Auf Promi-Jagd in der Schweiz

Ausgangsbedingungen

Der Titel lässt es vielleicht nicht ahnen, doch auch in diesem Beitrag geht es um Bergtouren. Eine Woche war ich im Juli mit bekannten Gesichtern vom Montasch (Niki, Hannes und Johannes) unterwegs. Gesellschaft bekamen wir dann auch noch von Pia und Stephen.
Doch was hat es jetzt mit den Promis auf sich? Jeder Berg kann anhand von zwei Kennwerten in seiner Eigenständigkeit, und damit auch seiner Bedeutsamkeit beschrieben, werden. Zum einen ist dies die Dominanz, die die horizontale Distanz zum nächsthöher gelegenen Geländepunkt beschreibt. Zum anderen ist dies die Prominenz (auch Schartenhöhe genannt), welche die vertikale Distanz zur höchstgelegenen Einschartung, bis zu der man mindestens absteigen muss, um einen höheren Gipfel zu erreichen. [1] Folgende Abbildung veranschaulicht diese beiden Werte sehr gut*:

Abbildung 1 – Veranschalichung von Dominanz und Prominenz – Quelle: https://de.wikipedia.org

Unser lieber Niki hat nun das gleichsam schräge wie geniale Hobby ausschließlich Berge zu besteigen, welche eine Prominenz von mehr als 1.000 Höhenmetern haben. Mit seinem eisernen Willen und bereits über Jahrzehnte andauerndem Durchhaltevermögen hat er es so bereits locker unter die Top 100 der Welt in dieser Kategorie Bergsteigerlisten geschafft. Durch diese Gegebenheit war die Auswahl der potenziellen Touren beschränkt, was die Planung auch etwas einfacher machte. Es war klar, es mussten drei der prominentesten Berge der Schweiz werden. Unser Plan A bestand aus dem Säntis (auf der Schweizer Seite des Rheintals kurz vor seiner Mündung in den Bodensee), dem Rheinwaldhorn (der große Berg auf den man zufährt, wenn man in den San Bernardino Tunnel einfährt) und dem Piz Linard (dem höchsten Berg der Silvretta im Unterengadin). Als Plan B bei schlechtem Wetter haben wir uns das Tessin zurecht gelegt.

Die Anreise

Hier hat uns gleich ein altbekanntes Problem eingeholt. Wie bei der Tour zum Montasch war mein VW-Bus noch in der Werkstatt und der Clio von Niki zu klein um vier Personen und vier, für alle möglichen Bergsportarten befüllten, Rucksäcke gleichzeitig zu schlucken. Deshalb hat sich Johannes freundlicherweise wieder angeboten mit der Bahn den Weg durch die Alpen anzutreten, während Hannes, Niki und ich über das Bayerische Alpenvorland fuhren und unterwegs nochmal kräftig im Aldi Vorräte einkauften. Alles lief nach Plan und wir konnten am Campingplatz Bregenz einen wunderbaren Sonnenuntergang in einem halbwegs angenehm warmen Bodensee genießen.

Foto 1 – Sonneuntergang Bregenz I – Quelle: Żulinski 2020
Foto 2 – Sonneuntergang Bregenz II – Quelle: Żulinski 2020
Foto 3 – Sonneuntergang Bregenz III – Quelle: Żulinski 2020

Tour 1 – Säntis

Aber was wäre eine ordentliche Reise ohne ein paar Komplikationen. Da Bahnsteige im Rheintal offenbar etwas anders funktionieren und Schweizer Schaffnerinnen auch kein Problem mit Schwarzfahrern haben gelang es Niki (der heute einmal der Zugfahrer sein wollte, um sich den Hauptplatz in Appenzell anzuschauen) in den falschen Zug einzusteigen. Er musste daraufhin von Pia und ihrem Vito gerettet werden. Das Treffen bei der Seilbahnstation Wasserauen klappte dafür aber ohne Probleme. Eine solche Autoschlange beim Parkplatzeinweisen haben wir vermutlich alle noch nicht gesehen. Der ganze Kanton war offensichtlich auf die Idee gekommen dem Alpstein einen Besuch abzustatten. Seit Corona ist auch in der Schweiz der Urlaub im eigenen Land noch höher im Kurs als zuvor. Keine Angst wir ließen die Seilbahn links liegen. Der Clio wurde geparkt und wir stiegen alle in Pias Auto, um noch ein paar Kilometer in Richtung Seilbahn zum Hohen Kasten zu fahren. Auch diese Seilbahn wurde ignoriert und wir brachen auf in Richtung Sämtisersee. Dieser weite Schlenker zahlt sich wirklich aus. Wer die Ausdauer für einen sehr langen Tagesmarsch hat sollte unbedingt diese, oder eine ähnliche, Route wählen. Der kurz und knackige Aufstieg zum Kar führt durch eine enge Schlucht, dem Brüeltobel.

Foto 4 – Erste Ermüdungszeichen – Quelle: Stender 2020
Foto 5 – Der Fälensee, dahinter im Nebel das Massif des Säntis – Quelle: Żulinski 2020
Foto 6 – Am Fälensee mit Blick Richtung Saxerlücke – Quelle: Żulinski 2020

Anschließend geht es für längere Zeit halbwegs eben dahin. Ein weiterer kurzer Anstieg führt zum nächsten Kar und dem Fählensee. Hier ging es für uns weiter zur Saxerlücke. Dank unserer Ortskundigen Pia verließen wir hier die markierten Wege und folgten einem recht komfortablem Trampelpfad, immer dem Grad entlang, bis zur Zwinglipasshütte. Unser Etappenziel war erreicht.
Obwohl die Hütte recht groß und modern ist hat sie einen sehr urigen und gemütlichen Charme. Unter anderem lag das an der tollen Crew. Wie ich hier gelernt habe werden Schweizer Berghütten sehr oft von freiwilligen bewirtet, die jede Woche von der nächsten Crew abgelöst werden. So hat man ein hoch motiviertes Personal, welches sehr um Authentizität und seine Gäste bemüht ist.

Foto 7 – Murmele ohne Scheu I – Quelle: Stender 2020
Foto 8 – Murmele ohne Scheu II – Quelle: Stender 2020
Foto 9 – Murmele ohne Scheu III – Quelle: Stender 2020
Foto 10 – Sonnenuntergang auf der Zwinglipasshütte – Quelle: Żulinski 2020
Foto 11 – Die Churfirsten von der Zwinglipasshütte – Quelle: Żulinski 2020

Am nächsten Morgen steckte mir (und ich glaube auch den anderen) ehrlich gesagt noch ein wenig der Schock in den Gliedern. Eine Wanderkollegin hat am Abend einen Anruf über das Bergunglück eines Freundes bekommen. Das Unglück ereignete sich bei einer Gletscherquerung in einer Seilschaft beim Aufstieg zum Piz Bernina. Den Berg konnten wir von der Hütte aus sehen. Mit dem Wissen, dass wir auch noch per Seilschaft auf das Reinwaldhorn wollten, erzeugte so eine mehr oder weniger direkte Konfrontation mit dem Tod in den Bergen umso mehr ein sehr befremdliches Gefühl. Auch wenn man sich manchmal stark und unverletzlich vorkommt muss man sich immer wieder verinnerlichen, dass ein Fünkchen Pech, eine falsche Entscheidung in einem Sekundenbruchteil oder einfach eine kurze Unkonzentriertheit genügen können, um den Unterschied zwischen einem gelungenen gemütlichen Ausflug und einem absoluten Desaster machen zu können.
Nichtsdestotrotz erreichten wir den Gipfel des Säntis über den Lisengrat ohne Probleme. Nach einer kurzen Pause und der Bewunderung des „Zauberwürfels“ am Gipfel traten wir den Rückweg über den Seealpsee an.

Foto 12 – Der Gipfel des Säntis mit dem überdimensionalen Sendemast samt „Zauberwürfel“ – Quelle: Żulinski 2020

Mit einem Zwischenstop am Berggasthaus Mesmer konnten wir in Wasserauen den taktisch gut platzierten Clio wieder in Empfang nehmen. Die vollständige Route ist Abbildung 2 zu entnehmen. Den Track gibt es hier.

Abbildung 2 – Die Route der Tour 1 zum Säntis (in rot Tag 1, in grün Tag 2) – Quelle: www.alltrails.com; eigene Bearbeitung

Pause am Walensee, Bouldern im Murgtal und Bellinzona

Nun sollte es, nach einem Zwischenstop am Walensee, eigentlich weiter gehen zum Rheinwaldhorn. Da das Wetter aber drauf und dran war uns einen Strich durch die Rechnung zu machen entschieden wir uns dafür den Plan B Tessin abzugehen. Glücklicherweise gab es auch hier Berge, die auf Niki’s Liste standen. Doch zunächst machten wir das Bouldergebiet im Murgtal unsicher. Ein Bergsturz in einer recht breiten Au hat hier den Boulderfreunden ein abwechslungsreiches und landschaftlich sehr schönes Areal beschert. Die weichen Wiesen und die großen, kompakten Felsblöcke machten das Crashpad fast überflüssig. Leider scheiterten wir fast durchgängig an den einfachsten Bouldern. Das konnte eigentlich nur an den überproportional hohen Schwierigkeitsgraden in den Westalpen liegen 😉

Foto 13 – Hand am Fels I – Quelle: Żulinski 2020
Foto 14 – Hand am Fels II – Quelle: Żulinski 2020
Foto 15 – Hand am Fels III – Quelle: Żulinski 2020
Foto 16 – Hand am Fels IV – Quelle: Żulinski 2020
Foto 17 – Hand am Fels V – Quelle: Żulinski 2020
Foto 18 – Abflug – Quelle: Żulinski 2020
Foto 19 – Hand am Fels VI – Quelle: Żulinski 2020
Foto 20 – Hand am Fels VII – Quelle: Żulinski 2020
Foto 21 – Hand am Fels VIII – Quelle: Żulinski 2020

Nachdem sich die Hinweise aus der Wetterprognose zu einer ausgeprägten Regenfront verdichteten machten wir uns auf den Weg in Richtung Süden. Kurz vor der Tunneleinfahrt des San Bernardino konnten wir in den Wolken das Rheinwaldhorn erahnen. Die Wehmut über die entgangene Tour konnte angesichts der Vorstellung in dieser kalten Nebelsuppe herumzustolpern keine Überhand gewinnen. Und außerdem hatte vor allem ich keine Zeit lang herumzugrübeln. Denn dann war er da. Der große See, der Lago Maggiore. In meinem inneren Auge spielten sich all die Kindheitserinnerungen ab, die ich hier am See erlebt habe. Meine Eltern und ihr Freundeskreis haben aus einem spontanem Kurzurlaub, der zufällig in Cannobio (dem nördlichsten italienischen Ort am Westufer des Sees) endete, eine Tradition gemacht. Fortan war klar, dass man sich für alle Ewigkeit immer an Ostern hier zu treffen hat. Über 20 Jahre hat dieser Schwur ohne ein einziges Unterbrechungsjahr gehalten. Wie halt das Leben so spielt gehen dann die Präferenzen doch auseinander und irgendwann fragt man sich auch, wenn man wieder bei einem späten Ostern im April bei strömendem Regen nur im kalten Vorzelt sitzt, ob es nicht Zeit für etwas Neues ist. Spätestens mit meinem Umzug nach Wien war dieser Ort für mich lange Jahre aus dem Fokus gerückt. Umso mehr hat es mich gefreut nach so vielen Jahren, dem schlechten Wetter im Norden sei Dank, mal wieder hier sein zu können.
In Tenero bei Locarno schlugen wir am Campingplatz unsere Zelte auf und erhohlten uns von der ersten Tour und dem teils blamablen Auftritt beim Bouldern.

Foto 22 – Blick auf Maccagno, Luino und Cannobio – Quelle: Stender 2020
Foto 23 – Der Ortskern von Cannobio – Quelle: Stender 2020
Foto 24 – Die Altstadt von Bellinzona mit Teilen der Stadtmauer und dem am höchsten gelegenen Castello di Sasso Corbaro – Quelle: Żulinski 2020

Der darauffolgende Tag wurde ebenfalls eher gemütlich angegangen. Für einen Halbtagsausflug fuhren wir wieder ein Stück nach Norden, um uns Bellinzona anzuschauen. Ein sehr nettes kleineres Städtchen, das eine durchaus interessante Geschichte aufzuweisen hat. Als Nadelöhr zwischen dem Gotthardpass und dem Herzen der Eidgenossenschaft im Norden und dem mächtigen Herzogtum Mailand im Süden war Bellinzona Schauplatz vielen Kriegshandlungen. Berühmt ist die Stadt für Ihre äußerst schwer zu überwindende Stadtmauer mit drei zu Festungen ausgebauten Burgen. Mehr Details zur militärischen Vergangenheit der Stadt findet Ihr hier. [2]

Tour 2 – Gridone

Nachdem wir ausreichend Energie gesammelt hatten ging es endlich wieder auf Tour. Diesmal sollte es mit einer Biwak-Übernachtung am Berg sein, nachdem ich einen Tag lang erfolgreich Überzeugungsarbeit geleistet hatte. Auf der Liste stand der 2.188 m Hohe Gridone. Eine nicht zu unterschätzende Summe an Höhenmetern erwarten einen, wenn man am See startet. Denn letzterer liegt nur auf knapp 200 m. Daher nutzten wir die Gelegenheit von Brissago auf gute 1.000 m mit dem Auto zu fahren und auf einem Wanderparkplatz zu parken. Nach kurzen Zusammenpacken konnte es los gehen. Wir folgten zunächst der Asphaltstraße, die zu den letzten Streusiedlungen hinauf führte. Dann ging es auf Trampelpfaden durch den Bergwald weiter. Auch hier passierten wir immer wieder Häuser, die nun auch von den Bewohnern nur noch zu Fuß erreicht werden konnten. Nahe der Waldgrenze ließen wir unser schweres Gepäck in einem Notunterstand. Falls wir später keine bessere Stelle mehr finden sollten war diese Stelle als Nachtlager geplant. Nach kurzem Zwischenstop am Rifugio Al Legn, welches ebenfalls wieder von Freiwilligen bewirtet wurde, machten wir die letzten Höhenmeter zum Gipfel. Obwohl es mittlerweise schon Nachmittag war hatten wir über uns noch blauen Himmel und angenehme Temperaturen. Der Blick auf den See war einfach gigantisch. Nach Nordosten konnte in den Wolken wieder die Berninagruppe erahnt werden, im Südosten war die Po Ebene und sogar der Ballungsraum von Mailand zu erkennen. In Richtung Westen wurde die Wolkendecke leider immer dichter, sodass unsere Hoffnungen die Dufourspitze und andere 4.000er klar erkennen zu können nicht erfüllt wurde. Man sah lediglich einige verwaschene Spitzen und weiße Flecken an den Flanken, sodass wir die einzelnen Berge nur mit Mühe zuordnen konnten. Nach etwas längerer Rast machten wir uns wieder an den Abstieg. Mit einem weiteren kurzen Stop am Rifugio Al Legn erreichten wir recht zügig unser Nachtlager. Da wir keine noch schönere Stelle gefunden hatten, blieben wir bei der Entscheidung hier zu zelten.

Foto 25 – Endlich mal ein Beweisfoto von einem Gipfel am Gridone– Quelle: Żulinski 2020
Foto 26 – Blick nach Südosten mit vorgelagertem Gipfel und Grat – Quelle: Żulinski 2020
Foto 27 – Die Chiesa di Sant`Agata (Gemeinde Cannobio) – Quelle: Stender 2020

Es wurde ein sehr entspannter Abend, wir haben sogar noch gekocht…natürlich am Gaskocher und nicht am Lagerfeuer 😉 Und auch die Nacht war sehr komfortabel und nicht zu kalt. Die vollständige Route ist Abbildung 3 zu entnehmen. Den Track gibt es hier.

Abbildung 3 – Die Route der Tour 2 zum Gridone (in rot Tag 1, in grün Tag 2) – Quelle: www.alltrails.com; eigene Bearbeitung

Der Abstieg und die Rückfahrt zum See verlief natürlich ohne weitere Zwischenfälle. Also wenn man von einem kleinen Auffahrunfall absieht. Ein entgegenkommendes Müllfahrzeug hatte den Clio und ein weiteres Auto zum Anhalten gezwungen. Der Vordermann bescherte Niki durch eine, im Nachhinein fast schon witzig anmutende, Stunteinlage ein hübsches Sümmchen von der Versicherung. So, jetzt musste aber echt nochmal gebadet werden, bevor es wieder über den San Bernardino ins Unterengadin ging.

Bouldern in Cresciano, Deckenfresken der Kirche in Zillis, Viamala und Flüelapass

Vor der etwas längeren Fahrt ins Engadin legten wir noch in Claro, von Bellinzona wenige Kilometer den Ticino hinauf, einen weiteren Camping-Stop ein. Das Bouldergebiet Cresciano haben wir uns auch noch angeschaut. Das Gelände war hier auch sehr anspruchsvoll, aber ein paar Routen konnte man fast schon schaffen. Die Herausforderung war hier vor allem, dass das Gelände an sich sehr stark geneigt war und es nicht leicht war das Crashpad zu platzieren…und ich noch Tage danach beschäftigt war Dornen aus meinem Hinterteil zu ziehen.
Nun ging es aber wirklich weiter nach Norden. Natürlich blieben wir unserem Motto treu auf der Fahrt kreuz und quer alles an Informationen und Sehenswürdigkeiten aufzusaugen, die sich uns boten. Da gab es zum Beispiel die berühmten, aus der Romanik stammenden, Deckenfresken aus Holz in der Kirche St. Martin in Zillis. Sie gehören zu den ältesten und am besten erhaltensten der Welt. [3] Die Viamala Schlucht-Schlucht war bereits zu Zeiten der Römer berühmt berüchtigt für die gefährliche Durchschreitung und die Wegelagerei. Dies steckt bereits im Namen – „Schlechter Weg“. Über lange Zeit von den Wassermassen des Rheins geschaffen, ist dies ein spektakulärer Ort, der gleich nach der breiten Ebene von Zillis Flussabwärts beginnt. [4] Danach verließen wir wieder das Einzugsgebiet des Rheins und fuhren über den Flüelapass (Verniedlichung von Flueh/Fluh = (Fels)Wand, felsiges Gebiet [5] [6]) ins Unterengadin zu unserer letzten Tour zum Piz Linard.

Tour 3 – Piz Linard

Von Lavin starteten wir nun – Pia mit dem Mountainbike bis auf halbe Höhe zur Hütte und der Rest wie gewohnt zu fuß. Der Aufstieg konnte recht unaufgeregt bewältigt werden. Einer absteigenden Truppe konnte Niki die wertvollen Informationen abluchsen, dass man die letzten Schneefelder bis zum Gipfel recht gut, sogar mit normalen Wanderschuhen und Steigeisen, machen kann. Allerdings hatten sie recht viel Nebel und mussten des Öfteren ihren Kurs korrigieren. Auf der Hütte angekommen wurde wir, wie bereits gewohnt, herzlich empfangen und wieder einmal von vorne bis hinten verwöhnt. So schlecht von leckerem Essen war mir glaub ich noch nie. Aber zurückgehen kann man halt auch nichts. Sogar wenn man zu sechst eine Wanne Stampfkartoffeln, ein halbes Zentner Bohnen, Spiegeleier und für die Fleischfreunde ein halbes Spanferkel bekommt. Suppe und Nachspeise gab es natürlich auch noch.
Wider Erwarten konnten wir, trotz der Mammutaufgabe für die Mägen in der Nacht, gut schlafen und dem Gipfel stand am nächsten Morgen nichts mehr im Wege. Bei bestem Wetter machten wir und auf zum Fuß vom ersten Schneefeld. Hier kam uns bereits ein besonders motivierter vom Gipfel entgegen. Er hatte die Nacht in einer kleinen Ebene bei den Lai da Glims im Zelt verbracht, um gleich zum Sonnenaufgang am Gipfel zu sein.
Das interessante in den Schweizer Alpen ist der Umstand, dass normale Wanderwege so gut ausgeschildert und versichert sind, dass man sich wirklich bemühen muss, um hier einen Blödsinn zu machen. Kommt man aber in hochalpines Gelände, so gibt es überhaupt keine Markierungen mehr. Eine sehr effektive Maßnahme, um sicherzustellen, dass diese Touren nur von Leuten gemacht werden, die es wirklich wollen und eine gewisse Bergerfahrung mit sich bringen. Hier am Piz Linard gibt es lediglich einige Routenvorschläge zum Gipfel. Wir haben uns für den einfacheren Normalweg entschieden.

Foto 28 – Die Routenvorschläge auf den Piz Linard – Quelle: Stender 2020

In der Weitemannrinne (auf der Karte auf Foto 28 in rot markiert) haben wir dann leider so halb bewusst den alten Normalweg gewählt, der neue hätte daran rechts vorbei geführt. Für uns sah es von unten schlüssig aus in der Rinne zu bleiben. Wir sollten jedoch gleich zu spüren bekommen, dass sich die Leute bei der Umgehung etwas gedacht haben. Innerhalb kürzester Zeit lösten sich mehrere unterschiedlich große Gesteinsbrocken und rauschten durch die Rinne. Teilweise durch die Vorderleute ausgelöst, oft auch ohne ersichtlichen Grund. Man merkte also, dass der Stabilisator Schnee wich und auch der Dauerfrost nun in häufige Frostwechsel (Tag und Nacht) umschlug. Dies führt vermehrt zu Frostsprengung und sich lösendes Material. Einen Brocken mit 30-50 cm Durchmesser löste Niki selbst aus und konnte ihn gerade noch so mit seinem Fuß stoppen bis Johannes sich unter ihm in Sicherheit gebracht hatte.

Foto 29 – Die ersten Meter am Morgen – Quelle: Żulinski 2020
Foto 30 – Blick auf die Bernina Gruppe I – Quelle: Żulinski 2020
Foto 31 – Blick auf die Bernina Gruppe II – Quelle: Żulinski 2020
Foto 32 – Der Gipfel schon zum Greifen nahe – Quelle: Żulinski 2020

Der restliche Aufsteig über den Schnee war dann vergleichsweise leicht und so erreichten wir noch vor Mittag den Gipfel. Genau richtig bevor die ersten Wolken aufzogen und allmählich die Sicht auf die restliche Silvrettagruppe im Norden und im Süden die Gipfel des Engadins versperrten. Der Abstieg konnte wieder ohne größere Zwischenfälle absolviert werden, auch wenn immer wieder links und rechts Steinschläge in Richtung Tal schossen. Ein echter Geröllheimer dieser Berg.

Foto 33 – Endlich oben I – Quelle: Żulinski 2020
Foto 34 – Endlich oben II – Quelle: Żulinski 2020
Foto 35 – Und wieder retour I – Quelle: Żulinski 2020
Foto 36 – Und wieder retour II – Quelle: Żulinski 2020
Foto 37 – Und wieder retour III – Quelle: Żulinski 2020
Foto 38 – Und wieder retour IV – Quelle: Żulinski 2020
Foto 39 – Und wieder retour V – Quelle: Żulinski 2020


Die vollständige Route ist Abbildung 4 zu entnehmen. Den Track gibt es hier.

Abbildung 4 – Die Route der Tour 3 zum Piz Linard (in rot Tag 1, in grün Tag 2) – Quelle: www.alltrails.com; eigene Bearbeitung

Und hier noch eine Übersicht über die gesamte Reiseroute.

Abbildung 5 – Die Reiseroute – Quelle: OSM, USGS, Natural Earth Data; eigene Bearbeitung

[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Schartenh%C3%B6he#:~:text=Die%20Schartenh%C3%B6he%20oder%20Prominenz%2C%20auch,Berg%20als%20solchen%20zu%20klassifizieren.
[2] https://de.wikipedia.org/wiki/Ennetbirgische_Feldz%C3%BCge
[3] https://de.wikipedia.org/wiki/St.Martin(Zillis)
[4] https://viamala.graubuenden.ch/de/entdecken/viamala-schlucht
[5] https://de.wikipedia.org/wiki/Fl%C3%BCelapass
[6] https://de.wikipedia.org/wiki/Fluh

* der Alpenverein hat in einer Formel versucht mit Hilfe der beiden Kennzahlen Dominanz und Prominenz den Eigenständigkeitswert eines Berges zu ermitteln. In meinen Augen ist dies sehr gut gelungen und man kann für eine automatisierte Klassifikation von Berggipfeln recht gute Ergebnisse erzielen. https://www.alpenverein.de/

Eine Rutschpartie mit Drahtseilakt – eine spätwinterliche Besteigung des Jôf di Montasio (Montasch) im Friaul

Auch wenn ich nun bereits seit über zehn Jahren in die Berge gehe habe ich mit Winter, Schnee und Gletscher nie wirklich Freundschaft, bzw. Bekanntschaft geschlossen. Mein Jahr in Tirol hat mich schon Ski-technisch sehr auf den Geschmack gebracht und mit dem Winterbiwak am Zirbitzkogel (siehe Winterbiwak am Zirbitzkogel) bin ich nun schlussendlich auch motiviert mich ohne Ski in Schnee und Eis zu wagen.

Im Juni 2020 wollten meine vier Mitstreiter und ich eigentlich eine knackige aber relativ unspektakuläre Besteigung des Montasch absolvieren. Das Spektakulärste erschien uns hierbei, aufgrund der geringen Ladekapazität des einzigen Autos, inmitten der Corona-Pandemie die Grenze nach Italien mehrfach innerhalb kurzer Zeit zu übertreten. Hannes und Johanna wurden nach Absetzen von Johannes und mir auf der Sella Nevea (deutsch: verschneiter Sattel) von Niki in Arnoldstein vom Bahnhof abgeholt. So brachte es Niki innerhalb von einer Stunde auf heiße drei Grenzübertritte am gleichen Ort – von Grenzbeamten jedoch weit und breit keine Spur.
Nachdem dieser erste Teil erfolgreich absolviert wurde konnten auf der Sella Nevea die Rucksäcke umgeschnallt werden. Nach einigen Metern in einer skurrilen Landschaft aus 60er-Jahre Beton-Bettenburgen, die den Anschein hatten nicht nur im Frühsommer sehr verlassen zu sein, ging es über eine breite Forststraße hinauf zum Rifugio Giacomo di Brazzà. Damit war das Tagesziel erreicht und nach einem gemütlichen Abendessen ging es zur Nachtruhe.

Foto 1 – Beim Aufstieg zur Hütte – Quelle: Żulinski 2020
Foto 2 – Blick von der Hütte nach Westen – Quelle: Żulinski 2020
Foto 3– Gleicher Blick etwas später – Quelle: Żulinski 2020
Foto 4 – Am nächsten Morgen der Blick nach Süden auf den Kanin – Quelle: Żulinski 2020

Wir waren die einzigen Gäste über Nacht und so waren wir am nächsten Morgen recht gut erholt und konnten voller Tatendrang in Richtung Gipfel aufbrechen. Dass es den Abend und die Nacht fast durchgehend geregnet hatte störte uns nicht besonders, der Hüttenwirt meinte, dass es nur die letzten Höhenmeter ein wenig Neuschnee gibt.
Das stimmte zunächst zwar noch, mehr Sorgen bereiteten uns dann aber recht bald die zahlreich vorhandenen Altschneefelder. Durch die fortgeschrittene Degradation der Schneekristalle durch die anhaltende Schneeschmelze war der Altschnee sehr hart ohne jedoch durchgefroren zu sein, da es die letzen Tage zu warm war. In Kombination mit der Neuschneeauflage war dies der perfekte Schmierfilm und wir hatten größte Mühe trotz Grödel / Steigeisen nicht auszurutschen.

Foto 5 – Beim Überqueren eines Altschneefeldes – Quelle: Żulinski 2020
Foto 6 – Die Mühen werden mit einem traumhaften Ausblick belohnt – falls der Himmel mal aufreißt – Quelle: Żulinski 2020

Da die Schneefelder zum Teil etwas weiter auseinander lagen hat uns das An- und Ausziehen der Ausrüstung sehr viel Zeit gekostet und wir waren ein gutes Stück hinter unserer Zeitplanung. Nun folgte der eigentlich unproblematische, aber durch die Anstrengung der Schneefelder und den immer dichter werdenden Nebel doch fordernde, Klettersteig auf den Grat.

Foto 7 – Manchmal muss man einfach steil gehen… – Quelle: Żulinski 2020
Foto 8 – …oder einfach mal abhängen – Quelle: Żulinski 2020

Am Grat angekommen wurde eine Entscheidung getroffen, die wir als Gruppe gut gelöst haben, aber trotzdem nicht leicht fiel. Zum Gipfel zogen wir nur noch zu dritt weiter, da der Aufstieg in Summe viel Zeit und Kraft gekostet hatte, der Nebel einfach nicht dauerhaft aufreißen wollte und ab hier der Neuschnee doch recht beträchtlich war. Die ausgesetzte aber grundsätzlich nicht schwierige Gratwanderung wurde so zu einer potenziellen Rutschpartie, die in jeder Sekunde hundertprozentige Konzentration abverlangte.

Foto 9 – Die Schlüsselstelle der Gratwanderung – Quelle: Żulinski 2020
Foto 10 – Das war am Gipfel…oder so – Quelle: Żulinski 2020

Den Gipfel haben wir dann doch recht rasch und unaufgeregt erreicht. Das Gipfelfoto haben wir in der Eile wohl vergessen. Auf dem Rückweg hat mich Niki allerdings fast mit einem Steinschlag zwangsbeglückt. Zum Glück hatten wir immer die Corona Abstandsregel im Kopf und so verabschiedeten sich die Gesteinsbrocken zwischen uns zu Tale.
Nachdem die Gruppe wieder vereint war konnten wir uns daran machen den ganzen Spaß rückwärts zu gehen. Leider verzog sich der Nebel noch immer nicht. Den Klettersteig passierten wir ohne Zwischenfälle. Jedoch zeigten sich die Schneefelder beim Abwärtsgehen von ihrer tückischsten Seite und es erwischte einige, die eine Abkürzung nach unten nehmen mussten. Der erste Platz, mit guten 50 Metern, geht an Johannes, der sich noch sensationell fangen konnte und sich elegant ins Geröll rettete – bis auf einige Schürfwunden war zum Glück nichts passiert.
Aus Jugendschutzgründen und für all jene mit schwachen Nerven folgen jetzt bunte Bildchen.

Fotos 11-15 – Sobald es wieder grüner wurde gab es Tiere nicht zu knapp und ohne Scheu – Quelle: Żulinski 2020

Nach diesem aufreibenden Tag hatten wir uns etwas Abwechslung verdient. Wie wäre es mit noch einem Klettersteig?! Oder ein wenig Instagram Hipster auf die Schippe nehmen an den Laghi di Fusine. Oder einfach noch ein bisschen Planschen am Faaker See.
Unterm Strich ein sehr gelungener Trip, der fordernd war und viel Spaß gemacht hat, nicht zuletzt dank einer tollen Truppe die gut als Team funktioniert hat 🙂

Fotos 16 – Am Kanzianiberg im Klettergarten I – Quelle: Żulinski 2020
Fotos 17Am Kanzianiberg im Klettergarten II – Quelle: Żulinski 2020
Fotos 18 – Posieren am Lago di Fusine inferiore I – Quelle: Żulinski 2020
Fotos 19Posieren am Lago di Fusine inferiore II – Quelle: Żulinski 2020
Fotos 20 – Der Lago di Fusine inferiore in seiner wahren Pracht – Quelle: Żulinski 2020
Fotos 21 Posieren am Lago di Fusine superiore – Quelle: Żulinski 2020
Fotos 22 – Baden im Faaker See – Quelle: Żulinski 2020

Üben für den Ernstfall – Winterbiwak am Zirbitzkogel

Nein, ich meine nicht den Seuchen-Ernstfall. Ich habe diesen Beitrag bereits im Februar angefangen zu schreiben. Daher klingen die nun folgenden einleitenden Zeilen wie ein verheißungsvoller, aber leider viel zu unrealistischer, Traum…

Foto 1 – Eine kleine Gratwanderung zum Gipfel – Quelle: Zulinski 2020

Überkommt Euch auch manchmal plötzlich das Verlangen einfach mal wieder eine Weile raus in die Natur zu gehen? Einen ganz besonderen Reiz hat die Sache, wenn man auch noch draußen schlafen kann. Spätestens beim Aufstehen flucht man zwar über die massive Komforteinbuße gegenüber dem gemütlichen Zuhause, die Dankbarkeit, wenn man den Luxus der Zivilisation wieder genießen kann erdet mich dafür umso mehr.
Dieses „draußen sein“ Bedürfnis hatte ich vor kurzem wieder einmal. Und was macht man, wenn es nun mal Winter ist. Ganz genau! Man sucht sich einen Ort mit genügend Schnee (in diesem Winter musste man da schon auf mindestens 2.000 Meter hinauf) und gräbt sich hinein. Das Ergebnis ist ein Iglu, genauer gesagt ein Quinzhee, als Winterbiwak. [1]
Glücklicherweise bin ich nicht der einzige Spinner, der Lust auf so etwas hat. Mein Freund und Arbeitskollege Niki hat im vorigen Winter genau das schon einmal nur gemeinsam mit seinem Hund gemacht. Zufällig sind wir auf das Thema zu sprechen gekommen und wir waren uns schnell einig, sobald wie möglich eine Tour zu starten. Gemeinsam waren wir auch mutig genug diese Aktion in hochalpinem, einsamem Gelände zu machen. Denn trotz aller Vorsichtsmaßnahmen – es kann immer etwas unvorhergesehenes passieren. Und zu zweit (den Hund rechne ich hier mal nicht mit ein) kann man einfach auf Gefahren und Probleme noch viel besser reagieren.

Also haben wir uns aufgemacht einen Gipfel zu erklimmen. Das erstbeste (und auch wunderschöne) Ziel von Wien mit einem ausreichend hohen Gipfel (2.396 m.ü.A.) und nicht zu steilem Gelände ist der Zirbitzkogel zwischen Judenburg und Friesach. [2] Möglichst wenig steil sollte das Gelände sein, damit die Lawinengefahr überschaubar bleibt. Auch wenn zum Zeitpunkt unserer Tour die Lawinenwarnstufe am Zirbitzkogel gering bis mäßig war wollten wir auf Nummer sicher gehen, da man Nachts nie wissen kann was kommt…zudem wollten wir nicht in die Kalkalpen, da diese sehr schroff sind. Da kommt man mit Schneeschuhen schnell an seine Grenzen (siehe auch Schneeschuhwandern in der Hohen Tatra). Und im Winter kann man im Karst auch nie wissen, ob man nicht in eine Doline fällt.

Nach zwei Stunden Fahrt bis Judenburg und noch einer halben Stunde Zufahrt bis zum Parkplatz der Winterleitenhütte konnten wir uns die Montur anlegen und das Abenteuer starten. Nach kurzer Zeit war auch bereits eine einigermaßen flächendeckende Schneeschicht vorhanden und wir konnten uns die Schneeschuhe anziehen. An exponierten Stellen war jedoch immer wieder der Schnee vollständig verblasen. Es war wirklich bemerkenswert wie wenig Schnee unterhalb von 2.000 Metern lagen. Erst darüber konnte man von einer wirklichen Schneedecke sprechen.

Abbildung 1 – Die Route der Tour – Quelle: www.alltrails.com; eigene Bearbeitung

Der weitere Aufstieg über den Ochsenboden konnte recht zügig und unspektakulär bewältigt werden. Lediglich die letzten 200-300 Höhenmeter mussten hart erkämpft werden. Als Belohnung konnten wir am Grat die herrliche Aussicht bei bestem Wetter und kaum Wind genießen.
Knapp unterhalb des Grats konnten wir bereits eine optimale Stelle für das Biwak ausmachen. Windgeschützt in einer Senke mit einer ausreichend hohen Schneedecke. Zudem war für den Notfall die Wetterradarstation in unmittelbarer Nähe. Nach einer kurzen Essens- und Verschnaufpause haben wir schon mal begonnen mit unseren Lawinenschaufeln einen ca. zwei Meter hohen Schneeberg aufzutürmen. Dieser soll sich dann über ein bis zwei Stunden setzen. Da noch eine gute Stunde bis zum Sonnenuntergang Zeit war, haben wir in der Zwischenzeit nochmal die Schneeschuhe angeschnallt und sind noch schnell hinüber zum Gipfel des Zirbitzkogels – Perfektes Timing zum Sonnenuntergang.

Foto 4 – drei dunkle Gestalten – Quelle: Zulinski 2020

Zurück am Lagerplatz begannen wir sofort damit unseren Schneehaufen auszuhöhlen, da es in der Zwischenzeit ohne die Sonne recht frisch geworden war. Nach einer guten Stunde haben sich architektonischer Ehrgeiz und Erfrierungsgrad der Gliedmaßen gegenseitig neutralisiert und wir haben die Bauarbeiten eingestellt.

Foto 5 – Der Wächter des Eingangs – Quelle: Zulinski 2020

Um ehrlich zu sein – geräumig ist anders. Aber es ist allemal besser als zu erfrieren. Und je kleiner der Inneraum desto geringer die Auskühlung. Zusätzlich haben wir den Eingang noch mit einer kleinen Stufe versehen, um das ungehinderte Einströmen von Kaltluft zu verhindern. Nach einer, den Umständen entsprechend, aufwändig zubereiteten Mahlzeit auf einem Gaskocher in der Kochnische und nach einem letzten Check der Außentemperatur (es war inzwischen verdammt kalt) haben wir uns in die Schlafsäcke verkrochen.

Foto 6 – (Schnee)Sterneküche – Quelle: Zulinski 2020

Das war sie also, unsere spontane Übung des Ernstfalls. Um genau zu sein war diese Aktion gar nicht so spontan. Das wollte ich schon längst einmal gemacht haben. Naturlich aus rein professionellen Gründen und keinesfalls zur Gaudi 😉 Aber mal ernsthaft – neben dem Spaßfaktor, den ich dabei haben wollte, war es mir tatsächlich sehr wichtig solch eine Nacht verbracht zu haben. Denn wenn es wirklich mal blöd läuft und man wirklich im Gelände biwakieren muss ist es einfach unglaublich wichtig in Gewissen Dingen eine Routine zu haben. Zum einen, dass man vom Kopf her sicher ist, diese Situation technisch meistern zu können und zum anderen, dass gewisse Handgriffe sitzen. Denn mit der Nervosität bzw. Panik in einer Notlage versagt oftmals auch das klare Denken und da sind Automatismen Gold wert. Und deshalb, auch wenn ich in der Früh beim Aufstehen der schlimmste Morgenmuffel ever war, kann ich es kaum erwarten das nächste Mal im Gelände zu biwakieren…

Abbildung 2 – Technische Skizze unserer Quinzhee-Variante – Quelle: www.pinterest.at

Wer es technisch gerne etwas ausführlicher hätte und auch noch praktische Tipps braucht, dem empfehle ich einen Artikel von Bergzeit. [3]
Wer diese oder eine ähnliche Tour selbst planen möchte, dem sei die Wanderkarte Nr. 211 von Freytag & Berndt empfohlen. [4] Hier sind alle wichtigen Wander- und Skirouten eingezeichnet. Für etwas präzisere Orientierung im Gelände eignet sich die amtliche ÖK50 besser, da hier die Höhenlinien einen Abstand von nur 20 Meter haben und auch die Felszeichnung etwas genauer ist. [5]

Das war das Endergebnis unserer selbstgebauten Behausung. In der Hoffnung, dass so etwas bald wieder möglich, aber nie wirklich nötig ist.

[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Quinzhee
[2] http://www.austrianmap.at/amap/index.php?SKN=1&XPX=637&YPX=492
[3] https://www.bergzeit.at/magazin/winterbiwak-einsteiger-tipps/
[4] https://www.freytagberndt.com/produkt/9783850846806-wk-211-naturpark-zirbitzkogel-grebenzen-murau-soelkpass-wanderkarte-150-000/
[5] https://www.freytagberndt.com/produkt/9007868054184-4226-judenburg/#lightbox/1/

Das Hinterland Wiens

Foto 1 – Sonnenuntergang im Durmitor Nationalpark

Man möge mir diese, geopolitisch heikle, verbale Landnahme nachsehen. Denn es geht nicht, wie sich der eine oder die andere nun vielleicht denkt, um den Wienerwald oder das Marchfeld, sondern um den einstigen Teil der k. und k. Monarchie zwischen Adria und Eisernem Tor dessen Hauptstadt auch Wien war. Als mittlerweile zwölfjähriger Wahlwiener finde ich, dass es für solche sowie die „echten“ Wiener (sofern es diese überhaupt gibt) zur Allgemeinbildung gehören könnte sich mit den historischen, kulturellen und politischen Gegebenheiten der geographischen Region in der man lebt auseinanderzusetzen. Und das soll jetzt keineswegs ausschließlich aus einer antiquierten Weltanschauung geschehen, um die gute alte Zeit des Kaisers hochleben zu lassen. Derzeit leben etwa 300.000 Menschen aus Ex-Jugoslawien in Österreich. Dies stellt mit über 3% die mit Abstand größte Gruppe an Nicht-Österreichern dar. Und hier sind lediglich die nicht bereits eingebürgerten Personen angeführt. [1] Für Wien sind es fast 7,5%. [2]
Nehmen wir nur mal überschlagsmäßig an, dass innerhalb der letzten 100 Jahren bereits genauso viele Menschen aus diesem geographischen Raum in das heutige Österreich gekommen sind und nun als Österreicher dort leben. [3] Dann wären in Summe 6-7% aller heute in Österreich lebenden Menschen aus dem Gebiet Ex-Jugoslawiens (für Wien 15%). Da kann man auch heute einen Bezug zwischen Österreich und Ex-Jugoslawien nicht leugnen.
Man könnte natürlich entgegnen, dass die Monarchie und auch die Balkankriege lange her sind und sowieso ist der Balkan so weit weg und der Rest der Bevölkerung sind ja ohnehin waschechte Österreicher. Da reicht es sich mit den eigenen Problemen zu beschäftigen. Mag alles stimmen. Aber nochmal zum Thema „weit weg“. Eine meiner ersten Lektionen in Kartographie auf der Uni die nachhaltig hängen geblieben ist war zum Thema Mental Maps. Es wurde die Frage gestellt: „Was glaubt Ihr liegt näher an Wien – Zagreb oder München?“ Und was glaubt jetzt Ihr, war die einschlägige Meinung der Studierenden? „Ganz klar München!“ Genau das sind nämlich nur 355 km Luftlinie. Und nach Zagreb sind es immerhin 268 km.

Moment mal – wer hätte das gedacht, nach München ist die Entfernung um 32% größer. Gründe für diese subjektive Verzerrung würden mir genug einfallen, um nicht zu sehr abzuschweifen sei es bei dem Denkanstoß belassen.

Maria und Flo auf großer Fahrt

Und dann kommen wir in unserem Sommerurlaub daher – eh schon top informiert, da belesen sowie politisch und historisch interessiert – um unsere Kenntnisse vor Ort etwas aufzupolieren. In Form einer zweiwöchigen Balkanreise. Anreise über das Binnenland, Wandern in den Bergen Montenegros und zum gemütlichen Ausklang etwas Baden in Kroatien.

Alles läuft nach Plan. Der erste Stop ist das ungarische Pécs. Eine wunderschöne Stadt, der man ihren deutschen Namen Fünfkirchen deutlich ansieht.

Foto 2 – Blick auf die Basilika von Pécs

Das Verlassen des Schengen-Raums verläuft auch reibungslos, Kroatien kennt man ja wenigstens schon vom Badeurlaub. Doch dann naht bereits die große Erkenntnis noch ehe wir den Grenzposten nach Bosnien und Herzegowina erblicken können. Wir sind 360 km weit weg von Wien und haben keinen blassen Schimmer mehr wie man hier lebt! Die ethnischen Spannungen sind uns zwar bekannt und wir wollen nicht versehentlich in Fettnäpfchen treten. Also was für eine Sprache Sprechen die Leute in Bosnien und Herzegowina? Sind sie sauer, wenn wir ein kroatisches „dobar dan“ raushauen? Es sollte zehn weitere Tage und einen tollen Stadtführer benötigen, um zu erfahren, dass serbo-kroatisch auch in Bosnien gesprochen wird – und zwar nicht in „ethnischen“, sondern regionalen Dialekten.

Das alles ist Südslawien

Das war also das erste Aha-Erlebnis und es sollten noch viele weitere folgen. Wir hätten niemals gedacht, die steilste Straße unseres Lebens im Stadtgebiet von Sarajevo zu fahren. Eine Straße mit 100% Steigung und ca. 3 m Breite trifft auf einen Camping Bus – kein wirkliches Vergnügen. Dafür schätzten wir uns umso glücklicher zufällig mitten in der ersten Pride Parade des Landes zu landen. Nachdem wir zuvor schon das Schlimmste befürchtet hatten, da die gesamte Innenstadt an jeder Kreuzung von schwer bewaffnetem Militär kontrolliert wurde und keiner wusste was los ist.

Foto 3 – Die alten und die neuen Zeiten – Regenbogenschirm trifft Einschusslöcher

Nach diesem kulturell intensiven Zwischenstop ging es dann weiter in den Durmitor Nationalpark Montenegros. Eine traufhafte Mischung aus alpinen Hochalmen und skandinavischem Fjäll. Der feuchte Traum eines jeden Geographen. So viele spannende Gesteinsformationen und Landschaftsformen, dass ich lieber gar nicht erst anfange…

Der Nationalpark wirkt sehr gut organisiert, trotz vieler Tagestouristen noch nicht überlaufen (wenn man den Crno Jezero zur besten Zeit meidet) und sehr sauber. Er wurde 1952 gegründet, lange vor den Nationalparks Bayerischer Wald oder Hohe Tauern. [4] Den mit 2.522 m höchsten Gipfel des Gebirges, den Bobotov Kuk, haben wir natürlich mitgenommen. [5]

Mit eingebunden in diesen Nationalpark ist die Tara Schlucht, mit teilweise über 1.300 m die tiefste Europas. [6]

Unser nächster Wanderstop wurde im Prokletije-Gebirge (zu Deutsch Verwunschene Berge – oder auch Albanische Alpen genannt) eingelegt. Dessen höchster Gipfel Jezerca (2.694 m) stellt auch den höchsten Gipfel des Dinarischen Gebirges dar. [7] In diesem Gebirgsstock treffen die Länder Montenegro, Albanien und Kosovo aufeinander. Unter Mithilfe des Deutschen Alpenvereins wurde hier ein nationenverbindender Rundwanderweg errichtet, der sich bereits recht großer Beliebtheit erfreut. Landschaftlich ganz ähnlich wie im Durmitor und doch so anders. Die mächtigen Kalkstöcke werden vor allem auf montenegrinischer Seite durch sehr sanfte Bergformen unterbrochen, denen ein anderes Ausgangsgestein zugrunde liegt. Wir haben unsere Tour von Vusanje (Montenegro) gestartet und sind nur ganz kurz über die grüne Grenze nach Albanien herüber gegangen.

Eine Einladung zum Tee von zwei kernigen, älteren Damen ins Tal auf die albanische Seite mussten wir leider ausschlagen, da wir weder Schlafsäcke noch Pässe dabei hatten. Wieder zurück in „unserem“ Tal sieht man jedoch ganz deutlich anhand der Flaggen an den Häusern und an Grafittis, dass auch hier auf montenegrinischer Seite ethnische Albaner leben. Dies betrifft allerdings nur dieses kleine Seitental von Vusanje nach Gusinje. In diesem Tal ist uns das erste Mal eine starke Vermüllung der Landschaft aufgefallen. Ob das ethnisch-kulturelle, politische oder andere Gründe hat, können wir nur vermuten.

Damit war die Erkundung der Dinarischen Bergwelten für diese Reise abgeschlossen. Nach einer Mittagspause am Skutarisee ging es weiter an die Mittelmeerküste Montenegros. Dieser Wechsel der Szenerie war in allen Belangen eine andere Welt. Da waren sie auf einmal, die Bettenburgen, die Menschenmassen, die schicken Leute. Auch auf den Campingplätzen merkt man einen deutlichen Unterschied zu davor. Es ist anonymer, die netten Gespräche mit den Nachbarn werden weniger, die Leute sind älter, die hauptsächlich deutschen Urlauber verhalten sich endlich entsprechend der Clichés deutscher Camper. Den Badeort Bečići haben wir sehr schnell wieder hinter uns gelassen. Zwar ist er sehr schön in einer Bucht gelegen, aber der enorme Durchgangsverkehr, die vielen Luxushotels mit ihren Privatstränden haben uns nicht länger zum Verweilen eingeladen. Auffällig war hier die hohe Zahl an russischen und serbischen Pkw. Die weiteren von uns besuchten Küstenorte in Kroatien waren zwar auch Mitte September noch gut besucht, aber dennoch ein paar Nummern entspannter.

Ein dunkles Kapitel europäischer Zeitgeschichte

Relativ spontan haben wir unsere Küstentour nochmals unterbrochen und haben einen Abstecher nach Mostar, dem Hauptort Herzegowinas, gemacht. Das sollte sich in vielerlei Hinsicht als sehr gute Entscheidung herausstellen. Bei der Einfahrt in die Stadt habe ich es endlich geschafft nach jahrelangem Suchen eine Kupferkanne mit einem halben Liter Fassungsvermögen zum Kochen von Mokka zu ergattern. Nur um später festzustellen, dass man diese in der Innenstadt an jeder Ecke hinterhergeschmissen bekommt. Kaum waren wir zu Fuß in der Altstadt unterwegs, da liefen wir zwei bekannten Gesichtern in die Arme. Unsere Welpenknuddel-Kollegen aus dem Durmitor Nationalpark.

Foto 32 – Für zwei Tage unsere Reisebegleitung – Lena und Bo

Kurzerhand wurden wir überzeugt uns an die jetzt startende Stadtführung [8] dranzuhängen. Obwohl der Guide diese Touren erst seit einem knappen Jahr anbietet verstand er es einen perfekten Spannungsbogen aufzubauen. Erst zeigte er uns die schönen Seiten der Altstadt mit den kulturellen und architektonischen Sehenswürdigkeiten.

Ehe wir uns jedoch versahen waren wir in einer knallharten Geschichtsstunde über die Stadt Mostar und die politischen Ereignisse der letzten Jahrhunderte in der Region. Besonders der Bosnienkrieg von 1992 bis 1995 nahm viel Raum ein. So lange her und doch noch allgegenwärtig, wie bereits auf Foto 3 zu sehen ist. Wir erhielten hier Informationen aus erster Hand, da unser Guide selbst auf bosniakischer Seite kämpfen musste. Zuerst kämpften Bosniaken und Kroaten noch gemeinsam gegen die, aus Belgrad aufgerüsteten, serbischen Einheiten. Deren Anführer Ratko Mladić erlangte durch das von ihm zu verantwortende Massaker von Srebrenica traurige Berühmtheit. [9] Ab 1993 eskalierte auch die Spannung zwischen Kroaten (welche aus Zagreb Unterstützung erfuhren) und Bosniaken (von einigen muslimischen Ländern mit Kleinwaffen unterstützt). [10] [11] Von der internationalen Gemeinschaft wurde der Krieg großteils ignoriert. Die Stadt Mostar wurde entlang der M6.1 in eine westliche, kroatische und eine östliche, bosniakische Seite geteilt.

Noch heute ist es so, dass Unfallpatienten östlich der M6.1 trotz unmittelbarer Nähe zum zentral gelegenen Krankenhaus der Weststadt dennoch in das viele Kilometer entfernt gelegene, im Ostteil der Stadt gelegene Krankenhaus gebracht werden. Mit diesem Hintergrundwissen werden die Zeichen der noch immer gegenwärtigen Teilung und der gegenseitigen Provokationen auf einmal sichtbar. Das gigantische Kreuz auf dem Gipfel des Hausbergs vom Westteil der Stadt, die vielen Nationalflaggen, die beschmierten Straßenschilder. Unser Guide meinte, dass die junge Generation, die den Krieg überhaupt nicht mehr miterlebt hat, nationalistischer sei als die Alten. Die Jungen haben die dunkle Seite des Konflikts nicht miterlebt, aber in ihren Familien und im Freundeskreis den Hass und die Ressentiments aufgesaugt und angenommen.

Der Schmerz und die Verbitterung über den Niedergang seines Landes ist unserem Guide deutlich anzuhören. Dabei meint er, dass die ethnischen Merkmale, die als Anlass des Konflikts dienten überhaupt keine Alltagsrelevanz haben, beziehungsweise gar nicht vorhanden sind. Er selbst als bosniakischer Muslim geboren sagt, dass die Religion für ihn und viele andere Einwohner Bosnien und Herzegowinas (egal ob römisch katholisch, muslimisch oder serbisch orthodox) eine sehr geringe Rolle spielt. Am Dialekt kann man die Menschen höchstens regional, nicht jedoch ethnisch zuordnen. Das einzige wirklich eindeutige Merkmal zur Zuordnung zu einer Ethnie ist der Nachname.

Nachdem der Konflikt beigelegt wurde blieb ein politisches System zurück, dass peinlichst auf die gleichberechtigte Repräsentation aller drei ethnischen Gruppen bedacht war. Was aber zur Folge hat, dass das Staatsoberhaupt und die Minister innerhalb eines Jahres rotiert werden. Dadurch ist es schier unmöglich Veränderungsprozesse in Gang zu bringen, da nie Zeit vorhanden ist Gesetze vorzubereiten und einzubringen. Ihr übriges tut die allgegenwärtige Korruption. Das politische System in Bosnien und Herzegowina wird auch als kompliziertestes Regierungssystem der Welt bezeichnet. [12]

In Anbetracht dieser jüngsten Geschichte ist es ein Wunder wie schön die Altstadt von Mostar wieder aufgebaut wurde. Aber auch nur logisch, da die Altstadt, um wieder UNESCO Weltkulturerbe zu sein, originalgetreu aufgebaut werden musste. Und dieser Status bringt viele Touristen in die Stadt und diese bringen gutes Geld und Arbeitsplätze. Ein weiteres Spannungsfeld ist der Fakt, dass die Altstadt ausschließlich auf bosniakischer Seite ist. Für viele ethnische Kroaten ist die M6.1 noch immer das Ende der Stadt und die Leute im Westen der Stadt haben nichts vom Aufblühen des Tourismus.

Gemütlicher Ausklang

Eigentlich wollten wir ja die ganze Tour machen, um endlich mal die Plitvicer Seen anzuschauen. Da wir aber schon viel davon gehört haben wie überlaufen diese Attraktion ist entschlossen wir uns kurzerhand dazu diesen Punkt auf der Liste sausen zu lassen und uns stattdessen die Kravica Wasserfälle einige Kilometer südlich von Mostar anzuschauen.

Wir haben jetzt zwar keinen Vergleich, aber wir sind mit unserer Entscheidung recht zufrieden.
Unsere letzte Station war der Paklenica Nationalpark. Hier kann man wandern, klettern, bouldern, radfahren und im nah gelegenen Meer baden. Und das wichtigste, hier trieb auch schon Winnetou sein unwesen. Somit schließen wir unseren Urlaub mit einem typisch deutschem Jugoslawien-Bild ab. Winnetou, Baden, Sliwowitz. Aber die Länder des ehemaligen Jugoslawiens haben so viel mehr zu bieten…

Ich wünsche eine gute Nacht
Flo

[1] https://de.statista.com/statistik/daten/studie/293019/umfrage/auslaender-in-oesterreich-nach-staatsangehoerigkeit/
[2] https://www.wien.gv.at/statistik/bevoelkerung/tabellen/bevoelkerung-staat-geschl-zr.html
[3] https://de.statista.com/statistik/daten/studie/300338/umfrage/einbuergerungsrate-in-oesterreich/
[4] https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Nationalparks
[5] https://de.wikipedia.org/wiki/Bobotov_Kuk
[6] https://de.wikipedia.org/wiki/Tara_(Drina)
[7] https://de.wikipedia.org/wiki/Dinarisches_Gebirge
[8] https://www.mostarfreewalkingtours.com/
[9] https://de.wikipedia.org/wiki/Ratko_Mladi%C4%87
[10] https://de.wikipedia.org/wiki/Kroatisch-bosniakischer_Krieg
[11] https://de.wikipedia.org/wiki/Bosnienkrieg
[12] https://de.wikipedia.org/wiki/Bosnien_und_Herzegowina#Politisches_System

Nicht referenzierte konkrete Zahlen und Fakten wurden in persönlichen Gesprächen erlangt, vor allem mit [7]


Schneeschuhwandern in der Hohen Tatra

Warum eigentlich immer die Alpen?

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Foto 1 – Blick auf den Hauptkamm der Hohen Tatra im Kleinen Kalten Tal

Es ist schon auffällig wie präsent der ehemalige Eiserne Vorhang im Reiseverhalten des durchschnittlichen Mitteleuropäers noch immer ist. Das habe ich noch nie verstanden. Seitdem ich in Wien lebe fühle ich mich zu den östlichen Nachbarstaaten Österreichs hingezogen. Dies hat, denke ich, mehrere Gründe. In meinem Heimatort war eher die räumliche Nähe zu Frankreich, Italien oder der Schweiz gegeben. Bei Besuchen meiner Großeltern an der Ostsee war Skandinavien nicht weit. Einzig 1995 bin ich mit meinen Eltern einmal einen Tag in Eger (Tschechien) gewesen. Daher ist der Osten für mich die große Unbekannte gewesen. Auch der Lebensalltag und das Erscheinungsbild der Städte, geprägt durch Jahrzehnte des Kommunismus, sind hier gefühlt immer noch ganz anders. Auch wenn die internationalen Trends und das Internet die Unterschiede verschwimmen lassen, manchmal reicht es schon einen alten Lada zu sehen oder eine slawische Sprache zu hören, um den Hauch Ostalgie zu spüren.
Ein weiterer Reiz ist das Zurücklassen der heimischen Touristenströme. Auch wenn wir bald merken sollten, dass für Slowaken und Polen die Tatra, als einzig verfügbares Hochgebirge in der Region, natürlich Dreh- und Angelpunkt des dortigen Wintertourismus ist.
Und zu guter Letzt – ich will diesen Anreiz gar nicht leugnen – hat das Reisen in Richtung Osten meist den Vorteil günstiger zu sein als in der Heimat.

Die Anreise

Einmal täglich verkehrt zwischen Wien und Košice ein IC, der für die Strecke von knapp 500 km sechs Stunden benötigt. Zwei Stationen zuvor ist man in Poprad, dem slowakischen Hauptort der Region am südlichen Fuße der Hohen Tatra. Nördlich des Gebirgsstocks befindet sich Zakopane, welches der Hauptort des polnischen Teils der Region ist.
Aufgrund der günstigeren öffentlichen Anbindung entschieden wir uns für die slowakische Seite. Die Fahrzeit nach Poprad betrug noch knapp fünf Stunden und war recht kurzweilig und ohne Zwischenfälle. Da es bei der Ankunft bereits dunkel war haben wir nur noch eine kurze Runde durch die Stadt gedreht und unsere, dicht am Bahnhof gelegene, Unterkunft bezogen. Am nächsten Tag nahmen wir den Regionalzug nach Starý Smokovec, dem besten Ausgangspunkt für eine Tour in die Berge. Und das merkten wir auch sofort. Bereits der Zug dorthin war vollkommen überfüllt, genauso wie der Ort selbst. Ich war mal wieder naiv gewesen. In der Hoffnung die überlaufenen Alpen gegen die unberührte und wilde Tatra zu tauschen und etwas Erholung von den Menschenmassen der Großstadt zu erlangen fanden wir uns nun im Gänsemarsch den Berg hinauf wieder. Auch das Passieren der Bergstation der Zahnradbahn tat dem Menschenstrom keinen Abbruch. Und so ergaben wir uns unserem Schicksal und reihten uns ein in Richtung Zamkovského chata, der Berghütte bei der wir zwei Übernachtungen gebucht hatten.

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Foto 2 – Der Blick vom Eingang unserer Hütte

Bei der Planung der Tour habe ich mir gedacht, dass das eine tolle Gelegenheit wäre etwas Übung im Umgang mit Schneeschuhen zu bekommen. Einen Monat später stand der Winterteil der Ausbildung zum Bergwanderführer an. Die gute Idee erwies sich in der Praxis als überflüssig bis hinderlich, da der Weg bereits so ausgetreten war, dass die großen Schneeschuhe eher ein Klotz am Bein waren. Die anderen Leute waren eher mit leichten Sportschuhen oder maximal mit Spikes oder Grödel unterwegs. Es bewahrheitete sich offenbar das Vorurteil, dass Osteuropäer nicht zimperlich sind und auch in Sachen Sicherheit etwas lässiger unterwegs sind. Als wir vorbeikommenden Wanderern erklärten, dass wir unsere LVS-Ausrüstung testen, ob alles in Ordnung ist, bekamen wir ein gemütliches „don’t worry, it will work fine“ entgegnet.

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Foto 3 – Check der LVS-Ausrüstung

Bei der Hütte angekommen waren wir mehr als entzückt. Eine wahnsinnig urige Hütte, superschön am Waldrand gelegen. Derzeit allerdings noch so überfüllt, dass man kaum zur Türe herein kam. Das Matratzenlager unter dem Dach war allerdings nur von uns und einem einzelnen Wanderer belegt. Dieser lud uns sogleich dazu ein mit ihm eine Flasche des typisch slowakischen Borovička zu leeren. Das taten wir gerne. So gestärkt wankten wir wieder nach unten in den Speisesaal, hier war nach Abreise der Tagesgäste Ruhe eingekehrt und es wurde ein sehr gemütlicher Abend.

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Foto 4 – „Unsere“ Hütte

Eine knackige Tagestour bei Kaiserwetter

Am nächsten morgen bemerkten wir, dass es in der Nacht ordentlich geschneit hatte und die Schneedecke auch hier auf halber Höhe bereits mehr als einen Meter betrug. Die Wolken hatten sich glücklicherweise bereits verzogen und so starteten wir hochmotiviert bei strahlendem Sonnenschein in Richtung Malá Studená dolina (zu deutsch Kleines Kaltes Tal).

Abbildung 1 – Unsere Tourdaten, der schwarze Punkt in der Mitte des Tracks ist unsere Hütte zum Übernachten – Quelle: www. alltrails.com

Endlich waren die Schneeschuhe bei der frischen, unberührten Schneedecke von Vorteil. Einige Leute ohne Ski oder Schneeschuhe kamen uns bereits entgegen, da ihnen der Schnee mit normalen Schuhen zu tief war. Man merkte auch, dass generell deutlich weniger Menschen so weit in die Berge hinein gehen. Uns nun waren die Leute auch tendenziell alle gut ausgerüstet. Am Ende des Tals, beim Aufstieg in Richtung Hauptkamm lernten wir jedoch unsere nächste wichtige Lektion. Für Ebenen und leichte Steigungen sind Schneeschuhe super, für steile Anstiege jenseits der 20° sind sie eine Quälerei. Uns so mühten wir uns den etwa 30-40° steilen Berghang hinauf. Mal Folgten wir den viel zu kleinen Schuhtritten der Vorgänger (Profis nehmen Wanderschuhe mit Steigeisen oder gleich lieber Ski) dann kreutzten wir wieder, um etwas flacher gehen zu können.

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Foto 5 – Ab jetzt gehen wir steil

Bei beidem kamen wir uns gleichmaßen dämlich vor, dennoch erreichten wir relativ zügig die Téryho chata. Hier kehrten wir ein und beschlossen, dass wir uns für heute genug gequält haben. Mit Sicherheit die beste Entscheidung, zumal aus dem Tal mittlerweile dicker Nebel aufzog.

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Foto 6 – Der Blick von oben ins Kleine Kalte Tal

Der Abstieg war dafür sehr flott und spaßig, da wir versuchten unsere Schneeschuhe und unsere Hintern als Rutschfläche zu missbrauchen.
Ziemlich erledigt und ausgehungert fielen wir in der Zamkovského chata ein. Hier verabschiedeten sich bereits allmählich wieder die Tagesgäste. Doch inzwischen waren die Zimmer und das Matratzenlager recht gut ausgelastet und so lernten wir einige weitere nette Leute kennen.

Auf bald

Am nächsten Tag mussten wir leider schon wieder unsere Sachen packen. Gemeinsam mit zwei Bettnachbarn machten wir uns auf den Weg ins Tal. Am Berg war wieder Sonnenschein pur. Im Tal konnten wir hingegen bereits wieder Nebel aufziehen sehen.

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Foto 7 – Blick nach Süden in Richtung Niedere Tatra

Wenn man nicht im Nebel drin steckt ist das eine schöne Sache. Wir mussten trotzdem genau dorthin. Wir übernachteten noch einmal in Poprad, diesmal in einer Pension die, zwischen einer Autowerkstatt und einer Fabrikhalle gelegen, einen eher spröden Charme versprühte. Aber für die Nacht war es recht und am nächsten Morgen konnten wir uns wieder gemütlich in den IC nach Wien setzen. Eines weiß ich sicher, ich möchte wiederkommen. Vielleicht im Sommer und auch unbedingt von der polnischen Seite. Das Tal der fünf Seen soll wahnsinnig schön sein. Oder endlich mal nach Košice und weiter bis in die Ukraine…

 

Viel Spaß mit dem Winter

Flo

 

Die Freytag & Berndt Wanderapp für Familien

[Werbung]
Ihr fragt Euch, was Geographen denn eigentlich im echten Leben machen, wenn sie nicht gerade versuchen, die Welt zu retten? Nun, das gibt es so Einiges: Vermessen, in Kartenverlagen arbeiten und manchmal, da machen sie sogar recht moderne Sachen: An der Entwicklung von Apps mitarbeiten.

Und weil man natürlich stolz auf sowas ist, folgt hier Werbung aus Überzeugung. Wir werden dafür weder bezahlt noch erhalten wir anderweitige Vergütung, sondern wollen, dass möglichst viele Menschen die Fragen beantworten, die einer von uns geschrieben hat! 😉


Raus in die Natur

Passend zum Start der Osterferien zeigt sich der Frühling von seiner schönsten Seite: Zeit, die ersten Wandertouren zu planen! Wenn Ihr den Saisonstart etwas gemütlicher angehen wollt, Kinder habt oder einfach unterwegs auch noch etwas lernen wollt (oder alles zusammen ;-)), dann solltet ihr einen Blick auf eine App werfen, die seit dieser Woche auf dem Markt ist: eine Wanderapp der Firma Freytag & Berndt, die speziell auf Kinder (und Junggebliebende) zugeschnitten ist. [1]

Abbildung 1 – Die Optik der F&B Wanderapp

Was macht die App besonders?

Inzwischen gibt es von nahezu jedem größeren Outdoor-Portal oder Bergsport-Verein eine eigene App für Navigation im Gelände (z.B. [2] [3]). Dabei hat Jede ihre individuellen Stärken und Schwächen. Auch Anwendungen mit Kindern als Zielgruppe gibt es einige. [4] Die F&B Wanderapp aber besetzt eine eigene Nische, die bisher in dieser Form noch nicht bedient wird.

Aus einer Liste vordefinierter Routen kann man seine Auswahl treffen und – befindet man sich dann am Startpunkt – diese auch aktiv starten. Man erhält dabei nicht nur die üblichen Informationen zu Anreise, aktuellem Wetter, bester Jahreszeit etc., sondern auch detaillierte Auskünfte über den Schwierigkeitsgrad. Zusätzlich lässt sich der Schwierigkeitsgrad sogar dem Alter der Kinder anpassen! Das Symbol „Kinderwagentauglichkeit“ gibt zudem Auskunft über den Untergrund. Schließlich ist mit Kinderwagen das Vorankommen über Stock und Stein deutlich mühsamer als auf Asphalt!

Hat man die Wanderung gestartet, so begleiten den Wanderer Fragen, die das unterwegs Gesehene erlebbar machen: für Kinder lösbar und dennoch interessant für Mama und Papa. Denn auch, wenn man mit etwas Kombinationsgabe die richtige Lösung oft schnell findet: witzige Fakten und „unnützes“ Wissen über Kultur, Wald, Land und Leute sorgen auch beim allumfassend informierten „Homo Googlicus“ für Aha-Erlebnisse!

Fragen beantworten reicht Euch nicht?! Dann versucht doch, „Berndi“, das Maskottchen der App, zu fangen! Der kleine Nager taucht in jeder Route mehrmals auf – und Einfangen bleibt nicht unbelohnt!

Abbildung 2 – „Berndi

Die Leistungen

Die Grundversion der App kann kostenfrei heruntergeladen werden. [5] [6] Bis 15. Mai sind alle Routen gratis und in vollem Funktionsumfang der Pro-Version verfügbar.

Nach diesem Aktionszeitraum ist die Möglichkeit Fragen zu beantworten und „Berndi’s“ zu sammeln nur noch in 20 Routen kostenlos enthalten. Die übrigen rund 350 Routen sind natürlich weiterhin verfügbar, allerdings als reine Wanderstrecken.

Die allgemeinen Informationen bleiben auch über den 15. Mai hinaus dauerhaft gratis. Die Vollversion kosten dann 4,99€ für ein Jahr. Momentan gibt es Routen in Ostösterreich, bis Ende des Jahres werden auch Touren in ganz Österreich freigeschaltet. Ab 2020 erkundet Berndi dann auch Wanderrouten außerhalb Österreichs und nimmt Euch mit!
Also dann, auf geht’s 🙂

[1] https://www.freytagberndt.com/die-freytag-berndt-familien-wander-app/
[2] https://itunes.apple.com/at/app/bergfex-touren-gps-tracking/id912776148?mt=8
[3] https://www.alpenverein.at/portal/news/aktuelle_news/2018/2018_12_10_alpenvereinaktiv-com-tourenportal-mit-neuer-app.php
[4] https://www.familienleben.ch/kind/digitales-leben/apps-fuer-kinder-10-tipps-2324
[5] https://play.google.com/store/apps/details?id=com.freytagberndt.hmapp
[6] https://itunes.apple.com/at/app/f-b-wanderkarte/id1386702850?mt=8