Die Welt ist mein Garten

Vor allem in urbanen Räumen erfreut sich das „urban gardening“ in all seinen Facetten immer größerer Beliebtheit. So können sich die Menschen trotz Siedlungsdruck und hoher Flächenversiegelung ihre gemeinsamen grünen Oasen schaffen. Eine Ausprägung dieses Trends ist das „wilde“ Ernten von Nutzpflanzen, welche auf öffentlichen Flächen stehen.

Mundraub

Meines Wissens einzigartig im deutschsprachigen Raum ist die Website mundraub. Hier kann man anhand einer Web Map (Adaption von Open Street Map) bequem in einer gewünschten Region nach verschiedensten Nutzpflanzen ausschau halten. Dabei sind die Kategorien klar strukturiert und das Kartenbild ist optisch ansprechend und selbsterklärend (siehe Abbildung 1). [1]

Abbildung 1 – Optik von mundraub – Quelle: www.mundraub.org

Selbstverständlich kann man dieses Projekt nicht nur als Nutzer genießen, sondern auch aktiv eigene Standorte von Pflanzen verorten und beschreiben. Nach kurzer Registierung kann man seine Fundorte eintragen. Bitte hier darauf achten, dass man die betreffenden Pflanzen auch wirklich ernten darf, man das Gelände betreten darf und ob es keine sonstigen Auflagen bezüglich Ernteart, -menge und -zeitpunkt gibt (z.B. in Parkanlagen oder Gemeinschaftsgärten). Je mehr Informationen desto besser 🙂
Handelt es sich um Deine eigenen Pflanzen, die Du einträgts, so kannst Du auch eine „Aktion“ starten, um Erntehelfer zu finden oder die Ernte zu teilen.
Wenn man eingeloggt ist kann man nun zusätzlich auch noch die Standorte anderer Nutzer sehen und so in Austausch kommen.
Verwendet man ein Mobiltelefon passt sich das Kartenfenster per responsive design automatisch an eine geeignetere Darstellung an. Die etwas fummelige Kartenbedienung und die Überlagerung der Filter und der Standortsignatur können auf anderen Geräten eventuell besser sein.
Eine tolle Zusatzleistung ist auch der Erntekalender, der ganz einfach auf einer DIN A4 – Seite den optimalen Erntezeitpunkt für 22 ausgewählte Pflanzen visualisiert. [2]

Test im Gelände

Ob die Karte hält, was sie verspricht habe ich mir dann für ein paar Beispiele vor Ort angeschaut. Zuerst habe ich auf der Karte meine Umgebung abgesucht und mich für einen Pflaumenbaun entschieden.

Abbildung 2 – Auf der Suche Teil 1 – Quelle: www.mundraub.org

Und siehe da, sobald ich vor Ort angekommen war:

Abbildung 3 – Auf der Suche Teil 2 – Quelle: eigenes Photo

Bei jüngeren Bäumen kann es sein, dass man durchaus etwas suchen muss…

Wenn man sich die Detailansicht der Eintragung ansieht, stellt man fest, dass hier sogar die Stadt Wien selbst den Baum eingetragen hat. In Wien ist jeder einzelne Baum auf öffentlicher Fläche erfasst und mit einer Nummer versehen. Erfreulicheweise gibt die Stadt Wien sehr häufig dieses Wissen auch auf Mundraub weiter.

Abbildung 4 – Auf der Suche Teil 3 – Quelle: www.mundraub.org

Teilweise bereits reif waren diese leckeren Früchte, die in Österreich Kriecherl (Hochdeutsch: Hafer-Pflaume oder Kriechen-Pflaume) genannt werden:

Abbildungen 5 und 6 – Quelle: www.mundraub.org; Abbildung 7 – Quelle: eigenes Photo

Fazit

Alles in allem eine tolle Plattform, die in vielerlei Hinsicht den Gedanken der Nachhaltigkeit, das Umweltbewusstsein und Ressourcenschonung fördert, solange es die Nutzer nicht als Gratis Selbstbedienungsladen verstehen. [3] [4]

[1] http://www.mundraub.org
[2] https://www.mundraub.org/sites/default/files/inline-files/mundraub_Erntekalender.pdf
[3] https://www.smarticular.net/hier-erntest-du-fruechte-auch-ohne-eigenen-garten/
[4] https://www.chip.de/news/Obst-kostenlos-selber-pfluecken-Geniale-Karte-zeigt-wo-wilde-Obstbaeume-wachsen_121888937.html

Wie umweltfreundlich ist die Deutsche Bahn?

Eigentlich sollten diese Zeilen eine Ergänzung des Artikels über die Kosten des Autos werden. Ein Freund hat uns zwei Links zu Artikeln über die schlechte Umweltbilanz der Deutschen Bahn (DB) geschickt. Jetzt sind noch ein paar Artikel mehr dazu gekommen und das Thema noch etwas weitgreifender geworden.

Die Deutsche Bahn – gefangen im System

Böse Zungen mögen behaupten die Deutsche Bahn handelt seit der Privatisierung im Jahre 1994 nur noch profitorientiert. [1] An dieser Stelle möchte ich mich aber gar nicht allzu sehr einreihen in das „Bahn-Bashing“. Sicherlich sind das marode Flotten- und Schienennetz sowie die veralteten Konzernstrukturen in Kombination mit einem weit verzweigten, „unternehmerfreundlichen“ Netz an Tochtergesellschaften Teil eines großen Problemes der DB. [2] [3] [4]
Doch neben diesen unmittelbaren und hausgemachten Problemen gibt es noch eine Reihe anderer Faktoren, welche nur indirekt etwas oder gar nichts mit dem derzeitigen Erscheinungsbild der DB zu tun haben.
In Sachen Attraktivität bezüglich Preis, Komport und Reisedauer muss sich die Bahn nicht nur gegen die florierenden Fernbusunternehmen, sondern auch gegen den innerdeutschen und innereuropäischen Flugverkehr behaupten. Und im Flugverkehr findet meines Erachtens eine Wettbewerbsverzerrung statt, die ihresgleichen sucht. Allseits bekannt sein dürfte die, aus dem Jahre 1944 stammende, (als friedensstiftende und völkerverbindende Maßnahme gedachte) Maßnahme sein keine Kerosinsteuer einzuheben. [5] Auch anstatt die immer höheren Auslastungenen von Flughäfen zu besteuern werben Städte und Regionen Airlines gezielt mit einem Aussetzen der Flughafengebühren an, um Kapazitäten auszubauen und neue Flughäfen zu schaffen. Die Absicht ist ganz klar. Für eine Region bringt ein Flughafen gleich tausende neue Arbeitsplätze in vielen Branchen sowie viel Geld. Damit ist aber noch immer nicht genug. Auch der deutsche Staat hebt sich als Wohltäter hervor und verzichtet bei Auslandsflügen auf die Mehrwertsteuer. [6] Gegen dieses breite Netzwerk an Förderungen ist preislich kaum gegenan zu kommen.
Ein weiterer wesentlicher Faktor ist dabei die Tatsache, dass der Energiebedarf der DB im Vergleich zur Österreichischen Bundesbahn (ÖBB) mit einem deutlich niedrigeren Anteil an erneuerbaren Energien gedeckt wird. Die ÖBB erzeugt fast ihren gesamten Strombedarf selbst (siehe auch Kosten des Autos). Die DB bezieht auf den elektrifizierten Strecken ihren Strom zu einem Drittel ganz regulär aus dem deutschen Energienetz. Auf den Energie-Mix dieses Netzes hat die DB keinen direkten Einfluss. Die übrigen zwei Drittel werden zwar im eigenen Bahnstromnetz erzeugt, allerdings sind neben 13 Wasserkraftwerken auch vier Kohlekraftwerke und ein Atomkraftwerk an dieses Netz angeschlossen. [7] [8] Die Werbebotschaft, dass der gesamte Fernverkehr mit grünem Strom fährt ist letztendlich nur eine Zahlenspielerei und ein Werbegag (siehe Abbildung 1). [9]

Abbildung 1 – Bahnstrom-Mix der DB 2016 – Quelle: www.dw.com

Hier haben also die DB und die Bundesregierung langfristig einen Trend verschlafen rechtzeitig auf erneuerbare Energien zu setzen.

Die Deutsch Bahn als umweltfreundliches Verkehrsmittel?

Doch die DB versucht, verständlicherweise, dennoch ihre Umweltfreundlichkeit unter Beweis zu stellen. So werden für Fernreisen die Energiekosten pro Passagier auf 100 Kilometer mit einem Benzinäquivalent von 2,3 Litern angegeben. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) kommt mit eigenen Berechnungen auf einen Wert von 3,9 Litern. Mit einem vollbesetzten Auto fährt man da im Vergleich, sogar mit Einberechnung der Vorkette, sparsamer.
(Faustregel: Kraftstoffverbrauch eines Pkw inklusive Vorkette – 9 Liter auf 100 Kilomter im Fernverkehr; für den Optimalfall von vier bis fünf Insassen ergibt das Pro Kopf etwa 2 Liter) Wer nun denkt „da kann ich ja gleich mit dem Auto fahren“ hat sicherlich recht…und trifft genau den Kern des Problems: Die nicht vorhandene Vollauslastung (tatsächlich nur 43%) der Zug-Garnituren. Beide Werte von DB und FAZ sind gewissermaßen richtig. Das Problem dabei ist, dass die Bahn in der Regel einen fixen Fahrplan hat und (zumindest innerhalb des einjährig gültigen Fahrplans) nicht nach Bedarf fährt. Zudem hat die Bahn bei ihrer Berechnung weitere Faktoren nicht mit einbezogen:
– den Energieverbrauch zum Aufrecht erhalten der Infrastruktur; es wird ausschließlich mit dem Energiebedarf der Traktion gerechnet.
– die Vorkette der Energieerzeugung
– Umwege und Anfahrtswege der Bahnfahrer
– es wird nur aus Oberleitungen bezogene Energie berücksichtigt; zusätzliche Verkehrsleistungen beziehen die Energie fast nur aus Kohlekraftwerken
– Studie nur auf Fernverkehr bezogen; der Nahverkehr schneidet, auch aufgrund teilweiser fehlender Elektrifizierung, deutlich schlechter ab

Leise Zweifel gibt es auch an den Auslastungszahlen der DB. Einerseits im Vergleich vor und nach der Privatisierung und andererseits im Vergleich zu den sehr erfolgreichen Schweizerischen Bundesbahnen (SBB). Rechnet man mit den „ehrlichen“ Schweizer Auslastungszahlen, so verschlechtert sich der Wert der DB nochmals deutlich.
Und dann wären da noch die hohen Geschwindigkeiten, welche den Energieverbrauch deutlich erhöhen. Bei einer Gesellschaft, die immer mobiler wird und immer weitere Strecken in kürzerer Zeit zurücklegt, ist es schwierig die Erwartung an geringe Reisezeiten bei gleichzeitig geringem CO2-Ausstoß zu erfüllen. [10] [11]

Fazit

Unterm Strich bleibt in Deutschland der Fernbus mit einem durchschnittlichen Pro-Kopf-Verbrauch von 1,6 Litern Benzinäquivalent auf 100 Kilometer das deutlich umweltfreundlichere Verkehrsmittel. [10] [11]
Rechnet man für die DB und einen Pkw den Energiebedarf bei voller Auslastung kommt man für beide Verkehrsmittel immer noch auf etwa 2 Liter.
Und jetzt kommt wieder einmal das Henne-Ei-Problem. Wäre die Attraktivität (Preis, Zeit Verbindungen) der Bahn höher, würden dann mehr Menschen mit der Bahn fahren? Würden dann die Preise sinken und noch mehr Menschen mit der Bahn fahren? Und wird es dann leichter finanzierbar das Netz und die Garnituren instand zu halten? Das lässt sich nur vermuten. Wenn man nach Österreich auf die ÖBB und die Wiener Linien schaut, mag man vorsichtig optimistisch „ja“ sagen. Glaubt man allerdings dem Konzernchef der DB selbst, dann hat die DB schon längst ihr Leistungsmaximum erreicht und kann nicht sinnvoll mit großen Passagierzuwächsen umgehen. [4]
Akut als „Alltagstip“ ist das Fahren mit der Bahn anstatt dem Auto sicherlich sinnvoller, da der Zug laut Fahrplan sowieso fährt und die Autofahrt eine Zusatzbelastung ist. Langfristig wird sich die DB sicherlich komplett neu aufstellen müssen, um den Bedürfnissen der Menschen in der Zukunft gerecht zu werden und sich in Sachen Energieverbrauch deutlich von Pkw abzusetzen. Denn beim Pkw steht die Zeit nicht still…

[1] https://www.deutschlandfunk.de/erfolgreiche-weichenstellung-die-privatisierung-der-bahn.724.de.html?dram:article_id=437197
[2] https://www.zeit.de/2014/19/deutsche-bahn-schienennetz/seite-4
[3] https://www.handelsblatt.com/unternehmen/handel-konsumgueter/grossbaustelle-deutsche-bahn-marode-bahnhoefe-und-schienen/11394054-3.html?ticket=ST-3129047-MWLGHhc9QfYxh4CPejRQ-ap3
[4] https://www.welt.de/wirtschaft/article185642474/Deutsche-Bahn-vor-dem-Umbau-Die-Struktur-laehmt-den-Konzern.html
[5] https://www.beobachter.ch/umwelt/umweltpolitik/klimakiller-flugzeug-wieso-es-keine-kerosinsteuer-gibt#
[6] https://www.zeit.de/2018/33/flugverkehr-fliegen-flughafen-chaos-billigflieger-vielflieger/seite-4
[7] https://inside.bahn.de/bahnstromnetz/
[8] https://de.wikipedia.org/wiki/Bahnkraftwerk
[9] https://www.dw.com/de/wie-gr%C3%BCn-ist-die-deutsche-bahn-wirklich/a-41894678
[10] https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wirtschaftspolitik/klimaschutz-die-geschoente-klimabilanz-der-bahn-1492996.html
[11] https://www.faz.net/aktuell/wissen/klima/klimabilanz-der-bahn-noch-eine-unbequeme-wahrheit-1488587.html?printPagedArticle=true#pageIndex_0

Interessanter Fakt am Rande: „Im ICE werden vier Tonnen rollendes Material bewegt, um einen Fahrgast zu befördern.“ [9]

Autarkia – Green World Tour

[Disclaimer: Dieser Beitrag enthält unbeauftragte Werbung. Wir erhalten dafür keinerlei Vergütung, sondern schreiben hier über unsere eigenen, unbeeinflussten Eindrücke!]

Ein Bericht

Spät, aber doch kommt hier ein kleiner Bericht von der Autharkia Green World Tour, welche dieses Jahr noch in München, Berlin, Hamburg, Münster, Frankfurt und Düsseldorf halt macht. In Wien war sie bereits am vergangenen Wochenende und Flo und ich waren dort, nachdem wir über Pia von thegreenwalnuts.com und zerowasteaustria.at Tickets gewonnen haben. Wir sagen nochmal Danke! Welche Stände/ Vorträge haben uns schon im Vorfeld besonders interessiert und gefallen?

Welche Stände/ Vorträge haben uns schon im Vorfeld besonders interessiert und gefallen?

Wohnwagon

Copyright: wohnwagon.at

Nachdem ich meinen Imkerkurs bei den stadtbienen mache, welche in Wien mit Wohnwagon zusammenarbeiten, war deren Stand für mich sicher auf der Liste, dazu auch deren Vortrag „Urbanes Autarkiewunder – so geht nachhaltiges Leben in der Stadt!“.

Flo und ich tendieren immer stärker in Richtung Autarkie. Vor allem was den Bereich Strom anbelangt, sammeln wir Erfahrungen und haben unseren Campingbus mit Solarpanelen ausgestattet. So richtig Ahnung haben wir zwar noch nicht, aber genau da kommt uns Wohnwagon genau richtig: die haben davon so richtig Ahnung, egal ob es um Strom oder Wasser geht!

Besonders spannend waren dabei die kleinen Ansätze, mit denen man auch in einer Stadtwohnung schon einen Unterschied machen und sein Leben nachhaltiger gestalten kann! Seien es Solarpaneele für den Balkon, Bienen für die Dachterrasse, Einrichtungen zum Energie sparen… Da waren einige Ideen dabei, welche auch uns neu waren!  Wir haben uns für weitere Infos auch das Magazin „Oskar“ zugelegt, welches ca. jährlich erscheint.

Wildling.Shoes

Das war vor allem für mich ein Thema, obwohl sich Flo auch sehr schnell anstecken hat lassen. Ich liebäugle seit einer ganzen Weile mit Barfußschuhen. Da die „Wildlinge“ aber ihren Preis haben, wollte ich sie gerne probieren. Online gibt es zwar einen Größenberater, doch der ergab für mich zwei Größen mehr, als ich normalerweise trage. Nun, das kam mir dann doch spanisch vor…

Die Wiesel im Einsatz

Umso besser, dass auch diese Firma mit einem Stand vor Ort war. Und ja, die online ermittelte Größe stimmte! Ich glaube, ich war eine ziemlich nervige Kundin, ich hab nämlich ungefähr jedes Modell durchprobiert und mich stundenlang in Fragen darüber ergangen, ob man damit laufen, Rad fahren, wandern etc. kann. Kudos an die geduldige Verkäuferin 😉

Geworden ist es schließlich ein „Wiesel“ und nach einer knappen Woche, in denen ich die Schuhe fast nicht mehr ausgezogen habe, kann ich sagen: der Preis ist gerechtfertigt und ich bin sehr froh, dass ich meinen Geiz überwunden habe! 😉 Besonders der Faktor „Wasserfestigkeit“ hat mich dazu bewogen, die Wiesel zu kaufen und nachdem ich bewusst in mehrere Wasserlacken gesprungen bin, gehe ich davon aus, dass sie bei normaler Nutzung auch dicht halten.

Wurmkiste.at

Wer uns auf Instagram folgt (oder schon Mal zu Besuch war ;)), der weiß, dass wir eine (selber gebaute) Wurmkiste unser eigen nennen. Bei der Recherche für den Bau unserer Wurmfarm bin ich natürlich über wurmkiste.at gestolpert und habe mich auch auf die Ratschläge gestützt, welche auf deren Website zu finden sind. Um einen First Hand Eindruck der professionellen Kiste zu bekommen, wollte ich mir auch deren Stand anschauen.

Wunderbare Wurmerde

Auch vor Ort kann ich die großzügige Beratung auch für nicht „wurmkiste.at-Besitzer“ wärmstens empfehlen und wir haben uns Hanfmatten für unsere Box mitgenommen. Den Fruchtfliegen-Schwärmen der letzten Zeit waren die Zeitungen, mit denen wir derzeit abdecken, nämlich nur mäßig gewachsen.

Welche Stände uns vor Ort positiv aufgefallen sind

Brigantes

Copyright: brigantes.eu

Die Idee der „Brigantes“ ist ziemlich altmodisch – und ziemlich cool! Wieso nicht den Warentransport auf Segelschiffe verlegen?! Ab Ende 2019 soll das Schiff Fracht ausliefern und z.B. in Zusammenarbeit mit Zotter Waren übers Meer transportieren. Dabei sind die alten Segelschiffe nicht nur schöner anzusehen als moderne Frachter, sondern machen den Transport von Luxusgütern wie Kaffee, Kakao und Rum wieder ökologisch. Denn auch, wenn der Weg über den Atlantik mit dem Segelschiff bis zu fünf Monate dauert, so ist es auf lange Sicht gesehen der sinnvollere Weg: der Ausstoß der 16 größten Containerschiffen entspricht dem Ausstoß des gesamten weltweiten Straßenverkehrs… Und das für Güter, die wir eigentlich gar nicht brauchen…

Lotus Belle

Copyright: dornob.com

Das war meine persönlich größte Überraschung! Denn nachdem ich den Namen „Glamping“ im Vorhinein gelesen hatte, war es bei mir persönlich vorbei…

Vor Ort war ich aber recht schnell angetan und zwar zugegebenermaßen zuerst von der Optik! 😉 Die Jurten-artigen Zelte sind je nach Ausstattung ganzjährig bewohnbar und werden aus Baumwollcanvas hergestellt. Meine Recherche hat leider nichts über die Bio-Qualität des Stoffes ergeben, insofern gehe ich davon aus, dass er aus konventioneller Produktion stammt. Da finde ich, könnte man sicher was anders machen… Dennoch, sollten die Zelte halten, was sie versprechen („Zelte fürs Leben, nicht für den Müllplatz!“) halte ich die Lotus Belle durchaus für eine Lösung, was alternativen Wohnraum anbelangt. [Edit: Ich habe eine Anfrage an das Unternehmen gestellt. Wenn ich Antwort habe, werde ich das hier natürlich aktualisieren!]

Was mir eher weniger gefallen hat

SimplyHeat

Ganz grundsätzlich gefiel mir die Idee hinter SimplyHeat sehr gut. Es handelt sich dabei um papierdünne „Heizkörper“, welche direkt in die Wand eingebaut werden und einen sehr hohen Wirkungsgrad haben. Da sie aus Carbon und einem Kupferstreifen bestehen, ist auch das Recycling des Produkts an sich möglich.

Was mir aber sauer aufgestoßen ist, war die Reaktion des Beraters auf meine Nachfrage eben bezüglich des Recyclings. Da das Produkt in die Wand eingebaut wird, ist es meiner Erfahrung nach schwierig, es bei Abriss ordnungsgemäß zu trennen und der Wiederverwertung zuzuführen. Einen solchen Einwand mit einem lapidaren „Das Erleben sie eh nicht, wenn das Haus abgerissen wird!“ abzuwürgen, finde ich höchst problematisch. Auch mein Unwille, eine Visitenkarte mitzunehmen, um Müll zu sparen, wurde eher belächelt. Da besteht Nachholbedarf!

PEFC

Noch mehr Greenwashing gab es meines Erachtens nach beim Vortrag des PEFC. Der Vortrag („Wissen Sie, welche Produkte Ihres alltäglichen Lebens aus Holz hergestellt wurden?“) hatte dann recht wenig mit seinem Titel gemein.

PEFC (Programme for the Endorsement of Forest Certification Schemes) beschreibt sich selber als „eine Art weltweit führender „Wald-TÜV“, seit über 17 Jahren eine nachhaltige Waldbewirtschaftung in zertifizierten Wäldern sicher. Doch was heißt nachhaltige Waldwirtschaft? Warum können Sie sich sicher sein, dass in Produkten mit dem PEFC-Siegel kein Holz aus Raubbau oder illegalen Rodungen enthalten ist?“

Und genau darüber kann man sich eben nicht sicher sein! Bereits während des Vortrags habe ich mit der Recherche begonnen, da ich mich an den Skandal zum FSC-Holz im Jahr 2018 erinnert habe. Zwar sind FSC (Forest Stewardship Council) nicht dieselben Institutionen, im Gegenteil, das PEFC stellt deutlich geringere Anforderungen als das FSC-Siegel. Daraus folgt, dass zwar sehr große Anteile der österreichischen Forste PEFC-gesiegelt sind (70%), doch die Aussagekraft ist mäßig. So werden nicht einzelne Waldbesitzer begutachtet, sondern gesamte Regionen bewertet und den Waldbesitzern dann ein vereinfachtes Verfahren mit Selbstverpflichtung auferlegt. Diese durchaus nicht unproblematischen Faktoren wurden nicht angesprochen und hinterlassen einen schalen Beigeschmack.

All in

Alles in allem ist die Autarkia eine schöne Möglichkeit, bekannte Akteure persönlich kennen zu lernen, neue Ideen und Unternehmen zu entdecken und sich mit Gleichgesinnten bei einem Glas Bio-Wein zu unterhalten.

Die Kartoffel-Krise

Der durchschnittliche Österreicher konsumiert pro Jahr 51,9 kg Kartoffeln. [1] 140 g am Tag also, das ist eine mittelgroße Frucht. Die Kartoffel ist das Lieblingsgemüse jedes 10. Bürgers [2] und dabei steht Österreich im Vergleich eher am unteren Ende der Skala, was den Verbrauch angeht: der EU-Durchschnitt liegt bei 70 kg, die Letten essen mit 126 kg pro Jahr mehr als doppelt so viele Kartoffeln wie die Österreicher. [3]

Die Kartoffel hat übrigens ein Frassloch…

Schaut man sich die Nährwerte der Kartoffeln oder Erdäpfel an, so macht ein hoher Konsum auch durchaus Sinn: sie sind kalorienarm, enthalten hochwertiges Eiweiß, sind Ballaststoffquelle und Vitaminreich. [4] Ein letzter, nicht unwesentlicher Punkt: Sie sind billig und ganzjährig verfügbar.

Preis-schock bei Pommes

Und nun der Schock! „Erdäpfel knapp: Jetzt droht Preisschock bei Pommes“, so titelt oe24.at am 23.04. Und weiter heißt es: „Jetzt droht auch noch ein Teuer-Schock bei Pommes. Die Preise ziehen längst an: Bis zu 30 Euro bekommen die Bauern für 100 kg Erdäpfeln – vor genau einem Jahr waren es noch 20 Euro. Und in den nächsten Wochen werden die allerletzten Erdäpfel aus Österreich über die Ladentische gehen. Dann ist Schluss. Grund: „Durch die Dürre letztes Jahr gab es massive Engpässe“, sagt Landwirtschaftskammer-Expertin Anita Kamptner: „Die Lücke wird mit Erdäpfeln aus Frankreich oder ­Israel gefüllt. Da kann es durch die langen Transportwege teurer werden.“ Österreichs Erdäpfel-Bauern fürchten jetzt um ihre Existenz: Denn auch der heurigen Ernte setzen Schädlinge und Trockenheit zu.“ [5]

Um auf den Umstand der Kartoffelknappheit hinzuweisen, demonstrierten am 25.04 die Kartoffelbauern am Wiener Heldenplatz und verteilten symbolisch die letzten Erdäpfel des Jahres.

70 Prozent ERnteeinbusse

Worum aber geht es eigentlich? Die extreme Trockenheit im Jahr 2018, welche sich auch dieses Jahr fortsetzt, hat, zusammen mit dem starken Drahtwurm-Befall, bis zu 70% der Ernte für den Handel unverkäuflich gemacht. So weit, so schlecht. Da Regentänze in den seltensten Fällen Erfolg versprechen, war das Ziel der Demo als weniger, für ausdauernden Niederschlag zu sorgen, als die Notzulassung von Insektiziden.

Probleme – und Lösungen?

Der Drahtwurm ist einer der größten Schädlinge im Kartoffelanbau und wie der Name schon sagt zäh und widerstandsfähig. Bei ungünstigen Lebensbedingungen ziehen sich die Würmer in tiefere Bodenschichten zurück, wo sie gerne auch über mehrere Monate ohne Nahrung bleiben können. Aus den Drahtwürmern schlüpfen nach 3 bis 5 Jahren die Saatschnellkäfer, doch sind es die Larven, welche in der Zwischenzeit den Schaden an der Kartoffel anrichten. Meist folgt ein weiteres Problem auf dem Fuße: die Fraßlöcher bieten Pilzen und Keimen einen Angriffspunkt.  Lösungen gibt es – abgesehen von Insektiziden – durchaus: So meiden die Drahtwürmer humusreiche Böden, durch intensive Bodenbearbeitung im Frühjahr und Herbst kann das Gelege gestört werden und die Beachtung der Fruchtfolge trägt ebenfalls zu einer Reduktion des Käferbefalls bei. Daneben sollen auch Ringelblume und Tagetes als Beisaat eine positive Wirkung zeigen. [6]

… und die gehörte zu den 50% der weggeworfenen Kartoffeln, bevor wir sie aus dem Müll gezogen haben.

Was all diese Lösungsansätze gemeinsam haben: sie sind zeitaufwändig. Zeit ist das Letzte, was die moderne Landwirtschaft sich nimmt und so ist die beliebteste Lösung außerhalb des Biolandbaus der Einsatz von Insektiziden. Dieser wurde in den vergangenen Jahren aber aus Umweltschutzgründen eingeschränkt  und auch der Handel bevorzugt Ware, welche ohne den Einsatz von Insektiziden hergestellt wurde. Dennoch fordern die Kartoffelbauern nun eine Notzulassung.

Damit wären sie nicht die Einzigen: Erst kürzlich wurde den Rübenbauern gewährt, die erst 2018 verbotenen, bienenschädlichen Neonicotinoide zur Saatgutbeize einzusetzen. Es ist eine Notfallzulassung, um das Saatgut vor diversen Schädlingen zu schützen. Dass das in den Boden ausgebrachte Gift auch eine Gefahr für die lebenswichtige Bodenfauna darstellt, tritt hinter den wirtschaftlichen Interessen zurück. [7] Dass es genug Studien gibt, welche zeigen, dass eine Bekämpfung des Drahtwurms mittels Insektiziden bei der Kartoffel nur wenig Erfolg bringt, scheint ebenfalls unwichtig. [8]

Rechnerischer Überschuss

Fakt ist: mengenmäßig war die Ernte im Jahr 2018 um 7% höher als die im Jahr zuvor (rund 698.000 Tonnen). Man könnte meinen, bei einem pro Kopf-Verbrauch von 52 kg pro Jahr und pro Kopf in Österreich  sollte das dennoch reichen, locker sogar (ganz Ö isst pro Jahr 456.196 Tonnen Kartoffeln, da sollte also ein Überschuss von rund 241.804 Tonnen bleiben).  Leider ist dieser Überschuss ein rein rechnerischer.

Denn wie eine Studie der ETH Zürich zeigt: „Vom Feld bis zu den Haushalten gehen bei konventionell erzeugten Speisekartoffeln 53 Prozent verloren, bei biologisch produzierten gar 55 Prozent.“ Diese Studie, welche in der Schweiz durchgeführt wurde und daher wohl nahezu eins zu eins auf den österreichischen Markt umgelegt werden kann, analysierte, welche Anteile Kartoffelernte wo verloren gehen.  

„Verluste entstehen auf allen Stufen der Wertschöpfungskette: Bis zu einem Viertel der Ernte von Speisekartoffeln bleibt bereits bei Produzenten auf der Strecke. Weitere 12 bis 24 Prozent sortieren Grosshändler aus. Lediglich ein bis drei Prozent fallen bei Detailhändlern unter den Tisch und noch immer 15 Prozent in Haushalten.“

https://www.medmix.at/die-haelfte-der-kartoffelernte-geht-verloren/

Fakt ist aber auch, dass bis zu 70% der Kartoffelernte 2018 für den Handel unverkäuflich sind. Rund 30 % des Verlustes lassen sich dabei auf den Drahtwurm zurückführen, der Rest ist „unansehnlich“.

Wie definieren wir „unverkäuflich“?

Denn theoretisch sind Erdäpfel auch noch essbar, wenn sie von Drahtwürmern angefressen wurden. In vielen Fällen verkapseln sich die Gänge und können durch Herausschneiden einfach entfernt werden, nur bei einem auf den Verbiss folgenden Befall durch Pilze und Bakterien sollte vom Verzehr abgesehen werden. Doch selbst, wenn man sämtliche vom Drahtwurm befallenen Erdäpfel herausrechnet, so ist der Rest der „unverkäuflichen“ Kartoffeln nur „unansehnlich“. Nicht schlecht, nicht verdorben, sondern zu klein, zusammengewachsen, nicht ganz oval, wie auch immer. [9, 10]

Schrumplig, voller Triebe und Frasslöcher – und wir werden sie dennoch essen. Du auch?

So undurchdacht der Ruf nach einer Notzulassung von Spritzmitteln auch klingt, so nachvollziehbar ist er dann doch: die Bauern haben schlicht und ergreifend Angst um ihren Wohlstand, was man ihnen kaum zum Vorwurf machen kann. Dennoch kann der Mehreinsatz von Insektiziden keine Lösung sein! Wir befinden uns im 6. Massenaussterben der Geschichte unseres Planeten und ursächlich dafür ist unbestreitbar der Einsatz von Giften.

Gifteinsatz oder umdenken?

Vielmehr muss ein Umdenken stattfinden: Nehmen wir Preissteigerungen von bis zu 30% eher hin als unförmige Kartoffeln, welche gar ein Frassloch haben? Nehmen wir im Austausch für makellose Ware hin, das bereits verbotene Insektizide wieder notzugelassen werden? Kann man überhaupt von einer Krise sprechen, wenn Jahr für Jahr die Hälfte der Ernte aus optischen Gründen vernichtet wird?

Offensichtlich. Aber wir können diese teils fingierte Krise aber auch nutzen und uns positionieren: Kaufen wir die angeblich unverkäuflichen, unansehnlichen Erdäpfel und setzen ein Zeichen gegen das „perfekte Produkt“! Definieren wir unverkäuflich um!

[1] https://de.statista.com/statistik/daten/studie/37703/umfrage/pro-kopf-verbrauch-von-kartoffeln-in-den-laendern-der-eu/
[2] https://derstandard.at/2000061646859/Der-Oesterreicher-liebstes-Obst-und-Gemuese
[3] https://de.statista.com/statistik/daten/studie/37703/umfrage/pro-kopf-verbrauch-von-kartoffeln-in-den-laendern-der-eu/
[4] https://eatsmarter.de/ernaehrung/wie-gesund-ist/kartoffel-kalorien-und-naehrwerte
[5] https://www.oe24.at/businesslive/oesterreich/Erdaepfel-knapp-Jetzt-droht-Preisschock-bei-Pommes/377332803
[6] https://www.plantura.garden/gartentipps/pflanzenschutz/drahtwurm-erkennen-vorbeugen-bekaempfen
[7] https://www.nachrichten.at/oberoesterreich/neonics-fuer-zuckerrueben-sorgen-bei-den-imkern;art4,3117344
[8] https://www.lfl.bayern.de/ips/blattfruechte/024000/index.php
[9] https://www.tt.com/panorama/natur/14991861/duerre-und-schaedlinge-70-der-kartoffelernte-unverkaeuflich
[10] https://diepresse.com/home/wirtschaft/economist/5548902/Der-Grossteil-der-Kartoffelernte-ist-unbrauchbar

Eine umweltfreundliche Alternative zum herkömmlichen Papier?

Da ich mich beruflich recht viel im Print-Bereich bewege und vor kurzem einige Testdrucke auf Stone Paper in meinen Händen halten konnte, habe ich mir gedacht, dass es nicht schaden könnte mich etwas näher mit diesem Material auseinander zu setzen.

Was ist Stone Paper?

Bei diesem Stoff (auf Deutsch: Steinpapier) handelt es sich genau genommen nicht um Papier im herkömmlichen Sinne, da es zu 80% aus Kalziumkarbonat (in Form von fein gemahlenem Kalkstein) und zu 20% aus Polyethylen-Harz, genau genommen High-density polyethylene (HDPE) besteht. [1]

Warum Stone Paper?

Bei der Herstellung kann vollständig auf Zellulose und Bleichmittel verzichtet werden. Der Wasserverbrauch kann deutlich gesenkt werden. Der Nutzer profitiert durch die gegebene Wasserfestigkeit und Abwaschbarkeit sowie die hohe Strapazierfähigkeit. [2] [3]

Abbildung 1 – Umweltfreundlichkeit von Stone Paper – Quelle: http://de.stonepapersz.com/ (letzter Zugriff am 10.04.2019)

Ist das schon die ganze Wahrheit?

Das wäre natürlich zu schön um wahr zu sein. Neben den höheren Kosten für die Abnehmer muss man sich auch bewusst, dass die enthaltenen 20% HDPE ein Kunststoff sind. Stone Paper löst sich zwar nach mehrmonatiger intensiver Sonneneinstrahlung vollständig auf, jedoch bleibt neben dem Steinstaub auch das HDPE in Form von Mikroplastik übrig. Wenn ein Nutzer sich nun denkt „ach das löst sich eh auf, das schmeiß ich gleich in die Natur“, dann gelangt das HDPE in die Böden und letztendlich irgendwann in den Wasserkreislauf. [4] [5]
Ob man Polyethylen als „besseres Plastik“ sehen möchte darüber lässt sich streiten. Ich möchte an dieser Stelle nur darauf hinweisen, dass es immerhin deutlich schädlichere Kunststoffe gibt. [6]

Abbildung 2 – Mikroplastik – Quelle: https://www.zm-online.de/ (letzter Zugriff am 10.04.2019)

Fazit

Stone Paper stellt eine tolle Alternative zu herkömmlichem Papier dar. Nur sollte man sich gut überlegen zu welchem Zweck man es einsetzen möchte. Es ist nichts für ausschließlichen und intensiven Outdoor-Gebrauch an Orten mit hoher Sonneneinstrahlung wie z.B. in den Tropen oder in den Bergen . Die neue umweltfreundliche Allzweckwaffe, wie es von der Industrie beworben wird, ist es sicher nicht. [7]
Von differenzierten Studien oder Kritikern wird auch der gängig gewordene Begriff „Greenwashing“ hie und da in den Raum geworfen. Hinsichtlich des Mikroplastik ist eine Aufklärung der Endverbraucher unbedingt erforderlich. Es muss kommuniziert werden, dass das Material dringend fachgerecht entsorgt werden muss, da sonst Süß- und Salzwasserspeicher belastet werden.

[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Steinpapier
[2] https://www.stone-paper.com/warum-stone-paper/
[3] https://www.stone-paper.com/steinpapier-umweltfreundlich/
[4] https://www.wired.com/2013/02/stone-paper-notebook/
[5] https://www.stone-paper.com/faq/
[6] https://utopia.de/ratgeber/polyethylen-pe-was-du-ueber-den-kunststoff-wissen-musst/
[7] http://stone-paper.nl/home

Frühlingshafte Scones

Ich weiß nicht, wie viele Jahre es nun schon her ist, dass ich das erste Mal Kräuter-Scones gebacken habe. Ich schätze mal, es war im Jahr 2013?

Ich kann mich erinnern, dass ich zu Hause gebacken habe, mit frischen Kräutern aus dem Garten meiner Mutter: Rosmarin, Petersilie, Thymian… Sonnenwarm aus dem Beet. Die Scones wurden wieder und wieder gebacken, bis ich sie dann doch eines Tages nicht mehr sehen konnte. Und was nicht in Vergessenheit hätte geraten dürfen, ging verloren. [Nerd-Test: Wer hat’s gesagt?![1]]

Fast forward ins Jahr 2019. Vor drei Wochen waren Flo und ich das erste Mal Bärlauch pflücken und brachten ein bisschen (na gut, viel) zu viel mit. Nachdem die üblichen Verdächtigen abgearbeitet waren und der Schrank voller Pesto, Salz und Öl stand, war immer noch etwas übrig. Und da tauchten sie aus meiner Erinnerung auf: Kräuter-Scones!

Nach ein paar Probeläufen habe ich das Rezept  nun erfolgreich veganisiert, an die Frühlings(-wild-)kräuter angepasst und teile es jetzt mit Euch!

Zutaten

  • Ca. 100 g gemischte Wildkräuter
  • 460 g Mehl (ich nehme am liebsten Roggen)
  • 1 TL Salz
  • 2 TL Backpulver
  • 125 g Margarine
  • 1 EL geschrotete Leinsamen
  • 100 ml Pflanzenmilch
  • 100 ml Wasser (nach Bedarf anpassen)
  • Weißer Sesam

Anleitung

Gebt die Leinsamen und 3 EL lauwarmes Wasser in ein Schüsselchen und lasst das Ganze ein paar Minuten stehen, bis die Mischung angedickt ist. Dieses „Leinsamen-Ei“ gibt dem Teig etwas mehr Haftung.

Dann kümmert ihr Euch um die Kräuter. Bei mir waren es Bärlauch, Löwenzahn, Schnittlauch und Brennnessel, Ihr könnt aber natürlich alles nehmen, was Ihr an essbaren Kräutern findet. Am Ende des Rezeptes schreibe ich Euch noch auf, welche Wirkungen die verschiedenen Wildkräuter haben. Hackt die Kräuter klein und stellt sie beiseite.

Gebt Mehl, Salz, Backpulver, Margarine, die Leinsamen und die Kräuter in eine Schüssel, ebenso die Pflanzenmilch. Verknetet alles per Hand oder mit dem Knethaken und gebt nach Bedarf das Wasser dazu. Je nach der Mehlart und der Feuchtigkeit des „Leinsamen-Eis“ kann es sein, dass Ihr nicht alles oder auch etwas mehr braucht.

Den Teig nicht zu lange kneten! Er sollte eher trocken sein und leicht zu formen. Dann ab mit dem Teig auf ein Blech (Backpapier oder gewachst). Den Teig zu einem Rechteck mit einer Dicke von ca. 4 -5 cm ausrollen. Zum Schluss mit einem Messer  die späteren Stücke markieren. Zum Schluss mit einem Esslöffel Sesamsamen bestreuen.

Bei 200°C in den vorgeheizten Ofen damit und nach etwa 25 min habt ihr frische Wildkräuter-Scones!

Die Kräuter und ihr Wirkung

Damit Ihr die Kräuter in Euren Scones verbacken könnt, die für Euch am besten sind, hier noch eine kleine Auswahl:

  • Bärlauch kannte man schon in der Steinzeit und nutzte ihn als Heilpflanze. Verwandt mit dem Knoblauch hat er ähnliche Eigenschaften und  wirkt entzündungshemmend und antibiotisch. Daneben soll Bärlauch bei Bluthochdruck helfen und den Cholesterinspiegel senken. [2] Daneben hat Bärlauch pro 100g ca. dreimal so viel Vitamin C wie Orangen.
  • Lange Zeit von Gärtnern bekämpft, ist die Brennnessel eigentlich eine Bereicherung für den Speisezettel: Vor allem für Veganer ist wohl der hohe Eisengehalt interessant. 100 g Brennnessel enthalten 4120 µg Eisen und damit mehr als das doppelte als 100 g Rindfleisch! Auch Vitamin C und A sind in größeren Mengen enthalten. Die Brennnessel gilt als stoffwechselanregend, blutreinigend und entwässernd. [3]
  • Giersch: Auch der Giersch ist so ein Kraut, das manchen Gärtner in den Wahnsinn treibt. Dabei ist er ebenso wie die übrigen Frühlingskräuter eine Vitaminbombe: Vitamin A und C, dazu kommen Eisen, Magnesium und Calcium. Auch hier reicht die zugesagte Wirkung von blutreinigend über entgiftend und entzündungshemmend hin zu verdauungsanregend. [4]
  • Löwenzahn: Die Bitterstoffe der Blätter gelten als harntreibend und stoffwechselanregend, daneben sind auch im Löwenzahn viele Vitamine und Mineralstoffe enthalten.[5]

Natürlich gibt es noch viele weitere Kräuter, die Ihr verwenden könnt – nicht nur im Frühling! Aber man merkt es schon an der Wirkung der Pflanzen: im Frühling haben alle Lebewesen das Bedürfnis nach Reinigung und Entschlackung und danach, die Nährstoffreserven nach dem Winter aufzufüllen!

Ich wünsche Euch viel Spaß beim Sammeln und Backen!

[1] „Ich spüre es in der Erde, im Wasser, in der Luft.“

Immer noch nicht? Galadriel, in Der Herr der Ringe, Die Gefährten, war’s.
[2] https://baerlauch.die-heilpflanze.de/heilwirkung.htm
[3] https://www.gesundheit.gv.at/leben/ernaehrung/kraeuter-gewuerze/inhalt
[4] https://www.fitundgesund.at/giersch-artikel-636
[5] https://www.gesundheit.gv.at/leben/ernaehrung/kraeuter-gewuerze/inhalt

Umweltpolizei im Surfurlaub

Vor der eigenen Türe kehren oder doch lieber vor der Fremden?
Gedanken eines Weltretters

Seit einigen Jahren nun bin ich um einen ressourcenschonenden und vorausschauenden Lebensstil bemüht. Als gebürtigem Schwabe kommt mir hier zugute, dass es mir selbstverständlich in die Wiege gelegt wurde, alles dankbar anzunehmen, was der Selbstgeißelung zuträglich ist. Frei nach dem inoffizillen Motto der Puritaner „Du darfst tun was Du willst, solange es Dir keinen Spaß macht“.

[1] Ist dieses Bild 1,25 Tonnen CO2 wert?

Eine meiner grundsätzlichen Problemstellungen lautet daher „Wie bringe ich einen lebensbejahenden Alltag, ohne mir zu viel zu verkneifen, und ein Streben nach Bescheidenheit und Nachhaltigkeit unter einen Hut?“ Und wo ziehe ich die Grenze? Zum Beispiel in Sachen Mobilität überlege ich mir bei fast jedem Schritt, den ich tue, was die Konsequenzen sind und welches Verkehrsmittel das ökonomischste und ökologischste ist. Zu meinem Glück erfreue ich mich recht guter Gesundheit und fahre auch noch sehr gerne Rad. Im Alltag ist das eine tolle Sache, da ich mich so fit halten kann, mich fast klimaneutral bewege und mich in keinen Stau stellen muss. Nach langem Ringen habe ich nun im Februar einen Flug nach Marokko für 11 Tage gebucht. Da kann ich lange radeln, bis ich den Ausreißer wieder ausgebügelt habe!

Irgendwie kommt man echt ins Grübeln, ob man sich als ein Depp unter 1.000 jetzt doch lieber so etwas verkneifen soll, während 999 andere hemmungslos dem Urlaubsexzess frönen. Oder sollte ich mich einfach mal locker machen und das Geschenk, in einem der reichsten Länder der Welt zu leben, annehmen und die Vorzüge des Lebens genießen?

Hemmungsloser urlaubsexzess – will ich das auch?

Nun, da ich die Tickets schon gebucht hatte und die Reise auch angetreten habe, habe ich mich dann doch lieber für Letzteres entschieden. Unterm Strich lebe ich immer noch nachhaltiger als 99% aller anderen Menschen – zumindest hab ich das mal bei einem CO2-Rechner herausbekommen… oder so ähnlich… oder war es doch nur nachhaltiger als 70% aller Europäer? Trotzdem perfekt – da kann ich immer noch mahnend meinen Zeigefinger heben  und an die Leute appellieren, doch endlich zur Besinnung zu kommen! Vor allem wenn man sich mal andere Kulturen anschaut: In was für einem Dreck zum Beispiel die Afrikaner leben. Genau das habe ich mir nun etwas genauer angeschaut. Nach geglückter Landung in Agadir konnte ich gleich mit meiner Weltverbesserungs-Kolonialisierung beginnen.

Nach einer etwa einstündigen Anreise haben meine Freunde und ich unser Ziel mit einem recht hübschen Surf- und Badeort erreicht. Die Lage direkt am Strand und der freie Blick auf den Atlantik sind schon recht vielversprechend. Der Ort selbst macht einen recht quirligen Eindruck. Neben den zahlreichen Touristen geben auch die Einheimischen ein recht buntes Bild ab. Alles wirkt beschaulich, ein Ort wo man die Seele baumeln lassen kann. Zudem sind die Preise niedrig und das Essen der Restaurants lecker. Dazu eine kühle Cola, das Leben könnte nicht schöner sein. Nachdem ich in der zweiten Nacht unfreiwillig eine ausgiebige Inspektion der Zimmertoilette vorgenommen hatte, musste ich in Sachen Surfen leider etwas kürzer treten. Uns wurde gesagt, dass der Strand an dem wir surfen waren genau in der Strömung der ganzen Abwässer liegt, die hier ungeklärt ins Meer laufen. Toll!

Müll in der Natur – WElche Überraschung!

Um nicht nur auf dem Zimmer zu sitzen, entschloss ich mich nach einem Ruhetag ein wenig die Hügelketten in der Umgebung auszukundschaften. Ich folgte dem ausgetrockneten Bachbett von der Mündung ins Hinterland – und  sieh‘ an, da liegt ja meine Coladose von vorgestern. Und daneben dutzende derer Brüdern und Schwestern. Hoppla, was ich die Tage zuvor so aus dem Augenwinkel halb wahrgenommen hatte, schlug jetzt mit voller Wucht auf mich ein. Hier liegt ja alles voller Müll (Foto 2). Hauptsächlich Plastik und Dosen. Was sind das nur für abscheuliche Schmutzfinken in diesem Ort!

[2] Mülldeponie Bachbett

Ich folge dem Bachbett eine ganze Weile, danach gehe ich ein Stück entlang einer Landstraße. Doch hinsichtlich Müll ändert sich das Bild nur wenig. Was mich wirklich interessieren würde, ob diese Dinge den Menschen vor Ort egal sind, ob sie andere Probleme haben, ob sie es vielleicht gar nicht sehen oder sich einfach nur machtlos fühlen, weil es von staatlicher Seite zu wenig Unterstützung gibt?

[3] Da bekommt Straßen-Bankett eine ganz neue Bedeutung

Zurück in der Heimat habe ich dann auch mal versucht, mich in dieser Hinsicht mit offenen Augen zu bewegen. Und mir sind auf einmal viele Orte aufgefallen, die total zugemüllt sind. Also brauchen wir uns eigentlich gar nicht so überlegen fühlen. Noch vor 30-40 Jahren haben, wie es viele ältere Menschen berichten, unsere Flüsse geschäumt. Offensichtlich muss der Leidensdruck erst hoch genug sein, damit man Gegenmaßnahmen ergreift. Und man muss sie sich leisten können. Momentan werden die Leute vielerorts mit ihren Problemen einfach im Stich gelassen. Vielleicht sind sie auch überfordert mit dem rasanten Wandel von einem ursprünglichen Lebensstil mit fast ausschließlich organischen Abfällen hin zu Single Use Plastic. Entsorgt wird wie eh und je, nur verrottet das moderne Gerümpel leider nicht.

[4] Die Ziegen stört der Müll weniger…

Und wo liegt nun der Kern des Problems? Die globalisierte Konsumgesellschaft? Die Gleichgültigkeit der Konsumenten? Die mangelnden Alternativen der Konsumenten? Die Konzentration von Konsum und Menschen auf einige Hotspots? Bin ich in meinem konkreten Fall als Tourist in Marokko in einer Masse aus sehr vielen Touristen nicht hochgradig Teil des Problems? In anderen Teilen des Landes, die dünner besiedelt und auch weniger touristisch sind, ist dieses Problem deutlich kleiner (soweit ich das im Rahmen meines doch nur beschränkten Einblickes beurteilen kann). Die Situation in Marokkos Surfspots dürfte sich in Zukunft weiter verschärfen. Neubaugebiete in Strandnähe gibt es bereits ohne Ende (siehe Foto 5).

[5] Neubaugebiete nahe Agadir

Und sind die Touristen nicht gleichzeitig auch eine Chance? Im Sinne eines Anlasses für die Gäste sich nur von seiner schönsten Seite zu zeigen und somit auch selbst davon zu profitieren. Und was habe ich jetzt erreicht außer noch mehr Ratlosigkeit bei mir selbst und vielleicht auch bei Euch?

Bildet Reisen denn?!

Als Geograph und allgemein an Vielem interessierter Mensch bin ich überzeugt davon, dass Reisen bildet und sehr wichtig sein kann. Nicht für jeden, aber für mich auf jeden Fall. Aber wenn das sehr viele Menschen mehrmals im Jahr tun wollen, verpufft dieser Effekt des Kennenlernens anderer Kultur- und Naturräume durch die Schneise der Verwüstung die der globale Touristenstrom hinterlässt. Wenn wir dieses Allgemeingut des „freien Wegerechts“ rationieren müssen, wer hat dann wie oft das „Recht“ darauf sich frei zu bewegen?

[6] Auch vor der Wüste macht das Problem nicht halt.

Ich möchte hier nun noch ganz deutlich betonen, dass ich niemandem Vorschriften machen möchte. Ich hoffe das ist durch meinen selbstkritischen und selbstironischen Anfang deutlich geworden. Jeder Mensch hat seine eigenen Grenzen, seine Laster und Dinge, die ihm wichtig sind.

Versuchen wir nicht gegenseitig, an uns die wunden Punkte zu finden, an denen wir vielleicht ohnehin gerade noch arbeiten möchten oder welche wir bewusst in Kauf nehmen, sondern freuen wir uns lieber über jeden Menschen, der für sich und für alle Anderen sein Leben besser gestalten möchte.

Unterstützen und ermutigen wir uns gegenseitig, gemeinsam für eine bessere Zukunft zu kämpfen! Und lassen wir uns nicht unterkriegen von all dem Unglück und den Ungerechtigkeiten in der Welt. Nutzen wir unser Geschenk in einem der sichersten und wohlhabendsten Länder der Erde zu leben und lassen wir es uns nicht nehmen glücklich zu sein und zu lachen auch wenn wir manchmal nichts zu lachen haben! 🙂

Flo