Die Kartoffel-Krise

Der durchschnittliche Österreicher konsumiert pro Jahr 51,9 kg Kartoffeln. [1] 140 g am Tag also, das ist eine mittelgroße Frucht. Die Kartoffel ist das Lieblingsgemüse jedes 10. Bürgers [2] und dabei steht Österreich im Vergleich eher am unteren Ende der Skala, was den Verbrauch angeht: der EU-Durchschnitt liegt bei 70 kg, die Letten essen mit 126 kg pro Jahr mehr als doppelt so viele Kartoffeln wie die Österreicher. [3]

Die Kartoffel hat übrigens ein Frassloch…

Schaut man sich die Nährwerte der Kartoffeln oder Erdäpfel an, so macht ein hoher Konsum auch durchaus Sinn: sie sind kalorienarm, enthalten hochwertiges Eiweiß, sind Ballaststoffquelle und Vitaminreich. [4] Ein letzter, nicht unwesentlicher Punkt: Sie sind billig und ganzjährig verfügbar.

Preis-schock bei Pommes

Und nun der Schock! „Erdäpfel knapp: Jetzt droht Preisschock bei Pommes“, so titelt oe24.at am 23.04. Und weiter heißt es: „Jetzt droht auch noch ein Teuer-Schock bei Pommes. Die Preise ziehen längst an: Bis zu 30 Euro bekommen die Bauern für 100 kg Erdäpfeln – vor genau einem Jahr waren es noch 20 Euro. Und in den nächsten Wochen werden die allerletzten Erdäpfel aus Österreich über die Ladentische gehen. Dann ist Schluss. Grund: „Durch die Dürre letztes Jahr gab es massive Engpässe“, sagt Landwirtschaftskammer-Expertin Anita Kamptner: „Die Lücke wird mit Erdäpfeln aus Frankreich oder ­Israel gefüllt. Da kann es durch die langen Transportwege teurer werden.“ Österreichs Erdäpfel-Bauern fürchten jetzt um ihre Existenz: Denn auch der heurigen Ernte setzen Schädlinge und Trockenheit zu.“ [5]

Um auf den Umstand der Kartoffelknappheit hinzuweisen, demonstrierten am 25.04 die Kartoffelbauern am Wiener Heldenplatz und verteilten symbolisch die letzten Erdäpfel des Jahres.

70 Prozent ERnteeinbusse

Worum aber geht es eigentlich? Die extreme Trockenheit im Jahr 2018, welche sich auch dieses Jahr fortsetzt, hat, zusammen mit dem starken Drahtwurm-Befall, bis zu 70% der Ernte für den Handel unverkäuflich gemacht. So weit, so schlecht. Da Regentänze in den seltensten Fällen Erfolg versprechen, war das Ziel der Demo als weniger, für ausdauernden Niederschlag zu sorgen, als die Notzulassung von Insektiziden.

Probleme – und Lösungen?

Der Drahtwurm ist einer der größten Schädlinge im Kartoffelanbau und wie der Name schon sagt zäh und widerstandsfähig. Bei ungünstigen Lebensbedingungen ziehen sich die Würmer in tiefere Bodenschichten zurück, wo sie gerne auch über mehrere Monate ohne Nahrung bleiben können. Aus den Drahtwürmern schlüpfen nach 3 bis 5 Jahren die Saatschnellkäfer, doch sind es die Larven, welche in der Zwischenzeit den Schaden an der Kartoffel anrichten. Meist folgt ein weiteres Problem auf dem Fuße: die Fraßlöcher bieten Pilzen und Keimen einen Angriffspunkt.  Lösungen gibt es – abgesehen von Insektiziden – durchaus: So meiden die Drahtwürmer humusreiche Böden, durch intensive Bodenbearbeitung im Frühjahr und Herbst kann das Gelege gestört werden und die Beachtung der Fruchtfolge trägt ebenfalls zu einer Reduktion des Käferbefalls bei. Daneben sollen auch Ringelblume und Tagetes als Beisaat eine positive Wirkung zeigen. [6]

… und die gehörte zu den 50% der weggeworfenen Kartoffeln, bevor wir sie aus dem Müll gezogen haben.

Was all diese Lösungsansätze gemeinsam haben: sie sind zeitaufwändig. Zeit ist das Letzte, was die moderne Landwirtschaft sich nimmt und so ist die beliebteste Lösung außerhalb des Biolandbaus der Einsatz von Insektiziden. Dieser wurde in den vergangenen Jahren aber aus Umweltschutzgründen eingeschränkt  und auch der Handel bevorzugt Ware, welche ohne den Einsatz von Insektiziden hergestellt wurde. Dennoch fordern die Kartoffelbauern nun eine Notzulassung.

Damit wären sie nicht die Einzigen: Erst kürzlich wurde den Rübenbauern gewährt, die erst 2018 verbotenen, bienenschädlichen Neonicotinoide zur Saatgutbeize einzusetzen. Es ist eine Notfallzulassung, um das Saatgut vor diversen Schädlingen zu schützen. Dass das in den Boden ausgebrachte Gift auch eine Gefahr für die lebenswichtige Bodenfauna darstellt, tritt hinter den wirtschaftlichen Interessen zurück. [7] Dass es genug Studien gibt, welche zeigen, dass eine Bekämpfung des Drahtwurms mittels Insektiziden bei der Kartoffel nur wenig Erfolg bringt, scheint ebenfalls unwichtig. [8]

Rechnerischer Überschuss

Fakt ist: mengenmäßig war die Ernte im Jahr 2018 um 7% höher als die im Jahr zuvor (rund 698.000 Tonnen). Man könnte meinen, bei einem pro Kopf-Verbrauch von 52 kg pro Jahr und pro Kopf in Österreich  sollte das dennoch reichen, locker sogar (ganz Ö isst pro Jahr 456.196 Tonnen Kartoffeln, da sollte also ein Überschuss von rund 241.804 Tonnen bleiben).  Leider ist dieser Überschuss ein rein rechnerischer.

Denn wie eine Studie der ETH Zürich zeigt: „Vom Feld bis zu den Haushalten gehen bei konventionell erzeugten Speisekartoffeln 53 Prozent verloren, bei biologisch produzierten gar 55 Prozent.“ Diese Studie, welche in der Schweiz durchgeführt wurde und daher wohl nahezu eins zu eins auf den österreichischen Markt umgelegt werden kann, analysierte, welche Anteile Kartoffelernte wo verloren gehen.  

„Verluste entstehen auf allen Stufen der Wertschöpfungskette: Bis zu einem Viertel der Ernte von Speisekartoffeln bleibt bereits bei Produzenten auf der Strecke. Weitere 12 bis 24 Prozent sortieren Grosshändler aus. Lediglich ein bis drei Prozent fallen bei Detailhändlern unter den Tisch und noch immer 15 Prozent in Haushalten.“

https://www.medmix.at/die-haelfte-der-kartoffelernte-geht-verloren/

Fakt ist aber auch, dass bis zu 70% der Kartoffelernte 2018 für den Handel unverkäuflich sind. Rund 30 % des Verlustes lassen sich dabei auf den Drahtwurm zurückführen, der Rest ist „unansehnlich“.

Wie definieren wir „unverkäuflich“?

Denn theoretisch sind Erdäpfel auch noch essbar, wenn sie von Drahtwürmern angefressen wurden. In vielen Fällen verkapseln sich die Gänge und können durch Herausschneiden einfach entfernt werden, nur bei einem auf den Verbiss folgenden Befall durch Pilze und Bakterien sollte vom Verzehr abgesehen werden. Doch selbst, wenn man sämtliche vom Drahtwurm befallenen Erdäpfel herausrechnet, so ist der Rest der „unverkäuflichen“ Kartoffeln nur „unansehnlich“. Nicht schlecht, nicht verdorben, sondern zu klein, zusammengewachsen, nicht ganz oval, wie auch immer. [9, 10]

Schrumplig, voller Triebe und Frasslöcher – und wir werden sie dennoch essen. Du auch?

So undurchdacht der Ruf nach einer Notzulassung von Spritzmitteln auch klingt, so nachvollziehbar ist er dann doch: die Bauern haben schlicht und ergreifend Angst um ihren Wohlstand, was man ihnen kaum zum Vorwurf machen kann. Dennoch kann der Mehreinsatz von Insektiziden keine Lösung sein! Wir befinden uns im 6. Massenaussterben der Geschichte unseres Planeten und ursächlich dafür ist unbestreitbar der Einsatz von Giften.

Gifteinsatz oder umdenken?

Vielmehr muss ein Umdenken stattfinden: Nehmen wir Preissteigerungen von bis zu 30% eher hin als unförmige Kartoffeln, welche gar ein Frassloch haben? Nehmen wir im Austausch für makellose Ware hin, das bereits verbotene Insektizide wieder notzugelassen werden? Kann man überhaupt von einer Krise sprechen, wenn Jahr für Jahr die Hälfte der Ernte aus optischen Gründen vernichtet wird?

Offensichtlich. Aber wir können diese teils fingierte Krise aber auch nutzen und uns positionieren: Kaufen wir die angeblich unverkäuflichen, unansehnlichen Erdäpfel und setzen ein Zeichen gegen das „perfekte Produkt“! Definieren wir unverkäuflich um!

[1] https://de.statista.com/statistik/daten/studie/37703/umfrage/pro-kopf-verbrauch-von-kartoffeln-in-den-laendern-der-eu/
[2] https://derstandard.at/2000061646859/Der-Oesterreicher-liebstes-Obst-und-Gemuese
[3] https://de.statista.com/statistik/daten/studie/37703/umfrage/pro-kopf-verbrauch-von-kartoffeln-in-den-laendern-der-eu/
[4] https://eatsmarter.de/ernaehrung/wie-gesund-ist/kartoffel-kalorien-und-naehrwerte
[5] https://www.oe24.at/businesslive/oesterreich/Erdaepfel-knapp-Jetzt-droht-Preisschock-bei-Pommes/377332803
[6] https://www.plantura.garden/gartentipps/pflanzenschutz/drahtwurm-erkennen-vorbeugen-bekaempfen
[7] https://www.nachrichten.at/oberoesterreich/neonics-fuer-zuckerrueben-sorgen-bei-den-imkern;art4,3117344
[8] https://www.lfl.bayern.de/ips/blattfruechte/024000/index.php
[9] https://www.tt.com/panorama/natur/14991861/duerre-und-schaedlinge-70-der-kartoffelernte-unverkaeuflich
[10] https://diepresse.com/home/wirtschaft/economist/5548902/Der-Grossteil-der-Kartoffelernte-ist-unbrauchbar

Eine umweltfreundliche Alternative zum herkömmlichen Papier?

Da ich mich beruflich recht viel im Print-Bereich bewege und vor kurzem einige Testdrucke auf Stone Paper in meinen Händen halten konnte, habe ich mir gedacht, dass es nicht schaden könnte mich etwas näher mit diesem Material auseinander zu setzen.

Was ist Stone Paper?

Bei diesem Stoff (auf Deutsch: Steinpapier) handelt es sich genau genommen nicht um Papier im herkömmlichen Sinne, da es zu 80% aus Kalziumkarbonat (in Form von fein gemahlenem Kalkstein) und zu 20% aus Polyethylen-Harz, genau genommen High-density polyethylene (HDPE) besteht. [1]

Warum Stone Paper?

Bei der Herstellung kann vollständig auf Zellulose und Bleichmittel verzichtet werden. Der Wasserverbrauch kann deutlich gesenkt werden. Der Nutzer profitiert durch die gegebene Wasserfestigkeit und Abwaschbarkeit sowie die hohe Strapazierfähigkeit. [2] [3]

Abbildung 1 – Umweltfreundlichkeit von Stone Paper – Quelle: http://de.stonepapersz.com/ (letzter Zugriff am 10.04.2019)

Ist das schon die ganze Wahrheit?

Das wäre natürlich zu schön um wahr zu sein. Neben den höheren Kosten für die Abnehmer muss man sich auch bewusst, dass die enthaltenen 20% HDPE ein Kunststoff sind. Stone Paper löst sich zwar nach mehrmonatiger intensiver Sonneneinstrahlung vollständig auf, jedoch bleibt neben dem Steinstaub auch das HDPE in Form von Mikroplastik übrig. Wenn ein Nutzer sich nun denkt „ach das löst sich eh auf, das schmeiß ich gleich in die Natur“, dann gelangt das HDPE in die Böden und letztendlich irgendwann in den Wasserkreislauf. [4] [5]
Ob man Polyethylen als „besseres Plastik“ sehen möchte darüber lässt sich streiten. Ich möchte an dieser Stelle nur darauf hinweisen, dass es immerhin deutlich schädlichere Kunststoffe gibt. [6]

Abbildung 2 – Mikroplastik – Quelle: https://www.zm-online.de/ (letzter Zugriff am 10.04.2019)

Fazit

Stone Paper stellt eine tolle Alternative zu herkömmlichem Papier dar. Nur sollte man sich gut überlegen zu welchem Zweck man es einsetzen möchte. Es ist nichts für ausschließlichen und intensiven Outdoor-Gebrauch an Orten mit hoher Sonneneinstrahlung wie z.B. in den Tropen oder in den Bergen . Die neue umweltfreundliche Allzweckwaffe, wie es von der Industrie beworben wird, ist es sicher nicht. [7]
Von differenzierten Studien oder Kritikern wird auch der gängig gewordene Begriff „Greenwashing“ hie und da in den Raum geworfen. Hinsichtlich des Mikroplastik ist eine Aufklärung der Endverbraucher unbedingt erforderlich. Es muss kommuniziert werden, dass das Material dringend fachgerecht entsorgt werden muss, da sonst Süß- und Salzwasserspeicher belastet werden.

[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Steinpapier
[2] https://www.stone-paper.com/warum-stone-paper/
[3] https://www.stone-paper.com/steinpapier-umweltfreundlich/
[4] https://www.wired.com/2013/02/stone-paper-notebook/
[5] https://www.stone-paper.com/faq/
[6] https://utopia.de/ratgeber/polyethylen-pe-was-du-ueber-den-kunststoff-wissen-musst/
[7] http://stone-paper.nl/home

Eine Bestandsaufnahme der Umweltauswirkungen Teil 2 – Die Kosten

Worum geht es?

Heute weiten wir das Schwerpunktthema Auto ein wenig auf drei weitere Verkehrsteilnehmer im Individualverkehr aus. Das Flugzeug wird hier bewusst ignoriert, da dieses durch die internationalen Verflechtung von Kosten, durch die Frage, ob die CO2-Emissionen im Start- oder Zielstaat oder allen überflogenen Staaten angerechnet werden sollen, sowie die fehlende Besteuerung von Kerosin Vergleichsstudien sehr schwer machen. So kann nur ein verzerrtes Bild abgegeben werden. (Unwissenschaftlicher Einschub: Für Inlandsflüge wage ich zu behaupten, dass man die Klimabilanz nicht unbedingt mit anderen Verkehrsmitteln vergleichen muss, um ein mehr als offensichtliches Ergebnis zu erhalten. Wobei man fairerweise dazu sagen muss, dass das Flugzeug besonders für Langstrecken nur unwesentlich schlechter abschneidet als der Pkw. Siehe z.B. https://www.atmosfair.de/de/standards/emissionsberechnung/emissionsrechner/ [1])
Im Folgenden schauen wir uns die Kosten von Pkw, Bus, Bahn und Rad in Österreich, Deutschland und der Schweiz etwas genauer an.

Die externen Kosten für den Steuerzahler

Der Staat Österreich nimmt vom privaten und gewerblichen motorisierten Individualverkehr lediglich knapp über die Hälfte der Realkosten in Form von Steuern, NoVA oder Maut ein. Der Rest wird über „Subventionen“ (externe Kosten) vom allgemeinen Steuerzahler beglichen. Abbildung 1 gibt die Einnahmen mit 8,9 Mrd. € und die Ausgaben mit 15,6 Mrd. € an. Besonders deutlich zu Buche schlagen, neben der Erhaltung der Infrastruktur, die Kosten für Unfälle. Die Kosten für den Klimawandel können freilich nur statistisch berechnet werden, da hier auch Kosten geschätzt werden, welche von zukünftigen Generationen getragen werden müssen. [2]

Abbildung 1 – Keine Kostenwahrheit im Verkehr – Quelle: VCÖ 2017

Änhlich sieht die Sache in Deutschland aus. Hier ist das Verhältnis 50 Mrd. € zu 90 Mrd. €. [3]
Vergleicht man die externen Kosten zwischen Bus, Bahn und Pkw, so wird deutlich, dass der Individualverkehr besonders gegenüber der Bahn überproportional mehr Kosten verursacht (siehe Abbildung 2). [4]

Abbildung 2 – Externe Kosten von Pkw, Reisebus und Bahn – Quelle: VCÖ 2017

Auch der Reisebus schneidet immer noch deutlich schlechter als die Bahn ab und das, obwohl der Bundesverband Deutscher Omnibusunternehmer darüber klagt, dass die Bahn zahlreiche Subventionen erhält und der Fernbusverkehr nicht. [5]
Inwieweit die Daten zwischen Österreich und Deutschland vergleichbar sind, kann ich an dieser Stelle leider nicht sagen, da beide Datenquellen unterschiedliche Schwerpunkte haben und jener der Omnibusunternehmer ein wenig „eingefärbt“ wirkt. Der VCÖ sollte einen neutralen Standpunkt vertreten. Der Effekt, dass in deutschen Berichten der Bus klimafreundlicher abschneidet als die DB und in Österreich die ÖBB besser abschneidet als die Fernbusse, lässt sich auf den hohen Grad an erneuerbaren Energien im ÖBB-Netz zurückführen. Dies hat, wie bereits Abbildung 1 zu entnehmen, auch einen positiven Effekt auf die Kosten, da hier weniger kostenintensive Gegenmaßnahmen initiiert werden müssen.
Anhand der unterschiedlichen Themenschwerpunkte und Herausgeber wird deutlich, dass es immer darauf ankommt, wie man Werte für Klimafreundlichkeit und Kosten/Nutzen berechnet. So kommt es darauf an, welche Energiequellen ein Fahrzeug besitzt (abhängig von Betreiber und regionalem Energienetz). Auch wenn Fernbusse zwar nicht aktiv vom Staat gefördert werden, so dürfen die externen Kosten, die der Busverkehr verursacht, jedoch auch nicht außer Acht gelassen werden.
Für die Schweiz kann man vereinfacht sagen, dass die Zahlen in eine ähnliche Richtung gehen. Sehr schön aufbereitet hat es diese Schweizer Website:
https://www.energie-umwelt.ch/haus/oeffentlicher-verkehr-mobilitaet/oeffentlicher-verkehr [6]

Der Radfahrer als Finanzier des öffentlichen Verkehrs?!

Für die Stadt Wien wurde von Wissenschaftlern der Wiener Universität für Bodenkultur berechnet, dass Radfahrer den privaten motorisierten Individualverkehr mit knapp 225 Mio. € quersubventionieren, während Pkw die Allgemeinheit mit knapp 190 Mio. € belasten. Dabei ist zu beachten, dass dieses Modell auf den Stadtverkehr zugeschnitten wurde. Das Kostenungleichgewicht lässt sich insbesondere auf die positiven Auswirkungen des Radfahrens im Gesundheitssektor zurückführen. Die Krux an der Sache ist, dass dieser Effekt schwer greifbar ist. Die private Entscheidung Rad zu fahren und die regionalpolitische Entscheidung Radwege auszubauen, hat hauptsächliche für den Bund positive Auswirkungen. Somit gibt es für die Entscheidungsträger wenig Anreize, den Radverkehr auszubauen. Die Großzahl der Radfahrer selbst, die einen Ausbau vermutlich begrüßen würden, verfügen weder über eine starke Lobby noch über politische Entscheidungsgewalt.

Foto 1 – Radfahrer in der Stadt – Quelle: http://www.adfc-blog.de (letzter Zugriff am 07.04.2019)

Weiter findet sich in den Ausführungen der Wissenschaftler eine interessante Gegenüberstellung:
Die selbst zu tragenden Kosten (incl. Betrieb, Unfallwahrscheinlichkeit und ökonomischer Wert der Reisezeit) unterscheiden sich nur geringfügig. Für den Autofahrer sind 94 Cent pro Kilometer aufzubringen, für den Radfahrer 83 Cent pro Kilometer. Als Kosten für die Allgemeinheit (also über die Steuer abgegolten) entstehen beim Autofahrer 4,35 Cent pro Kilometer, der Radfahrer zahlt rechnerisch 81,47 Cent pro Kilometer ein. [7] Als Radfahrer subventioniert man den Staat also noch, indem man sich gesund und fit hält (weniger Kosten für die Krankenkassa) und weil Sachschäden mit dem Rad meist deutlich billiger ausfallen.
Ich wage zu behaupten, dass sich dies mit hoher Wahrscheinlichkeit auch auf vergleichbare Ballungsräume übertragen lässt. Ähnliche Studien wurden auch in Deutschland veranlasst, welche im Kern zum gleichen Ergebnis kommen. [8] [9]
Eine recht plakative eigene Überlegung sollte einen Teil der potenziell einzusparenden Kosten recht greifbar machen: Die Kosten für das Aufbauen und die Erhaltung der Infrastruktur ist für Radwege deutlich niedriger als für motorisierten Verkehr, da ein Radweg schmalere Fahrbahnen aufweist und durch den geringen Auflagedruck auch einen geringeren Verschleiß erfährt.

Umweltfreundlichkeit als Kostenfaktor

Dank der betriebseigenen Speicherkraftwerke ist die ÖBB das umweltfreundlichste Verkehrsmittel Österreichs und konnte trotz stark gestiegener Fahrgastzahlen seit 2006 den CO2-Ausstoß um 35% senken. Interessant sind die angegebenen Verhältnisse des CO2-Ausstoßes je Personenkilometer. Die ÖBB benötigt hier 12-mal weniger als ein PKW und 13-mal weniger als ein Flugzeug. Sowohl der große Unterschied zum PKW als auch der geringe Unterschied von PKW zu Flugzeug überraschen. Leider werden hier keine Quellen zu den Zahlen angegeben. [10]
Zu ähnlichen Ergebnissen kommen zwei weitere Artikel. [11] [12]

Sehr differenziert werden für die Schweiz die Umweltbelastungen verschiedener Verkehrsmittel in Abbildung 3 dargestellt.

Abbildung 3 – Umweltbelastung verschiedener Verkehrsmittel in der Schweiz – Quelle: http://www.umwelt-schweiz.ch (letzter Zugriff am 07.04.2019)

Besonders erwähnenswert sind die geringen Gesamtbelastungen bei der Bahn. Die vergleichsweise hohen Belastungen für Betrieb und Unterhalt bei Reisebussen bei gleichzeitig geringen Belastungen für Herstellung und Fahrweg sind ebenfalls erwähnenswert. Die exorbitant großen Umweltbelastungen bei der Herstellung von Elektroautos sind ebenso erstaunlich wie die verhältnismäßig hohen Herstellungskosten für Fahrräder. [13]

Abschließend noch interessante Zahlen zur jährlichen Pro-Kopf-Fahrleistung mit Bahn, Bus und städtischen Öffis im jeweils eigenen Land für europäische Staaten. Österreich und die Schweiz an der Spitze, Deutschland weit abgeschlagen. [14]

1. Österreich: 3.405 km
2. Schweiz: 3.335 km
3. Tschechien: 3.245 km
4. Ungarn: 2.885 km
5. Estland: 2.740 km
6. Irland: 2.725 km
7. Italien: 2.670 km
8. Frankreich: 2.630 km
9. Luxemburg: 2.620 km
10. Schweden: 2.545 km
11. Dänemark: 2.405 km
12. Belgien: 2.365 km
13. Griechenland: 2.235 km
14. Finnland: 2.220 km
15. Deutschland: 2.110 km
…….

Fazit

Wer gesund bleiben möchte und über die körperlichen und infrastrukturellen Bedingungen verfügt, der ist mit dem Hauptverkehrsmittel Fahrrad bestens bedient. Für Wegstrecken unter 10 km in städtischen Räumen ist das Transportmittel äußerst attraktiv, da es zugleich gesund, umweltfreundlich und sparsam für Nutzer und Allgemeinheit ist. Für Langstrecken sind Bus und Bahn unschlagbar. Ob man nun beides nutzt oder sich auf eines der beiden Transportmittel festlegen möchte, kann man neben der persönlichen Präferenz von der Energiequelle der jeweiligen Fahrzeuge und deren Auslastung abhängig machen.

Foto 2 – Sportlich im Alter – Quelle: http://www.berliner-kurier.de (letzter Zugriff am 07.04.2019)

Kostenfreie und klimaneutrale Verkehrsmittel gibt es leider nicht, jede Gelegenheit hat aber vielleicht das für diesen Zweck optimale Verkehrsmittel. Wie bei so vielen Dingen ist man mit einem Konsum mit Maß und Ziel schon auf einem sehr guten Weg, sich selbst und der Allgemeinheit das Leben leichter zu machen.

[1] https://www.atmosfair.de/de/standards/emissionsberechnung/emissionsrechner/
[2] https://www.vcoe.at/service/fragen-und-antworten/welche-kosten-entstehen-fuer-den-steuerzahler-durch-den-verkehr
[3] https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wirtschaftspolitik/studie-autofahrer-verursachen-hoehere-kosten-als-sie-abgaben-zahlen-12085783.html
[4] https://www.vcoe.at/themen/ausgeblendete-kosten-des-verkehrs/download-publikation-ausgeblendete-kosten-des-verkehrs?file=files/vcoe/uploads/Themen/Ausgeblendete%20Kosten%20des%20Verkehrs/VC%C3%96-Publikation%20Ausgeblendete%20Kosten%20des%20Verkehrs.pdf
[5] http://www.bdo.org/uploads/assets/55950ac28c43adbe95000002/original/bdo-Flyer-Der_Fernbus_im_Wettbewerb.pdf?1435830978
[6] https://www.energie-umwelt.ch/haus/oeffentlicher-verkehr-mobilitaet/oeffentlicher-verkehr
[7] https://diepresse.com/home/panorama/wien/633072/Studie_Radler-zahlen-fuer-PkwVerkehr
[8] https://nationaler-radverkehrsplan.de/de/aktuell/nachrichten/fahrrad-hat-gesamtgesellschaftlichen-nutzen-von-30
[9] https://volksentscheid-fahrrad.de/de/2016/09/16/die-wahren-kosten-des-autoverkehrs-2675/
[10] http://blog.oebb.at/pwk-und-flugzeug-glatt-abgehaengt/
[11] https://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20091218_OTS0148/oebb-nachhaltigkeit-oekonomisch-oekologisch-und-sozial
[12] https://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20100630_OTS0177/oebb-co2-werte-deutlich-verbessert
[13] https://umwelt-schweiz.ch/de/mobilitaet
[14] https://www.vcoe.at/presse/presseaussendungen/detail/vcoe-oesterreich-europas-spitzenreiter-bei-bahn-bus-und-staedtischen-oeffis

Das Auto

Eine Bestandsaufnahme der Umweltauswirkungen

Teil 1 – Der Platz

Auf Instagram gibt es von den „Ökofluencern“ Franzi (@franzischaedel), Janine (@die_wolkenguckerin ) Annemarie (@todayis_de) und @dearheima jeden Montag den  #bewegwasmontag. Dabei stellen sie jede Woche eine neue Frage zum nachhaltigen Leben. Mal gibt es Fragen für ein gutes Bauchgefühl („Was war bzw. ist das Schönste, was du auf deinem nachhaltigen Weg bisher erleben durftest?), aber manchmal eben auch Fragen, bei denen man der eigenen „Eco-Guilt“ ins Auge sehen muss. Letzte Woche also stellten sie folgende Frage in den Raum:

„Gibt es etwas, auf was du nicht verzichten kannst und wider besseren Wissens konsumierst / tust?“


„Mir ist sofort viel zu vieles eingefallen… Beim Heimgehen noch eine Packung Reis aus dem Supermarkt mitgenommen,  konventionelles Gemüse eingekauft, Besitz angehäuft und, my biggest shame: Auto gefahren.
Warum ist das für mich so schlimm? Ich weiß es nicht genau. Alle Punkte, die ich oben genannt habe, sind grundsätzlich vermeidbar, ebenso wie das Autofahren und trotzdem nimmt es für mich einen besonderen Stellenwert ein, weil die Probleme, die das Auto mit sich bringt, so vielfältig sind.“

Auf Instagram habe ich also schon letzte Woche beantwortet, doch pünktlich zum Aschermittwoch und dem viel beachteten Autofasten dachte ich mir, dass ich auf den Punkt Auto noch genauer eingehen will. Und zwar weniger auf die bekannten Probleme (CO2 und Luftverschmutzung), sondern auf ein paar Faktoren, die das Autofahren und –besitzen ebenfalls problematisch machen, aber weniger bekannt sind. Heute geht es mit dem wohl Offensichtlichsten los, nämlich…

Platz

Wer kennt diese Darstellung aus Münster nicht?!

Dieses Bild ging vor einigen Jahren um die Welt. Nicht umsonst, denn es zeigt ein gewaltiges Problem auf, das sich in den nächsten Jahren weiter verschärfen kann.

„2019 geht es in der Autobranche wieder bergauf“

titelte die Zeitung Die Welt Ende 2018 freudig. „Die Absatzzahlen in der Automobilindustrie steigen nach dem Dieselskandal wieder. Gerade die Zulieferer könnten von höheren Erwartungen profitieren, nicht zuletzt dank wieder besserer Perspektiven in China.“

Zugleich orakelte allerdings trend.at im Februar, dass „magere Zeiten […] auf die Hersteller zu[kämen]. In Europa lag das Plus bei 0,1 Prozent. In China brachen die Verkäufe gar um vier Prozent ein. Doch 2019 könnte es auch den US-Markt treffen. Frank Schwope, Autoanalyst der deutschen Nord/LB sieht magere Zeiten auf den Automarkt zukommen. In den USA rechnet er mit einem Rückgang der Verkaufszahlen von vier Prozent.“

Egal, ob es mehr oder weniger werden (hoffen wir auf weniger!), Autos verbrauchen enorm viel Platz! Und der Platz pro Auto, der verbraucht wird, der wird erwiesenermaßen immer mehr:

Die Universität Duisburg-Essen hat die Breite von Neuwagen untersucht, bzw.: deren Steigerung. Während 1990 die Durchschnittsbreite eines PKW bei 167,9 cm lag, waren es 2017 180,2 cm. Die Studienautoren rechnen zudem damit, dass es damit nicht zu Ende ist: 2015 sollen es sogar 183 cm sein. Übrigens wurden die Autos auch länger. Deutlich weniger als sie in die Breite wuchsen, doch immerhin um 7,4%. Die Zunahme dieser Größenordnung liegt sowohl an der Zunahme im Durchschnitt, wie auch an der steigenden Zahl der SUV’s und Vans.

Gilt der Golf dann eigentlich noch als Kleinwagen?! Quelle

Dieses Breitenwachstum hat nicht nur für den einzelnen Fahrer Nachteile: Parkplätze sind zu eng, die verengten Fahrspuren bei Baustellen werden zum Hindernis. Alles in allem: noch mehr Platz für ruhenden und fließenden Verkehr. (Bei ohnehin bereits jetzt massiver Flächenversiegelung!) Zu enge Parkplätze mögen jetzt nach Luxusproblem klingen, sind aber für Eltern mit Kindern, beeinträchtigte und alte Menschen ein gewaltiges Hindernis!

Dazu kommt:  Auto stehen nahezu den ganzen Tag. Gerade einmal 1 Stunde am Tag wird ein Privat-PKW im Durchschnitt bewegt. Heißt: das Auto steht 23 Stunden. Aber natürlich verbraucht es auch in der gefahrenen Stunde Platz, keine Frage. Und dieser Platz ist immens: In Österreich werden 2,5% des gesamten Landes als Verkehrsfläche genutzt – klingt recht wenig, ist aber fünfmal die Fläche Wiens! In Wien selbst werden übrigens 14,7% der Fläche für den Verkehr verbraucht.

So könnten Parkplätze nämlich auch aussehen… Quelle

Vor allem in der Stadt ist diese Fläche verhältnismäßig groß, zugleich auch der Nutzungsdruck darauf. Mehr Menschen wollen dieselbe Fläche nutzen. Für mich hat die Parkplatz-Frage immer mehr einen schalen Beigeschmack: Ist das gerecht?

Im Bachelor hatten wir für eine Lehrveranstaltung geplant, Parkplätze in der Wiener Innenstadt zu besetzen und als kurzzeitigen Minipark gestalten – ganze 5 Stück. 😉 Wir wollten testen, was passiert: ob die Freude von Passanten überwiegt oder der Autoverkehr seinen Grant an uns auslässt. Leider kam es dank nicht erfolgter Genehmigung dazu… Aber spätestens seit diesem Tag frage ich mich: Wieso ist es erlaubt, sich einen Teil der öffentlichen Stadtfläche für ein Auto (und einen lächerlich kleinen Beitrag) zu mieten, wenn ich das nicht darf, um mich auf diese Fläche zu setzen, legen oder mein Zeug dort abzustellen?

WEiterführende Links

Falls euch das Thema Auto und Platz weiter interessiert, schaut mal hier vorbei:

https://zurpolitik.com/2012/01/26/wie-viel-platz-brauchen-bus-auto-und-rad-in-der-stadt/

https://www.zukunft-mobilitaet.net/13615/strassenverkehr/parkraum-abloesebetrag-parkgebuehr-23-stunden/

https://www.vcoe.at/news/details/vcoe-verkehr-in-oesterreich-verbraucht-bereits-5-fache-flaeche-wiens

Know-How für Selbstversorger: Boden II

Teil 2  – Von Art und Weise

Habt ihr schon herausgefunden, welchen Bodentypen Ihr im Garten haben könntet? Super! Wenn nicht, hüpft doch mal rüber zum Artikel und findet es noch heraus!

Aber auch, wenn es sehr spannend ist zu wissen, welchen Bodentyp man vor sich hat, ist es ein Wissen,  das im Garten nicht ganz so viel Relevanz hat wie die Bodenart. Denn während der Typ Euch zwar viel über das Ausgangsgestein, das Klima oder das Alter des Bodens verraten können und Bodenart und –typ miteinander verknüpft sind, ist die Bodenart der Faktor, in den Ihr eingreifen könnt, um Euren Gartenboden Euch und den Bedürfnissen Eurer Pflanzen anzupassen!

Der recht sandige Boden aus unserem Gemüsegarten. Die Farbe zeigt schon, dass der Garten schon lange genutzt wird und mit Humus gedüngt wurde.

Die Bodenart nämlich beschreibt die Textur des Bodens und beantwortet die Frage der Korngrößenverteilung. Dabei gibt es drei Korngrößenfraktionen, die im Garten interessant sind: Sand, Schluff und Ton. Darüber hinaus unterscheidet man noch Kies und Steine, aber das sind eher die Fraktionen (also Anteile), die man lieber nicht im Garten haben will. Außer natürlich, man will einen „aufgeräumten“, ökologisch bedenklichen Steingarten, eingezäunt und sichtgeschützt durch Gabionen und am besten mit Folie gegen eventuelle Unkäuter ausgestattet…

Während sich unter den Korngrößen Sand und Ton noch jeder etwas vorstellen kann, ist Schluff vielen Laien kein Begriff mehr. Dabei ist das Ganze recht einfach:

Sandkörner haben mit 2 mm bis 0,063 mm die größten Durchmesser, während Tonkörner maximal 0,002 mm groß sind. Dazwischen liegen die Schluffkörner mit einem Durchmesser von 0,002 mm bis 0,063 mm. Die Tonteilchen sind so klein, dass man sie mit dem bloßen Auge nicht mehr erkennen kann!

In der Wissenschaft wird die Verteilung der Kornfraktionen mittels Siebserien analysiert, das heißt, der getrocknete Boden wird durch Siebe mit immer engeren Maschen gesiebt. Der Tonanteil schließlich lässt sich nur mehr in einer Suspension, also aufgelöst in einer Wassersäule, definieren. Je größer die Partikel, desto schneller fallen sie. Für die Verteilung gibt es festgelegte „Fallgeschwindigkeiten“, anhand derer man die Größe der jeweiligen Partikel analysieren kann. Das ist für den Hausgebrauch natürlich zu kompliziert und zu teuer, aber für eine grobe Einschätzung auch nicht unbedingt notwendig!

Bevor wir aber herausfinden, wie die Bodenarten in unserer Gartenerde verteilt sind, ist es hilfreich zu wissen, welche Bodenart welche Eigenschaften hat.

Ein erster Versuch, den Gartenboden auszurollen. Schon nach wenigen Rollbewegungen bricht die „Wurst“. (Und ähnelt dabei bemerkenswert gewissen „Hinterlassenschaften“.

Sand

Jedes Kind, das mit Sand spielt, merkt bald, dass der lockere Sand kein Wasser hält. Das Wasser versickert schnell, wodurch Sand innerhalb kurzer Zeit wieder ausgetrocknet ist. Auch Wärme kann Sand kaum halten.

Zugleich ist Sand aber sehr leicht zu bearbeiten,  weshalb er auch von Pflanzen sehr leicht durchwurzelt werden kann. Leider hält Sand nur wenige Nährstoffe, da sie mit dem durchsickernden Wasser ausgeschwemmt werden.

Der lehmige Boden, den ich aus einem Maulwurfshügel entnommen habe.
Hier sieht man, wie die Erde durch den Ton- und Schluffanteil formbar wird.

Ton

Auch Ton und seine Eigenschaften hat wohl jeder schon spielerisch erkunden dürfen: Ton ist eine schwere, feuchte Bodenart, die sich nur mühsam bearbeiten lässt. Während das beim Töpfern ein Vorteil ist, macht es die Bearbeitung von Äckern recht schwierig. Auch Pflanzen tun sich schwer, wenn sie in sehr tonigen Böden wurzeln wollen.

Zugleich hilft die hohe Wasserspeicherkapazität, die den Ton so feucht hält, auch dabei, Nährstoffe zu binden.

Die Maulwurfs-Hügel Erde, auf Bleistiftdicke ausgerollt…

Schluff

Der Schluff stellt das Bindeglied zwischen Ton und Sand dar. Schluffige Böden (auch lehmige Böden genannt) sind die für den Ackerfeldbau die wichtigsten und ertragreichsten Böden. Sie halten  Wasser besser als Sand, vernässen aber auch nicht so stark wie Ton, sondern speichern pflanzenverfügbares Wasser. Lehm ist gut durchwurzelbar und gut durchlüftet, lässt sich gut bearbeiten und hält Nährstoffe wesentlich besser als Sand.

Jetzt wäre es ein Traum, wenn in jedem Garten nur Schluff wäre, nicht wahr? Leider ist das nicht der Fall… Kleinräumig lässt sich daran aber natürlich etwas ändern! Darum: raus mit euch und in der Erde gewühlt! Jetzt brauchen wir nämlich eine Hand voll Gartenerde!

… und anschließend auf halbe Bleistiftdicke.

Bestimme deine Bodenart!

Nehmt euch etwa eine halbe Handvoll Erde. Das ist eure Bodenprobe. Versucht, sie nicht direkt an der Oberfläche zu entnehmen, sondern ca. 10 cm tief zu graben.

Ist sie besonders feucht oder trocken? Feucht ist hier das größere Problem, also nicht direkt nach einem Regenguss oder neben einer Pfütze Erde entnehmen! Ist die Erde zu trocken, feuchte sie mit einem Spritzer Wasser an.

Hier spricht man oft von der „optimalen Probenfeuchte“. Die zu erreichen ist teils Spielerei, teils Erfahrungswert. Probiert einfach ein bisschen herum, bis Ihr das Gefühl habt, dass Eure Bodenprobe feucht genug zum Ausrollen ist.

Genau das probiert man dann nämlich aus: lässt sich die Erde zu einer Rolle formen? Wenn sich Deine Probe nicht ausrollen lässt, dann hast Du einen sandigen oder schluffigen Boden vor Dir. Lässt sich Deine Probe ausrollen? Dann ist es ein toniger Boden. Je besser sich deine Probe ausrollen lässt, desto höher ist normalerweise der Tongehalt.

Folgt am besten der folgenden Grafik:

Glossar:
bindig/ nicht bindig: je höher der Ton- und Lehmanteil, desto bindiger. Das heißt, wenn euer Boden trotz hohem Sandanteil formbar ist, ist er bindig.
Knirschprobe: Dafür nehmt ihr ein kleines Stück Erde und reibt es in Ohrnähe zwischen den Fingern. Probiert ein paar verschiedene Erden, um ein Gefühl dafür zu bekommen, was laut und was leise knirscht.

Mit diesem Wissen könnt ihr jetzt Euren Boden verbessern: Habt ihr einen sehr sandigen Boden, macht es Sinn, tonige oder lehmige Böden einzuarbeiten, bei sehr schweren, tonhaltigen Böden, ist die Erhöhung des Sandgehalts eine gute Möglichkeit, um die Bearbeitbarkeit zu gewährleisten.

Übrigens, egal welche Bodenart: Humus einzuarbeiten macht immer Sinn! Humus hat durch seinen lockeren Aufbau natürlich einen Einfluss auf das Bodengefüge und die Verteilung der Korngrößen, doch erstrangig sorgt er für einen hohen Nährstoffeintrag, der den Pflanzen zur Verfügung steht!

Und jetzt: viel Spaß beim Proben!

Die Oberfläche ist matt: also handelt es sich um Lehm!

Mehr zum Thema Boden findet ihr zum Beispiel im „Lehrbuch zur Bodenkunde“ von Fritz Scheffer und Paul Schachtschabel.

Sehr interessante Experimente zum Thema Bodenproben findet ihr übrigens auch auf der Seite Hypersoil der Uni Münster:
https://hypersoil.uni-muenster.de/1/01/01.htm
https://hypersoil.uni-muenster.de/1/01/02.htm

Du hast Teil 1 – Bodentypen – noch nicht gelesen? Dann schnell hier entlang!

Know-How für Selbstversorger: Boden I

Teil 1 – Was is’n das für’n Typ?

Teil 2 findet ihr hier.

Immer unter unseren Füßen, Jahrtausende alt, abgegraben, erodiert und zubetoniert. Grundlage unserer gesamten Nahrungsmittelproduktion. Ohne Erde, ohne den Boden, wäre ein Leben auf der Erde kaum möglich. Und dennoch werden in Österreich jeden  Tag 12,9 ha versiegelt [1]. Zwar geht seit ca. 2013 der Wert zurück, unproblematisch ist die aktuelle Menge bei weitem nicht!

Das Umweltbundesamt etwa schätzt, dass durch Bodenversiegelung jährlich eine Fläche verschwindet, auf der der Nahrungsbedarf von 20.000 Personen gewährleistet werden könnte. [1]

20.000 Menschen. Das ist eine Stadt in der Größe von Amstetten, die jedes Jahr nicht mehr versorgt werden könnte, würde die Differenz nicht importiert! Die Aufgaben, die der Boden erfüllt, sind extrem vielfältig und gehen bei weitem über die Produktion von Nahrungsmitteln hinaus – zu viel für einen Post! Stellt Euch also auf einige weitere Beiträge zum Thema Boden ein! 😉

Was ist aber Boden eigentlich?

Wie beim Klima könnte man auch beim Boden hunderte von Definitionen bringen, die kluge Menschen aufgestellt haben.

„Boden ist das mit Wasser, Luft und Lebewesen durchsetzte, unter dem Einfluss der Umweltfaktoren an der Erdoberfläche entstandene und im Ablauf der Zeit sich weiterentwickelnde Umwandlungsprodukt mineralischer und organischer Substanzen mit eigener morphologischer Organisation, das in der Lage ist, höheren Pflanzen als Standort zu dienen und die Lebensgrundlage für Tiere und Menschen bildet. Als Raum-Zeit-Struktur ist der Boden ein vierdimensionales System.“

D. Schroeder: Bodenkunde in Stichworten, 1992, S.9

Beschäftigt man sich näher mit dem Thema, so stolpert man recht schnell übe die Begriffe der Bodentypen und der Bodenarten, die ungefähr so oft durcheinander geworfen werden wie die Begriffe Wetter und Klima.

Heute möchte ich mit dem Begriff des Bodentyps widmen und der – für Hobbygärtner und Selbstversorger durchaus interessanten bis wichtigen Frage – widmen, wie man selber herausfinden kann, welcher Bodentyp im eigenen Garten vorherrscht.

Bodentypen

Mehrere Faktoren bestimmen den Bodentyp: das Ausgangsgestein, das Relief, das Klima und die Vegetation beeinflussen, welcher Bodentypus wo vorherrscht und was darauf am besten (oder halt natürlicherweise) wächst. Ich beschränke mich hier auf die Bodentypen, die für die Nutzung als Garten interessant sind.

Braunes Erdreich

Braunerde

Der wohl häufigste Bodentyp ist die Braunerde, die aus verschiedenen Ausgangsgesteinen entstehen kann, solange diese Gesteine kalkfrei sind. Die braune Farbe entsteht durch die im Boden enthaltenen Eisenminerale, welche unter dem Einfluss von Luft und Wasser oxidieren. Je nach Eisenanteil wird der Boden rötlicher oder behält seine namengebende Braunfärbung.

Braunerden können fast jede Ausprägung annehmen, je nachdem aus welchem Gestein sie entstehen: sie können sauer oder basisch sein, sie können sandig, tonig oder voller Steine sein. Insofern lässt sich auch keine grundsätzliche Einschätzung abgeben, wie fruchtbar oder „gut“ Braunerde ist. Dafür braucht man eine zusätzliche Information, nämlich die vorherrschende Bodenart [Artikel folgt].

Fast para-diesisch gut

Parabraunerde

Vom Namen ähnlich, aber doch völlig anders sind die Parabraunerden. Hier braucht es den Kalk nämlich per Definition! Parabraunerden entstehen aus besonders feinem Ausgangsmaterial, wodurch Parabraunerden besonders fruchtbar sind.

Die kalkhaltigen Ausgangsgesteine wurden durch die eiszeitlichen Gletscher zu feinem Staub zerrieben und nach deren Abschmelzen ausgeblasen. Die Bereiche, in denen sich diese Feinsande abgelagert haben, sind heute oft die fruchtbarsten Gegenden: der Gäuboden in Bayern etwa setzt sich in Österreich fort. Besonders im Weinviertel finden sich tiefgründige Lössvorkommen.

Wieso aber sind Parabraunerden so fruchtbar? Während die obersten Bodenschichten sehr locker sind, so dass die Wurzeln sich gut ausbreiten können, sind die tieferen Schichten dichter und tonhaltiger: dadurch fließt eindringendes Wasser langsamer und gleichmäßiger ab.

Schwarz wie Ebenholz

Schwarzerde

Löss ist auch das Ausgangsgestein für die fruchtbare Erde schlechthin: Schwarzerde. Schwarzerden können zu Parabraunerden degradieren (also schlechter werden), wenn sie dauerhaft besonders hoher Feuchtigkeit ausgesetzt sind: durch Auswaschung  und verstärkter Verwitterung verliert die Schwarzerde an Qualität und die bodenbildenden Prozesse verlangsamen sich.

Wie bei der Braunerde ist die Farbe ein guter Hinweis darauf, welcher Bodentyp vorliegt: der ca. 40 cm mächtige, tief-dunkelbraun-schwarze Oberhorizont enthält große Mengen Humus. Humus ist die tote, organische Substanz des Bodens, die Bodenorganismen aus Blättern, Gras und Ähnlichem umsetzt. [Anschaulich kann man das auch in der Wurmkiste beobachten.] Gleichzeitig sind dunkle Böden aber nicht zwangsweise fruchtbar: zu viel organische Substanz, wie etwa in Mooren, lässt den Boden sauer werden. Das Wichtigste an der Schwarzerde ist aber die intensive Bioturbation. Als Bioturbation bezeichnet man die Bewegung, die (Boden)Lebewesen im Bodengefüge verrichten. Da das Gefüge in der Schwarzerde sehr locker ist, ist es für die Bodentiere einfach, sich dort hinein zu graben und so für eine besonders gute Durchmischung und Durchlüftung zu sorgen.

Und wie finde ich jetzt heraus, welcher Bodentyp in meinem Garten ist?

Du kannst einen Profi beauftragen, der den Boden analysiert…

Ausschnitt aus dem deutschen Bodenatlas (www.bodenatlas.de)

Oder du wirfst einen Blick in eine Bodenkarte! Zwar sind diese natürlich generalisiert, das heißt, kleine und atypische Bodentypen werden nicht dargestellt, doch einen Hinweis auf die Bodentypen der Umgebung bekommt man sicher!

Für Deutschland: https://www.bodenatlas.de/
Für Österreich: https://bodenkarte.at

Für die Schweiz existiert derzeit meines Wissens nach kein GeoViewer, er scheint aber in Arbeit zu sein.

Und ein Ausschnitt aus der österreichischen Bodenkarte ( https://bodenkarte.at )

Rausgefunden, welchen Bodentyp Du vor der Haustür hast? Super! Dann kannst Du jetzt ja rausgehen und testen, welche Bodenart es ist!

[1] http://www.umweltbundesamt.at/umweltsituation/raumordnung/rp_flaecheninanspruchnahme/