Know-How für Selbstversorger: Boden II

Teil 2  – Von Art und Weise

Habt ihr schon herausgefunden, welchen Bodentypen Ihr im Garten haben könntet? Super! Wenn nicht, hüpft doch mal rüber zum Artikel und findet es noch heraus!

Aber auch, wenn es sehr spannend ist zu wissen, welchen Bodentyp man vor sich hat, ist es ein Wissen,  das im Garten nicht ganz so viel Relevanz hat wie die Bodenart. Denn während der Typ Euch zwar viel über das Ausgangsgestein, das Klima oder das Alter des Bodens verraten können und Bodenart und –typ miteinander verknüpft sind, ist die Bodenart der Faktor, in den Ihr eingreifen könnt, um Euren Gartenboden Euch und den Bedürfnissen Eurer Pflanzen anzupassen!

Der recht sandige Boden aus unserem Gemüsegarten. Die Farbe zeigt schon, dass der Garten schon lange genutzt wird und mit Humus gedüngt wurde.

Die Bodenart nämlich beschreibt die Textur des Bodens und beantwortet die Frage der Korngrößenverteilung. Dabei gibt es drei Korngrößenfraktionen, die im Garten interessant sind: Sand, Schluff und Ton. Darüber hinaus unterscheidet man noch Kies und Steine, aber das sind eher die Fraktionen (also Anteile), die man lieber nicht im Garten haben will. Außer natürlich, man will einen „aufgeräumten“, ökologisch bedenklichen Steingarten, eingezäunt und sichtgeschützt durch Gabionen und am besten mit Folie gegen eventuelle Unkäuter ausgestattet…

Während sich unter den Korngrößen Sand und Ton noch jeder etwas vorstellen kann, ist Schluff vielen Laien kein Begriff mehr. Dabei ist das Ganze recht einfach:

Sandkörner haben mit 2 mm bis 0,063 mm die größten Durchmesser, während Tonkörner maximal 0,002 mm groß sind. Dazwischen liegen die Schluffkörner mit einem Durchmesser von 0,002 mm bis 0,063 mm. Die Tonteilchen sind so klein, dass man sie mit dem bloßen Auge nicht mehr erkennen kann!

In der Wissenschaft wird die Verteilung der Kornfraktionen mittels Siebserien analysiert, das heißt, der getrocknete Boden wird durch Siebe mit immer engeren Maschen gesiebt. Der Tonanteil schließlich lässt sich nur mehr in einer Suspension, also aufgelöst in einer Wassersäule, definieren. Je größer die Partikel, desto schneller fallen sie. Für die Verteilung gibt es festgelegte „Fallgeschwindigkeiten“, anhand derer man die Größe der jeweiligen Partikel analysieren kann. Das ist für den Hausgebrauch natürlich zu kompliziert und zu teuer, aber für eine grobe Einschätzung auch nicht unbedingt notwendig!

Bevor wir aber herausfinden, wie die Bodenarten in unserer Gartenerde verteilt sind, ist es hilfreich zu wissen, welche Bodenart welche Eigenschaften hat.

Ein erster Versuch, den Gartenboden auszurollen. Schon nach wenigen Rollbewegungen bricht die „Wurst“. (Und ähnelt dabei bemerkenswert gewissen „Hinterlassenschaften“.

Sand

Jedes Kind, das mit Sand spielt, merkt bald, dass der lockere Sand kein Wasser hält. Das Wasser versickert schnell, wodurch Sand innerhalb kurzer Zeit wieder ausgetrocknet ist. Auch Wärme kann Sand kaum halten.

Zugleich ist Sand aber sehr leicht zu bearbeiten,  weshalb er auch von Pflanzen sehr leicht durchwurzelt werden kann. Leider hält Sand nur wenige Nährstoffe, da sie mit dem durchsickernden Wasser ausgeschwemmt werden.

Der lehmige Boden, den ich aus einem Maulwurfshügel entnommen habe.
Hier sieht man, wie die Erde durch den Ton- und Schluffanteil formbar wird.

Ton

Auch Ton und seine Eigenschaften hat wohl jeder schon spielerisch erkunden dürfen: Ton ist eine schwere, feuchte Bodenart, die sich nur mühsam bearbeiten lässt. Während das beim Töpfern ein Vorteil ist, macht es die Bearbeitung von Äckern recht schwierig. Auch Pflanzen tun sich schwer, wenn sie in sehr tonigen Böden wurzeln wollen.

Zugleich hilft die hohe Wasserspeicherkapazität, die den Ton so feucht hält, auch dabei, Nährstoffe zu binden.

Die Maulwurfs-Hügel Erde, auf Bleistiftdicke ausgerollt…

Schluff

Der Schluff stellt das Bindeglied zwischen Ton und Sand dar. Schluffige Böden (auch lehmige Böden genannt) sind die für den Ackerfeldbau die wichtigsten und ertragreichsten Böden. Sie halten  Wasser besser als Sand, vernässen aber auch nicht so stark wie Ton, sondern speichern pflanzenverfügbares Wasser. Lehm ist gut durchwurzelbar und gut durchlüftet, lässt sich gut bearbeiten und hält Nährstoffe wesentlich besser als Sand.

Jetzt wäre es ein Traum, wenn in jedem Garten nur Schluff wäre, nicht wahr? Leider ist das nicht der Fall… Kleinräumig lässt sich daran aber natürlich etwas ändern! Darum: raus mit euch und in der Erde gewühlt! Jetzt brauchen wir nämlich eine Hand voll Gartenerde!

… und anschließend auf halbe Bleistiftdicke.

Bestimme deine Bodenart!

Nehmt euch etwa eine halbe Handvoll Erde. Das ist eure Bodenprobe. Versucht, sie nicht direkt an der Oberfläche zu entnehmen, sondern ca. 10 cm tief zu graben.

Ist sie besonders feucht oder trocken? Feucht ist hier das größere Problem, also nicht direkt nach einem Regenguss oder neben einer Pfütze Erde entnehmen! Ist die Erde zu trocken, feuchte sie mit einem Spritzer Wasser an.

Hier spricht man oft von der „optimalen Probenfeuchte“. Die zu erreichen ist teils Spielerei, teils Erfahrungswert. Probiert einfach ein bisschen herum, bis Ihr das Gefühl habt, dass Eure Bodenprobe feucht genug zum Ausrollen ist.

Genau das probiert man dann nämlich aus: lässt sich die Erde zu einer Rolle formen? Wenn sich Deine Probe nicht ausrollen lässt, dann hast Du einen sandigen oder schluffigen Boden vor Dir. Lässt sich Deine Probe ausrollen? Dann ist es ein toniger Boden. Je besser sich deine Probe ausrollen lässt, desto höher ist normalerweise der Tongehalt.

Folgt am besten der folgenden Grafik:

Glossar:
bindig/ nicht bindig: je höher der Ton- und Lehmanteil, desto bindiger. Das heißt, wenn euer Boden trotz hohem Sandanteil formbar ist, ist er bindig.
Knirschprobe: Dafür nehmt ihr ein kleines Stück Erde und reibt es in Ohrnähe zwischen den Fingern. Probiert ein paar verschiedene Erden, um ein Gefühl dafür zu bekommen, was laut und was leise knirscht.

Mit diesem Wissen könnt ihr jetzt Euren Boden verbessern: Habt ihr einen sehr sandigen Boden, macht es Sinn, tonige oder lehmige Böden einzuarbeiten, bei sehr schweren, tonhaltigen Böden, ist die Erhöhung des Sandgehalts eine gute Möglichkeit, um die Bearbeitbarkeit zu gewährleisten.

Übrigens, egal welche Bodenart: Humus einzuarbeiten macht immer Sinn! Humus hat durch seinen lockeren Aufbau natürlich einen Einfluss auf das Bodengefüge und die Verteilung der Korngrößen, doch erstrangig sorgt er für einen hohen Nährstoffeintrag, der den Pflanzen zur Verfügung steht!

Und jetzt: viel Spaß beim Proben!

Die Oberfläche ist matt: also handelt es sich um Lehm!

Mehr zum Thema Boden findet ihr zum Beispiel im „Lehrbuch zur Bodenkunde“ von Fritz Scheffer und Paul Schachtschabel.

Sehr interessante Experimente zum Thema Bodenproben findet ihr übrigens auch auf der Seite Hypersoil der Uni Münster:
https://hypersoil.uni-muenster.de/1/01/01.htm
https://hypersoil.uni-muenster.de/1/01/02.htm

Du hast Teil 1 – Bodentypen – noch nicht gelesen? Dann schnell hier entlang!

Know-How für Selbstversorger: Boden I

Teil 1 – Was is’n das für’n Typ?

Teil 2 findet ihr hier.

Immer unter unseren Füßen, Jahrtausende alt, abgegraben, erodiert und zubetoniert. Grundlage unserer gesamten Nahrungsmittelproduktion. Ohne Erde, ohne den Boden, wäre ein Leben auf der Erde kaum möglich. Und dennoch werden in Österreich jeden  Tag 12,9 ha versiegelt [1]. Zwar geht seit ca. 2013 der Wert zurück, unproblematisch ist die aktuelle Menge bei weitem nicht!

Das Umweltbundesamt etwa schätzt, dass durch Bodenversiegelung jährlich eine Fläche verschwindet, auf der der Nahrungsbedarf von 20.000 Personen gewährleistet werden könnte. [1]

20.000 Menschen. Das ist eine Stadt in der Größe von Amstetten, die jedes Jahr nicht mehr versorgt werden könnte, würde die Differenz nicht importiert! Die Aufgaben, die der Boden erfüllt, sind extrem vielfältig und gehen bei weitem über die Produktion von Nahrungsmitteln hinaus – zu viel für einen Post! Stellt Euch also auf einige weitere Beiträge zum Thema Boden ein! 😉

Was ist aber Boden eigentlich?

Wie beim Klima könnte man auch beim Boden hunderte von Definitionen bringen, die kluge Menschen aufgestellt haben.

„Boden ist das mit Wasser, Luft und Lebewesen durchsetzte, unter dem Einfluss der Umweltfaktoren an der Erdoberfläche entstandene und im Ablauf der Zeit sich weiterentwickelnde Umwandlungsprodukt mineralischer und organischer Substanzen mit eigener morphologischer Organisation, das in der Lage ist, höheren Pflanzen als Standort zu dienen und die Lebensgrundlage für Tiere und Menschen bildet. Als Raum-Zeit-Struktur ist der Boden ein vierdimensionales System.“

D. Schroeder: Bodenkunde in Stichworten, 1992, S.9

Beschäftigt man sich näher mit dem Thema, so stolpert man recht schnell übe die Begriffe der Bodentypen und der Bodenarten, die ungefähr so oft durcheinander geworfen werden wie die Begriffe Wetter und Klima.

Heute möchte ich mit dem Begriff des Bodentyps widmen und der – für Hobbygärtner und Selbstversorger durchaus interessanten bis wichtigen Frage – widmen, wie man selber herausfinden kann, welcher Bodentyp im eigenen Garten vorherrscht.

Bodentypen

Mehrere Faktoren bestimmen den Bodentyp: das Ausgangsgestein, das Relief, das Klima und die Vegetation beeinflussen, welcher Bodentypus wo vorherrscht und was darauf am besten (oder halt natürlicherweise) wächst. Ich beschränke mich hier auf die Bodentypen, die für die Nutzung als Garten interessant sind.

Braunes Erdreich

Braunerde

Der wohl häufigste Bodentyp ist die Braunerde, die aus verschiedenen Ausgangsgesteinen entstehen kann, solange diese Gesteine kalkfrei sind. Die braune Farbe entsteht durch die im Boden enthaltenen Eisenminerale, welche unter dem Einfluss von Luft und Wasser oxidieren. Je nach Eisenanteil wird der Boden rötlicher oder behält seine namengebende Braunfärbung.

Braunerden können fast jede Ausprägung annehmen, je nachdem aus welchem Gestein sie entstehen: sie können sauer oder basisch sein, sie können sandig, tonig oder voller Steine sein. Insofern lässt sich auch keine grundsätzliche Einschätzung abgeben, wie fruchtbar oder „gut“ Braunerde ist. Dafür braucht man eine zusätzliche Information, nämlich die vorherrschende Bodenart [Artikel folgt].

Fast para-diesisch gut

Parabraunerde

Vom Namen ähnlich, aber doch völlig anders sind die Parabraunerden. Hier braucht es den Kalk nämlich per Definition! Parabraunerden entstehen aus besonders feinem Ausgangsmaterial, wodurch Parabraunerden besonders fruchtbar sind.

Die kalkhaltigen Ausgangsgesteine wurden durch die eiszeitlichen Gletscher zu feinem Staub zerrieben und nach deren Abschmelzen ausgeblasen. Die Bereiche, in denen sich diese Feinsande abgelagert haben, sind heute oft die fruchtbarsten Gegenden: der Gäuboden in Bayern etwa setzt sich in Österreich fort. Besonders im Weinviertel finden sich tiefgründige Lössvorkommen.

Wieso aber sind Parabraunerden so fruchtbar? Während die obersten Bodenschichten sehr locker sind, so dass die Wurzeln sich gut ausbreiten können, sind die tieferen Schichten dichter und tonhaltiger: dadurch fließt eindringendes Wasser langsamer und gleichmäßiger ab.

Schwarz wie Ebenholz

Schwarzerde

Löss ist auch das Ausgangsgestein für die fruchtbare Erde schlechthin: Schwarzerde. Schwarzerden können zu Parabraunerden degradieren (also schlechter werden), wenn sie dauerhaft besonders hoher Feuchtigkeit ausgesetzt sind: durch Auswaschung  und verstärkter Verwitterung verliert die Schwarzerde an Qualität und die bodenbildenden Prozesse verlangsamen sich.

Wie bei der Braunerde ist die Farbe ein guter Hinweis darauf, welcher Bodentyp vorliegt: der ca. 40 cm mächtige, tief-dunkelbraun-schwarze Oberhorizont enthält große Mengen Humus. Humus ist die tote, organische Substanz des Bodens, die Bodenorganismen aus Blättern, Gras und Ähnlichem umsetzt. [Anschaulich kann man das auch in der Wurmkiste beobachten.] Gleichzeitig sind dunkle Böden aber nicht zwangsweise fruchtbar: zu viel organische Substanz, wie etwa in Mooren, lässt den Boden sauer werden. Das Wichtigste an der Schwarzerde ist aber die intensive Bioturbation. Als Bioturbation bezeichnet man die Bewegung, die (Boden)Lebewesen im Bodengefüge verrichten. Da das Gefüge in der Schwarzerde sehr locker ist, ist es für die Bodentiere einfach, sich dort hinein zu graben und so für eine besonders gute Durchmischung und Durchlüftung zu sorgen.

Und wie finde ich jetzt heraus, welcher Bodentyp in meinem Garten ist?

Du kannst einen Profi beauftragen, der den Boden analysiert…

Ausschnitt aus dem deutschen Bodenatlas (www.bodenatlas.de)

Oder du wirfst einen Blick in eine Bodenkarte! Zwar sind diese natürlich generalisiert, das heißt, kleine und atypische Bodentypen werden nicht dargestellt, doch einen Hinweis auf die Bodentypen der Umgebung bekommt man sicher!

Für Deutschland: https://www.bodenatlas.de/
Für Österreich: https://bodenkarte.at

Für die Schweiz existiert derzeit meines Wissens nach kein GeoViewer, er scheint aber in Arbeit zu sein.

Und ein Ausschnitt aus der österreichischen Bodenkarte ( https://bodenkarte.at )

Rausgefunden, welchen Bodentyp Du vor der Haustür hast? Super! Dann kannst Du jetzt ja rausgehen und testen, welche Bodenart es ist!

[1] http://www.umweltbundesamt.at/umweltsituation/raumordnung/rp_flaecheninanspruchnahme/

Tierischer Abfall

Biomüll, der Fluch der Vegetarier (oder so ähnlich)

„Guter Grund“

Eine Art von Abfall, welche wohl kein Zero Waster als „Müll“ bezeichnen würde, ist Bio-Abfall. Im Gegenteil, da viele Menschen, die sich mit müllfreiem Leben beschäftigen, auch mit veganem und vegetarischem Leben sympathisieren, fällt genau da oft recht viel Abfall für die Biotonne an.

Nun gibt es in den meisten Städten Europas eine funktionierende Müllabfuhr, im besten Falle auch eine gesonderte Sammlung von biogenem Abfall.   In Wien etwa landet der Biomüll im Kompostwerk Lobau, wo aus dem Abfall wertvoller Boden wird. [1] Besonders gut gefällt mir am Wiener Konzept, dass der fertige Kompost gratis an den Mistplätzen abgeholt werden kann. Eimer schnappen, zum Mistplatz fahren, Pflanzen einsetzen. Die vergangenen Jahre haben wir mit dem „Guten Grund“ sowohl unsere Pflanzentöpfe befüllt als auch mit dem Kompost unseren Gemeinschaftsgarten gedüngt. Die MA48 weißt sogar ausdrücklich darauf hin, dass der Einsatz dieses Komposts auch in Betrieben mit biologischer Landwirtschaft möglich ist. [2]

So sollte es funktionieren… Tut’s halt leider nicht überall!
Quelle: wien.gv.at, Guter Grund

Jetzt ist es nicht überall so einfach, seinen Biomüll loszuwerden. Teils gibt es keine hauseigenen Biotonnen oder man ist – wie wir auch – einfach froh, wenn man nicht täglich zur Tonne schlappen muss. Welche Möglichkeiten also gibt es?

Zuerst einmal: Soll in der Wohnung kompostiert werden oder ist auch eine Lösung in der Nähe des Hauses möglich?
Wenn sich rund um das Wohnhaus ein Plätzchen findet, lohnt es sich, sich an die Hausverwaltung zu wenden und mit dieser den geplanten Komposthaufen zu besprechen. Das kann natürlich zu einer Diskussion mit dem ganzen Wohnhaus führen mit eventuell negativem Ausgang. Denn auch wenn ein Komposthaufen wenig Platz braucht, ist der Standort entscheidend: So soll er wind- und sonnengeschützt sein, bestenfalls Durch einen Sichtschutz abgegrenzt, gut erreichbar, möglichst eben und vor allem: möglichst weit weg von allem Balkonen und Fenstern. Auch wenn es selten passiert: ein Komposthaufen kann kippen und den Geruch will dann keiner in der Nase. Nichtsdestotrotz ist ein Haus-Kompost ein schönes Gemeinschaftsprojekt. Und selbst wenn nichts aus der Idee wird, findet man durch den Prozess vielleicht Gleichgesinnte im eigenen Haus.

Vielleicht gibt es auch einen Gemeinschaftsgarten in Deiner Nähe? Entweder umsonst oder gegen einen geringen Beitrag kann man dort mitgarteln, Leute kennen lernen und im besten Fall: Biomüll entsorgen. Dabei bleibt aber meist das Problem mit der Faulheit: wer will schon alle paar Tage seine Karottenschalen in den nächsten Gemeinschaftsgarten bringen?! (Disclaimer: ich nicht 😉 )

Also muss ein Komposter für die Wohnung her! Dafür gibt es zwei Ansätze, einmal den Bokashi-Eimer, einmal die Wurmkiste. Beide sind beliebt bei Umweltschützern, klein genug, um auch in der winzigsten Küche nicht zu stören und – soweit korrekt geführt – geruchlos. Da hört die Gemeinsamkeit aber eigentlich auch schon auf…

BOKASHI – Japanische Effizienz

Angeblich (ich habe verschiedene Quellen gefunden, die teils widersprüchliche Übersetzungen angeben) heißt Bokashi so viel wie „fermentiertes organisches Material“ [3] oder auch „schrittweises umsetzen“ [4]. Wie der Name schon sagt: es handelt sich bei einem Bokashi-Eimer nicht um einen Komposter im eigentlichen Sinne, da das organische Material nicht verrottet, sondern fermentiert. Das geht deutlich schneller als traditionelles Kompostieren: etwa 2 bis 3 Wochen nur braucht der Eimer bei Optimaltemperatur (ca. 25 – 30°) [3]. Bereits während der Fermentierung kann man Bokashi- Sickersaft ernten und als Flüssigdünger für Pflanzen verwenden. Und: alle organische Abfälle dürfen in den Eimer! Also auch Fleisch, Fisch, Gekochtes und Zitronenschalen, welche im Kompost nur in homöopathischen Dosen etwas zu suchen haben. Die Geschwindigkeit lässt sich aber nur erreichen, wenn der Eimer nicht zu oft geöffnet wird. Um eine zweite „Müllsammelstelle“, in der der Bioabfall für ein bis zwei Tage gesammelt wird, kommt man hier kaum umhin. Das Ergebnis der Fermentierung ist übrigens keine Erde, sondern Dünger und sollte nur mit Erde gemischt verwendet werden.

Das hier ist Erde, frisch aus der Wurmkiste.

„Herzstück“ des Bokashi sind Effektive Mikroorganismen (EM), entweder in flüssiger Form oder als Pulver. Die EM werden über jede Schicht Bioabfall, die man in den Bokashi legt, gestreut. Zugegebenermaßen ist das auf Dauer nicht ganz billig. Zwar braucht man pro Schicht nicht viel, über die Jahre hinweg kommt aber doch was zusammen. Die Eimer selbst sind ebenfalls recht kostenintensiv, wenn man sie betriebsbereit kauft. Ein kleiner Eimer kostet meist rund 50,00 €. Sinnvollerweise schafft man zudem gleich zwei an, so kann ein Eimer in Ruhe fermentieren, während der andere befüllt wird. Mit ein bisschen handwerklichem Geschick lässt sich so ein Bokashi-Eimer aber natürlich selber bauen. [5] Macht ja auch mehr Spaß! 😉

Wurmkiste – Es kreucht und fleucht

Noch teurer in der Anschaffung ist sicherlich die Wurmkiste. Ein bekannter österreichischer Hersteller etwa verlangt für das kleinste Modell als Selbstbaubox 170,00 €. Ich möchte damit jetzt keinesfalls diesen Preis in Frage stellen! Die Jungs fertigen in Handarbeit und verwenden vorwiegend nachwachsende Rohstoffe – Qualität hat ihren Preis. Auch hier: selbst bauen ist billiger! Trotzdem braucht es hier deutlich mehr Werkzeug, Platz und Know-How als beim Bokashi-Eimer. Ich habe unsere Wurmkiste selber gebaut, mit tatkräftiger Unterstützung meines kleinen Bruders. Orientiert habe ich mich dabei an verschiedenen Anleitungen im Internet. [6]

Unsere selbstgebaute Wurmkiste

Wurmkisten kann man auf zwei Arten aufbauen: horizontal oder vertikal. Die vertikalen Modelle benötigen eine Auffangwanne für den Wurmtee, welcher ein flüssiges Nebenprodukt der Wurmkompostierung ist und ebenfalls als Dünger verwendet werden kann [7]. Da ich eine horizontale Kiste habe, kann ich zu den vertikalen Systemen nur die Kritik von befreundeten Wurmhaltern weitergeben: diese haben den Nachteil, dass es bei der Ernte der Erde oft chaotisch zugeht, da man die Box mit den Würmern herausheben muss. Dabei  kann Einiges danebengehen und direkt Spaß macht den Würmchen das Umsiedeln wahrscheinlich auch nicht. Beim horizontalen Aufbau (der sich nebenbei auch deutlich einfacher selber bauen lässt) dagegen siedeln sich die Würmer mehr oder weniger selbst um. Da man zwei Hälften hat, füttert man, sobald Hälfte A voll ist, nur noch in Hälfte B. Wenn die Würmer eine Weile nichts mehr zu Futtern bekommen, gehen sie freiwillig in Hälfte B. Hälfte A lässt sich dann einfach mit einem Schaufelchen leeren und man hat wunderbare Erde. Nachteil der horizontalen Modelle: Wurmtee gibt es keinen und man sollte darauf achten, dass der Kisteninhalt nicht zu feucht wird.

Ein Blick hinein. Links eine Sprühflasche für Wasser und vorsichtshalber trockenes Material, rechts beschützt James Bond Erde und Würmer vor den Fliegen…

Egal wie sie nun aufgebaut sind: Würmer braucht man immer! Auch hier: nicht ganz billig, so eine Startpopulation. Der Vorteil hier gegenüber dem Bokashi: Wenn Du Deine Würmer nicht gerade misshandelst, verhungern lässt oder ertränkst werden sie ohne Nachhelfen immer mehr! Unter Laborbedingungen können sich Kompostwürmer in einem Jahr vertausendfachen! Im echten Leben wird es wahrscheinlich nicht ganz so schnell gehen, aber die Population reguliert sich recht schnell und passt sich auch in Notzeiten (Urlaub) an die Gegebenheiten an. Ich habe meine Startpopulation übrigens über eine Facebook-Gruppe (Zero-Waste Vienna) bei netten Menschen gegen Brot bzw. Bienenwachstücher eingetauscht. Geld gespart und nette Leute kennengelernt – was will man mehr!

Die Würmer sind Lebewesen – mit allen Vor- und Nachteilen

Füttern sollte man den Würmchen übrigens nur, was auch in den Kompost sollte, also kein Fleisch, kein Fisch, keine Zitrusfrüchte oder Ähnliches. Auch Zwiebelreste mögen die Würmer nicht so gerne. Und wer hofft, mit den Würmern der sommerlichen Fliegenplage zu entgehen, den muss ich enttäuschen. Zwar kaum Fruchtfliegen, aber Trauermücken. Und: Du hast jetzt Haustiere! Sie sind leise, machen keinen Dreck und räumen deinen Mist weg, aber: Du musst Dich um sie kümmern!

Fazit

Vor- und Nachteile der Kompostierer im Überblick

Wenn man also ganz stur nach der Vor- und Nachteilliste geht, ist der Bokashi-Eimer wohl für viele die bessere Wahl. Trotzdem bin ich überzeugter Wurmkisten-Fan! Warum? Wenn ich ganz oberflächlich anfange: die Optik! Eine Wurmkiste aus Holz macht einfach mehr her als zwei Plastikeimer für den Bokashi! Wenn man möchte kann man die horizontale Wurmkiste auch noch als Sitzgelegenheit nutzen – Kissen drauf, fertig. Und mit den Würmern ist bei Besuch Gesprächsstoff garantiert. Aber für mich am wichtigsten: es sind sichtbare (die Bakterien vom Eimer ja egtl auch) Lebewesen und ich bin extrem fasziniert davon, wie diese kleinen Tierchen meinen Müll in einen wertvollen Rohstoff umwandeln!

Habt Ihr noch Fragen zu Bokashi-Eimer oder Wurmkiste? Oder wollt ihr Eure Erfahrungen teilen? Immer her damit! Ich freue mich über Kommentare!

Quellen

[1] https://www.wien.gv.at/umwelt/ma48/beratung/muelltrennung/biogener-abfall/kompost.html
[2] https://www.wien.gv.at/umwelt/ma48/beratung/muelltrennung/biogener-abfall/
[3] http://www.natuerlich-gesund-web.de/html/was_ist_bokashi.html
[4]https://www.sat1.at/ratgeber/wohnen-garten/haushalt/bokashi-so-funktioniert-der-spezialkompost-eimer
[5] https://www.smarticular.net/bokashi-eimer-30-minuten-selber-bauen/
[6] https://www.smarticular.net/wurmkiste-selber-bauen-bauanleitung-fuer-die-wurmfarm-auf-dem-balkon/
[7] http://www.regenwuermer.info/wurmhumus/wurmtee.php