Das Auto

Eine Bestandsaufnahme der Umweltauswirkungen

Teil 1 – Der Platz

Auf Instagram gibt es von den „Ökofluencern“ Franzi (@franzischaedel), Janine (@die_wolkenguckerin ) Annemarie (@todayis_de) und @dearheima jeden Montag den  #bewegwasmontag. Dabei stellen sie jede Woche eine neue Frage zum nachhaltigen Leben. Mal gibt es Fragen für ein gutes Bauchgefühl („Was war bzw. ist das Schönste, was du auf deinem nachhaltigen Weg bisher erleben durftest?), aber manchmal eben auch Fragen, bei denen man der eigenen „Eco-Guilt“ ins Auge sehen muss. Letzte Woche also stellten sie folgende Frage in den Raum:

„Gibt es etwas, auf was du nicht verzichten kannst und wider besseren Wissens konsumierst / tust?“


„Mir ist sofort viel zu vieles eingefallen… Beim Heimgehen noch eine Packung Reis aus dem Supermarkt mitgenommen,  konventionelles Gemüse eingekauft, Besitz angehäuft und, my biggest shame: Auto gefahren.
Warum ist das für mich so schlimm? Ich weiß es nicht genau. Alle Punkte, die ich oben genannt habe, sind grundsätzlich vermeidbar, ebenso wie das Autofahren und trotzdem nimmt es für mich einen besonderen Stellenwert ein, weil die Probleme, die das Auto mit sich bringt, so vielfältig sind.“

Auf Instagram habe ich also schon letzte Woche beantwortet, doch pünktlich zum Aschermittwoch und dem viel beachteten Autofasten dachte ich mir, dass ich auf den Punkt Auto noch genauer eingehen will. Und zwar weniger auf die bekannten Probleme (CO2 und Luftverschmutzung), sondern auf ein paar Faktoren, die das Autofahren und –besitzen ebenfalls problematisch machen, aber weniger bekannt sind. Heute geht es mit dem wohl Offensichtlichsten los, nämlich…

Platz

Wer kennt diese Darstellung aus Münster nicht?!

Dieses Bild ging vor einigen Jahren um die Welt. Nicht umsonst, denn es zeigt ein gewaltiges Problem auf, das sich in den nächsten Jahren weiter verschärfen kann.

„2019 geht es in der Autobranche wieder bergauf“

titelte die Zeitung Die Welt Ende 2018 freudig. „Die Absatzzahlen in der Automobilindustrie steigen nach dem Dieselskandal wieder. Gerade die Zulieferer könnten von höheren Erwartungen profitieren, nicht zuletzt dank wieder besserer Perspektiven in China.“

Zugleich orakelte allerdings trend.at im Februar, dass „magere Zeiten […] auf die Hersteller zu[kämen]. In Europa lag das Plus bei 0,1 Prozent. In China brachen die Verkäufe gar um vier Prozent ein. Doch 2019 könnte es auch den US-Markt treffen. Frank Schwope, Autoanalyst der deutschen Nord/LB sieht magere Zeiten auf den Automarkt zukommen. In den USA rechnet er mit einem Rückgang der Verkaufszahlen von vier Prozent.“

Egal, ob es mehr oder weniger werden (hoffen wir auf weniger!), Autos verbrauchen enorm viel Platz! Und der Platz pro Auto, der verbraucht wird, der wird erwiesenermaßen immer mehr:

Die Universität Duisburg-Essen hat die Breite von Neuwagen untersucht, bzw.: deren Steigerung. Während 1990 die Durchschnittsbreite eines PKW bei 167,9 cm lag, waren es 2017 180,2 cm. Die Studienautoren rechnen zudem damit, dass es damit nicht zu Ende ist: 2015 sollen es sogar 183 cm sein. Übrigens wurden die Autos auch länger. Deutlich weniger als sie in die Breite wuchsen, doch immerhin um 7,4%. Die Zunahme dieser Größenordnung liegt sowohl an der Zunahme im Durchschnitt, wie auch an der steigenden Zahl der SUV’s und Vans.

Gilt der Golf dann eigentlich noch als Kleinwagen?! Quelle

Dieses Breitenwachstum hat nicht nur für den einzelnen Fahrer Nachteile: Parkplätze sind zu eng, die verengten Fahrspuren bei Baustellen werden zum Hindernis. Alles in allem: noch mehr Platz für ruhenden und fließenden Verkehr. (Bei ohnehin bereits jetzt massiver Flächenversiegelung!) Zu enge Parkplätze mögen jetzt nach Luxusproblem klingen, sind aber für Eltern mit Kindern, beeinträchtigte und alte Menschen ein gewaltiges Hindernis!

Dazu kommt:  Auto stehen nahezu den ganzen Tag. Gerade einmal 1 Stunde am Tag wird ein Privat-PKW im Durchschnitt bewegt. Heißt: das Auto steht 23 Stunden. Aber natürlich verbraucht es auch in der gefahrenen Stunde Platz, keine Frage. Und dieser Platz ist immens: In Österreich werden 2,5% des gesamten Landes als Verkehrsfläche genutzt – klingt recht wenig, ist aber fünfmal die Fläche Wiens! In Wien selbst werden übrigens 14,7% der Fläche für den Verkehr verbraucht.

So könnten Parkplätze nämlich auch aussehen… Quelle

Vor allem in der Stadt ist diese Fläche verhältnismäßig groß, zugleich auch der Nutzungsdruck darauf. Mehr Menschen wollen dieselbe Fläche nutzen. Für mich hat die Parkplatz-Frage immer mehr einen schalen Beigeschmack: Ist das gerecht?

Im Bachelor hatten wir für eine Lehrveranstaltung geplant, Parkplätze in der Wiener Innenstadt zu besetzen und als kurzzeitigen Minipark gestalten – ganze 5 Stück. 😉 Wir wollten testen, was passiert: ob die Freude von Passanten überwiegt oder der Autoverkehr seinen Grant an uns auslässt. Leider kam es dank nicht erfolgter Genehmigung dazu… Aber spätestens seit diesem Tag frage ich mich: Wieso ist es erlaubt, sich einen Teil der öffentlichen Stadtfläche für ein Auto (und einen lächerlich kleinen Beitrag) zu mieten, wenn ich das nicht darf, um mich auf diese Fläche zu setzen, legen oder mein Zeug dort abzustellen?

WEiterführende Links

Falls euch das Thema Auto und Platz weiter interessiert, schaut mal hier vorbei:

https://zurpolitik.com/2012/01/26/wie-viel-platz-brauchen-bus-auto-und-rad-in-der-stadt/

https://www.zukunft-mobilitaet.net/13615/strassenverkehr/parkraum-abloesebetrag-parkgebuehr-23-stunden/

https://www.vcoe.at/news/details/vcoe-verkehr-in-oesterreich-verbraucht-bereits-5-fache-flaeche-wiens

Klimatisch eindeutig

Gibt man bei Google den Begriff „Climate change“ ein, so bekommt man sage und schreibe 593.000.000 Ergebnisse, so ungefähr. Also knapp 600 Millionen. Wenn man auf Deutsch nach „Klimawandel“ sucht, sind es immer noch gut 13,5 Millionen Treffer. Das Thema ist omnipräsent, das Internet, die Zeitungen ist voll davon. Man könnte meinen, jeder weiß inzwischen, worum es geht. Vor allem, nachdem 2018 als wärmstes Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen (1768) in die Geschichte eingehen wird. In den Top 20 sind nahezu alle Jahre seit der Jahrtausendwende vertreten. Auf den Plätzen 1 -5 liegen 2018 (+1,8°C), 2014 (+1,7°C),  2015 (+1,4°C),  1994 bzw. 2016 (+1,2°C) und die Jahre 2016, 2002 und 2000 mit jeweils +1,0°C über dem langjährigen Mittel. [1]

Ja, jeder sollte wissen, worum es geht. Aber nein. Auf das heißeste Jahr der Messgeschichte folgte nämlich: ein Rekordwinter. Vor allem in Tirol (Seefeld, Kufstein und Hochfilzen) wurden bei der Neuschneesumme in den ersten beiden Jännerwochen die Langzeitrekorde gebrochen [2] und in den Bergen ist der Jänner 2019 im Mittel um 3,6°C kälter als das langjährige Mittel. [3]

https://www.zamg.ac.at/cms/de/klima/news/2018-mit-grosser-wahrscheinlichkeit-waermstes-jahr-der-messgeschichte

Wie nicht anders zu erwarten, ruft eine solche Anomalie, die gegen einen Trend auftritt, die Zweifler auf den Plan, allen voran den twitternden Präsident. „[climate change…] please come back, we need you!“ [4]

Die Frage, was trauriger ist, bleibt: Die Aussage an sich oder die vielen Likes?

Nun ist es bei manchen Menschen wenig verwunderlich, dass sie komplexe Zusammenhänge und Phänomene nicht verstehen können oder wollen, was mich aber grundsätzlich an der Diskussion – egal in welcher Sprache – stört, ist das systematische Verwechseln und Durcheinanderwerfen der Begriffe. Selbst Zeitungen und große „Öko-Blogs“ lachen zwar über Trump, weil er „Klima und Wetter“ nicht auseinander halten kann, zugleich verwechseln sie aber selbst Wetter und Witterung.

Damit Ihr ab jetzt auch jede Diskussion mit einer genauen Definition bereichern könnt,  gibt es heute eine kleine Übersicht über die Begriffe „Klima“, „Witterung“ und „Wetter“.

Klima

„Der Ausdruck Klima bezeichnet in seinem allgemeinen Sinne alle Veränderungen in der Atmosphäre, die unsere Organe merklich affizieren: die Temperatur, die Feuchtigkeit die Veränderung des barometrischen Druckes, den ruhigen Luftzustand oder die Wirkung ungleichnamiger Winde, die Größe der elektrostatischen Spannung, die Reinheit der Atmosphäre oder ihre Vermengung mit mehr oder minder schädlichen gasförmigen Exhalationen, endlich den Grad habitueller Durchsichtigkeit und Heiterkeit des Himmels, welcher nicht bloß wichtig ist für die vermehrte Wärmestrahlung des Bodens, die organische Entwicklung der Gewächse und die Reifung der Früchte, sondern auch für die Gefühle und die ganze Seelenstimmung des Menschen.“


A.v.Humboldt, 1745

Eine sehr lange, blumige und vor allem auf den Menschen zentrierte Erklärung, mit der allerdings der Grundstein für die moderne Klimatologie und Klimageographie gelegt wurde und die äußert umfassend wirkt. Tatsächlich fehlen darin aber einige Aspekte, die heute für die Abgrenzung von Wetter, Witterung und Klima wichtig sind. So spricht Humboldt zwar von den „Veränderungen der Atmosphäre“, doch damit kann jeder der drei Begriffe gemeint sein. Eine zeitliche oder auch räumliche Eingrenzung fehlt.

1883 versucht ein deutlich weniger bekannter Herr erneut, den Begriff Klima zu definieren. Julius von Hann begründet in Wien die moderne Meteorologie. Was für einen Unterschied die 130 Jahre zwischen den Erklärungen machen können:

„Unter Klima verstehen wir die Gesamtheit der meteorologischen Erscheinungen, die den mittleren Zustand der Atmosphäre an irgendeiner Stelle der Erdoberfläche kennzeichnen“.


J. v. Hann, 1883

Damit lässt sich schon eher was anfangen, nicht wahr? Hann setzt einen Zeitraum fest, wenn auch nur grob. Er spricht vom „mittleren Zustand der Atmosphäre“. Räumlich hapert es immer noch. „…an irgendeiner Stelle…“. Wie groß diese Stelle sein sollte, darauf geht er nicht ein.

Schauen wir doch noch einmal einige Jahre weiter: Auf der Website der World Meteorological Organisation (WMO) findet man folgendes:

„Climate in a narrow sense is usually defined as the „average weather,“ or more rigorously, as the statistical description in terms of the mean and variability of relevant quantities over a period of time ranging from months to thousands or millions of years. The classical period is 30 years, as defined by the World Meteorological Organization (WMO). These quantities are most often surface variables such as temperature, precipitation, and wind. Climate in a wider sense is the state, including a statistical description, of the climate system.”

WMO

30 Jahre, das ist also die Mindestzeitspanne, um von Klima sprechen zu können und die wichtigsten Faktoren sind Temperatur, Niederschlag und Wind.  Aber immer noch: keine räumliche Einordnung.

Im aktuellen Diskurs ist bei Klima eigentlich immer das globale Klima gemeint, der „global climate change“. Das weltweite und das österreichweite Klima sind aber logischerweise bei weitem nicht ident: weltweit etwa war 2016 mit +0,9°C das wärmste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen (Österreich: 2018, +1,8°C). 2018 liegt weltweit „erst“ auf Platz 4 (+0.77°C). [4] Die räumliche Definition ist also mehr oder weniger abhängig von der Fragestellung oder dem persönlichen Geschmack. Dennoch ist es natürlich sinnvoll, halbwegs vergleichbare Größen festzulegen und so unterscheidet man Mikro-, Meso- und Makroklima. Während das Mikroklima schon das Klima einer rund um einen Baum beschreiben kann, beginnt das Makroklima erst auf einer kontinentalen Skala. Das Mesoklima bewegt sich dazwischen, etwa wenn es um Stadtklimate geht. [5]

Klima auf einen Blick

Kurz und knapp heißt das also: Klima ist nur das, was in der Atmosphäre eines bestimmten Gebietes in mindestens 30 Jahren passiert.

Witterung und Wetter

Deutlich einfacher (und mit weniger Diskussionsbedarf der einzelnen Studienrichtungen) lassen sich Wetter und Witterung differenzieren. So schreibt die ZAMG: „Das Wetter spielt sich auf wesentlich kürzeren Zeitskalen als das Klima ab, von Stunden bis Wochen. Der über mehrere Tage bis zu einer Jahreszeit vorherrschende Wettercharakter wird auch Witterung genannt. “ [6]

„Wetter“ beschreibt den Augenblickszustand in der Atmosphäre an einem bestimmten Ort (etwa in einer Landschaft, einer Stadt…), wobei der Begriff Windböen oder ähnlich kurze Phänomene nicht erfasst: da spricht man von Mikroturbulenzen.

Der Übergang zwischen Wetter zur Witterung liegt in einem Zeitraum von mehreren Tagen und Monaten bis zu maximal einem Jahr.

Wetter und Witterung

Zusammenfassung

In Südtirol herrscht heute starker Schneefall. -> Wetter
Der Winter 2019 in den Alpen ist sehr kalt und schneereich. -> Witterung
Im Alpenraum sind die Durchschnittstemperaturen in den vergangenen 120 Jahren um knapp 2°C gestiegen. -> Klima [7]

 Quellen:
[1] https://www.zamg.ac.at/cms/de/klima/news/2018-mit-grosser-wahrscheinlichkeit-waermstes-jahr-der-messgeschichte
[2] https://www.zamg.ac.at/cms/de/klima/news/stellenweise-neuschneerekorde
[3] https://www.zamg.ac.at/cms/de/klima/news/auf-den-bergen-kaeltester-jaenner-seit-ueber-30-jahren
[4] https://www.ncdc.noaa.gov/sotc/global/2018
[5] Schönwiese, C.D.: Klimatologie. 2003.
[6] https://www.zamg.ac.at/cms/de/klima/informationsportal-klimawandel/klimaforschung/wetter-und-klima
[7] https://www.cipra.org/de/cipra/international/projekte/abgeschlossen/cc-alps/ueber-ccalps/klimawandel-alpen