DIY: Zero Waste Adventskalender

Der Zero-Waste-Adventskalender-Swap ist in vollem Gange und die TeilnehmerInnen sind schon fix am basteln – schließlich gibt es hier eine „Deadline“. Aber ehrlich gesagt: in den vergangenen Jahren, wenn ich „nur“ für Flo oder meine Familie einen Kalender gebastelt habe, wurde der oft am 01.12 so gegen Mittag fertig – oder bestenfalls am Tag davor. Gerade so halt.

Sackerl aus alten Zeitungen basteln ist ganz einfach, gratis. Anleitungen gibt’s im Web zuhauf.

Damit ihr, falls ihr Euch mit dem Gedanken tragt, einen Adventskalender für jemanden zu basteln, nicht in die Verlegenheit kommt, erst kurz vor knapp fertig zu werden, kommt hier eine kleine Hilfestellung.

Die Verpackung

Papier

Ich persönlich bin ein großer Fan von kleinen Papiersackerln. Die lassen sich schnell aus Altpapier selber machen und man kann die Größe variieren. Ich nutze gerne alte Zeitungen dafür, besonders „Die Zeit“ und die „Süddeutsche Zeitung“ haben oft sehr schöne Bilder drin- aber auch reine Schriftseiten können sehr dekorativ sein. Bücher, die im Altpapier landen sollten (Sakrileg in meiner Welt, aber gut ;)), können hier auch noch einem zweiten Leben zugeführt werden. Ein toller Tipp auch von einer Leserin auf Instagram: altes Geschenkpapier sammeln! Immer wieder kommt man um diesen Müll halt nicht rum und dann macht es Sinn, ihm zumindest neues Leben einzuhauchen!

Auch alte Briefumschläge (oder selber gemachte aus Altpapier) sind eine tolle Verpackungsvariante, vor allem für Rezepte, Karten, Geschenkanhänger… Oder kleine Schächtelchen, ebenfalls aus Altpapier, lassen sich einfach falten.

Papiersackerl aus altem Zeitungspapier

Klopapierrollen sind ebenfalls ein praktischer „Nicht-Müll“. Als „Bonbon“ in Papier eingewickelt oder oben und unten eingedrückt sind sie eine optimale Verpackung für größere oder zerbrechliche Kleinigkeiten.

Stoff

Etwas aufwändiger in der Herstellung, dafür aber auch deutlich länger nutzbar sind kleine Stoffsackerl. Die Herstellung ist, mit etwas Näherfahrung, ganz einfach – aber auch Nähanfänger schaffen ein paar gerade Nähte normalerweise.

Beim Stoff solltet ihr darauf achten, Biostoffe zu nutzen, auch wenn diese ein bisschen teurer sind. Ich bin ein besonderer Freund der Westfalenstoffe, die in Deutschland produziert werden und wunderschöne, auch weihnachtliche Muster haben.

Eine Anleitung für einfache Stoffsackerl findet ihr zum Beispiel bei Hummelhonig

Walnüsse

Aus der Aufwandliste weit oben, dafür wunderschön anzuschauen: Walnüsse öffnen, ohne die Schalen kaputt zu machen, füllen, Faden rein, zukleben und eventuell anmalen.

Oder ihr kauft einen Walnuss-Kalender 😉

Die Füllung

Nachdem wir jetzt also eine Verpackung haben, kommt es zur Hauptsache: Was kommt eigentlich rein?

Ich verzichte hier übrigens bewusst auf eine Unterteilung in Kinder, Frau, Mann, Oma, Opa etc. So einen Kalender kann man wunderbar neutral und trotzdem persönlich machen, mit lauter tollen Sachen, die absolut jeder brauchen kann!

Essbares

  • Lebkuchen [Achtet bei den Rezepten für Kalender darauf, dass sie zumindest zwei Wochen auch haltbar sind. Bevorzugt am Anfang in die Päckchen stecken.]
  • Schokolade [Getestet und für ziemlich genial befunden]
  • Trinkschokolade [am besten in ein schönes Glas füllen]
  • Gewürze [toller Pfeffer, schöne, selbst gemachte Mischungen…]
  • Kräutersalz/ Gewürzsalz [ganz leicht selbstzumachen und schön anzuschauen]
  • Tee [selbst gesammelt oder lose gekauft und am besten in ein schönes Stoffsackerl verpackt]
  • Süßes aus dem Unverpacktladen

Nützliches

  • Bienenwachstücher [hier bestellen oder selber machen]
  • Seife [selber sieden optional, macht aber natürlich besonders viel her]
  • festes Shampoo
  • Kastanien- oder Efeu [getrocknet, Portion zum Ausprobieren als Waschmittel]
  • Salben und Cremes [auch hier: selbst gemacht ist besonders cool!]
  • Abschminkpads
  • Zahnputztabletten [nur ein paar zum Testen]
  • Briefumschläge aus Altpapier [vielleicht mit Ortsbezug aus Karten?]
  • Rezepte [du hast das perfekte vegane Vanillekipferl-Rezept? Her damit!]
  • Karten [passend zu den Umschlägen?]
    Saatgut [für Gärtner]
  • Samentütchen [auch für Gärtner]
Samentütchen selber machen und Saatgut rein – eine schnelle Idee für Gärtner

Schönes

  • Geschenkanhänger [die kann der /die Beschenkte dann gleich weiter benutzen]
  • Gedichte und Gedanken [muss ja nicht immer eine Sache sein]
  • ein Erlebnis [siehe oben. Und wenn es nur eine gemeinsame Tasse Tee ist]
  • Kerzen

Beispielbefüllungen

Für eine junge Frau, vegetarisch, low waste, gärtnert am Balkon

  1. Lebkuchen
  2. Selbst gezogene Bienenwachskerze
  3. Gedicht
  4. Briefset aus einem Umschlag und einer Karte
  5. Lebkuchen
  6. Selbst gesiedete Seife [Nikolaus]
  7. Zahnputztabletten
  8. Lebkuchen
  9. Saatgut
  10. Teeblume
  11. Geschenkanhänger
  12. Rezept für die Lebkuchen
  13. Kastanienwaschmittel
  14. Saatgut
  15. Teststück Haarseife
  16. Gewürz
  17. Efeuwaschmittel
  18. Trinkschokolade
  19. Briefset aus einem Umschlag und einer Karte
  20. Gedicht
  21. Samentütchen
  22. Gewürz
  23. Rezept
  24. Bienenwachstuch
In den letzten Jahren habe ich für Flo immer denselben, selbstgemachten Kalender befüllt.

Für einen Mann mittleren Alters, mag Sport und kocht gern vegan

  1. Gewürz
  2. Rezept [für das Gewürz vom Tag davor?]
  3. Selbst gemachte Schokolade
  4. Tee
  5. Lebkuchen
  6. Selbst gemachte Sportsalbe [Bienenwachs, Chilliöl] [Nikolaus]
  7. Gedicht
  8. Kastanienwaschmittel
  9. Lebkuchen
  10. Nussmischung [aus dem Unverpacktladen]
  11. Briefumschläge
  12. Rezept
  13. Gewürz
  14. Zahnputztabletten
  15. Tee
  16. Gedicht
  17. Trinkschokolade
  18. Gutschein für einen Glühwein am Christkindlmarkt
  19. Selbst gemachte Schokolade
  20. Briefumschläge
  21. Tee
  22. Rezept
  23. Gewürz
  24. Rasierseife
Eine wunderschöne Art, die Päckchen zu nummerieren, findet ihr bei Faun&Farn

Ein Kind zwischen 3 und 10 Jahren

  1. Lebkuchen
  2. Gemeinsamer Leseabend bei Kerzenlicht
  3. Kerze [zum gemeinsam Abbrennen]
  4. Selbst gemachte Schokolade
  5. Gedicht
  6. Ein kleines Büchlein [Pixie?] [Nikolaus]
  7. Lebkuchen
  8. Kressesamen
  9. Trinkschokolade
  10. Gemeinsames Kekse backen
  11. Lebkuchen
  12. Teststück Seife [bunt und gut riechend ;)]
  13. Gemeinsamer Christkindlmarktbesuch [Samstag]
  14. Zapfen sammeln und damit basteln [Sonntag]
  15. Gedicht
  16. Nussmischung [aus dem Unverpacktladen]
  17. Zahnputztabletten
  18. Selbst gemachte Schokolade
  19. Gemeinsamer Leseabend bei Kerzenlicht
  20. Bambuszahnbürste
  21. Rodeln oder Eislaufen gehen [Samstag]
  22. Winterspaziergang [Sonntag]
  23. Gedicht
  24. Jausenbeutel aus Wachstuch, Bienenwachstuch etc.

So, jetzt hab ich so viele Ideen da gelassen, dass mir selbst nichts mehr einfällt! 😉

Viel Spaß beim Basteln!

DIY – Upcycling: Briefumschläge

Wusstet Ihr, dass allein in Österreich jedes Jahr 1,1 Milliarden Briefe versandt werden? Dadurch entstehen – wenn man davon ausgeht, dass nur neue Briefumschläge verwendet werden – 55.000 Tonnen Papiermüll!

Die Müllberge beim selber falten sind überschaubar und vor allem:
das alles lag schon mal im Müll und bekommt jetzt ein neues Leben!

Ich hab da was dagegen!

Und wisst ihr, was? Recycling-Briefumschläge!  Nachdem Flo und ich Kartographie studiert und jahrelang Karten gesammelt haben, habe ich begonnen, aus alten Karten Briefumschläge zu falten! Das verursacht nicht nur deutlich weniger Müll, nein, man macht die Welt auch noch ein bisschen bunter! Wieso immer nur weiße Briefumschläge, wenn man sogar seinem Heimatort Tribut zollen kann?!

Und wisst Ihr, was das Beste daran ist? Man kann sie ganz leicht selber machen!


WAS BRAUCHT IHR?

Nicht viel:

– Papier in DIN A4 (Das kann alles sein, was so bei Euch rumliegt: Alte Kalenderseiten, Katalogseiten, alte Poster oder eben alte Karten. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt!)

– Kleber (Falls ihr gerne nachhaltigen Kleber benutzt: In Wien verkaufen sowohl Manufactum als auch Gerstäcker einen wiederbefüllbaren Gummierstift.)

– einen Cutter/ ein Präzisionsmesser

– evtl. ein Lineal

Wie geht’s?

  1. Legt das A4-Blatt vor Euch und markiert die horizontale Mitte. Ihr könnt dafür das Papier falten oder einfach anzeichnen, wodurch Ihr einen Knick im fertige Briefumschlag vermeiden könnt.
Briefumschläge falten – Für die visuellen Typen 😉
  1. Faltet nun die linke obere und die rechte untere Ecke nach innen, allerdings nicht bis ganz zur Mitte (ca. 0,5 cm auf jeder Seite Abstand zur Mitte halten), so erreicht Ihr die Maße der offiziellen Briefumschläge.
  2. Nun faltet Ihr das untere Drittel nach oben – orientiert Euch dabei am besten an der Seitenkante, damit das Ganze gerade bleibt. Drehen und nun das obere Drittel nach unten falten.
  3. Zum Schluss das kleine Dreieck umfalten, die Seiten kleben – Fertig!
  4. Für die Optik schiebe ich abschließend ein Stück Karton in den Umschlag und schneide das kleine Rechteck, das nach innen übersteht, raus. Muss aber natürlich nicht sein, gefällt mir nur besser! 🙂
  5. Zum Verschicken klebe ich persönlich nicht nur die Briefmarke auf, sondern sichere den Umschlag, indem ich die gesamte Klappe am Rand mit Kleber einstreiche! Vorsichtshalber – man weiß ja nie, wie die Post mit den Briefen umspringt! 😉

Was natürlich auch funktioniert: Auf Briefpapier schreiben und dann nach der Vorlage falten – dann könnt Ihr auch auf den Abstand zur Mittellinie verzichten. Allerdings könnt Ihr dann auch nicht einfach zusammenkleben, sondern solltet den Brief lieber von außen mit Masking-Tape oder Tesa sichern, damit der Empfänger beim Öffnen nicht den ganzen Brief zerreißt…

Und falls Ihr keinen Bock auf falten und kleben habt, schaut doch mal hier vorbei!

Tierischer Abfall

Biomüll, der Fluch der Vegetarier (oder so ähnlich)

„Guter Grund“

Eine Art von Abfall, welche wohl kein Zero Waster als „Müll“ bezeichnen würde, ist Bio-Abfall. Im Gegenteil, da viele Menschen, die sich mit müllfreiem Leben beschäftigen, auch mit veganem und vegetarischem Leben sympathisieren, fällt genau da oft recht viel Abfall für die Biotonne an.

Nun gibt es in den meisten Städten Europas eine funktionierende Müllabfuhr, im besten Falle auch eine gesonderte Sammlung von biogenem Abfall.   In Wien etwa landet der Biomüll im Kompostwerk Lobau, wo aus dem Abfall wertvoller Boden wird. [1] Besonders gut gefällt mir am Wiener Konzept, dass der fertige Kompost gratis an den Mistplätzen abgeholt werden kann. Eimer schnappen, zum Mistplatz fahren, Pflanzen einsetzen. Die vergangenen Jahre haben wir mit dem „Guten Grund“ sowohl unsere Pflanzentöpfe befüllt als auch mit dem Kompost unseren Gemeinschaftsgarten gedüngt. Die MA48 weißt sogar ausdrücklich darauf hin, dass der Einsatz dieses Komposts auch in Betrieben mit biologischer Landwirtschaft möglich ist. [2]

So sollte es funktionieren… Tut’s halt leider nicht überall!
Quelle: wien.gv.at, Guter Grund

Jetzt ist es nicht überall so einfach, seinen Biomüll loszuwerden. Teils gibt es keine hauseigenen Biotonnen oder man ist – wie wir auch – einfach froh, wenn man nicht täglich zur Tonne schlappen muss. Welche Möglichkeiten also gibt es?

Zuerst einmal: Soll in der Wohnung kompostiert werden oder ist auch eine Lösung in der Nähe des Hauses möglich?
Wenn sich rund um das Wohnhaus ein Plätzchen findet, lohnt es sich, sich an die Hausverwaltung zu wenden und mit dieser den geplanten Komposthaufen zu besprechen. Das kann natürlich zu einer Diskussion mit dem ganzen Wohnhaus führen mit eventuell negativem Ausgang. Denn auch wenn ein Komposthaufen wenig Platz braucht, ist der Standort entscheidend: So soll er wind- und sonnengeschützt sein, bestenfalls Durch einen Sichtschutz abgegrenzt, gut erreichbar, möglichst eben und vor allem: möglichst weit weg von allem Balkonen und Fenstern. Auch wenn es selten passiert: ein Komposthaufen kann kippen und den Geruch will dann keiner in der Nase. Nichtsdestotrotz ist ein Haus-Kompost ein schönes Gemeinschaftsprojekt. Und selbst wenn nichts aus der Idee wird, findet man durch den Prozess vielleicht Gleichgesinnte im eigenen Haus.

Vielleicht gibt es auch einen Gemeinschaftsgarten in Deiner Nähe? Entweder umsonst oder gegen einen geringen Beitrag kann man dort mitgarteln, Leute kennen lernen und im besten Fall: Biomüll entsorgen. Dabei bleibt aber meist das Problem mit der Faulheit: wer will schon alle paar Tage seine Karottenschalen in den nächsten Gemeinschaftsgarten bringen?! (Disclaimer: ich nicht 😉 )

Also muss ein Komposter für die Wohnung her! Dafür gibt es zwei Ansätze, einmal den Bokashi-Eimer, einmal die Wurmkiste. Beide sind beliebt bei Umweltschützern, klein genug, um auch in der winzigsten Küche nicht zu stören und – soweit korrekt geführt – geruchlos. Da hört die Gemeinsamkeit aber eigentlich auch schon auf…

BOKASHI – Japanische Effizienz

Angeblich (ich habe verschiedene Quellen gefunden, die teils widersprüchliche Übersetzungen angeben) heißt Bokashi so viel wie „fermentiertes organisches Material“ [3] oder auch „schrittweises umsetzen“ [4]. Wie der Name schon sagt: es handelt sich bei einem Bokashi-Eimer nicht um einen Komposter im eigentlichen Sinne, da das organische Material nicht verrottet, sondern fermentiert. Das geht deutlich schneller als traditionelles Kompostieren: etwa 2 bis 3 Wochen nur braucht der Eimer bei Optimaltemperatur (ca. 25 – 30°) [3]. Bereits während der Fermentierung kann man Bokashi- Sickersaft ernten und als Flüssigdünger für Pflanzen verwenden. Und: alle organische Abfälle dürfen in den Eimer! Also auch Fleisch, Fisch, Gekochtes und Zitronenschalen, welche im Kompost nur in homöopathischen Dosen etwas zu suchen haben. Die Geschwindigkeit lässt sich aber nur erreichen, wenn der Eimer nicht zu oft geöffnet wird. Um eine zweite „Müllsammelstelle“, in der der Bioabfall für ein bis zwei Tage gesammelt wird, kommt man hier kaum umhin. Das Ergebnis der Fermentierung ist übrigens keine Erde, sondern Dünger und sollte nur mit Erde gemischt verwendet werden.

Das hier ist Erde, frisch aus der Wurmkiste.

„Herzstück“ des Bokashi sind Effektive Mikroorganismen (EM), entweder in flüssiger Form oder als Pulver. Die EM werden über jede Schicht Bioabfall, die man in den Bokashi legt, gestreut. Zugegebenermaßen ist das auf Dauer nicht ganz billig. Zwar braucht man pro Schicht nicht viel, über die Jahre hinweg kommt aber doch was zusammen. Die Eimer selbst sind ebenfalls recht kostenintensiv, wenn man sie betriebsbereit kauft. Ein kleiner Eimer kostet meist rund 50,00 €. Sinnvollerweise schafft man zudem gleich zwei an, so kann ein Eimer in Ruhe fermentieren, während der andere befüllt wird. Mit ein bisschen handwerklichem Geschick lässt sich so ein Bokashi-Eimer aber natürlich selber bauen. [5] Macht ja auch mehr Spaß! 😉

Wurmkiste – Es kreucht und fleucht

Noch teurer in der Anschaffung ist sicherlich die Wurmkiste. Ein bekannter österreichischer Hersteller etwa verlangt für das kleinste Modell als Selbstbaubox 170,00 €. Ich möchte damit jetzt keinesfalls diesen Preis in Frage stellen! Die Jungs fertigen in Handarbeit und verwenden vorwiegend nachwachsende Rohstoffe – Qualität hat ihren Preis. Auch hier: selbst bauen ist billiger! Trotzdem braucht es hier deutlich mehr Werkzeug, Platz und Know-How als beim Bokashi-Eimer. Ich habe unsere Wurmkiste selber gebaut, mit tatkräftiger Unterstützung meines kleinen Bruders. Orientiert habe ich mich dabei an verschiedenen Anleitungen im Internet. [6]

Unsere selbstgebaute Wurmkiste

Wurmkisten kann man auf zwei Arten aufbauen: horizontal oder vertikal. Die vertikalen Modelle benötigen eine Auffangwanne für den Wurmtee, welcher ein flüssiges Nebenprodukt der Wurmkompostierung ist und ebenfalls als Dünger verwendet werden kann [7]. Da ich eine horizontale Kiste habe, kann ich zu den vertikalen Systemen nur die Kritik von befreundeten Wurmhaltern weitergeben: diese haben den Nachteil, dass es bei der Ernte der Erde oft chaotisch zugeht, da man die Box mit den Würmern herausheben muss. Dabei  kann Einiges danebengehen und direkt Spaß macht den Würmchen das Umsiedeln wahrscheinlich auch nicht. Beim horizontalen Aufbau (der sich nebenbei auch deutlich einfacher selber bauen lässt) dagegen siedeln sich die Würmer mehr oder weniger selbst um. Da man zwei Hälften hat, füttert man, sobald Hälfte A voll ist, nur noch in Hälfte B. Wenn die Würmer eine Weile nichts mehr zu Futtern bekommen, gehen sie freiwillig in Hälfte B. Hälfte A lässt sich dann einfach mit einem Schaufelchen leeren und man hat wunderbare Erde. Nachteil der horizontalen Modelle: Wurmtee gibt es keinen und man sollte darauf achten, dass der Kisteninhalt nicht zu feucht wird.

Ein Blick hinein. Links eine Sprühflasche für Wasser und vorsichtshalber trockenes Material, rechts beschützt James Bond Erde und Würmer vor den Fliegen…

Egal wie sie nun aufgebaut sind: Würmer braucht man immer! Auch hier: nicht ganz billig, so eine Startpopulation. Der Vorteil hier gegenüber dem Bokashi: Wenn Du Deine Würmer nicht gerade misshandelst, verhungern lässt oder ertränkst werden sie ohne Nachhelfen immer mehr! Unter Laborbedingungen können sich Kompostwürmer in einem Jahr vertausendfachen! Im echten Leben wird es wahrscheinlich nicht ganz so schnell gehen, aber die Population reguliert sich recht schnell und passt sich auch in Notzeiten (Urlaub) an die Gegebenheiten an. Ich habe meine Startpopulation übrigens über eine Facebook-Gruppe (Zero-Waste Vienna) bei netten Menschen gegen Brot bzw. Bienenwachstücher eingetauscht. Geld gespart und nette Leute kennengelernt – was will man mehr!

Die Würmer sind Lebewesen – mit allen Vor- und Nachteilen

Füttern sollte man den Würmchen übrigens nur, was auch in den Kompost sollte, also kein Fleisch, kein Fisch, keine Zitrusfrüchte oder Ähnliches. Auch Zwiebelreste mögen die Würmer nicht so gerne. Und wer hofft, mit den Würmern der sommerlichen Fliegenplage zu entgehen, den muss ich enttäuschen. Zwar kaum Fruchtfliegen, aber Trauermücken. Und: Du hast jetzt Haustiere! Sie sind leise, machen keinen Dreck und räumen deinen Mist weg, aber: Du musst Dich um sie kümmern!

Fazit

Vor- und Nachteile der Kompostierer im Überblick

Wenn man also ganz stur nach der Vor- und Nachteilliste geht, ist der Bokashi-Eimer wohl für viele die bessere Wahl. Trotzdem bin ich überzeugter Wurmkisten-Fan! Warum? Wenn ich ganz oberflächlich anfange: die Optik! Eine Wurmkiste aus Holz macht einfach mehr her als zwei Plastikeimer für den Bokashi! Wenn man möchte kann man die horizontale Wurmkiste auch noch als Sitzgelegenheit nutzen – Kissen drauf, fertig. Und mit den Würmern ist bei Besuch Gesprächsstoff garantiert. Aber für mich am wichtigsten: es sind sichtbare (die Bakterien vom Eimer ja egtl auch) Lebewesen und ich bin extrem fasziniert davon, wie diese kleinen Tierchen meinen Müll in einen wertvollen Rohstoff umwandeln!

Habt Ihr noch Fragen zu Bokashi-Eimer oder Wurmkiste? Oder wollt ihr Eure Erfahrungen teilen? Immer her damit! Ich freue mich über Kommentare!

Quellen

[1] https://www.wien.gv.at/umwelt/ma48/beratung/muelltrennung/biogener-abfall/kompost.html
[2] https://www.wien.gv.at/umwelt/ma48/beratung/muelltrennung/biogener-abfall/
[3] http://www.natuerlich-gesund-web.de/html/was_ist_bokashi.html
[4]https://www.sat1.at/ratgeber/wohnen-garten/haushalt/bokashi-so-funktioniert-der-spezialkompost-eimer
[5] https://www.smarticular.net/bokashi-eimer-30-minuten-selber-bauen/
[6] https://www.smarticular.net/wurmkiste-selber-bauen-bauanleitung-fuer-die-wurmfarm-auf-dem-balkon/
[7] http://www.regenwuermer.info/wurmhumus/wurmtee.php