Der Hype um elektrische Zweiräder – Teil 2: E-Motorräder

In Teil 1 dieses Eintrages wurden ja bereits die allgemeinen Eckpunkte der zweirädrigen E-Mobilität abgesteckt. Daher steigen wir am besten gleich voll in’s Thema E-Motorräder ein.

Warum sollte man sich überhaupt ein E-Motorrad anstelle eines Verbrenners zulegen? Neben dem Umweltschutz-Gedanken (den man aufgrund der Akkus relativieren muss) sind die Erhaltungs-und Fahrtkosten deutlich geringer. Die Vorteile liegen für den Stadtverkehr mit Emissionsfreiheit und deutlich geringerer Lärmbelästigung auf der Hand. Wenn es um den Sound geht, ist man mit einem elektrischen Bike sicher schlecht beraten! Auch eine derzeit noch geringe Reichweite, v.a. bei höheren Geschwindigkeiten, sind ein Problem. Jedoch sind die Reichweiten von Benzinern oftmals auch nicht gerade sensationell.
Aufgrund des Akkus sind die Maschinen teils recht schwer.

E-Motorrad Modelle

Im Gegensatz zu den E-Rollern haben E-Motorräder (ähnlich wie die Verbrenner) ein etwas anderes Zielpublikum. Sie sind deutlich leistungsstärker und sportlicher, dafür aber auch um ein vielfaches teurer und auch schwerer. Die Gewichtung vom schnellen Von-A-nach-B-Kommen im städtischen Raum, bzw. auf Kurzstrecken verschiebt sich eher zugunsten des Spaßfaktors und des Freizeitbikes. Wie man gleich sehen wird, sind E-Motorräder in Sachen Reichweite nur teilweise den E-Rollern überlegen (auch je nachdem, ob E-Roller mit Zusatzakkus ausgestattet werden).

Die bisher mangelnde Reichweite ist ein Aspekt des nur in Spuren vorhandenen Marktanteils von E-Motorrädern. [1] Hier kommt zum Tragen, dass Motorräder eben auch gerne mal für längere Strecken genutzt werden und es den Fahrern um Freiheit und Individualität geht. Dies dürfte viele Biker abschrecken, zumal elektrische Lösungen nun einmal einen deutlich dezenteren Sound haben. Hier steht man vor dem Henne-Ei-Problem. Denn, wie man in den folgenden Absätzen sehen wird, auch wenn man ein E-Motorrad kaufen möchte: es gibt bis jetzt erst eine Handvoll Hersteller und diese liefern teilweise erst ab 2020 oder später aus. Von hohen Preisen und kaum vorhandenem Gebrauchtmarkt ganz zu schweigen. Der KTM-Chef Stefan Pierer sieht E-Motorräder (im Gegensatz zu E-Rollern in der Stadt) generell recht negativ, da er E-Fahrzeuge als reine Nutzfahrzeuge für Kurzstrecken sieht. Stromtrassen und Stromspeicher haben seiner Meinung nach eine zu hohe Verlustleistung. Ein weiterer Punkt für ihn ist, dass E-Motorräder nicht mehr mit weniger gefährlichen und leistungsintensiven Niedrigvoltkonzepten betrieben werden können. [2]
Doch nun werden wir einmal einen Blick auf den derzeitigen Markt. Tabelle 1 zeigt die Produktpalette des Herstellers Zero. [3]

Tabelle 1 – E-Motorräder im Vergleich Teil 1 – Quelle: [3]

Abbildung 1 zeigt die Zero DSR Black Forest. Diese wurde speziell für Touren und auch etwas unwegsameres Gelände konzipiert.

Abbildung 1 – Die Zero DSR Black Forest – Quelle: www.zeromotorcycles.com

Tabelle 2 zeigt weitere fünf Hersteller mit einigen, sehr unterschiedlichen Modellen.

Tabelle 2 – E-Motorräder im Vergleich Teil 2 – Quelle: [4][5][6][7][8]

Die folgenden fünf Abbildungen zeigen je ein Modell der Hersteller aus Tabelle 2.

Abbildung 2a – Die Energica EVA – Quelle: www.energicamotor.com
Abbildung 2b – Die Curtis Hades – Quelle: www.curtissmotorcycles.com
Abbildung 2c– Die Nito N4 – Quelle: www.autogazette.de
Abbildung 2d – Die Brutus V9 – Quelle: www.brutusmotorcycle.com
Abbildung 2e – Die Lightning LS-218 – Quelle: www.lightningmotorcycle.com

Des Weiteren gibt es (siehe nächster Absatz) zahlreiche Hersteller, welche kurz vor der Veröffentlichung ihres ersten Modelles sind. Der Markt für elektrische Fahrzeuge ist derzeit sehr dynamisch. In den nächsten Monaten und Jahren wird sich bestimmt auch weiterhin sehr viel auf diesem Segment tun. Ursprünglich sollte auch noch das Prestigeprojekt von Harley Davidson mit hinein. Jedoch wurde in dieser Woche die Produktion der „LiveWire“ gestoppt und die Auslieferung auf unbestimmte Zeit verschoben. [9]

Genaue Betrachtung des Angebots

Auch wenn das Angebot an Herstellern noch recht überschaubar ist gibt es schon einige interessante Produkte und Konzepte. Energica und Nito sind italienische Hersteller, die übrigen kommen aus den USA. So wird Italien, als einziges europäisches Land in dieser Liste vertreten, dem Ruf als Zweiradland gerecht. Man fragt sich, warum Auto-Nationen wie Deutschland oder Frankreich hier noch keinen Beitrag geleistet haben. Bei den E-Rollern gibt es ja aus Deutschland bereits einige Hersteller. Zumindest in Schweden werkelt man derzeit an der „Regent No.1“. [10] In den Niederlanden ist die NXT Rage in Planung, dieses Projekt wirkt jedoch noch recht vage. [11]
Auch asiatische Produkte sucht man eher vergebens. Honda möchte zwar wie KTM ein Motocross-Bike herausbringen. [12] Für den Straßenverkehr sehe ich hier allerdings nur begrenzt einen Mehrwert und gehe daher nicht näher darauf ein.

Den schwachen asiatischen Markt könnte man eventuell mit einer Verlagerung der asiatischen Motorentechnik auf die Brennstoffzelle erklären, die wohl eher aufgrund der Größe und Komplexität mindestens die Dimension Pkw benötigt.
Die beiden italienischen Hersteller Energica und Nito sowie Zero scheinen bereits eine bodenständige Linie gefunden zu haben. Damit sprechen sie, meiner Meinung nach, sowohl (dem E-Motor aufgeschlossene) „alte Biker“ als auch potenzielle neue Kunden an. Letztere dürften damit ihr ökologisches Gewissen im Zaum halten können und auch an den geringeren Erhaltungs- und Betriebskosten Gefallen finden.
Hersteller wie Brutus und Curtis wenden sich relativ deutlich an die Künstler, Kenner und Ästhetiker der Szene. Ihre Fahrzeuge sind für den Alltagsgebrauch eher zu schade bzw. kaum geeignet.
Lightning richtet sich derzeit nur auf den US-amerikanischen Markt aus. Für Europa bedeutet dies, dass es noch keine passende Möglichkeit zum Laden des Akkus gibt. Übrigens ist die Lightning LS-218 derzeit das schnellstes Motorrad der Welt mit Straßenzulassung. [13]
Teilweise war es sehr schwer bis nicht möglich technische Daten für die Fahrzeuge zu erhalten. Und dies gilt nicht nur für die Konzept-Fahrzeuge. Zu beachten ist, dass deswegen in Tabelle 2 auch im Vergleich zu Tabelle 1 einige Zeilen fehlen.

Die Kosten

Die Anschaffungskosten gehen hier sehr schnell empfindlich ins Geld. Gebrauchte Alternativen gibt es wenige. Falls man das Fahrzeug nicht für den Alltag benötigt, muss man es sich gut überlegen, ob es einem das wert ist – aber diese Entscheidung muss man sich ohnehin bei jedem Motorrad stellen, egal ob elektrisch oder Verbrenner.
Bei den Erhaltungs- und Fahrtkosten schaut es ähnlich günstig aus wie bei den E-Rollern.

Vor- und Nachteile der einzelnen Modelle

Da die vorgestellten Modelle und Marken sehr heterogen in Optik, Leistung, Preis und Zielpublikum sind, ist es sehr schwer diese vernünftig miteinander zu vergleichen. Wer keinen A-Führerschein besitzt, und diesen auch nicht unbedingt machen möchte, sollte sich die Zero DS 11KW, Zero S 11KW oder Zero FXS ZF7.2 11KW etwas genauer anschauen. Diese ist in D-A-CH unter gewissen Auflagen (siehe Teil 1) mit einem B-Führerschein erlaubt. Auch die Nito N4 fällt möglicherweise in diese Klasse. Hier muss erst der Release abgewartet werden. Für einigermaßen moderate Preise bekommt man bei Zero und Energica sehr brauchbare Modelle, die auch individuell konfiguriert werden können. Zusatzakkus bietet derzeit lediglich Zero an. Energica ist etwas teurer als Zero, dafür setzt man hier ganz klar auf mehr Leistung und eine höhere Spitzengeschwindigkeit. Somit wäre Zero eher alltagstauglich oder etwas für Touren und Energica eher etwas für die „sportlichen“ Fahrer.
Wer dem Geschwindigkeitsrausch unterliegen möchte sollte sich vielleicht die Lightning LS-218 etwas genauer anschauen! 😉
Die Modelle von Curtis, Nito und Brutus würde ich etwas außer Konkurrenz betrachten, da hier Preis und Alltagstauglichkeit bzw. mangelnde Datenverfügbarkeit und Produktionsfortschritt keinen sinnvollen Vergleich zulassen.

Vergleich E-Roller vs. E-Motorrad

Eigentlich sollte die Trennung zwischen Roller und Motorrad ganz klar und einfach sein. Sowohl Preis, Leistung, Spitzengeschwindigkeit und Nutzungszweck sprechen entweder für das Eine oder das Andere. Mit den 11 Kw Maschinen verschwimmt diese klare Grenze ein wenig. Diese sind zum einen erschwinglich, man kommt flott voran und man benötigt keinen eigenen A-Schein. Im Vergleich zur den 125ccm/11Kw Verbrennern ist bei den elektrischen Modellen eine recht hohe Spitzengeschwindigkeit drin.
Grundsätzlich wäre festzuhalten, dass das Motorrad für außerstädtische Fahrten klar durch die höhere Maximalgeschwindigkeit im Vorteil gegenüber dem Roller ist.
Für Berufspendler mit einer schlechten öffentlichen Anbindung und einer Tagesdistanz bis zu 150km sowie hohem Autobahn-/ Überland-Anteil der Fahrstrecke kann ein E-Motorrad eine günstige (abgesehen vom Anschaffungspreis) und einigermaßen umweltverträgliche Alternative zum Auto sein.
Wer sich tendenziell im städtischen Raum bewegt und sicher keine Langstrecken auf der Autobahn fahren wird kann sich mit einem kleinerem und wendigerem E-Roller sehr viel Geld sparen. Mit den vielen Optionen zur Reichweitenverlängerung haben die meisten E-Roller in Sachen Reichweite keinen Nachteil.
Vermutlich sollte man für die Präferenz Roller oder Motorrad die „religiöse Komponente“ nicht unterschätzen. In etwa wie: Die Drei ??? vs. TKKG oder Intel vs. AMD 😉

[1] https://www.welt.de/wirtschaft/webwelt/article192228237/Elektromotorraeder-Diese-Bikes-haben-schon-einen-E-Motor.html
[2] https://www.zeit.de/mobilitaet/2018-10/elektrische-motorraeder-elektromobilitaet-hype-verdienst-matorradbauer-ktm
[3] https://www.zeromotorcycles.com/de/
[4] https://www.energicamotor.com/de/
[5] https://www.curtissmotorcycles.com/
[6] https://www.nitobikes.it/de/
[7] http://brutusmotorcycle.com/brutusV9.html
[8] https://lightningmotorcycle.com/product/specifications/
[9] https://www.focus.de/auto/motorrad/probleme-mit-ladegeraet-harley-davidson-stoppt-produktion-und-auslieferung-des-ersten-elektromotorrads_id_11237103.html
[10] https://www.motorradonline.de/elektro/regent-no-1-elektromotorrad/
[11] https://www.heise.de/autos/artikel/NXT-Rage-Elektromotorrad-4319259.html?seite=2
[12] https://www.autobild.de/bilder/elektrische-motorraeder-so-cool-sind-e-bikes-5175993.html#bild24
[13] https://de.wikipedia.org/wiki/Lightning_LS-218

Der Hype um elektrische Zweiräder – Teil 1: E-Roller

Spätestens seit den Gesetzesnovellen der Straßenverkehrsordnung in Österreich und Deutschland werden E-Scooter und das Thema Mobilität an sich oft in einem Atemzug genannt. Argumente für die Scooter und dagegen gibt es zuhauf, ich kann oft beide Seiten der Medaille (nehmen wir der Einfachheit halber einmal an es sind nur zwei) gut nachvollziehen. Ich möchte mich im Folgenden jedoch ausdrücklich NICHT weiter zu den E-Scootern äußern. Zum einen haben diese Fortbewegungsmittel meiner Meinung nach medial deutlich über den eigenen Stellenwert hinaus Aufmerksamkeit bekommen. Zum Anderen denke ich, dass es andere Zweirad-Konzepte gibt, die altgediente Verkehrsmittel vollwertig ersetzen könnten und nicht, wie die E-Scooter, wie es so schön heißt, als „Letzte-Meile-Vehikel“ genutzt werden und vielleicht sogar eher noch das gesamte Verkehrsaufkommen erhöhen und den Menschen den letzten Rest Ambition nehmen sich als Fußgänger zu betätigen.

E-Roller und E-Motorrad mit B-Führerschein

Inzwischen gibt es bereits eine recht stattliche Auswahl an E-Rollern und E-Motorrädern, die es sich auf jeden Fall einmal lohnt genauer anzuschauen. Den E-Roller als Ersatz für die „Knatterbüchsen“ sollte man ohne weiteres nach dem gleichen Prinzip bzw. Geschwindigkeitsabstufungen wie bei den Verbrennern mit einem Moped-, Motorrad- oder Pkw-Führerschein fahren dürfen. [1]
Doch auch manche „echte“ E-Motorräder darf mit einem A1- (Verbrenner bis 125ccm und max. 11 Kw) oder B-Führerschein fahren. In Deutschland muss der B-Schein vor dem 01.04.1980 ausgestellt worden sein. Für die Schweiz muss ein 8-Stunden-Training absolviert werden und in Österreich muss man den Führerschein der Klasse B mindestens 5 Jahre lang besitzen und ein Praxistraining von 6 Stunden absolvieren. [2]
Übersteigt die Motorleistung 11 Kw kommt man um einen A2- bzw. „vollwertigen“ A-Führerschein nicht herum. [3]

E-Roller Modelle

Für etwas weitere Strecken innerhalb von Städten sind größere Roller ideal. Dabei sieht man neben den herkömmlichen Verbrennern immer öfter elektrische Pendants. Ich war erstaunt wie viele Hersteller ich bei der Recherche gefunden habe. Tabelle 1 und Tabelle 2 zeigen einige Marken, Modelle sowie deren technische Daten [4][5][6][7]:

Tabelle 1 – E-Roller im Vergleich Teil 1 – Quelle: [4][5]

Die folgenden Abbildungen zeigen je ein Modell der beiden Marken Unu und Kumpan

Abbildung 1 – Der Unu – Quelle: www.unumotors.comAbbildung 2 – Der Kumpan 1953 – Quelle: www.Kumpan-electric.com

Tabelle 2 – E-Roller im Vergleich Teil 2 – Quelle: [6][7]

Die folgenden Abbildungen zeigen je ein Modell der beiden Marken Mark E und SXT.

Abbildung 3 – Der Mark E Kito – Quelle: www.kito-roller.deAbbildung 4 – Der SXT SONIX – Quelle: www.sxt-scooters.de

Kritische Betrachtung der Konzepts

Aus dem Bauch heraus würde ich sagen, dass das Konzept des E-Rollers eine tolle Sache ist. Man hat die Vorteile eines leichten Zweirades mit Verbrennungsmotors noch um die Komponente einer sinnvollen Antriebstechnik für die Stadt ergänzt. Es werden keine Schadstoffe ausgestoßen, die Reichweite ist für Kurz- und Mittelstrecken mehr als ausreichend und die Lärmbelästigung sinkt von „massiv“ auf „fast nicht wahrnehmbar“. Dies ist allerdings auch die große Kehrseite der Medaille. Da man auf einem Zweirad bei Verkehrsunfällen immer sehr exponiert ist und auch von mehrspurigen Kraftfahrzeugen leicht übersehen wird, verliert man den Vorteil der großen Lautstärke eines Rollers mit Verbrennungsmotor im Sinne einer rechtzeitigen Wahrnehmung durch andere Verkehrsteilnehmer.
Der KTM Chef sieht im Bereich der niedrigvoltbetriebenen Fahrzeugen, wie den E-Rollern, ein großes Potenzial und die Firma will Produkte im Bereich der vergleichbaren 125-Kubikzentimeter-Klasse neue Modelle mit einer Reichweite bis zu 80 km vorstellen. [8]
E-Mobilität als Ganzes ist momentan ein Trend und es gilt hier sorgfältig zu beobachten, um die Spreu vom Weizen zu trennen. Viele Konzepte und Firmen erfahren erst bei einem Nachlassen des Booms die Feuerprobe, ob ihr Segment rentabel ist. Es gilt zu verhindern einen Haufen Elektroschrott zu produzieren, der – aus der Mode gekommen – niemanden mehr interessiert. Ähnlich zu den E-Tretrollern, die aktuell in der Kritik stehen eine sehr kurze Lebensdauer zu haben. [9]
Stellvertretend für dieses Problem sei der SXT Raptor V3 genannt. Er hat lediglich eine Akku-Lebensdauer von 500 Ladezyklen. Das ist noch steigerungsfähig. Gerade da die Akkumulatoren hinsichtlich der vielen benötigten Rohstoffe der größte Problemfaktor bei Elektroantrieben sind.

Die Kosten

Im Vergleich zu einem Verbrenner sind die Anschaffungskosten etwas höher. Wer gerne gebraucht kauft wird den E-Markt derzeit natürlich noch deutlich schlechter bestückt erleben. Die Energiekosten zum Betrieb sind deutlich niedriger. Auch die Erhaltungskosten sind dank geringerer Störanfälligkeit und entfallender Wartungsarbeiten wie z.B. Flüssigkeits- und Filterwechsel halten sich in Grenzen. Zudem können derzeit noch die vergünstigten steuerlichen Bedingungen für den Betrieb eines E-Fahrzeugs genutzt werden.

Vor- und Nachteile der einzelnen Modelle

Ich möchte hier keine Kaufempfehlung aussprechen, da eine gute Portion persönlicher Geschmack dabei wäre. Stattdessen sollen nun einige Knackpunkte der Modelle beleuchtet werden:

  • Unu überzeugt mit einer relativ langen angegeben Lebensdauer des Akkus und einem sehr geringen Leergewicht der Maschine.
  • Kumpan weist eine recht breite Palette vom besseren Tretroller bis hin zum „Fast-Motorrad“ auf. Dank großzügig erweiterbarer Akkus haben drei der vier Modelle von Kumpan die mit Abstand größte Reichweite aller hier verglichenen Roller. Das Spitzenmodell ist bis zu 100km/h schnell und kann somit auch für Tagespendler für Mittelstrecken interessant sein.
  • Mark E weist ähnliche Eigenschaften wie der Roller von Unu auf, ist jedoch variabler bezüglich Akkus. Dafür ist das Modell schwerer und etwas teurer, hat aber auch ein paar nette Extras.
  • SXT hat wiederum eine recht breite Palette. Der SXT Raptor V3 ist eher ein Spaßvehikel, das nicht recht praktisch ist. Es hat einen nicht entnehmbaren Akku mit kurzer Lebensdauer und zudem ist es – für das was es (nicht) kann – recht schwer und teuer. Die anderen Modelle sind schon deutlich interessanter. Sie wirken recht ähnlich zu jenen von Kumpan. Es gibt allerdings keine Möglichkeit die Akku-Kapazität aufzustocken. Der Preis je 100 km wird deutlich niedriger angesetzt als bei anderen vergleichbaren. Fraglich ist, ob sich dies in der Praxis bewahrheitet. Besonders ist hier das recht geringe Eigengewicht von Gekko V3 und Z3 bei gleichzeitiger hohem zulässigem Gesamtgewicht (auch SONIX). Die Preise sind spürbar niedriger als die jeweils vergleichbaren Konkurrenzprodukte.

Wie immer ist wichtig zu erwähnen, dass die Elektromobilität nur EIN Teil der Lösung für die Mobilität der Zukunft ist. Als Kernsegment für den städtischen Raum, als Nische für etwas längere Strecken oder auch als Spaßfahrzeuge für Zweirad-Liebhaber, die auf Lärm verzichten können, sind die elektrischen Roller eine interessante Alternative zu den Verbrennern. Es wirkt auf jeden Fall wie ein Schritt in die richtige Richtung, es bleibt zu hoffen, dass der Trend nicht im ohne größere Wirkung verpufft.

Die Analyse der E-Motorräder folgt demnächst…

[1] https://www.homeandsmart.de/ratgeber-e-scooter-elektroroller-faq
[2] https://www.zeromotorcycles.com/de/11kw
[3] https://www.tuev-nord.de/de/privatkunden/verkehr/fuehrerschein/fuehrerscheinklassen/klassen-a-a1-a2-und-am/
[4] https://unumotors.com/de/product
[5] https://www.kumpan-electric.com/de-de
[6] https://www.kito-roller.de/produkt/kito-2000-in-hellblau2019/
[7] https://www.sxt-scooters.de/
[8] https://www.zeit.de/mobilitaet/2018-10/elektrische-motorraeder-elektromobilitaet-hype-verdienst-matorradbauer-ktm
[9] https://vision-mobility.de/news/e-tretroller-zweifel-an-der-nachhaltigkeit-4428.html

Wie umweltfreundlich ist die Deutsche Bahn?

Eigentlich sollten diese Zeilen eine Ergänzung des Artikels über die Kosten des Autos werden. Ein Freund hat uns zwei Links zu Artikeln über die schlechte Umweltbilanz der Deutschen Bahn (DB) geschickt. Jetzt sind noch ein paar Artikel mehr dazu gekommen und das Thema noch etwas weitgreifender geworden.

Die Deutsche Bahn – gefangen im System

Böse Zungen mögen behaupten die Deutsche Bahn handelt seit der Privatisierung im Jahre 1994 nur noch profitorientiert. [1] An dieser Stelle möchte ich mich aber gar nicht allzu sehr einreihen in das „Bahn-Bashing“. Sicherlich sind das marode Flotten- und Schienennetz sowie die veralteten Konzernstrukturen in Kombination mit einem weit verzweigten, „unternehmerfreundlichen“ Netz an Tochtergesellschaften Teil eines großen Problemes der DB. [2] [3] [4]
Doch neben diesen unmittelbaren und hausgemachten Problemen gibt es noch eine Reihe anderer Faktoren, welche nur indirekt etwas oder gar nichts mit dem derzeitigen Erscheinungsbild der DB zu tun haben.
In Sachen Attraktivität bezüglich Preis, Komport und Reisedauer muss sich die Bahn nicht nur gegen die florierenden Fernbusunternehmen, sondern auch gegen den innerdeutschen und innereuropäischen Flugverkehr behaupten. Und im Flugverkehr findet meines Erachtens eine Wettbewerbsverzerrung statt, die ihresgleichen sucht. Allseits bekannt sein dürfte die, aus dem Jahre 1944 stammende, (als friedensstiftende und völkerverbindende Maßnahme gedachte) Maßnahme sein keine Kerosinsteuer einzuheben. [5] Auch anstatt die immer höheren Auslastungenen von Flughäfen zu besteuern werben Städte und Regionen Airlines gezielt mit einem Aussetzen der Flughafengebühren an, um Kapazitäten auszubauen und neue Flughäfen zu schaffen. Die Absicht ist ganz klar. Für eine Region bringt ein Flughafen gleich tausende neue Arbeitsplätze in vielen Branchen sowie viel Geld. Damit ist aber noch immer nicht genug. Auch der deutsche Staat hebt sich als Wohltäter hervor und verzichtet bei Auslandsflügen auf die Mehrwertsteuer. [6] Gegen dieses breite Netzwerk an Förderungen ist preislich kaum gegenan zu kommen.
Ein weiterer wesentlicher Faktor ist dabei die Tatsache, dass der Energiebedarf der DB im Vergleich zur Österreichischen Bundesbahn (ÖBB) mit einem deutlich niedrigeren Anteil an erneuerbaren Energien gedeckt wird. Die ÖBB erzeugt fast ihren gesamten Strombedarf selbst (siehe auch Kosten des Autos). Die DB bezieht auf den elektrifizierten Strecken ihren Strom zu einem Drittel ganz regulär aus dem deutschen Energienetz. Auf den Energie-Mix dieses Netzes hat die DB keinen direkten Einfluss. Die übrigen zwei Drittel werden zwar im eigenen Bahnstromnetz erzeugt, allerdings sind neben 13 Wasserkraftwerken auch vier Kohlekraftwerke und ein Atomkraftwerk an dieses Netz angeschlossen. [7] [8] Die Werbebotschaft, dass der gesamte Fernverkehr mit grünem Strom fährt ist letztendlich nur eine Zahlenspielerei und ein Werbegag (siehe Abbildung 1). [9]

Abbildung 1 – Bahnstrom-Mix der DB 2016 – Quelle: www.dw.com

Hier haben also die DB und die Bundesregierung langfristig einen Trend verschlafen rechtzeitig auf erneuerbare Energien zu setzen.

Die Deutsch Bahn als umweltfreundliches Verkehrsmittel?

Doch die DB versucht, verständlicherweise, dennoch ihre Umweltfreundlichkeit unter Beweis zu stellen. So werden für Fernreisen die Energiekosten pro Passagier auf 100 Kilometer mit einem Benzinäquivalent von 2,3 Litern angegeben. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) kommt mit eigenen Berechnungen auf einen Wert von 3,9 Litern. Mit einem vollbesetzten Auto fährt man da im Vergleich, sogar mit Einberechnung der Vorkette, sparsamer.
(Faustregel: Kraftstoffverbrauch eines Pkw inklusive Vorkette – 9 Liter auf 100 Kilomter im Fernverkehr; für den Optimalfall von vier bis fünf Insassen ergibt das Pro Kopf etwa 2 Liter) Wer nun denkt „da kann ich ja gleich mit dem Auto fahren“ hat sicherlich recht…und trifft genau den Kern des Problems: Die nicht vorhandene Vollauslastung (tatsächlich nur 43%) der Zug-Garnituren. Beide Werte von DB und FAZ sind gewissermaßen richtig. Das Problem dabei ist, dass die Bahn in der Regel einen fixen Fahrplan hat und (zumindest innerhalb des einjährig gültigen Fahrplans) nicht nach Bedarf fährt. Zudem hat die Bahn bei ihrer Berechnung weitere Faktoren nicht mit einbezogen:
– den Energieverbrauch zum Aufrecht erhalten der Infrastruktur; es wird ausschließlich mit dem Energiebedarf der Traktion gerechnet.
– die Vorkette der Energieerzeugung
– Umwege und Anfahrtswege der Bahnfahrer
– es wird nur aus Oberleitungen bezogene Energie berücksichtigt; zusätzliche Verkehrsleistungen beziehen die Energie fast nur aus Kohlekraftwerken
– Studie nur auf Fernverkehr bezogen; der Nahverkehr schneidet, auch aufgrund teilweiser fehlender Elektrifizierung, deutlich schlechter ab

Leise Zweifel gibt es auch an den Auslastungszahlen der DB. Einerseits im Vergleich vor und nach der Privatisierung und andererseits im Vergleich zu den sehr erfolgreichen Schweizerischen Bundesbahnen (SBB). Rechnet man mit den „ehrlichen“ Schweizer Auslastungszahlen, so verschlechtert sich der Wert der DB nochmals deutlich.
Und dann wären da noch die hohen Geschwindigkeiten, welche den Energieverbrauch deutlich erhöhen. Bei einer Gesellschaft, die immer mobiler wird und immer weitere Strecken in kürzerer Zeit zurücklegt, ist es schwierig die Erwartung an geringe Reisezeiten bei gleichzeitig geringem CO2-Ausstoß zu erfüllen. [10] [11]

Fazit

Unterm Strich bleibt in Deutschland der Fernbus mit einem durchschnittlichen Pro-Kopf-Verbrauch von 1,6 Litern Benzinäquivalent auf 100 Kilometer das deutlich umweltfreundlichere Verkehrsmittel. [10] [11]
Rechnet man für die DB und einen Pkw den Energiebedarf bei voller Auslastung kommt man für beide Verkehrsmittel immer noch auf etwa 2 Liter.
Und jetzt kommt wieder einmal das Henne-Ei-Problem. Wäre die Attraktivität (Preis, Zeit Verbindungen) der Bahn höher, würden dann mehr Menschen mit der Bahn fahren? Würden dann die Preise sinken und noch mehr Menschen mit der Bahn fahren? Und wird es dann leichter finanzierbar das Netz und die Garnituren instand zu halten? Das lässt sich nur vermuten. Wenn man nach Österreich auf die ÖBB und die Wiener Linien schaut, mag man vorsichtig optimistisch „ja“ sagen. Glaubt man allerdings dem Konzernchef der DB selbst, dann hat die DB schon längst ihr Leistungsmaximum erreicht und kann nicht sinnvoll mit großen Passagierzuwächsen umgehen. [4]
Akut als „Alltagstip“ ist das Fahren mit der Bahn anstatt dem Auto sicherlich sinnvoller, da der Zug laut Fahrplan sowieso fährt und die Autofahrt eine Zusatzbelastung ist. Langfristig wird sich die DB sicherlich komplett neu aufstellen müssen, um den Bedürfnissen der Menschen in der Zukunft gerecht zu werden und sich in Sachen Energieverbrauch deutlich von Pkw abzusetzen. Denn beim Pkw steht die Zeit nicht still…

[1] https://www.deutschlandfunk.de/erfolgreiche-weichenstellung-die-privatisierung-der-bahn.724.de.html?dram:article_id=437197
[2] https://www.zeit.de/2014/19/deutsche-bahn-schienennetz/seite-4
[3] https://www.handelsblatt.com/unternehmen/handel-konsumgueter/grossbaustelle-deutsche-bahn-marode-bahnhoefe-und-schienen/11394054-3.html?ticket=ST-3129047-MWLGHhc9QfYxh4CPejRQ-ap3
[4] https://www.welt.de/wirtschaft/article185642474/Deutsche-Bahn-vor-dem-Umbau-Die-Struktur-laehmt-den-Konzern.html
[5] https://www.beobachter.ch/umwelt/umweltpolitik/klimakiller-flugzeug-wieso-es-keine-kerosinsteuer-gibt#
[6] https://www.zeit.de/2018/33/flugverkehr-fliegen-flughafen-chaos-billigflieger-vielflieger/seite-4
[7] https://inside.bahn.de/bahnstromnetz/
[8] https://de.wikipedia.org/wiki/Bahnkraftwerk
[9] https://www.dw.com/de/wie-gr%C3%BCn-ist-die-deutsche-bahn-wirklich/a-41894678
[10] https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wirtschaftspolitik/klimaschutz-die-geschoente-klimabilanz-der-bahn-1492996.html
[11] https://www.faz.net/aktuell/wissen/klima/klimabilanz-der-bahn-noch-eine-unbequeme-wahrheit-1488587.html?printPagedArticle=true#pageIndex_0

Interessanter Fakt am Rande: „Im ICE werden vier Tonnen rollendes Material bewegt, um einen Fahrgast zu befördern.“ [9]