Wie grün ist dein Tannenbaum?

Manche Probleme – oder deren Relevanz versteht man ja manchmal nicht. Mit zum Beispiel ging es mit den „lebenden“ Christbäumen so.

Bei meiner Familie gab es natürlich auch immer einen großen, ausladenden Christbaum, der eine Ecke des Wohnzimmers ausfüllte. Er stammte von der „Christbaum-Plantage“ (in Anfrührungszeichen, weil sie recht klein war 😉 ) meines Großvaters und wurde jedes Jahr am Tag vor Weihnachten ausgesucht. Wer aussuchte, war unterschiedlich, aber mein Papa hatte meist das letzte Wort – nur um dann zu Hause von den Daheimgeblieben gemaßregelt zu werden, dass der Baum zu schief, zu klein, zu hoch oder zu wenig buschig sei. Ernst gemeint war dieses Geflachse natürlich selten, aber ich erinnere mich dennoch daran, dass wir einmal Äste von unten nahmen und in den Stamm Löcher bohrten, wo diese dann befestigt wurden. Der Baum war wohl wirklich nicht buschig genug. 😉

Im Jänner wurde dieser Baum dann zerlegt und im Kamin verheizt, komplett genutzt quasi. Ich fand das nicht so schlimm, schließlich passiert mit „normalen“ Brennholz nichts anderes.

via canva.com

In Wien dann habe ich das erste Mal gesehen, was anderswo mit den Bäumen passiert. Da sammeln sich an jeder Straßenecke die Bäume. Und auch, wenn sie später im Tiergarten verfüttert oder als Brennstoff genutzt werden, die Mengen sind extrem. Allein in Wien werden rund 700 Tonnen Christbäume entsorgt. [1] In ganz Österreich fallen jedes Jahr 2,6 Millionen Bäume an. [2] Und leider ist es noch nicht einmal Standard, dass die Bäume abgeschmückt werden – die MA 48 muss extra darum bitten, Schmuck zu entfernen. Motto: „Ohne Lametta wäre netter!“ [1]

via http://dijaspora.tv/

Meiner Meinung nach sind auch Plastik-Tannen keine wirkliche Lösung, aus demselben Grund, der Plastik immer problematisch macht: Das Zeug ist einfach für immer. Auch wenn der Baum 10 Jahre genutzt wurde, bevor er kaputt geht – bis das Plastik abgebaut wird, vergehen Jahrhunderte – oder ein wertvoller Rohstoff wird einfach verbrannt. Außerdem: ich finde sie auch einfach nicht schön, ehrlich gesagt.

Flo und ich haben eine kleine (okay, sie ist winzig) Tanne am Balkon, die als Weihnachtsbaum herhalten muss, aber wenn man diesen Platz während des Jahres nicht hat, sind „Leihbäume“ eine tolle Lösung. Und damit zumindest die Wiener einen Überblick haben, folgt hier eine Liste der Baum-Verleihe in Wien.

Diese Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

via canva.com

Green Tree

Greentree ist der älteste Anbieter in Österreich und zugleich auch der Größte. Übrigens wird auch nach München geliefert. Will man den Baum behalten, ist das auch kein Problem,d er Preis bleibt gleich.

Lieferzeitraum: 02.12 – 23.12.2019

Abholzeitraum: 04.01 – 17.01.2019

Angebot:

  • West-Christmas Tree, 40 – 60 cm: 38 €
  • Nordmann-Tanne, 80 – 100 cm: 65 €
  • Nordmann-Tanne, 120 -140 cm: 78 €

Gartenbau Wilhelm

Gartenbau Wilhelm hat seinen Sitz in der Steiermark, liefert aber auch nach Wien. Auch eine Abholung vor Ort ist möglich. Auch hier ist es möglich den Baum zu behalten.

Lieferzeitraum: ab sofort – 23.12.2019

Abholzeitraum: 02.01 – 19.01.2019

Angebot:

  • LifeChristBaum, 80 – 100 cm: 49 €
  • LifeChristBaum , 120 – 140 cm: 59 €
  • LifeChristBaum , 150 -160 cm: 69 €

Christbaumkulturen Willibald Greßl

Bei Christbaumwelt kann man Bäume im Topf mieten, allerdings müssen sie vor Ort bei einem der Standorte abgeholt werden. Eine Reservierung bzw. eine Onlineanfrage sind notwendig.

Christbaum Pfeiffer

Bei Christbaum Pfeiffer in Eichgraben kann man sich seinen lebenden Christbaum sogar selber ausgraben, wenn man will. Man kann sich aber auch einfach einen ausgebuddelten an einem der Verkaufsplätze besorgen.

Angebot:

  • Tannen und Blaufichten bis 150 cm

Andere Anbieter

Unter weihnachtsbaum.at gibt es eine Suchmaschine, bei der es auch die Auswahl „Lebende Christbäume im Topf“ gibt. Die Liste gibt es hier.

Allerdings: ich konnte bei den meisten dieser Anbieter nicht verifizieren, ob es denn nun wirklich lebende Christbäume gibt, da sie keine Angaben dazu online haben. Ich freue mich sehr, wenn es weitere Ergänzungen gibt und ihr mir Bescheid sagt, wenn ihr irgendwo weitere Christbäume im Topf findet!

via canva.com

Eigentlcih wollte ich diesen Post schon veröffentlichen, bevor ich bei der kleinen Botin noch auf ein paar interessante Anmerkungen gestoßen bin, wonach auch die lebenden Christbäume nicht optimal sind: wegen der Pestizide, der Herbizide, der Importe… Die Liste ist, wie überall, wo es um Gewinnmaximierung geht, lang. Am Ende ist also wieder einmal die wirklich gute Lösung nicht vorhanden. Einen halbwegs guten Ansatz gibt die Christbaumschleife, die die Herkunft der Bäume verfolgbar macht.

Was man tun kann: nachfragen! Also, egal, ob ihr einen Baum mit oder ohne Topf kauft: fragt nach, woher er kommt, wie er aufgewachsen ist…


Viel Spaß beim Weihnachtsbaum suchen,
Maria

[1] https://www.wien.gv.at/umwelt/ma48/sauberestadt/christbaumsammlung/
[2] https://www.trend.at/leben/miet-christbaum-topf-6157106

Earth News – Kalenderwoche 47

Ergänzend zu den #earthnews auf Instagram möchte ich in Zukunft auch hier die Earth News mitnehmen – und vor allem weiterführende Infos bieten, die ein bisschen über die paar Zeichen hinausgehen, die in einem Instagrampost Platz haben.

N2O

N2O, bekannt als Lachgas, ist inzwischen das drittwirksamste Treibhausgas – vor allem emittieren wir deutlich mehr davon als bisher gedacht. Vor allem seit 2009 sind die Emissionen stark angestiegen. Zurückzuführen ist dieser Anstieg vor allem auf die zunehmende Nutzung von Stickstoff-Düngern und durch den immer höheren Viehbesatz.

Mehr Infos: https://www.sciencedaily.com/releases/2019/11/191118162932.htm

Via https://www.n2olevels.org/

Kosten der Klimakatastrophe

Bis 2050 könnte uns die Klimakatastrophe rund 7,9 Billionen Dollar kosten. Diese Zahl setzt sich zusammen aus Schäden an der Infrastruktur und durch zunehmende Dürren, Fluten und Ernteausfälle. Errechnet wurden diese Werte anhand der erwarteten Resilienz der 82 größten Ökonomien der Welt. Besonders die Länder des globalen Südens werden besonders stark betroffen sein.

Mehr Infos: https://www.eiu.com/n/global-economy-will-be-3-percent-smaller-by-2050-due-to-lack-of-climate-resilience/

via http://www.eiu.com

Production Gap

Geplante oder in Arbeit befindliche Gas-, Öl- und Kohleprojekte weltweit werden ca. 50% mehr Emissionen verursachen als verträglich wären, um die Erwärmung bei 1,5°C zu stoppen. Die sogenannte „Production Gap“ zeigt die Diskrepanz zwischen den Plänen zum Erreichen von Netto Null und den tatsächlich ausgestoßenen Treibhausgasen. Besonders China widersetzt sich den Bemühungen: seit Anfang 2018 wurden dort so viele Kohlekraftwerke in Betrieb genommen, dass allein deren Ausstoß die Reduktionen der übrigen Welt aufgewogen werden.

Weitere Infos:
https://phys.org/news/2019-11-china-coal-power-climate-pledge.html
https://phys.org/news/2019-11-fossil-fuel-output-swamps-paris.html

via The Guardian

Palmöl

Die schlechte Umweltbilanz von Palmöl beruht vor allem auf der Abholzung von Regenwäldern zum Anbau. Baut man allerdings auf verlassenen Weideflächen an, speichern die Palmölplantagen mindestens genauso viel CO2 wie die Weidefläche. Über zwei Anbauzyklen kann die CO2-Gesamtbilanz so neutral sein.

Mehr Infos: https://www.derstandard.at/story/2000111323036/palmoel-koennte-auch-co2-neutral-produziert-werden
https://phys.org/news/2019-11-grown-palm-oil-sustainable.html

Ölpest vor Brasilien

Noch immer wird Öl an die Küsten Brasiliens gespült, nachdem Anfang des Monats Öl ins Meer gelangt war. Der genaue Ursprung ist nicht bekannt, vermutet wird ein griechischer Öltanker als Verursacher der Ölpest. Offizielle Stellen gehen davon aus, dass rund 4.500 Tonnen Öl bereits von der Küste entfernt wurden. Weiter befürchtet man, dass dieses Öl gerade einmal 10% der Gesamtmenge ausmacht, welche ins Meer gelangt ist.

Mehr Infos:
https://phys.org/news/2019-11-oil-brazil-rio-state.html

Hirschferkel

In Vietnam wurde der Vietnam-Kantschil, ein kleiner Paarhufer, der seit 28 Jahren als ausgestorben gilt, wiederentdeckt. Die Hirschferkel sind nur so groß wie Katzen und leben in den tropischen Regenwäldern Afrikas und Asiens. Ein Aktionsplan zum Erhalt der Art wurde gestartet.

Mehr Infos:
https://www.derstandard.at/story/2000110973858/ausgestorben-geglaubtes-mini-huftier-wiederentdeckt

DIY: Zero Waste Adventskalender

Der Zero-Waste-Adventskalender-Swap ist in vollem Gange und die TeilnehmerInnen sind schon fix am basteln – schließlich gibt es hier eine „Deadline“. Aber ehrlich gesagt: in den vergangenen Jahren, wenn ich „nur“ für Flo oder meine Familie einen Kalender gebastelt habe, wurde der oft am 01.12 so gegen Mittag fertig – oder bestenfalls am Tag davor. Gerade so halt.

Sackerl aus alten Zeitungen basteln ist ganz einfach, gratis. Anleitungen gibt’s im Web zuhauf.

Damit ihr, falls ihr Euch mit dem Gedanken tragt, einen Adventskalender für jemanden zu basteln, nicht in die Verlegenheit kommt, erst kurz vor knapp fertig zu werden, kommt hier eine kleine Hilfestellung.

Die Verpackung

Papier

Ich persönlich bin ein großer Fan von kleinen Papiersackerln. Die lassen sich schnell aus Altpapier selber machen und man kann die Größe variieren. Ich nutze gerne alte Zeitungen dafür, besonders „Die Zeit“ und die „Süddeutsche Zeitung“ haben oft sehr schöne Bilder drin- aber auch reine Schriftseiten können sehr dekorativ sein. Bücher, die im Altpapier landen sollten (Sakrileg in meiner Welt, aber gut ;)), können hier auch noch einem zweiten Leben zugeführt werden. Ein toller Tipp auch von einer Leserin auf Instagram: altes Geschenkpapier sammeln! Immer wieder kommt man um diesen Müll halt nicht rum und dann macht es Sinn, ihm zumindest neues Leben einzuhauchen!

Auch alte Briefumschläge (oder selber gemachte aus Altpapier) sind eine tolle Verpackungsvariante, vor allem für Rezepte, Karten, Geschenkanhänger… Oder kleine Schächtelchen, ebenfalls aus Altpapier, lassen sich einfach falten.

Papiersackerl aus altem Zeitungspapier

Klopapierrollen sind ebenfalls ein praktischer „Nicht-Müll“. Als „Bonbon“ in Papier eingewickelt oder oben und unten eingedrückt sind sie eine optimale Verpackung für größere oder zerbrechliche Kleinigkeiten.

Stoff

Etwas aufwändiger in der Herstellung, dafür aber auch deutlich länger nutzbar sind kleine Stoffsackerl. Die Herstellung ist, mit etwas Näherfahrung, ganz einfach – aber auch Nähanfänger schaffen ein paar gerade Nähte normalerweise.

Beim Stoff solltet ihr darauf achten, Biostoffe zu nutzen, auch wenn diese ein bisschen teurer sind. Ich bin ein besonderer Freund der Westfalenstoffe, die in Deutschland produziert werden und wunderschöne, auch weihnachtliche Muster haben.

Eine Anleitung für einfache Stoffsackerl findet ihr zum Beispiel bei Hummelhonig

Walnüsse

Aus der Aufwandliste weit oben, dafür wunderschön anzuschauen: Walnüsse öffnen, ohne die Schalen kaputt zu machen, füllen, Faden rein, zukleben und eventuell anmalen.

Oder ihr kauft einen Walnuss-Kalender 😉

Die Füllung

Nachdem wir jetzt also eine Verpackung haben, kommt es zur Hauptsache: Was kommt eigentlich rein?

Ich verzichte hier übrigens bewusst auf eine Unterteilung in Kinder, Frau, Mann, Oma, Opa etc. So einen Kalender kann man wunderbar neutral und trotzdem persönlich machen, mit lauter tollen Sachen, die absolut jeder brauchen kann!

Essbares

  • Lebkuchen [Achtet bei den Rezepten für Kalender darauf, dass sie zumindest zwei Wochen auch haltbar sind. Bevorzugt am Anfang in die Päckchen stecken.]
  • Schokolade [Getestet und für ziemlich genial befunden]
  • Trinkschokolade [am besten in ein schönes Glas füllen]
  • Gewürze [toller Pfeffer, schöne, selbst gemachte Mischungen…]
  • Kräutersalz/ Gewürzsalz [ganz leicht selbstzumachen und schön anzuschauen]
  • Tee [selbst gesammelt oder lose gekauft und am besten in ein schönes Stoffsackerl verpackt]
  • Süßes aus dem Unverpacktladen

Nützliches

  • Bienenwachstücher [hier bestellen oder selber machen]
  • Seife [selber sieden optional, macht aber natürlich besonders viel her]
  • festes Shampoo
  • Kastanien- oder Efeu [getrocknet, Portion zum Ausprobieren als Waschmittel]
  • Salben und Cremes [auch hier: selbst gemacht ist besonders cool!]
  • Abschminkpads
  • Zahnputztabletten [nur ein paar zum Testen]
  • Briefumschläge aus Altpapier [vielleicht mit Ortsbezug aus Karten?]
  • Rezepte [du hast das perfekte vegane Vanillekipferl-Rezept? Her damit!]
  • Karten [passend zu den Umschlägen?]
    Saatgut [für Gärtner]
  • Samentütchen [auch für Gärtner]
Samentütchen selber machen und Saatgut rein – eine schnelle Idee für Gärtner

Schönes

  • Geschenkanhänger [die kann der /die Beschenkte dann gleich weiter benutzen]
  • Gedichte und Gedanken [muss ja nicht immer eine Sache sein]
  • ein Erlebnis [siehe oben. Und wenn es nur eine gemeinsame Tasse Tee ist]
  • Kerzen

Beispielbefüllungen

Für eine junge Frau, vegetarisch, low waste, gärtnert am Balkon

  1. Lebkuchen
  2. Selbst gezogene Bienenwachskerze
  3. Gedicht
  4. Briefset aus einem Umschlag und einer Karte
  5. Lebkuchen
  6. Selbst gesiedete Seife [Nikolaus]
  7. Zahnputztabletten
  8. Lebkuchen
  9. Saatgut
  10. Teeblume
  11. Geschenkanhänger
  12. Rezept für die Lebkuchen
  13. Kastanienwaschmittel
  14. Saatgut
  15. Teststück Haarseife
  16. Gewürz
  17. Efeuwaschmittel
  18. Trinkschokolade
  19. Briefset aus einem Umschlag und einer Karte
  20. Gedicht
  21. Samentütchen
  22. Gewürz
  23. Rezept
  24. Bienenwachstuch
In den letzten Jahren habe ich für Flo immer denselben, selbstgemachten Kalender befüllt.

Für einen Mann mittleren Alters, mag Sport und kocht gern vegan

  1. Gewürz
  2. Rezept [für das Gewürz vom Tag davor?]
  3. Selbst gemachte Schokolade
  4. Tee
  5. Lebkuchen
  6. Selbst gemachte Sportsalbe [Bienenwachs, Chilliöl] [Nikolaus]
  7. Gedicht
  8. Kastanienwaschmittel
  9. Lebkuchen
  10. Nussmischung [aus dem Unverpacktladen]
  11. Briefumschläge
  12. Rezept
  13. Gewürz
  14. Zahnputztabletten
  15. Tee
  16. Gedicht
  17. Trinkschokolade
  18. Gutschein für einen Glühwein am Christkindlmarkt
  19. Selbst gemachte Schokolade
  20. Briefumschläge
  21. Tee
  22. Rezept
  23. Gewürz
  24. Rasierseife
Eine wunderschöne Art, die Päckchen zu nummerieren, findet ihr bei Faun&Farn

Ein Kind zwischen 3 und 10 Jahren

  1. Lebkuchen
  2. Gemeinsamer Leseabend bei Kerzenlicht
  3. Kerze [zum gemeinsam Abbrennen]
  4. Selbst gemachte Schokolade
  5. Gedicht
  6. Ein kleines Büchlein [Pixie?] [Nikolaus]
  7. Lebkuchen
  8. Kressesamen
  9. Trinkschokolade
  10. Gemeinsames Kekse backen
  11. Lebkuchen
  12. Teststück Seife [bunt und gut riechend ;)]
  13. Gemeinsamer Christkindlmarktbesuch [Samstag]
  14. Zapfen sammeln und damit basteln [Sonntag]
  15. Gedicht
  16. Nussmischung [aus dem Unverpacktladen]
  17. Zahnputztabletten
  18. Selbst gemachte Schokolade
  19. Gemeinsamer Leseabend bei Kerzenlicht
  20. Bambuszahnbürste
  21. Rodeln oder Eislaufen gehen [Samstag]
  22. Winterspaziergang [Sonntag]
  23. Gedicht
  24. Jausenbeutel aus Wachstuch, Bienenwachstuch etc.

So, jetzt hab ich so viele Ideen da gelassen, dass mir selbst nichts mehr einfällt! 😉

Viel Spaß beim Basteln!

Der Hype um elektrische Zweiräder – Teil 2: E-Motorräder

In Teil 1 dieses Eintrages wurden ja bereits die allgemeinen Eckpunkte der zweirädrigen E-Mobilität abgesteckt. Daher steigen wir am besten gleich voll in’s Thema E-Motorräder ein.

Warum sollte man sich überhaupt ein E-Motorrad anstelle eines Verbrenners zulegen? Neben dem Umweltschutz-Gedanken (den man aufgrund der Akkus relativieren muss) sind die Erhaltungs-und Fahrtkosten deutlich geringer. Die Vorteile liegen für den Stadtverkehr mit Emissionsfreiheit und deutlich geringerer Lärmbelästigung auf der Hand. Wenn es um den Sound geht, ist man mit einem elektrischen Bike sicher schlecht beraten! Auch eine derzeit noch geringe Reichweite, v.a. bei höheren Geschwindigkeiten, sind ein Problem. Jedoch sind die Reichweiten von Benzinern oftmals auch nicht gerade sensationell.
Aufgrund des Akkus sind die Maschinen teils recht schwer.

E-Motorrad Modelle

Im Gegensatz zu den E-Rollern haben E-Motorräder (ähnlich wie die Verbrenner) ein etwas anderes Zielpublikum. Sie sind deutlich leistungsstärker und sportlicher, dafür aber auch um ein vielfaches teurer und auch schwerer. Die Gewichtung vom schnellen Von-A-nach-B-Kommen im städtischen Raum, bzw. auf Kurzstrecken verschiebt sich eher zugunsten des Spaßfaktors und des Freizeitbikes. Wie man gleich sehen wird, sind E-Motorräder in Sachen Reichweite nur teilweise den E-Rollern überlegen (auch je nachdem, ob E-Roller mit Zusatzakkus ausgestattet werden).

Die bisher mangelnde Reichweite ist ein Aspekt des nur in Spuren vorhandenen Marktanteils von E-Motorrädern. [1] Hier kommt zum Tragen, dass Motorräder eben auch gerne mal für längere Strecken genutzt werden und es den Fahrern um Freiheit und Individualität geht. Dies dürfte viele Biker abschrecken, zumal elektrische Lösungen nun einmal einen deutlich dezenteren Sound haben. Hier steht man vor dem Henne-Ei-Problem. Denn, wie man in den folgenden Absätzen sehen wird, auch wenn man ein E-Motorrad kaufen möchte: es gibt bis jetzt erst eine Handvoll Hersteller und diese liefern teilweise erst ab 2020 oder später aus. Von hohen Preisen und kaum vorhandenem Gebrauchtmarkt ganz zu schweigen. Der KTM-Chef Stefan Pierer sieht E-Motorräder (im Gegensatz zu E-Rollern in der Stadt) generell recht negativ, da er E-Fahrzeuge als reine Nutzfahrzeuge für Kurzstrecken sieht. Stromtrassen und Stromspeicher haben seiner Meinung nach eine zu hohe Verlustleistung. Ein weiterer Punkt für ihn ist, dass E-Motorräder nicht mehr mit weniger gefährlichen und leistungsintensiven Niedrigvoltkonzepten betrieben werden können. [2]
Doch nun werden wir einmal einen Blick auf den derzeitigen Markt. Tabelle 1 zeigt die Produktpalette des Herstellers Zero. [3]

Tabelle 1 – E-Motorräder im Vergleich Teil 1 – Quelle: [3]

Abbildung 1 zeigt die Zero DSR Black Forest. Diese wurde speziell für Touren und auch etwas unwegsameres Gelände konzipiert.

Abbildung 1 – Die Zero DSR Black Forest – Quelle: www.zeromotorcycles.com

Tabelle 2 zeigt weitere fünf Hersteller mit einigen, sehr unterschiedlichen Modellen.

Tabelle 2 – E-Motorräder im Vergleich Teil 2 – Quelle: [4][5][6][7][8]

Die folgenden fünf Abbildungen zeigen je ein Modell der Hersteller aus Tabelle 2.

Abbildung 2a – Die Energica EVA – Quelle: www.energicamotor.com
Abbildung 2b – Die Curtis Hades – Quelle: www.curtissmotorcycles.com
Abbildung 2c– Die Nito N4 – Quelle: www.autogazette.de
Abbildung 2d – Die Brutus V9 – Quelle: www.brutusmotorcycle.com
Abbildung 2e – Die Lightning LS-218 – Quelle: www.lightningmotorcycle.com

Des Weiteren gibt es (siehe nächster Absatz) zahlreiche Hersteller, welche kurz vor der Veröffentlichung ihres ersten Modelles sind. Der Markt für elektrische Fahrzeuge ist derzeit sehr dynamisch. In den nächsten Monaten und Jahren wird sich bestimmt auch weiterhin sehr viel auf diesem Segment tun. Ursprünglich sollte auch noch das Prestigeprojekt von Harley Davidson mit hinein. Jedoch wurde in dieser Woche die Produktion der „LiveWire“ gestoppt und die Auslieferung auf unbestimmte Zeit verschoben. [9]

Genaue Betrachtung des Angebots

Auch wenn das Angebot an Herstellern noch recht überschaubar ist gibt es schon einige interessante Produkte und Konzepte. Energica und Nito sind italienische Hersteller, die übrigen kommen aus den USA. So wird Italien, als einziges europäisches Land in dieser Liste vertreten, dem Ruf als Zweiradland gerecht. Man fragt sich, warum Auto-Nationen wie Deutschland oder Frankreich hier noch keinen Beitrag geleistet haben. Bei den E-Rollern gibt es ja aus Deutschland bereits einige Hersteller. Zumindest in Schweden werkelt man derzeit an der „Regent No.1“. [10] In den Niederlanden ist die NXT Rage in Planung, dieses Projekt wirkt jedoch noch recht vage. [11]
Auch asiatische Produkte sucht man eher vergebens. Honda möchte zwar wie KTM ein Motocross-Bike herausbringen. [12] Für den Straßenverkehr sehe ich hier allerdings nur begrenzt einen Mehrwert und gehe daher nicht näher darauf ein.

Den schwachen asiatischen Markt könnte man eventuell mit einer Verlagerung der asiatischen Motorentechnik auf die Brennstoffzelle erklären, die wohl eher aufgrund der Größe und Komplexität mindestens die Dimension Pkw benötigt.
Die beiden italienischen Hersteller Energica und Nito sowie Zero scheinen bereits eine bodenständige Linie gefunden zu haben. Damit sprechen sie, meiner Meinung nach, sowohl (dem E-Motor aufgeschlossene) „alte Biker“ als auch potenzielle neue Kunden an. Letztere dürften damit ihr ökologisches Gewissen im Zaum halten können und auch an den geringeren Erhaltungs- und Betriebskosten Gefallen finden.
Hersteller wie Brutus und Curtis wenden sich relativ deutlich an die Künstler, Kenner und Ästhetiker der Szene. Ihre Fahrzeuge sind für den Alltagsgebrauch eher zu schade bzw. kaum geeignet.
Lightning richtet sich derzeit nur auf den US-amerikanischen Markt aus. Für Europa bedeutet dies, dass es noch keine passende Möglichkeit zum Laden des Akkus gibt. Übrigens ist die Lightning LS-218 derzeit das schnellstes Motorrad der Welt mit Straßenzulassung. [13]
Teilweise war es sehr schwer bis nicht möglich technische Daten für die Fahrzeuge zu erhalten. Und dies gilt nicht nur für die Konzept-Fahrzeuge. Zu beachten ist, dass deswegen in Tabelle 2 auch im Vergleich zu Tabelle 1 einige Zeilen fehlen.

Die Kosten

Die Anschaffungskosten gehen hier sehr schnell empfindlich ins Geld. Gebrauchte Alternativen gibt es wenige. Falls man das Fahrzeug nicht für den Alltag benötigt, muss man es sich gut überlegen, ob es einem das wert ist – aber diese Entscheidung muss man sich ohnehin bei jedem Motorrad stellen, egal ob elektrisch oder Verbrenner.
Bei den Erhaltungs- und Fahrtkosten schaut es ähnlich günstig aus wie bei den E-Rollern.

Vor- und Nachteile der einzelnen Modelle

Da die vorgestellten Modelle und Marken sehr heterogen in Optik, Leistung, Preis und Zielpublikum sind, ist es sehr schwer diese vernünftig miteinander zu vergleichen. Wer keinen A-Führerschein besitzt, und diesen auch nicht unbedingt machen möchte, sollte sich die Zero DS 11KW, Zero S 11KW oder Zero FXS ZF7.2 11KW etwas genauer anschauen. Diese ist in D-A-CH unter gewissen Auflagen (siehe Teil 1) mit einem B-Führerschein erlaubt. Auch die Nito N4 fällt möglicherweise in diese Klasse. Hier muss erst der Release abgewartet werden. Für einigermaßen moderate Preise bekommt man bei Zero und Energica sehr brauchbare Modelle, die auch individuell konfiguriert werden können. Zusatzakkus bietet derzeit lediglich Zero an. Energica ist etwas teurer als Zero, dafür setzt man hier ganz klar auf mehr Leistung und eine höhere Spitzengeschwindigkeit. Somit wäre Zero eher alltagstauglich oder etwas für Touren und Energica eher etwas für die „sportlichen“ Fahrer.
Wer dem Geschwindigkeitsrausch unterliegen möchte sollte sich vielleicht die Lightning LS-218 etwas genauer anschauen! 😉
Die Modelle von Curtis, Nito und Brutus würde ich etwas außer Konkurrenz betrachten, da hier Preis und Alltagstauglichkeit bzw. mangelnde Datenverfügbarkeit und Produktionsfortschritt keinen sinnvollen Vergleich zulassen.

Vergleich E-Roller vs. E-Motorrad

Eigentlich sollte die Trennung zwischen Roller und Motorrad ganz klar und einfach sein. Sowohl Preis, Leistung, Spitzengeschwindigkeit und Nutzungszweck sprechen entweder für das Eine oder das Andere. Mit den 11 Kw Maschinen verschwimmt diese klare Grenze ein wenig. Diese sind zum einen erschwinglich, man kommt flott voran und man benötigt keinen eigenen A-Schein. Im Vergleich zur den 125ccm/11Kw Verbrennern ist bei den elektrischen Modellen eine recht hohe Spitzengeschwindigkeit drin.
Grundsätzlich wäre festzuhalten, dass das Motorrad für außerstädtische Fahrten klar durch die höhere Maximalgeschwindigkeit im Vorteil gegenüber dem Roller ist.
Für Berufspendler mit einer schlechten öffentlichen Anbindung und einer Tagesdistanz bis zu 150km sowie hohem Autobahn-/ Überland-Anteil der Fahrstrecke kann ein E-Motorrad eine günstige (abgesehen vom Anschaffungspreis) und einigermaßen umweltverträgliche Alternative zum Auto sein.
Wer sich tendenziell im städtischen Raum bewegt und sicher keine Langstrecken auf der Autobahn fahren wird kann sich mit einem kleinerem und wendigerem E-Roller sehr viel Geld sparen. Mit den vielen Optionen zur Reichweitenverlängerung haben die meisten E-Roller in Sachen Reichweite keinen Nachteil.
Vermutlich sollte man für die Präferenz Roller oder Motorrad die „religiöse Komponente“ nicht unterschätzen. In etwa wie: Die Drei ??? vs. TKKG oder Intel vs. AMD 😉

[1] https://www.welt.de/wirtschaft/webwelt/article192228237/Elektromotorraeder-Diese-Bikes-haben-schon-einen-E-Motor.html
[2] https://www.zeit.de/mobilitaet/2018-10/elektrische-motorraeder-elektromobilitaet-hype-verdienst-matorradbauer-ktm
[3] https://www.zeromotorcycles.com/de/
[4] https://www.energicamotor.com/de/
[5] https://www.curtissmotorcycles.com/
[6] https://www.nitobikes.it/de/
[7] http://brutusmotorcycle.com/brutusV9.html
[8] https://lightningmotorcycle.com/product/specifications/
[9] https://www.focus.de/auto/motorrad/probleme-mit-ladegeraet-harley-davidson-stoppt-produktion-und-auslieferung-des-ersten-elektromotorrads_id_11237103.html
[10] https://www.motorradonline.de/elektro/regent-no-1-elektromotorrad/
[11] https://www.heise.de/autos/artikel/NXT-Rage-Elektromotorrad-4319259.html?seite=2
[12] https://www.autobild.de/bilder/elektrische-motorraeder-so-cool-sind-e-bikes-5175993.html#bild24
[13] https://de.wikipedia.org/wiki/Lightning_LS-218

Risiko, Resilienz und Gefahr

Den IPCC Sonderbericht „1,5 °C GLOBALE ERWÄRMUNG“ verstehen, Teil 1: Von Gefahr und Gefährdung.

Habt ihr schon einmal einen Blick in einen der IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change) Berichte geworfen? Ehrlich gesagt: ich hatte zwar immer mal wieder ein bisschen durchgescrollt, aber wirklich systematisch durchgearbeitet habe ich keines der Paper. Bis vor kurzem. Da fiel mir der Sonderbericht „1,5°C Globale Erwärmung“ in die Hände, bzw. dessen Zusammenfassung für politische Entscheidungsträger.

Zusammenfassung klang nach kurz und schnell die wichtigsten Fakten. Und genau das ist es auch. Trotzdem- für den Laien, der nicht (wie politische Entscheidungsträger) eine ganze Horde Berater hinter sich sitzen hat – ist auch dieser Bericht nicht ganz ohne…

Damit ihr Euch die Arbeit der Recherche nicht auch noch machen müsst, kommt hier in der nächsten Zeit ein kleine Reihe zu Themen, die im Sonderbericht besprochen werden.

Ein Begriff, der sich durch alle Diskussionen zum Thema Klimawandel zieht, ist der des Risikos. Und so ist es auch nicht verwunderlich, das sich bereits der dritte Punkt des Berichtes diesem Thema widmet. So heißt es da:

Die klimabedingten Risiken für natürliche und menschliche Systeme sind bei einer globalen Erwärmung um 1,5°C höher als heute, aber geringer als bei 2 °C […]. Diese Risiken hängen von Ausmaß und Geschwindigkeit der Erwärmung, geografischer Lage, Entwicklungsstand und Vulnerabilität sowie der Wahl und Umsetzung von Anpassungs- und Minderungsmöglichkeiten ab […].

IPCC, Sonderbericht 1,5 °C GLOBALE ERWÄRMUNG. Zusammenfassung für politische Entscheidungsträger. A.3

Sehr oft wird der Begriff „Risiko“ uneinheitlich genutzt, daneben auch vermischt mit „Gefahr“, „Verletztlichkeit“ und/ oder „Vulnerabilität“. Alle diese Begriffe sind wichtig, wenn es um eine Einschätzung von Naturgefahren (und auch Gefahren für die Natur) geht, aber so ganz gleichbedeutend sind sie halt doch nicht…

Versuch einer Definition

Gefahr und Risiko

Gefahr: Möglichkeit, dass jemandem etwas zustößt, dass ein Schaden eintritt; drohendes Unheil

Duden

Selbst im allwissenden Duden wird „Risiko“ als Synonym zur Gefahr verwendet. Auch anderswo wird Gefahr mit dem Begriff des Risikos definiert.

Gefahr ist ein Zustand oder Ereignis, bei dem ein nicht akzeptables Risiko vorliegt und somit die Wahrscheinlichkeit eines Schadenseintritts besteht. D. h., das Risiko einen Arbeitsunfall zu erleiden ist größer als das in den Arbeitsschutzvorschriften bestimmte Grenzrisiko.“

Quell: BFGA

Anhand eines Beispieles lassen sich Gefahr und Risiko aber ganz einfach abgrenzen.

Zwei Häuser stehen im Überflutungsbereich eines Flusses. Das eine ist ein Hotelkomplex, in dem sich gerade 200 Menschen aufhalten, das andere ist eine alte, baufällige Hütte mit 2 Bewohnern. Das Wasser steigt, eine Überflutung droht. Nun ist die Gefahr, dass das Hochwasser die jeweilige Behausung trifft, bei beiden Gebäuden die Gleiche. Nicht aber das Risiko: obwohl sich im Hotel mehr Menschen befinden und der finanzielle Schaden am Hotel höher ist, so ist das Risiko für die baufällige Hütte, welche keine fest gefügten Mauern hat, deutlich höher. Die Menschen in der Hütte sind also einem höheren Risiko ausgesetzt geschädigt zu werden als die Menschen im Hotel.

Interessant ist auch, wann man von Risiko spricht. Denn grundsätzlich „ist“ ein Hochwasser einfach – genauso wie jede Lawine, jeder Hitzesommer, etc. Erst der Mensch bewertet diese Ereignisse oder Naturgefahren als Gefahr und misst ihnen ein Risiko zu. Dieses Risiko entsteht dadurch, dass das von der Gefahr betroffene Gebiet vom Menschen genutzt wird. Ein Beispiel: Die Gefahr eines Hochwassers wird also erst dann zum Risiko, wenn natürliche Überflutungsflächen bebaut und vom Menschen genutzt werden.

„Ansonsten bleibt eine Naturgefahr eine latente Bedrohung und somit ein externer Faktor, während das Risiko auch einen potenziellen Schaden benötigt. Das Risiko ist also die Konkretisierung einer Gefahr in Abhängigkeit von ihrer Eintrittswahrscheinlichkeit und den potenziellen Auswirkungen. Risiko kann beschrieben werden durch die genaue, quantitative Messung der Realisation der Gefahr und deren negativen Auswirkungen. Der Grad der negativen Auswirkung ist von der Empfindlichkeit des geschädigten Objektes gegenüber dieser Gefahr und von der Intensität des schadensverursachenden Prozesses abhängig.“

Quelle: Waldwissen.net

So weit, so gut. Die Gefahr ist also einfach da, das Risiko entsteht durch den Menschen, der sich der Gefahr aussetzt – und sich so verletzlich macht. Und damit wären wir beim dritten Begriff: der Vulnerabilität.

Vulnerabiliät

„Das Maß, zu dem ein System gegenüber nachteiligen Auswirkungen der Klimaänderung, einschließlich Klimavariabilität und Extremwerte, anfällig ist und nicht damit umgehen kann.“

Quelle: Umweltbundesamt

Dazu muss man sagen: der Begriff der Vulnerabilität kommt aus der Geographie und wird daher in einem viel weiteren Kontext als nur dem Klimawandel genutzt – hier aber dennoch die spezifische Klima-Definition.

Wie also ist die Vulnerabilität zu verstehen? Bleiben wir beim Hotel-Hütten-Beispiel. Wo denkt ihr, ist die Vulnerabilität höher? Hütte oder Hotel? Und jetzt wird es schwierig und kommt stark auf den Blickwinkel an.

Sieht man vor allem die gefährdeten Menschenleben, so ist sicherlich die Hütte verletzlicher. Ökonomisch gesehen aber hat der Hotelbesitzer mehr zu verlieren, also ist seine Vulnerabilität höher. Stark verknappt und etwas flapsig: wer nichts hat, hat außer seinem Leben auch nichts zu verlieren.

Hier greift dann noch der letzte wichtige Begriff auf: die Resilienz:

Resilienz

„In Zusammenhang mit dem Klimawandel wird der Begriff im Wesentlichen als Robustheit oder Widerstandskraft verstanden, die es ermöglicht, trotz äußerer Einflüsse zentrale Funktionen des Systems aufrechtzuerhalten.

Generell kann Resilienz als eine Art Puffer angesehen werden, der es Individuen oder Systemen ermöglicht, ein Ereignis bewältigen zu können, ohne alle Ressourcen verbrauchen zu müssen bzw. ausreichende Optionen zu besitzen, um nach dem Ereignis den Ausgangszustand wiederherzustellen.“

Quelle: Climate Service Center

Unser Hotelbesitzer ist wahrscheinlich gut versichert, er wird finanzielle Hilfe erfahren und kann damit eventuelle Schäden gut abfangen – seine Resilienz ist hoch. Anders die Bewohner der Hütte: ihre Resilienz, ohne Versicherung und ohne finanzielle Reserve, ist niedrig. Sie werden also wahrscheinlich ihren „(Wohn)Zustand“ ändern müssen.

Wichtig ist auch, dass nicht jeder Mensch, auch unabhängig von seinen Finanzen, gleich resilient ist. Kinder und alte Menschen sind stärker gefährdet. Frauen sind stärker gefährdet als Männer. Menschen im globalen Süden sind stärker gefährdet als Menschen im globalen Norden. Arme sind stärker gefährdet als Reiche. Menschen religiöser und politischer Minderheiten sind stärker gefährdet.

Die Gefahr, die Klimakrise, ist für die ganze Welt die gleiche. Das Risiko und auch die Vulnerabilität gegenüber der Klimakrise ist –ökonomisch – im globalen Norden höher, das Risiko für Leib und Leben ist im globalen Süden höher. Die Resilienz ist im globalen Norden deutlich höher: hier konzentriert sich das Kapital und damit die Möglichkeit, sich anzupassen. Oder, wie es der IPCC zusammenfasst:

„Die Exposition gegenüber vielfachen und zusammen wirkenden klimabezogenen Risiken nimmt von 1,5 °C auf 2 °C globale Erwärmung zu, wobei in Afrika und Asien größere Bevölkerungsanteile entsprechend exponiert und armutsgefährdet sind (hohes Vertrauen). Bei einer globalen Erwärmung von 1,5 °C bis 2 °C könnten sich die Risiken in den Sektoren Energie, Ernährung und Wasser räumlich und zeitlich überschneiden, wodurch bereits bestehende Gefährdungen, Expositionen und Verwundbarkeiten verschärft und neue entstehen würden, die eine zunehmende Zahl an Menschen und Regionen betreffen könnten.“

IPCC, Sonderbericht 1,5 °C GLOBALE ERWÄRMUNG. Zusammenfassung für politische Entscheidungsträger. B5.6

http://www.staedtestatistik.de/fileadmin/vdst/Muenchen2010/Vortraege/M0612_VDSt_Vollmer_.pdf

Der Hype um elektrische Zweiräder – Teil 1: E-Roller

Spätestens seit den Gesetzesnovellen der Straßenverkehrsordnung in Österreich und Deutschland werden E-Scooter und das Thema Mobilität an sich oft in einem Atemzug genannt. Argumente für die Scooter und dagegen gibt es zuhauf, ich kann oft beide Seiten der Medaille (nehmen wir der Einfachheit halber einmal an es sind nur zwei) gut nachvollziehen. Ich möchte mich im Folgenden jedoch ausdrücklich NICHT weiter zu den E-Scootern äußern. Zum einen haben diese Fortbewegungsmittel meiner Meinung nach medial deutlich über den eigenen Stellenwert hinaus Aufmerksamkeit bekommen. Zum Anderen denke ich, dass es andere Zweirad-Konzepte gibt, die altgediente Verkehrsmittel vollwertig ersetzen könnten und nicht, wie die E-Scooter, wie es so schön heißt, als „Letzte-Meile-Vehikel“ genutzt werden und vielleicht sogar eher noch das gesamte Verkehrsaufkommen erhöhen und den Menschen den letzten Rest Ambition nehmen sich als Fußgänger zu betätigen.

E-Roller und E-Motorrad mit B-Führerschein

Inzwischen gibt es bereits eine recht stattliche Auswahl an E-Rollern und E-Motorrädern, die es sich auf jeden Fall einmal lohnt genauer anzuschauen. Den E-Roller als Ersatz für die „Knatterbüchsen“ sollte man ohne weiteres nach dem gleichen Prinzip bzw. Geschwindigkeitsabstufungen wie bei den Verbrennern mit einem Moped-, Motorrad- oder Pkw-Führerschein fahren dürfen. [1]
Doch auch manche „echte“ E-Motorräder darf mit einem A1- (Verbrenner bis 125ccm und max. 11 Kw) oder B-Führerschein fahren. In Deutschland muss der B-Schein vor dem 01.04.1980 ausgestellt worden sein. Für die Schweiz muss ein 8-Stunden-Training absolviert werden und in Österreich muss man den Führerschein der Klasse B mindestens 5 Jahre lang besitzen und ein Praxistraining von 6 Stunden absolvieren. [2]
Übersteigt die Motorleistung 11 Kw kommt man um einen A2- bzw. „vollwertigen“ A-Führerschein nicht herum. [3]

E-Roller Modelle

Für etwas weitere Strecken innerhalb von Städten sind größere Roller ideal. Dabei sieht man neben den herkömmlichen Verbrennern immer öfter elektrische Pendants. Ich war erstaunt wie viele Hersteller ich bei der Recherche gefunden habe. Tabelle 1 und Tabelle 2 zeigen einige Marken, Modelle sowie deren technische Daten [4][5][6][7]:

Tabelle 1 – E-Roller im Vergleich Teil 1 – Quelle: [4][5]

Die folgenden Abbildungen zeigen je ein Modell der beiden Marken Unu und Kumpan

Abbildung 1 – Der Unu – Quelle: www.unumotors.comAbbildung 2 – Der Kumpan 1953 – Quelle: www.Kumpan-electric.com

Tabelle 2 – E-Roller im Vergleich Teil 2 – Quelle: [6][7]

Die folgenden Abbildungen zeigen je ein Modell der beiden Marken Mark E und SXT.

Abbildung 3 – Der Mark E Kito – Quelle: www.kito-roller.deAbbildung 4 – Der SXT SONIX – Quelle: www.sxt-scooters.de

Kritische Betrachtung der Konzepts

Aus dem Bauch heraus würde ich sagen, dass das Konzept des E-Rollers eine tolle Sache ist. Man hat die Vorteile eines leichten Zweirades mit Verbrennungsmotors noch um die Komponente einer sinnvollen Antriebstechnik für die Stadt ergänzt. Es werden keine Schadstoffe ausgestoßen, die Reichweite ist für Kurz- und Mittelstrecken mehr als ausreichend und die Lärmbelästigung sinkt von „massiv“ auf „fast nicht wahrnehmbar“. Dies ist allerdings auch die große Kehrseite der Medaille. Da man auf einem Zweirad bei Verkehrsunfällen immer sehr exponiert ist und auch von mehrspurigen Kraftfahrzeugen leicht übersehen wird, verliert man den Vorteil der großen Lautstärke eines Rollers mit Verbrennungsmotor im Sinne einer rechtzeitigen Wahrnehmung durch andere Verkehrsteilnehmer.
Der KTM Chef sieht im Bereich der niedrigvoltbetriebenen Fahrzeugen, wie den E-Rollern, ein großes Potenzial und die Firma will Produkte im Bereich der vergleichbaren 125-Kubikzentimeter-Klasse neue Modelle mit einer Reichweite bis zu 80 km vorstellen. [8]
E-Mobilität als Ganzes ist momentan ein Trend und es gilt hier sorgfältig zu beobachten, um die Spreu vom Weizen zu trennen. Viele Konzepte und Firmen erfahren erst bei einem Nachlassen des Booms die Feuerprobe, ob ihr Segment rentabel ist. Es gilt zu verhindern einen Haufen Elektroschrott zu produzieren, der – aus der Mode gekommen – niemanden mehr interessiert. Ähnlich zu den E-Tretrollern, die aktuell in der Kritik stehen eine sehr kurze Lebensdauer zu haben. [9]
Stellvertretend für dieses Problem sei der SXT Raptor V3 genannt. Er hat lediglich eine Akku-Lebensdauer von 500 Ladezyklen. Das ist noch steigerungsfähig. Gerade da die Akkumulatoren hinsichtlich der vielen benötigten Rohstoffe der größte Problemfaktor bei Elektroantrieben sind.

Die Kosten

Im Vergleich zu einem Verbrenner sind die Anschaffungskosten etwas höher. Wer gerne gebraucht kauft wird den E-Markt derzeit natürlich noch deutlich schlechter bestückt erleben. Die Energiekosten zum Betrieb sind deutlich niedriger. Auch die Erhaltungskosten sind dank geringerer Störanfälligkeit und entfallender Wartungsarbeiten wie z.B. Flüssigkeits- und Filterwechsel halten sich in Grenzen. Zudem können derzeit noch die vergünstigten steuerlichen Bedingungen für den Betrieb eines E-Fahrzeugs genutzt werden.

Vor- und Nachteile der einzelnen Modelle

Ich möchte hier keine Kaufempfehlung aussprechen, da eine gute Portion persönlicher Geschmack dabei wäre. Stattdessen sollen nun einige Knackpunkte der Modelle beleuchtet werden:

  • Unu überzeugt mit einer relativ langen angegeben Lebensdauer des Akkus und einem sehr geringen Leergewicht der Maschine.
  • Kumpan weist eine recht breite Palette vom besseren Tretroller bis hin zum „Fast-Motorrad“ auf. Dank großzügig erweiterbarer Akkus haben drei der vier Modelle von Kumpan die mit Abstand größte Reichweite aller hier verglichenen Roller. Das Spitzenmodell ist bis zu 100km/h schnell und kann somit auch für Tagespendler für Mittelstrecken interessant sein.
  • Mark E weist ähnliche Eigenschaften wie der Roller von Unu auf, ist jedoch variabler bezüglich Akkus. Dafür ist das Modell schwerer und etwas teurer, hat aber auch ein paar nette Extras.
  • SXT hat wiederum eine recht breite Palette. Der SXT Raptor V3 ist eher ein Spaßvehikel, das nicht recht praktisch ist. Es hat einen nicht entnehmbaren Akku mit kurzer Lebensdauer und zudem ist es – für das was es (nicht) kann – recht schwer und teuer. Die anderen Modelle sind schon deutlich interessanter. Sie wirken recht ähnlich zu jenen von Kumpan. Es gibt allerdings keine Möglichkeit die Akku-Kapazität aufzustocken. Der Preis je 100 km wird deutlich niedriger angesetzt als bei anderen vergleichbaren. Fraglich ist, ob sich dies in der Praxis bewahrheitet. Besonders ist hier das recht geringe Eigengewicht von Gekko V3 und Z3 bei gleichzeitiger hohem zulässigem Gesamtgewicht (auch SONIX). Die Preise sind spürbar niedriger als die jeweils vergleichbaren Konkurrenzprodukte.

Wie immer ist wichtig zu erwähnen, dass die Elektromobilität nur EIN Teil der Lösung für die Mobilität der Zukunft ist. Als Kernsegment für den städtischen Raum, als Nische für etwas längere Strecken oder auch als Spaßfahrzeuge für Zweirad-Liebhaber, die auf Lärm verzichten können, sind die elektrischen Roller eine interessante Alternative zu den Verbrennern. Es wirkt auf jeden Fall wie ein Schritt in die richtige Richtung, es bleibt zu hoffen, dass der Trend nicht im ohne größere Wirkung verpufft.

Die Analyse der E-Motorräder folgt demnächst…

[1] https://www.homeandsmart.de/ratgeber-e-scooter-elektroroller-faq
[2] https://www.zeromotorcycles.com/de/11kw
[3] https://www.tuev-nord.de/de/privatkunden/verkehr/fuehrerschein/fuehrerscheinklassen/klassen-a-a1-a2-und-am/
[4] https://unumotors.com/de/product
[5] https://www.kumpan-electric.com/de-de
[6] https://www.kito-roller.de/produkt/kito-2000-in-hellblau2019/
[7] https://www.sxt-scooters.de/
[8] https://www.zeit.de/mobilitaet/2018-10/elektrische-motorraeder-elektromobilitaet-hype-verdienst-matorradbauer-ktm
[9] https://vision-mobility.de/news/e-tretroller-zweifel-an-der-nachhaltigkeit-4428.html

Anthropozän – Zeitalter der Hühner

Archaikum, Paläozoikum, Silur – den geologischen Äonen und Epochen haftet eine gewisse Faszination an, wenn man ihre Namen hört. Zeitalter der Dinos, „Snowball Earth“,  Vulkanlandschaften…

Was auch immer die Erde bereits gesehen und erlebt hat, die Menschen haben es nachträglich in einem System geordnet, den Ären und Perioden Merkmale zugeschrieben und die Veränderungen der klimatischen Bedingungen versucht zu erklären.

Quelle: vice.com

Die Abgrenzung der geologischen Zeitalter war oft Anlass für Diskussionen, doch selten war die Einführung einer neuen Grenze so umstritten wie die des Anthropozäns. Denn bisher konnte man entspannt als Beobachter zurückblicken, über Schichten von Vulkanasche und deren chemische Zusammensetzung vortrefflich streiten – doch heute ist man „live dabei“.

Was ist ein geologisches Zeitalter und wer bestimmt darüber?

Die geologische Zeitskala unterteilt die Erdgeschichte in verschiedene Phasen/ Zeitabschnitte, welche ja nach Alter mehr oder weniger fein untergliedert werden können. Während das Präkambrium, das rund 4000 Jahrmillionen umfasst, in gerade mal 15 Systeme (die kleinste Einheit) unterteilt wird, sind es in den vergangenen 541 Millionen Jahren 12 Systeme. Die Festlegung dieser Skalen geschieht durch die ICS, die „International Comission on Stratygraphy“, welche zur International Union of Geological Sciences gehört. [1]

Erdzeitalter – so ungefähr zumindest. Quelle: npr.org

Welche Voraussetzung muss eine geologische Zeit erfüllen?

Im besten Fall existiert ein weltweiter Zeiger, welcher sich in Sedimentschichten nachweisen lässt. Diese Zeiger können sowohl biostratographisch (Fossilienvorkommen), klimatisch (Klimaumschwünge) oder auch magnetostratisch (Magnetismus in den Gesteinen) sein. Die meisten der bekannten Abgrenzungen beruhen dabei auf dem Auftreten von Fossilien, die Untergrenze des Auftretens ist damit die Grenze der geologischen Zeit. Hilfreich ist es auch, wenn mehrere Zeiger oder Marker zusammenfallen und so eine eindeutige Abgrenzung erleichtern. Wird ein Ort gefunden, an dem diese Schicht deutlich sichtbar ist, wird dort der sogenannte „Goldene Nagel“ oder „Golden Spike“ eingeschlagen. In Österreich ist am Kuhjoch, Karwendel, Tirol ein solcher GSSP (Global Stratotype Section and Point) zu finden, der das Hettangium vor 201,3 Millionen Jahren begrenzt. Dort ist das erste Auftreten einer Ammoniten- und einer Foraminiferenart zu erkennen.  [2, 3,4]

Der „Goldene Nagel“ am Kuhjoch in Tirol. Quelle: diepresse.com

Woher weiß man überhaupt, wie alt die Schichten sind?

Es gibt einige Methoden zur Altersbestimmung von Gesteinen, auch wenn deren Genauigkeit oft mit zunehmendem Alter der Schichten abnimmt. Besonders häufig werden hierbei Methoden genutzt, welche das Verhältnis verschiedener Isotope zueinander vergleichen. Wurde das Alter durch die Radiokarbonmethoden bestimmt, so ist das Jahr 0 immer auf das Jahr 1950 (before present) zu beziehen. In diesem Jahr wurde das natürliche Verhältnis der Kohlenstoffisotope in der Atmosphäre durch Atomwaffentests verändert. [5]

Wie grenzt man das Anthropozän ab?

Die Diskussion um das Anthropozän begann in größerem Rahmen in Jahr 2000, als Paul Crutzen den Begriff in einem Paper nutzte. Seine Begründung für die Ausrufung einer neuen geologischen Zeit: der Mensch sei ein geologischer Faktor geworden. Der Einfluss des Menschen war also signifikant genug, um das Holozän, die stabilste Klimaphase der letzten 400.000 Jahre, zu beenden. 2008 schaffte es der Vorschlag vor die „Geological Society of London“, welche dieser These durchaus zustimmte.  Und 2019 wurde beschlossen, eine neue Epoche auszurufen. 2021 soll es soweit sein und ein Ort für den „Goldenen Nagel“ gefunden werden.

Nur: wann beginnt ein Zeitalter des Menschen?

Zwei Zeitpunkte kommen als Referenz in Frage: 1800 und 1950. 1800, das ist das Jahr, in dem die Industrialisierung beginnt, das Jahr, seitdem der Methan- und der CO2-Gehalt der Atmosphäre steigt, das Jahr, ab dem man einen grundsätzlichen Temperaturanstieg erkennen kann.  [5]

Das Anthropozän in Comicform. Quelle: univie.ac.at

1950 dagegen ist das Jahr, ab dem man von der „Great Acceleration“ spricht, der rapiden Beschleunigung sehr vieler Prozesse, die durch den Menschen in Gang gesetzt wurden.

Diese Prozesse können sowohl sozioökonomische als auch Erdsystem-Trends sein: so nahm seit 1950 die Weltbevölkerung explosionsartig zu, ebenso die städtische Bevölkerung, das BIP, der Düngereinsatz, die Nutzung von Primärenergie… Zugleich steigen seitdem Methan, Lachgas, CO2 in der Atmosphäre, der Flächenverbrauch steigt ebenso, das Artensterben nimmt drastisch zu. All diese Faktoren beruhen dabei auf menschlichem Handeln. [6] Heute sind gerade einmal 13% der Ozeane noch unberührt. [7] Nicht zuletzt wurden in dieser Zeit die ersten Atomwaffentests durchgeführt, welche durch Radionukleide ebenfalls Spuren hinterließen.

Einzelne Gruppierungen fordern auch einen Beginn des Anthropozäns vor etwa 3000 bp (before present), als der Mensch erstmals deutlich als Umweltfaktor aktiv wird.

Das Anthropozän in Comicform. Quelle: univie.ac.at

Am Ende entschied man sich für den 16.Juli.1945, den Tag, an dem die erste Atombombe gezündet wurde.

Und was ist jetzt mit den Hühnern?

Oft sind Fossilien die Marker, die das Ende einer geologischen Zeit abgrenzen. Abgesehen von den vielen, vielen Fakten, die zur Definition des Anthropozäns herangezogen werden können, gibt es eine Ablagerung, die die Menschheit als Fossilien in großen Mengen hinterlassen wird: Hühnerknochen. Wir erinnern uns: biostratigraphische Ablagerungen in Form von Fossilien müssen weltweit eindeutig sein  – diese Voraussetzung erfüllen die Knochen von Masthähnchen.

Von Dinos und … Hühnern. Quelle: dailymail.co.uk

Auch der Anstieg der Biomasse der Nutztiere, allen voran der Hühner, fällt in die Zeit der „Great Acceleration“. Ende 2018 schätze man die Gesamtpopulation auf 22,8 Milliarden Tiere. Kein anderes Lebewesen vegetiert in solcher Menge auf diesem Planeten  – und wird so oft geschlachtet: rund 60 Milliarden sind es jährlich. Dabei fällt eine unfassbare Menge an Fleisch – und Knochen – an. Diese Knochen werden meist im Restmüll entsorgt und landen so auf den Müllkippen weltweit, wo sie, zusammen mit Dosen, Plastikflaschen und Alufolie ein beeindruckendes und beklemmendes Abbild unserer Zeit, des Zeitalters der Menschen, bilden.

PS: Sehr zu empfehlen, wenn auch etwas länger, ist die Quelle 5!

[1] https://science.apa.at/dossier/Das_Anthropozaen_-_ein_geologisches_Zeitalter/SCI_20180528_SCI79015083442464176
[2] https://de.wikipedia.org/wiki/Anthropoz%C3%A4n
[3] https://www.geolsoc.org.uk/Education-and-Careers/Ask-a-Geologist/Nomenclature/How-are-Geological-Periods-Determined
[4] https://www.geologie.ac.at/fileadmin/user_upload/dokumente/pdf/pressespiegel/20160516_falter_heureka_letzte_zeitalter_menschheit.pdf
[5] https://www.geog.uni-heidelberg.de/md/chemgeo/geog/human/gebhardt_anthropozan.pdf
[6] http://www.bpb.de/gesellschaft/umwelt/anthropozaen/256738/animationen-erdsystemtrends
[7] https://www.energieleben.at/nur-noch-13-prozent-der-ozeane-sind-unberuehrt/
[8] https://royalsocietypublishing.org/lookup/doi/10.1098/rsos.180325

Chicken Leg by Creative Mahira from the Noun Project