes. Die Preise ziehen längst an: Bis zu 30 Euro bekommen die Bauern für 100 kg Erdäpfeln – vor genau einem Jahr waren es noch 20 Euro. Und in den nächsten Wochen werden die allerletzten Erdäpfel aus Österreich über die Ladentische gehen. Dann ist Schluss. Grund: „Durch die Dürre letztes Jahr gab es massive Engpässe“, sagt Landwirtschaftskammer-Expertin Anita Kamptner: „Die Lücke wird mit Erdäpfeln aus Frankreich oder ­Israel gefüllt. Da kann es durch die langen Transportwege teurer werden.“ Österreichs Erdäpfel-Bauern fürchten jetzt um ihre Existenz: Denn auch der heurigen Ernte setzen Schädlinge und Trockenheit zu.“ [5]

Um auf den Umstand der Kartoffelknappheit hinzuweisen, demonstrierten am 25.04 die Kartoffelbauern am Wiener Heldenplatz und verteilten symbolisch die letzten Erdäpfel des Jahres.

70 Prozent ERnteeinbusse

Worum aber geht es eigentlich? Die extreme Trockenheit im Jahr 2018, welche sich auch dieses Jahr fortsetzt, hat, zusammen mit dem starken Drahtwurm-Befall, bis zu 70% der Ernte für den Handel unverkäuflich gemacht. So weit, so schlecht. Da Regentänze in den seltensten Fällen Erfolg versprechen, war das Ziel der Demo als weniger, für ausdauernden Niederschlag zu sorgen, als die Notzulassung von Insektiziden.

Probleme – und Lösungen?

Der Drahtwurm ist einer der größten Schädlinge im Kartoffelanbau und wie der Name schon sagt zäh und widerstandsfähig. Bei ungünstigen Lebensbedingungen ziehen sich die Würmer in tiefere Bodenschichten zurück, wo sie gerne auch über mehrere Monate ohne Nahrung bleiben können. Aus den Drahtwürmern schlüpfen nach 3 bis 5 Jahren die Saatschnellkäfer, doch sind es die Larven, welche in der Zwischenzeit den Schaden an der Kartoffel anrichten. Meist folgt ein weiteres Problem auf dem Fuße: die Fraßlöcher bieten Pilzen und Keimen einen Angriffspunkt.  Lösungen gibt es – abgesehen von Insektiziden – durchaus: So meiden die Drahtwürmer humusreiche Böden, durch intensive Bodenbearbeitung im Frühjahr und Herbst kann das Gelege gestört werden und die Beachtung der Fruchtfolge trägt ebenfalls zu einer Reduktion des Käferbefalls bei. Daneben sollen auch Ringelblume und Tagetes als Beisaat eine positive Wirkung zeigen. [6]

… und die gehörte zu den 50% der weggeworfenen Kartoffeln, bevor wir sie aus dem Müll gezogen haben.

Was all diese Lösungsansätze gemeinsam haben: sie sind zeitaufwändig. Zeit ist das Letzte, was die moderne Landwirtschaft sich nimmt und so ist die beliebteste Lösung außerhalb des Biolandbaus der Einsatz von Insektiziden. Dieser wurde in den vergangenen Jahren aber aus Umweltschutzgründen eingeschränkt  und auch der Handel bevorzugt Ware, welche ohne den Einsatz von Insektiziden hergestellt wurde. Dennoch fordern die Kartoffelbauern nun eine Notzulassung.

Damit wären sie nicht die Einzigen: Erst kürzlich wurde den Rübenbauern gewährt, die erst 2018 verbotenen, bienenschädlichen Neonicotinoide zur Saatgutbeize einzusetzen. Es ist eine Notfallzulassung, um das Saatgut vor diversen Schädlingen zu schützen. Dass das in den Boden ausgebrachte Gift auch eine Gefahr für die lebenswichtige Bodenfauna darstellt, tritt hinter den wirtschaftlichen Interessen zurück. [7] Dass es genug Studien gibt, welche zeigen, dass eine Bekämpfung des Drahtwurms mittels Insektiziden bei der Kartoffel nur wenig Erfolg bringt, scheint ebenfalls unwichtig. [8]

Rechnerischer Überschuss

Fakt ist: mengenmäßig war die Ernte im Jahr 2018 um 7% höher als die im Jahr zuvor (rund 698.000 Tonnen). Man könnte meinen, bei einem pro Kopf-Verbrauch von 52 kg pro Jahr und pro Kopf in Österreich  sollte das dennoch reichen, locker sogar (ganz Ö isst pro Jahr 456.196 Tonnen Kartoffeln, da sollte also ein Überschuss von rund 241.804 Tonnen bleiben).  Leider ist dieser Überschuss ein rein rechnerischer.

Denn wie eine Studie der ETH Zürich zeigt: „Vom Feld bis zu den Haushalten gehen bei konventionell erzeugten Speisekartoffeln 53 Prozent verloren, bei biologisch produzierten gar 55 Prozent.“ Diese Studie, welche in der Schweiz durchgeführt wurde und daher wohl nahezu eins zu eins auf den österreichischen Markt umgelegt werden kann, analysierte, welche Anteile Kartoffelernte wo verloren gehen.  

„Verluste entstehen auf allen Stufen der Wertschöpfungskette: Bis zu einem Viertel der Ernte von Speisekartoffeln bleibt bereits bei Produzenten auf der Strecke. Weitere 12 bis 24 Prozent sortieren Grosshändler aus. Lediglich ein bis drei Prozent fallen bei Detailhändlern unter den Tisch und noch immer 15 Prozent in Haushalten.“

https://www.medmix.at/die-haelfte-der-kartoffelernte-geht-verloren/

Fakt ist aber auch, dass bis zu 70% der Kartoffelernte 2018 für den Handel unverkäuflich sind. Rund 30 % des Verlustes lassen sich dabei auf den Drahtwurm zurückführen, der Rest ist „unansehnlich“.

Wie definieren wir „unverkäuflich“?

Denn theoretisch sind Erdäpfel auch noch essbar, wenn sie von Drahtwürmern angefressen wurden. In vielen Fällen verkapseln sich die Gänge und können durch Herausschneiden einfach entfernt werden, nur bei einem auf den Verbiss folgenden Befall durch Pilze und Bakterien sollte vom Verzehr abgesehen werden. Doch selbst, wenn man sämtliche vom Drahtwurm befallenen Erdäpfel herausrechnet, so ist der Rest der „unverkäuflichen“ Kartoffeln nur „unansehnlich“. Nicht schlecht, nicht verdorben, sondern zu klein, zusammengewachsen, nicht ganz oval, wie auch immer. [9, 10]

Schrumplig, voller Triebe und Frasslöcher – und wir werden sie dennoch essen. Du auch?

So undurchdacht der Ruf nach einer Notzulassung von Spritzmitteln auch klingt, so nachvollziehbar ist er dann doch: die Bauern haben schlicht und ergreifend Angst um ihren Wohlstand, was man ihnen kaum zum Vorwurf machen kann. Dennoch kann der Mehreinsatz von Insektiziden keine Lösung sein! Wir befinden uns im 6. Massenaussterben der Geschichte unseres Planeten und ursächlich dafür ist unbestreitbar der Einsatz von Giften.

Gifteinsatz oder umdenken?

Vielmehr muss ein Umdenken stattfinden: Nehmen wir Preissteigerungen von bis zu 30% eher hin als unförmige Kartoffeln, welche gar ein Frassloch haben? Nehmen wir im Austausch für makellose Ware hin, das bereits verbotene Insektizide wieder notzugelassen werden? Kann man überhaupt von einer Krise sprechen, wenn Jahr für Jahr die Hälfte der Ernte aus optischen Gründen vernichtet wird?

Offensichtlich. Aber wir können diese teils fingierte Krise aber auch nutzen und uns positionieren: Kaufen wir die angeblich unverkäuflichen, unansehnlichen Erdäpfel und setzen ein Zeichen gegen das „perfekte Produkt“! Definieren wir unverkäuflich um!

[1] https://de.statista.com/statistik/daten/studie/37703/umfrage/pro-kopf-verbrauch-von-kartoffeln-in-den-laendern-der-eu/
[2] https://derstandard.at/2000061646859/Der-Oesterreicher-liebstes-Obst-und-Gemuese
[3] https://de.statista.com/statistik/daten/studie/37703/umfrage/pro-kopf-verbrauch-von-kartoffeln-in-den-laendern-der-eu/
[4] https://eatsmarter.de/ernaehrung/wie-gesund-ist/kartoffel-kalorien-und-naehrwerte
[5] https://www.oe24.at/businesslive/oesterreich/Erdaepfel-knapp-Jetzt-droht-Preisschock-bei-Pommes/377332803
[6] https://www.plantura.garden/gartentipps/pflanzenschutz/drahtwurm-erkennen-vorbeugen-bekaempfen
[7] https://www.nachrichten.at/oberoesterreich/neonics-fuer-zuckerrueben-sorgen-bei-den-imkern;art4,3117344
[8] https://www.lfl.bayern.de/ips/blattfruechte/024000/index.php
[9] https://www.tt.com/panorama/natur/14991861/duerre-und-schaedlinge-70-der-kartoffelernte-unverkaeuflich
[10] https://diepresse.com/home/wirtschaft/economist/5548902/Der-Grossteil-der-Kartoffelernte-ist-unbrauchbar

Eine umweltfreundliche Alternative zum herkömmlichen Papier?

Da ich mich beruflich recht viel im Print-Bereich bewege und vor kurzem einige Testdrucke auf Stone Paper in meinen Händen halten konnte, habe ich mir gedacht, dass es nicht schaden könnte mich etwas näher mit diesem Material auseinander zu setzen.

Was ist Stone Paper?

Bei diesem Stoff (auf Deutsch: Steinpapier) handelt es sich genau genommen nicht um Papier im herkömmlichen Sinne, da es zu 80% aus Kalziumkarbonat (in Form von fein gemahlenem Kalkstein) und zu 20% aus Polyethylen-Harz, genau genommen High-density polyethylene (HDPE) besteht. [1]

Warum Stone Paper?

Bei der Herstellung kann vollständig auf Zellulose und Bleichmittel verzichtet werden. Der Wasserverbrauch kann deutlich gesenkt werden. Der Nutzer profitiert durch die gegebene Wasserfestigkeit und Abwaschbarkeit sowie die hohe Strapazierfähigkeit. [2] [3]

Abbildung 1 – Umweltfreundlichkeit von Stone Paper – Quelle: http://de.stonepapersz.com/ (letzter Zugriff am 10.04.2019)

Ist das schon die ganze Wahrheit?

Das wäre natürlich zu schön um wahr zu sein. Neben den höheren Kosten für die Abnehmer muss man sich auch bewusst, dass die enthaltenen 20% HDPE ein Kunststoff sind. Stone Paper löst sich zwar nach mehrmonatiger intensiver Sonneneinstrahlung vollständig auf, jedoch bleibt neben dem Steinstaub auch das HDPE in Form von Mikroplastik übrig. Wenn ein Nutzer sich nun denkt „ach das löst sich eh auf, das schmeiß ich gleich in die Natur“, dann gelangt das HDPE in die Böden und letztendlich irgendwann in den Wasserkreislauf. [4] [5]
Ob man Polyethylen als „besseres Plastik“ sehen möchte darüber lässt sich streiten. Ich möchte an dieser Stelle nur darauf hinweisen, dass es immerhin deutlich schädlichere Kunststoffe gibt. [6]

Abbildung 2 – Mikroplastik – Quelle: https://www.zm-online.de/ (letzter Zugriff am 10.04.2019)

Fazit

Stone Paper stellt eine tolle Alternative zu herkömmlichem Papier dar. Nur sollte man sich gut überlegen zu welchem Zweck man es einsetzen möchte. Es ist nichts für ausschließlichen und intensiven Outdoor-Gebrauch an Orten mit hoher Sonneneinstrahlung wie z.B. in den Tropen oder in den Bergen . Die neue umweltfreundliche Allzweckwaffe, wie es von der Industrie beworben wird, ist es sicher nicht. [7]
Von differenzierten Studien oder Kritikern wird auch der gängig gewordene Begriff „Greenwashing“ hie und da in den Raum geworfen. Hinsichtlich des Mikroplastik ist eine Aufklärung der Endverbraucher unbedingt erforderlich. Es muss kommuniziert werden, dass das Material dringend fachgerecht entsorgt werden muss, da sonst Süß- und Salzwasserspeicher belastet werden.

[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Steinpapier
[2] https://www.stone-paper.com/warum-stone-paper/
[3] https://www.stone-paper.com/steinpapier-umweltfreundlich/
[4] https://www.wired.com/2013/02/stone-paper-notebook/
[5] https://www.stone-paper.com/faq/
[6] https://utopia.de/ratgeber/polyethylen-pe-was-du-ueber-den-kunststoff-wissen-musst/
[7] http://stone-paper.nl/home