Eine Rutschpartie mit Drahtseilakt – eine spätwinterliche Besteigung des Jôf di Montasio (Montasch) im Friaul

Auch wenn ich nun bereits seit über zehn Jahren in die Berge gehe habe ich mit Winter, Schnee und Gletscher nie wirklich Freundschaft, bzw. Bekanntschaft geschlossen. Mein Jahr in Tirol hat mich schon Ski-technisch sehr auf den Geschmack gebracht und mit dem Winterbiwak am Zirbitzkogel (siehe Winterbiwak am Zirbitzkogel) bin ich nun schlussendlich auch motiviert mich ohne Ski in Schnee und Eis zu wagen.

Im Juni 2020 wollten meine vier Mitstreiter und ich eigentlich eine knackige aber relativ unspektakuläre Besteigung des Montasch absolvieren. Das Spektakulärste erschien uns hierbei, aufgrund der geringen Ladekapazität des einzigen Autos, inmitten der Corona-Pandemie die Grenze nach Italien mehrfach innerhalb kurzer Zeit zu übertreten. Hannes und Johanna wurden nach Absetzen von Johannes und mir auf der Sella Nevea (deutsch: verschneiter Sattel) von Niki in Arnoldstein vom Bahnhof abgeholt. So brachte es Niki innerhalb von einer Stunde auf heiße drei Grenzübertritte am gleichen Ort – von Grenzbeamten jedoch weit und breit keine Spur.
Nachdem dieser erste Teil erfolgreich absolviert wurde konnten auf der Sella Nevea die Rucksäcke umgeschnallt werden. Nach einigen Metern in einer skurrilen Landschaft aus 60er-Jahre Beton-Bettenburgen, die den Anschein hatten nicht nur im Frühsommer sehr verlassen zu sein, ging es über eine breite Forststraße hinauf zum Rifugio Giacomo di Brazzà. Damit war das Tagesziel erreicht und nach einem gemütlichen Abendessen ging es zur Nachtruhe.

Foto 1 – Beim Aufstieg zur Hütte – Quelle: Żulinski 2020
Foto 2 – Blick von der Hütte nach Westen – Quelle: Żulinski 2020
Foto 3– Gleicher Blick etwas später – Quelle: Żulinski 2020
Foto 4 – Am nächsten Morgen der Blick nach Süden auf den Kanin – Quelle: Żulinski 2020

Wir waren die einzigen Gäste über Nacht und so waren wir am nächsten Morgen recht gut erholt und konnten voller Tatendrang in Richtung Gipfel aufbrechen. Dass es den Abend und die Nacht fast durchgehend geregnet hatte störte uns nicht besonders, der Hüttenwirt meinte, dass es nur die letzten Höhenmeter ein wenig Neuschnee gibt.
Das stimmte zunächst zwar noch, mehr Sorgen bereiteten uns dann aber recht bald die zahlreich vorhandenen Altschneefelder. Durch die fortgeschrittene Degradation der Schneekristalle durch die anhaltende Schneeschmelze war der Altschnee sehr hart ohne jedoch durchgefroren zu sein, da es die letzen Tage zu warm war. In Kombination mit der Neuschneeauflage war dies der perfekte Schmierfilm und wir hatten größte Mühe trotz Grödel / Steigeisen nicht auszurutschen.

Foto 5 – Beim Überqueren eines Altschneefeldes – Quelle: Żulinski 2020
Foto 6 – Die Mühen werden mit einem traumhaften Ausblick belohnt – falls der Himmel mal aufreißt – Quelle: Żulinski 2020

Da die Schneefelder zum Teil etwas weiter auseinander lagen hat uns das An- und Ausziehen der Ausrüstung sehr viel Zeit gekostet und wir waren ein gutes Stück hinter unserer Zeitplanung. Nun folgte der eigentlich unproblematische, aber durch die Anstrengung der Schneefelder und den immer dichter werdenden Nebel doch fordernde, Klettersteig auf den Grat.

Foto 7 – Manchmal muss man einfach steil gehen… – Quelle: Żulinski 2020
Foto 8 – …oder einfach mal abhängen – Quelle: Żulinski 2020

Am Grat angekommen wurde eine Entscheidung getroffen, die wir als Gruppe gut gelöst haben, aber trotzdem nicht leicht fiel. Zum Gipfel zogen wir nur noch zu dritt weiter, da der Aufstieg in Summe viel Zeit und Kraft gekostet hatte, der Nebel einfach nicht dauerhaft aufreißen wollte und ab hier der Neuschnee doch recht beträchtlich war. Die ausgesetzte aber grundsätzlich nicht schwierige Gratwanderung wurde so zu einer potenziellen Rutschpartie, die in jeder Sekunde hundertprozentige Konzentration abverlangte.

Foto 9 – Die Schlüsselstelle der Gratwanderung – Quelle: Żulinski 2020
Foto 10 – Das war am Gipfel…oder so – Quelle: Żulinski 2020

Den Gipfel haben wir dann doch recht rasch und unaufgeregt erreicht. Das Gipfelfoto haben wir in der Eile wohl vergessen. Auf dem Rückweg hat mich Niki allerdings fast mit einem Steinschlag zwangsbeglückt. Zum Glück hatten wir immer die Corona Abstandsregel im Kopf und so verabschiedeten sich die Gesteinsbrocken zwischen uns zu Tale.
Nachdem die Gruppe wieder vereint war konnten wir uns daran machen den ganzen Spaß rückwärts zu gehen. Leider verzog sich der Nebel noch immer nicht. Den Klettersteig passierten wir ohne Zwischenfälle. Jedoch zeigten sich die Schneefelder beim Abwärtsgehen von ihrer tückischsten Seite und es erwischte einige, die eine Abkürzung nach unten nehmen mussten. Der erste Platz, mit guten 50 Metern, geht an Johannes, der sich noch sensationell fangen konnte und sich elegant ins Geröll rettete – bis auf einige Schürfwunden war zum Glück nichts passiert.
Aus Jugendschutzgründen und für all jene mit schwachen Nerven folgen jetzt bunte Bildchen.

Fotos 11-15 – Sobald es wieder grüner wurde gab es Tiere nicht zu knapp und ohne Scheu – Quelle: Żulinski 2020

Nach diesem aufreibenden Tag hatten wir uns etwas Abwechslung verdient. Wie wäre es mit noch einem Klettersteig?! Oder ein wenig Instagram Hipster auf die Schippe nehmen an den Laghi di Fusine. Oder einfach noch ein bisschen Planschen am Faaker See.
Unterm Strich ein sehr gelungener Trip, der fordernd war und viel Spaß gemacht hat, nicht zuletzt dank einer tollen Truppe die gut als Team funktioniert hat 🙂

Fotos 16 – Am Kanzianiberg im Klettergarten I – Quelle: Żulinski 2020
Fotos 17Am Kanzianiberg im Klettergarten II – Quelle: Żulinski 2020
Fotos 18 – Posieren am Lago di Fusine inferiore I – Quelle: Żulinski 2020
Fotos 19Posieren am Lago di Fusine inferiore II – Quelle: Żulinski 2020
Fotos 20 – Der Lago di Fusine inferiore in seiner wahren Pracht – Quelle: Żulinski 2020
Fotos 21 Posieren am Lago di Fusine superiore – Quelle: Żulinski 2020
Fotos 22 – Baden im Faaker See – Quelle: Żulinski 2020

Üben für den Ernstfall – Winterbiwak am Zirbitzkogel

Nein, ich meine nicht den Seuchen-Ernstfall. Ich habe diesen Beitrag bereits im Februar angefangen zu schreiben. Daher klingen die nun folgenden einleitenden Zeilen wie ein verheißungsvoller, aber leider viel zu unrealistischer, Traum…

Foto 1 – Eine kleine Gratwanderung zum Gipfel – Quelle: Zulinski 2020

Überkommt Euch auch manchmal plötzlich das Verlangen einfach mal wieder eine Weile raus in die Natur zu gehen? Einen ganz besonderen Reiz hat die Sache, wenn man auch noch draußen schlafen kann. Spätestens beim Aufstehen flucht man zwar über die massive Komforteinbuße gegenüber dem gemütlichen Zuhause, die Dankbarkeit, wenn man den Luxus der Zivilisation wieder genießen kann erdet mich dafür umso mehr.
Dieses „draußen sein“ Bedürfnis hatte ich vor kurzem wieder einmal. Und was macht man, wenn es nun mal Winter ist. Ganz genau! Man sucht sich einen Ort mit genügend Schnee (in diesem Winter musste man da schon auf mindestens 2.000 Meter hinauf) und gräbt sich hinein. Das Ergebnis ist ein Iglu, genauer gesagt ein Quinzhee, als Winterbiwak. [1]
Glücklicherweise bin ich nicht der einzige Spinner, der Lust auf so etwas hat. Mein Freund und Arbeitskollege Niki hat im vorigen Winter genau das schon einmal nur gemeinsam mit seinem Hund gemacht. Zufällig sind wir auf das Thema zu sprechen gekommen und wir waren uns schnell einig, sobald wie möglich eine Tour zu starten. Gemeinsam waren wir auch mutig genug diese Aktion in hochalpinem, einsamem Gelände zu machen. Denn trotz aller Vorsichtsmaßnahmen – es kann immer etwas unvorhergesehenes passieren. Und zu zweit (den Hund rechne ich hier mal nicht mit ein) kann man einfach auf Gefahren und Probleme noch viel besser reagieren.

Also haben wir uns aufgemacht einen Gipfel zu erklimmen. Das erstbeste (und auch wunderschöne) Ziel von Wien mit einem ausreichend hohen Gipfel (2.396 m.ü.A.) und nicht zu steilem Gelände ist der Zirbitzkogel zwischen Judenburg und Friesach. [2] Möglichst wenig steil sollte das Gelände sein, damit die Lawinengefahr überschaubar bleibt. Auch wenn zum Zeitpunkt unserer Tour die Lawinenwarnstufe am Zirbitzkogel gering bis mäßig war wollten wir auf Nummer sicher gehen, da man Nachts nie wissen kann was kommt…zudem wollten wir nicht in die Kalkalpen, da diese sehr schroff sind. Da kommt man mit Schneeschuhen schnell an seine Grenzen (siehe auch Schneeschuhwandern in der Hohen Tatra). Und im Winter kann man im Karst auch nie wissen, ob man nicht in eine Doline fällt.

Nach zwei Stunden Fahrt bis Judenburg und noch einer halben Stunde Zufahrt bis zum Parkplatz der Winterleitenhütte konnten wir uns die Montur anlegen und das Abenteuer starten. Nach kurzer Zeit war auch bereits eine einigermaßen flächendeckende Schneeschicht vorhanden und wir konnten uns die Schneeschuhe anziehen. An exponierten Stellen war jedoch immer wieder der Schnee vollständig verblasen. Es war wirklich bemerkenswert wie wenig Schnee unterhalb von 2.000 Metern lagen. Erst darüber konnte man von einer wirklichen Schneedecke sprechen.

Abbildung 1 – Die Route der Tour – Quelle: www.alltrails.com; eigene Bearbeitung

Der weitere Aufstieg über den Ochsenboden konnte recht zügig und unspektakulär bewältigt werden. Lediglich die letzten 200-300 Höhenmeter mussten hart erkämpft werden. Als Belohnung konnten wir am Grat die herrliche Aussicht bei bestem Wetter und kaum Wind genießen.
Knapp unterhalb des Grats konnten wir bereits eine optimale Stelle für das Biwak ausmachen. Windgeschützt in einer Senke mit einer ausreichend hohen Schneedecke. Zudem war für den Notfall die Wetterradarstation in unmittelbarer Nähe. Nach einer kurzen Essens- und Verschnaufpause haben wir schon mal begonnen mit unseren Lawinenschaufeln einen ca. zwei Meter hohen Schneeberg aufzutürmen. Dieser soll sich dann über ein bis zwei Stunden setzen. Da noch eine gute Stunde bis zum Sonnenuntergang Zeit war, haben wir in der Zwischenzeit nochmal die Schneeschuhe angeschnallt und sind noch schnell hinüber zum Gipfel des Zirbitzkogels – Perfektes Timing zum Sonnenuntergang.

Foto 4 – drei dunkle Gestalten – Quelle: Zulinski 2020

Zurück am Lagerplatz begannen wir sofort damit unseren Schneehaufen auszuhöhlen, da es in der Zwischenzeit ohne die Sonne recht frisch geworden war. Nach einer guten Stunde haben sich architektonischer Ehrgeiz und Erfrierungsgrad der Gliedmaßen gegenseitig neutralisiert und wir haben die Bauarbeiten eingestellt.

Foto 5 – Der Wächter des Eingangs – Quelle: Zulinski 2020

Um ehrlich zu sein – geräumig ist anders. Aber es ist allemal besser als zu erfrieren. Und je kleiner der Inneraum desto geringer die Auskühlung. Zusätzlich haben wir den Eingang noch mit einer kleinen Stufe versehen, um das ungehinderte Einströmen von Kaltluft zu verhindern. Nach einer, den Umständen entsprechend, aufwändig zubereiteten Mahlzeit auf einem Gaskocher in der Kochnische und nach einem letzten Check der Außentemperatur (es war inzwischen verdammt kalt) haben wir uns in die Schlafsäcke verkrochen.

Foto 6 – (Schnee)Sterneküche – Quelle: Zulinski 2020

Das war sie also, unsere spontane Übung des Ernstfalls. Um genau zu sein war diese Aktion gar nicht so spontan. Das wollte ich schon längst einmal gemacht haben. Naturlich aus rein professionellen Gründen und keinesfalls zur Gaudi 😉 Aber mal ernsthaft – neben dem Spaßfaktor, den ich dabei haben wollte, war es mir tatsächlich sehr wichtig solch eine Nacht verbracht zu haben. Denn wenn es wirklich mal blöd läuft und man wirklich im Gelände biwakieren muss ist es einfach unglaublich wichtig in Gewissen Dingen eine Routine zu haben. Zum einen, dass man vom Kopf her sicher ist, diese Situation technisch meistern zu können und zum anderen, dass gewisse Handgriffe sitzen. Denn mit der Nervosität bzw. Panik in einer Notlage versagt oftmals auch das klare Denken und da sind Automatismen Gold wert. Und deshalb, auch wenn ich in der Früh beim Aufstehen der schlimmste Morgenmuffel ever war, kann ich es kaum erwarten das nächste Mal im Gelände zu biwakieren…

Abbildung 2 – Technische Skizze unserer Quinzhee-Variante – Quelle: www.pinterest.at

Wer es technisch gerne etwas ausführlicher hätte und auch noch praktische Tipps braucht, dem empfehle ich einen Artikel von Bergzeit. [3]
Wer diese oder eine ähnliche Tour selbst planen möchte, dem sei die Wanderkarte Nr. 211 von Freytag & Berndt empfohlen. [4] Hier sind alle wichtigen Wander- und Skirouten eingezeichnet. Für etwas präzisere Orientierung im Gelände eignet sich die amtliche ÖK50 besser, da hier die Höhenlinien einen Abstand von nur 20 Meter haben und auch die Felszeichnung etwas genauer ist. [5]

Das war das Endergebnis unserer selbstgebauten Behausung. In der Hoffnung, dass so etwas bald wieder möglich, aber nie wirklich nötig ist.

[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Quinzhee
[2] http://www.austrianmap.at/amap/index.php?SKN=1&XPX=637&YPX=492
[3] https://www.bergzeit.at/magazin/winterbiwak-einsteiger-tipps/
[4] https://www.freytagberndt.com/produkt/9783850846806-wk-211-naturpark-zirbitzkogel-grebenzen-murau-soelkpass-wanderkarte-150-000/
[5] https://www.freytagberndt.com/produkt/9007868054184-4226-judenburg/#lightbox/1/

Das Hinterland Wiens

Foto 1 – Sonnenuntergang im Durmitor Nationalpark

Man möge mir diese, geopolitisch heikle, verbale Landnahme nachsehen. Denn es geht nicht, wie sich der eine oder die andere nun vielleicht denkt, um den Wienerwald oder das Marchfeld, sondern um den einstigen Teil der k. und k. Monarchie zwischen Adria und Eisernem Tor dessen Hauptstadt auch Wien war. Als mittlerweile zwölfjähriger Wahlwiener finde ich, dass es für solche sowie die „echten“ Wiener (sofern es diese überhaupt gibt) zur Allgemeinbildung gehören könnte sich mit den historischen, kulturellen und politischen Gegebenheiten der geographischen Region in der man lebt auseinanderzusetzen. Und das soll jetzt keineswegs ausschließlich aus einer antiquierten Weltanschauung geschehen, um die gute alte Zeit des Kaisers hochleben zu lassen. Derzeit leben etwa 300.000 Menschen aus Ex-Jugoslawien in Österreich. Dies stellt mit über 3% die mit Abstand größte Gruppe an Nicht-Österreichern dar. Und hier sind lediglich die nicht bereits eingebürgerten Personen angeführt. [1] Für Wien sind es fast 7,5%. [2]
Nehmen wir nur mal überschlagsmäßig an, dass innerhalb der letzten 100 Jahren bereits genauso viele Menschen aus diesem geographischen Raum in das heutige Österreich gekommen sind und nun als Österreicher dort leben. [3] Dann wären in Summe 6-7% aller heute in Österreich lebenden Menschen aus dem Gebiet Ex-Jugoslawiens (für Wien 15%). Da kann man auch heute einen Bezug zwischen Österreich und Ex-Jugoslawien nicht leugnen.
Man könnte natürlich entgegnen, dass die Monarchie und auch die Balkankriege lange her sind und sowieso ist der Balkan so weit weg und der Rest der Bevölkerung sind ja ohnehin waschechte Österreicher. Da reicht es sich mit den eigenen Problemen zu beschäftigen. Mag alles stimmen. Aber nochmal zum Thema „weit weg“. Eine meiner ersten Lektionen in Kartographie auf der Uni die nachhaltig hängen geblieben ist war zum Thema Mental Maps. Es wurde die Frage gestellt: „Was glaubt Ihr liegt näher an Wien – Zagreb oder München?“ Und was glaubt jetzt Ihr, war die einschlägige Meinung der Studierenden? „Ganz klar München!“ Genau das sind nämlich nur 355 km Luftlinie. Und nach Zagreb sind es immerhin 268 km.

Moment mal – wer hätte das gedacht, nach München ist die Entfernung um 32% größer. Gründe für diese subjektive Verzerrung würden mir genug einfallen, um nicht zu sehr abzuschweifen sei es bei dem Denkanstoß belassen.

Maria und Flo auf großer Fahrt

Und dann kommen wir in unserem Sommerurlaub daher – eh schon top informiert, da belesen sowie politisch und historisch interessiert – um unsere Kenntnisse vor Ort etwas aufzupolieren. In Form einer zweiwöchigen Balkanreise. Anreise über das Binnenland, Wandern in den Bergen Montenegros und zum gemütlichen Ausklang etwas Baden in Kroatien.

Alles läuft nach Plan. Der erste Stop ist das ungarische Pécs. Eine wunderschöne Stadt, der man ihren deutschen Namen Fünfkirchen deutlich ansieht.

Foto 2 – Blick auf die Basilika von Pécs

Das Verlassen des Schengen-Raums verläuft auch reibungslos, Kroatien kennt man ja wenigstens schon vom Badeurlaub. Doch dann naht bereits die große Erkenntnis noch ehe wir den Grenzposten nach Bosnien und Herzegowina erblicken können. Wir sind 360 km weit weg von Wien und haben keinen blassen Schimmer mehr wie man hier lebt! Die ethnischen Spannungen sind uns zwar bekannt und wir wollen nicht versehentlich in Fettnäpfchen treten. Also was für eine Sprache Sprechen die Leute in Bosnien und Herzegowina? Sind sie sauer, wenn wir ein kroatisches „dobar dan“ raushauen? Es sollte zehn weitere Tage und einen tollen Stadtführer benötigen, um zu erfahren, dass serbo-kroatisch auch in Bosnien gesprochen wird – und zwar nicht in „ethnischen“, sondern regionalen Dialekten.

Das alles ist Südslawien

Das war also das erste Aha-Erlebnis und es sollten noch viele weitere folgen. Wir hätten niemals gedacht, die steilste Straße unseres Lebens im Stadtgebiet von Sarajevo zu fahren. Eine Straße mit 100% Steigung und ca. 3 m Breite trifft auf einen Camping Bus – kein wirkliches Vergnügen. Dafür schätzten wir uns umso glücklicher zufällig mitten in der ersten Pride Parade des Landes zu landen. Nachdem wir zuvor schon das Schlimmste befürchtet hatten, da die gesamte Innenstadt an jeder Kreuzung von schwer bewaffnetem Militär kontrolliert wurde und keiner wusste was los ist.

Foto 3 – Die alten und die neuen Zeiten – Regenbogenschirm trifft Einschusslöcher

Nach diesem kulturell intensiven Zwischenstop ging es dann weiter in den Durmitor Nationalpark Montenegros. Eine traufhafte Mischung aus alpinen Hochalmen und skandinavischem Fjäll. Der feuchte Traum eines jeden Geographen. So viele spannende Gesteinsformationen und Landschaftsformen, dass ich lieber gar nicht erst anfange…

Der Nationalpark wirkt sehr gut organisiert, trotz vieler Tagestouristen noch nicht überlaufen (wenn man den Crno Jezero zur besten Zeit meidet) und sehr sauber. Er wurde 1952 gegründet, lange vor den Nationalparks Bayerischer Wald oder Hohe Tauern. [4] Den mit 2.522 m höchsten Gipfel des Gebirges, den Bobotov Kuk, haben wir natürlich mitgenommen. [5]

Mit eingebunden in diesen Nationalpark ist die Tara Schlucht, mit teilweise über 1.300 m die tiefste Europas. [6]

Unser nächster Wanderstop wurde im Prokletije-Gebirge (zu Deutsch Verwunschene Berge – oder auch Albanische Alpen genannt) eingelegt. Dessen höchster Gipfel Jezerca (2.694 m) stellt auch den höchsten Gipfel des Dinarischen Gebirges dar. [7] In diesem Gebirgsstock treffen die Länder Montenegro, Albanien und Kosovo aufeinander. Unter Mithilfe des Deutschen Alpenvereins wurde hier ein nationenverbindender Rundwanderweg errichtet, der sich bereits recht großer Beliebtheit erfreut. Landschaftlich ganz ähnlich wie im Durmitor und doch so anders. Die mächtigen Kalkstöcke werden vor allem auf montenegrinischer Seite durch sehr sanfte Bergformen unterbrochen, denen ein anderes Ausgangsgestein zugrunde liegt. Wir haben unsere Tour von Vusanje (Montenegro) gestartet und sind nur ganz kurz über die grüne Grenze nach Albanien herüber gegangen.

Eine Einladung zum Tee von zwei kernigen, älteren Damen ins Tal auf die albanische Seite mussten wir leider ausschlagen, da wir weder Schlafsäcke noch Pässe dabei hatten. Wieder zurück in „unserem“ Tal sieht man jedoch ganz deutlich anhand der Flaggen an den Häusern und an Grafittis, dass auch hier auf montenegrinischer Seite ethnische Albaner leben. Dies betrifft allerdings nur dieses kleine Seitental von Vusanje nach Gusinje. In diesem Tal ist uns das erste Mal eine starke Vermüllung der Landschaft aufgefallen. Ob das ethnisch-kulturelle, politische oder andere Gründe hat, können wir nur vermuten.

Damit war die Erkundung der Dinarischen Bergwelten für diese Reise abgeschlossen. Nach einer Mittagspause am Skutarisee ging es weiter an die Mittelmeerküste Montenegros. Dieser Wechsel der Szenerie war in allen Belangen eine andere Welt. Da waren sie auf einmal, die Bettenburgen, die Menschenmassen, die schicken Leute. Auch auf den Campingplätzen merkt man einen deutlichen Unterschied zu davor. Es ist anonymer, die netten Gespräche mit den Nachbarn werden weniger, die Leute sind älter, die hauptsächlich deutschen Urlauber verhalten sich endlich entsprechend der Clichés deutscher Camper. Den Badeort Bečići haben wir sehr schnell wieder hinter uns gelassen. Zwar ist er sehr schön in einer Bucht gelegen, aber der enorme Durchgangsverkehr, die vielen Luxushotels mit ihren Privatstränden haben uns nicht länger zum Verweilen eingeladen. Auffällig war hier die hohe Zahl an russischen und serbischen Pkw. Die weiteren von uns besuchten Küstenorte in Kroatien waren zwar auch Mitte September noch gut besucht, aber dennoch ein paar Nummern entspannter.

Ein dunkles Kapitel europäischer Zeitgeschichte

Relativ spontan haben wir unsere Küstentour nochmals unterbrochen und haben einen Abstecher nach Mostar, dem Hauptort Herzegowinas, gemacht. Das sollte sich in vielerlei Hinsicht als sehr gute Entscheidung herausstellen. Bei der Einfahrt in die Stadt habe ich es endlich geschafft nach jahrelangem Suchen eine Kupferkanne mit einem halben Liter Fassungsvermögen zum Kochen von Mokka zu ergattern. Nur um später festzustellen, dass man diese in der Innenstadt an jeder Ecke hinterhergeschmissen bekommt. Kaum waren wir zu Fuß in der Altstadt unterwegs, da liefen wir zwei bekannten Gesichtern in die Arme. Unsere Welpenknuddel-Kollegen aus dem Durmitor Nationalpark.

Foto 32 – Für zwei Tage unsere Reisebegleitung – Lena und Bo

Kurzerhand wurden wir überzeugt uns an die jetzt startende Stadtführung [8] dranzuhängen. Obwohl der Guide diese Touren erst seit einem knappen Jahr anbietet verstand er es einen perfekten Spannungsbogen aufzubauen. Erst zeigte er uns die schönen Seiten der Altstadt mit den kulturellen und architektonischen Sehenswürdigkeiten.

Ehe wir uns jedoch versahen waren wir in einer knallharten Geschichtsstunde über die Stadt Mostar und die politischen Ereignisse der letzten Jahrhunderte in der Region. Besonders der Bosnienkrieg von 1992 bis 1995 nahm viel Raum ein. So lange her und doch noch allgegenwärtig, wie bereits auf Foto 3 zu sehen ist. Wir erhielten hier Informationen aus erster Hand, da unser Guide selbst auf bosniakischer Seite kämpfen musste. Zuerst kämpften Bosniaken und Kroaten noch gemeinsam gegen die, aus Belgrad aufgerüsteten, serbischen Einheiten. Deren Anführer Ratko Mladić erlangte durch das von ihm zu verantwortende Massaker von Srebrenica traurige Berühmtheit. [9] Ab 1993 eskalierte auch die Spannung zwischen Kroaten (welche aus Zagreb Unterstützung erfuhren) und Bosniaken (von einigen muslimischen Ländern mit Kleinwaffen unterstützt). [10] [11] Von der internationalen Gemeinschaft wurde der Krieg großteils ignoriert. Die Stadt Mostar wurde entlang der M6.1 in eine westliche, kroatische und eine östliche, bosniakische Seite geteilt.

Noch heute ist es so, dass Unfallpatienten östlich der M6.1 trotz unmittelbarer Nähe zum zentral gelegenen Krankenhaus der Weststadt dennoch in das viele Kilometer entfernt gelegene, im Ostteil der Stadt gelegene Krankenhaus gebracht werden. Mit diesem Hintergrundwissen werden die Zeichen der noch immer gegenwärtigen Teilung und der gegenseitigen Provokationen auf einmal sichtbar. Das gigantische Kreuz auf dem Gipfel des Hausbergs vom Westteil der Stadt, die vielen Nationalflaggen, die beschmierten Straßenschilder. Unser Guide meinte, dass die junge Generation, die den Krieg überhaupt nicht mehr miterlebt hat, nationalistischer sei als die Alten. Die Jungen haben die dunkle Seite des Konflikts nicht miterlebt, aber in ihren Familien und im Freundeskreis den Hass und die Ressentiments aufgesaugt und angenommen.

Der Schmerz und die Verbitterung über den Niedergang seines Landes ist unserem Guide deutlich anzuhören. Dabei meint er, dass die ethnischen Merkmale, die als Anlass des Konflikts dienten überhaupt keine Alltagsrelevanz haben, beziehungsweise gar nicht vorhanden sind. Er selbst als bosniakischer Muslim geboren sagt, dass die Religion für ihn und viele andere Einwohner Bosnien und Herzegowinas (egal ob römisch katholisch, muslimisch oder serbisch orthodox) eine sehr geringe Rolle spielt. Am Dialekt kann man die Menschen höchstens regional, nicht jedoch ethnisch zuordnen. Das einzige wirklich eindeutige Merkmal zur Zuordnung zu einer Ethnie ist der Nachname.

Nachdem der Konflikt beigelegt wurde blieb ein politisches System zurück, dass peinlichst auf die gleichberechtigte Repräsentation aller drei ethnischen Gruppen bedacht war. Was aber zur Folge hat, dass das Staatsoberhaupt und die Minister innerhalb eines Jahres rotiert werden. Dadurch ist es schier unmöglich Veränderungsprozesse in Gang zu bringen, da nie Zeit vorhanden ist Gesetze vorzubereiten und einzubringen. Ihr übriges tut die allgegenwärtige Korruption. Das politische System in Bosnien und Herzegowina wird auch als kompliziertestes Regierungssystem der Welt bezeichnet. [12]

In Anbetracht dieser jüngsten Geschichte ist es ein Wunder wie schön die Altstadt von Mostar wieder aufgebaut wurde. Aber auch nur logisch, da die Altstadt, um wieder UNESCO Weltkulturerbe zu sein, originalgetreu aufgebaut werden musste. Und dieser Status bringt viele Touristen in die Stadt und diese bringen gutes Geld und Arbeitsplätze. Ein weiteres Spannungsfeld ist der Fakt, dass die Altstadt ausschließlich auf bosniakischer Seite ist. Für viele ethnische Kroaten ist die M6.1 noch immer das Ende der Stadt und die Leute im Westen der Stadt haben nichts vom Aufblühen des Tourismus.

Gemütlicher Ausklang

Eigentlich wollten wir ja die ganze Tour machen, um endlich mal die Plitvicer Seen anzuschauen. Da wir aber schon viel davon gehört haben wie überlaufen diese Attraktion ist entschlossen wir uns kurzerhand dazu diesen Punkt auf der Liste sausen zu lassen und uns stattdessen die Kravica Wasserfälle einige Kilometer südlich von Mostar anzuschauen.

Wir haben jetzt zwar keinen Vergleich, aber wir sind mit unserer Entscheidung recht zufrieden.
Unsere letzte Station war der Paklenica Nationalpark. Hier kann man wandern, klettern, bouldern, radfahren und im nah gelegenen Meer baden. Und das wichtigste, hier trieb auch schon Winnetou sein unwesen. Somit schließen wir unseren Urlaub mit einem typisch deutschem Jugoslawien-Bild ab. Winnetou, Baden, Sliwowitz. Aber die Länder des ehemaligen Jugoslawiens haben so viel mehr zu bieten…

Ich wünsche eine gute Nacht
Flo

[1] https://de.statista.com/statistik/daten/studie/293019/umfrage/auslaender-in-oesterreich-nach-staatsangehoerigkeit/
[2] https://www.wien.gv.at/statistik/bevoelkerung/tabellen/bevoelkerung-staat-geschl-zr.html
[3] https://de.statista.com/statistik/daten/studie/300338/umfrage/einbuergerungsrate-in-oesterreich/
[4] https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Nationalparks
[5] https://de.wikipedia.org/wiki/Bobotov_Kuk
[6] https://de.wikipedia.org/wiki/Tara_(Drina)
[7] https://de.wikipedia.org/wiki/Dinarisches_Gebirge
[8] https://www.mostarfreewalkingtours.com/
[9] https://de.wikipedia.org/wiki/Ratko_Mladi%C4%87
[10] https://de.wikipedia.org/wiki/Kroatisch-bosniakischer_Krieg
[11] https://de.wikipedia.org/wiki/Bosnienkrieg
[12] https://de.wikipedia.org/wiki/Bosnien_und_Herzegowina#Politisches_System

Nicht referenzierte konkrete Zahlen und Fakten wurden in persönlichen Gesprächen erlangt, vor allem mit [7]


Schneeschuhwandern in der Hohen Tatra

Warum eigentlich immer die Alpen?

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Foto 1 – Blick auf den Hauptkamm der Hohen Tatra im Kleinen Kalten Tal

Es ist schon auffällig wie präsent der ehemalige Eiserne Vorhang im Reiseverhalten des durchschnittlichen Mitteleuropäers noch immer ist. Das habe ich noch nie verstanden. Seitdem ich in Wien lebe fühle ich mich zu den östlichen Nachbarstaaten Österreichs hingezogen. Dies hat, denke ich, mehrere Gründe. In meinem Heimatort war eher die räumliche Nähe zu Frankreich, Italien oder der Schweiz gegeben. Bei Besuchen meiner Großeltern an der Ostsee war Skandinavien nicht weit. Einzig 1995 bin ich mit meinen Eltern einmal einen Tag in Eger (Tschechien) gewesen. Daher ist der Osten für mich die große Unbekannte gewesen. Auch der Lebensalltag und das Erscheinungsbild der Städte, geprägt durch Jahrzehnte des Kommunismus, sind hier gefühlt immer noch ganz anders. Auch wenn die internationalen Trends und das Internet die Unterschiede verschwimmen lassen, manchmal reicht es schon einen alten Lada zu sehen oder eine slawische Sprache zu hören, um den Hauch Ostalgie zu spüren.
Ein weiterer Reiz ist das Zurücklassen der heimischen Touristenströme. Auch wenn wir bald merken sollten, dass für Slowaken und Polen die Tatra, als einzig verfügbares Hochgebirge in der Region, natürlich Dreh- und Angelpunkt des dortigen Wintertourismus ist.
Und zu guter Letzt – ich will diesen Anreiz gar nicht leugnen – hat das Reisen in Richtung Osten meist den Vorteil günstiger zu sein als in der Heimat.

Die Anreise

Einmal täglich verkehrt zwischen Wien und Košice ein IC, der für die Strecke von knapp 500 km sechs Stunden benötigt. Zwei Stationen zuvor ist man in Poprad, dem slowakischen Hauptort der Region am südlichen Fuße der Hohen Tatra. Nördlich des Gebirgsstocks befindet sich Zakopane, welches der Hauptort des polnischen Teils der Region ist.
Aufgrund der günstigeren öffentlichen Anbindung entschieden wir uns für die slowakische Seite. Die Fahrzeit nach Poprad betrug noch knapp fünf Stunden und war recht kurzweilig und ohne Zwischenfälle. Da es bei der Ankunft bereits dunkel war haben wir nur noch eine kurze Runde durch die Stadt gedreht und unsere, dicht am Bahnhof gelegene, Unterkunft bezogen. Am nächsten Tag nahmen wir den Regionalzug nach Starý Smokovec, dem besten Ausgangspunkt für eine Tour in die Berge. Und das merkten wir auch sofort. Bereits der Zug dorthin war vollkommen überfüllt, genauso wie der Ort selbst. Ich war mal wieder naiv gewesen. In der Hoffnung die überlaufenen Alpen gegen die unberührte und wilde Tatra zu tauschen und etwas Erholung von den Menschenmassen der Großstadt zu erlangen fanden wir uns nun im Gänsemarsch den Berg hinauf wieder. Auch das Passieren der Bergstation der Zahnradbahn tat dem Menschenstrom keinen Abbruch. Und so ergaben wir uns unserem Schicksal und reihten uns ein in Richtung Zamkovského chata, der Berghütte bei der wir zwei Übernachtungen gebucht hatten.

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Foto 2 – Der Blick vom Eingang unserer Hütte

Bei der Planung der Tour habe ich mir gedacht, dass das eine tolle Gelegenheit wäre etwas Übung im Umgang mit Schneeschuhen zu bekommen. Einen Monat später stand der Winterteil der Ausbildung zum Bergwanderführer an. Die gute Idee erwies sich in der Praxis als überflüssig bis hinderlich, da der Weg bereits so ausgetreten war, dass die großen Schneeschuhe eher ein Klotz am Bein waren. Die anderen Leute waren eher mit leichten Sportschuhen oder maximal mit Spikes oder Grödel unterwegs. Es bewahrheitete sich offenbar das Vorurteil, dass Osteuropäer nicht zimperlich sind und auch in Sachen Sicherheit etwas lässiger unterwegs sind. Als wir vorbeikommenden Wanderern erklärten, dass wir unsere LVS-Ausrüstung testen, ob alles in Ordnung ist, bekamen wir ein gemütliches „don’t worry, it will work fine“ entgegnet.

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Foto 3 – Check der LVS-Ausrüstung

Bei der Hütte angekommen waren wir mehr als entzückt. Eine wahnsinnig urige Hütte, superschön am Waldrand gelegen. Derzeit allerdings noch so überfüllt, dass man kaum zur Türe herein kam. Das Matratzenlager unter dem Dach war allerdings nur von uns und einem einzelnen Wanderer belegt. Dieser lud uns sogleich dazu ein mit ihm eine Flasche des typisch slowakischen Borovička zu leeren. Das taten wir gerne. So gestärkt wankten wir wieder nach unten in den Speisesaal, hier war nach Abreise der Tagesgäste Ruhe eingekehrt und es wurde ein sehr gemütlicher Abend.

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Foto 4 – „Unsere“ Hütte

Eine knackige Tagestour bei Kaiserwetter

Am nächsten morgen bemerkten wir, dass es in der Nacht ordentlich geschneit hatte und die Schneedecke auch hier auf halber Höhe bereits mehr als einen Meter betrug. Die Wolken hatten sich glücklicherweise bereits verzogen und so starteten wir hochmotiviert bei strahlendem Sonnenschein in Richtung Malá Studená dolina (zu deutsch Kleines Kaltes Tal).

Abbildung 1 – Unsere Tourdaten, der schwarze Punkt in der Mitte des Tracks ist unsere Hütte zum Übernachten – Quelle: www. alltrails.com

Endlich waren die Schneeschuhe bei der frischen, unberührten Schneedecke von Vorteil. Einige Leute ohne Ski oder Schneeschuhe kamen uns bereits entgegen, da ihnen der Schnee mit normalen Schuhen zu tief war. Man merkte auch, dass generell deutlich weniger Menschen so weit in die Berge hinein gehen. Uns nun waren die Leute auch tendenziell alle gut ausgerüstet. Am Ende des Tals, beim Aufstieg in Richtung Hauptkamm lernten wir jedoch unsere nächste wichtige Lektion. Für Ebenen und leichte Steigungen sind Schneeschuhe super, für steile Anstiege jenseits der 20° sind sie eine Quälerei. Uns so mühten wir uns den etwa 30-40° steilen Berghang hinauf. Mal Folgten wir den viel zu kleinen Schuhtritten der Vorgänger (Profis nehmen Wanderschuhe mit Steigeisen oder gleich lieber Ski) dann kreutzten wir wieder, um etwas flacher gehen zu können.

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Foto 5 – Ab jetzt gehen wir steil

Bei beidem kamen wir uns gleichmaßen dämlich vor, dennoch erreichten wir relativ zügig die Téryho chata. Hier kehrten wir ein und beschlossen, dass wir uns für heute genug gequält haben. Mit Sicherheit die beste Entscheidung, zumal aus dem Tal mittlerweile dicker Nebel aufzog.

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Foto 6 – Der Blick von oben ins Kleine Kalte Tal

Der Abstieg war dafür sehr flott und spaßig, da wir versuchten unsere Schneeschuhe und unsere Hintern als Rutschfläche zu missbrauchen.
Ziemlich erledigt und ausgehungert fielen wir in der Zamkovského chata ein. Hier verabschiedeten sich bereits allmählich wieder die Tagesgäste. Doch inzwischen waren die Zimmer und das Matratzenlager recht gut ausgelastet und so lernten wir einige weitere nette Leute kennen.

Auf bald

Am nächsten Tag mussten wir leider schon wieder unsere Sachen packen. Gemeinsam mit zwei Bettnachbarn machten wir uns auf den Weg ins Tal. Am Berg war wieder Sonnenschein pur. Im Tal konnten wir hingegen bereits wieder Nebel aufziehen sehen.

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Foto 7 – Blick nach Süden in Richtung Niedere Tatra

Wenn man nicht im Nebel drin steckt ist das eine schöne Sache. Wir mussten trotzdem genau dorthin. Wir übernachteten noch einmal in Poprad, diesmal in einer Pension die, zwischen einer Autowerkstatt und einer Fabrikhalle gelegen, einen eher spröden Charme versprühte. Aber für die Nacht war es recht und am nächsten Morgen konnten wir uns wieder gemütlich in den IC nach Wien setzen. Eines weiß ich sicher, ich möchte wiederkommen. Vielleicht im Sommer und auch unbedingt von der polnischen Seite. Das Tal der fünf Seen soll wahnsinnig schön sein. Oder endlich mal nach Košice und weiter bis in die Ukraine…

 

Viel Spaß mit dem Winter

Flo

 

Die Freytag & Berndt Wanderapp für Familien

[Werbung]
Ihr fragt Euch, was Geographen denn eigentlich im echten Leben machen, wenn sie nicht gerade versuchen, die Welt zu retten? Nun, das gibt es so Einiges: Vermessen, in Kartenverlagen arbeiten und manchmal, da machen sie sogar recht moderne Sachen: An der Entwicklung von Apps mitarbeiten.

Und weil man natürlich stolz auf sowas ist, folgt hier Werbung aus Überzeugung. Wir werden dafür weder bezahlt noch erhalten wir anderweitige Vergütung, sondern wollen, dass möglichst viele Menschen die Fragen beantworten, die einer von uns geschrieben hat! 😉


Raus in die Natur

Passend zum Start der Osterferien zeigt sich der Frühling von seiner schönsten Seite: Zeit, die ersten Wandertouren zu planen! Wenn Ihr den Saisonstart etwas gemütlicher angehen wollt, Kinder habt oder einfach unterwegs auch noch etwas lernen wollt (oder alles zusammen ;-)), dann solltet ihr einen Blick auf eine App werfen, die seit dieser Woche auf dem Markt ist: eine Wanderapp der Firma Freytag & Berndt, die speziell auf Kinder (und Junggebliebende) zugeschnitten ist. [1]

Abbildung 1 – Die Optik der F&B Wanderapp

Was macht die App besonders?

Inzwischen gibt es von nahezu jedem größeren Outdoor-Portal oder Bergsport-Verein eine eigene App für Navigation im Gelände (z.B. [2] [3]). Dabei hat Jede ihre individuellen Stärken und Schwächen. Auch Anwendungen mit Kindern als Zielgruppe gibt es einige. [4] Die F&B Wanderapp aber besetzt eine eigene Nische, die bisher in dieser Form noch nicht bedient wird.

Aus einer Liste vordefinierter Routen kann man seine Auswahl treffen und – befindet man sich dann am Startpunkt – diese auch aktiv starten. Man erhält dabei nicht nur die üblichen Informationen zu Anreise, aktuellem Wetter, bester Jahreszeit etc., sondern auch detaillierte Auskünfte über den Schwierigkeitsgrad. Zusätzlich lässt sich der Schwierigkeitsgrad sogar dem Alter der Kinder anpassen! Das Symbol „Kinderwagentauglichkeit“ gibt zudem Auskunft über den Untergrund. Schließlich ist mit Kinderwagen das Vorankommen über Stock und Stein deutlich mühsamer als auf Asphalt!

Hat man die Wanderung gestartet, so begleiten den Wanderer Fragen, die das unterwegs Gesehene erlebbar machen: für Kinder lösbar und dennoch interessant für Mama und Papa. Denn auch, wenn man mit etwas Kombinationsgabe die richtige Lösung oft schnell findet: witzige Fakten und „unnützes“ Wissen über Kultur, Wald, Land und Leute sorgen auch beim allumfassend informierten „Homo Googlicus“ für Aha-Erlebnisse!

Fragen beantworten reicht Euch nicht?! Dann versucht doch, „Berndi“, das Maskottchen der App, zu fangen! Der kleine Nager taucht in jeder Route mehrmals auf – und Einfangen bleibt nicht unbelohnt!

Abbildung 2 – „Berndi

Die Leistungen

Die Grundversion der App kann kostenfrei heruntergeladen werden. [5] [6] Bis 15. Mai sind alle Routen gratis und in vollem Funktionsumfang der Pro-Version verfügbar.

Nach diesem Aktionszeitraum ist die Möglichkeit Fragen zu beantworten und „Berndi’s“ zu sammeln nur noch in 20 Routen kostenlos enthalten. Die übrigen rund 350 Routen sind natürlich weiterhin verfügbar, allerdings als reine Wanderstrecken.

Die allgemeinen Informationen bleiben auch über den 15. Mai hinaus dauerhaft gratis. Die Vollversion kosten dann 4,99€ für ein Jahr. Momentan gibt es Routen in Ostösterreich, bis Ende des Jahres werden auch Touren in ganz Österreich freigeschaltet. Ab 2020 erkundet Berndi dann auch Wanderrouten außerhalb Österreichs und nimmt Euch mit!
Also dann, auf geht’s 🙂

[1] https://www.freytagberndt.com/die-freytag-berndt-familien-wander-app/
[2] https://itunes.apple.com/at/app/bergfex-touren-gps-tracking/id912776148?mt=8
[3] https://www.alpenverein.at/portal/news/aktuelle_news/2018/2018_12_10_alpenvereinaktiv-com-tourenportal-mit-neuer-app.php
[4] https://www.familienleben.ch/kind/digitales-leben/apps-fuer-kinder-10-tipps-2324
[5] https://play.google.com/store/apps/details?id=com.freytagberndt.hmapp
[6] https://itunes.apple.com/at/app/f-b-wanderkarte/id1386702850?mt=8